Agribusiness in Deutschland

Agribusiness in Deutschland setzt mehr als 210 Mrd. EUR um

Gesättigte Binnenmärkte, Sanktionen gegen Russland, wegbrechende Auslandsmärkte, starke Preisrückgänge, Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung — die Stimmung im deutsche Agribusiness ist und bleibt trüb.

Wer behauptet das alles?

Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie „Konjunkturbarometer Agribusiness in Deutschland 2017“.

Es handelt sich hierbei um eine Gemeinschaftsstudie von Ernst & Young (Prüfungs- und Beratungsgesellschaft) in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft. Als Grundlage wurden die Datenreihen des ifo Instituts herangezogen.

Die Ernährungsindustrie mit 170 Mrd. EUR, die größte Teilbranche des Agribusiness

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ernährungsindustrie steht außer Frage.

In 2015 lag der Umsatz der Ernährungsindustrie bei 168,6 Mrd. EUR. Die Preiserholung für Agrarprodukte und der Aufschwung im Außenhandel führten zu einem leichten Umsatzplus auf rund 170 Mrd. EUR.

Was zählt denn alles zur Ernährungsindustrie?

  • Fleischwirtschaft
  • Fischverarbeitung
  • Milchverarbeitung
  • Obst- und Gemüseverarbeitung
  • Futtermittelindustrie
  • Getränkeindustrie
  • Hersteller von Back- und Teigwaren, Stärke und Stärkeerzeugnisse
  • Mahl- und Schalmühlen
  • Hersteller von pflanzlichen und tierischen Ölen und Fetten
  • Hersteller von sonstigen Nahrungsmittel

Die umsatzstärkste Branche ist der Sektor für Schlachten und Fleischverarbeitung mit einem Anteil von 23,5% an dem Gesamtumsatz der Ernährungsindustrie.

Der Umsatz lag in 2015 bei 39,7 Mrd. EUR. Für das Jahr 2016 wird mit einem Umsatz von rund 40,4 Mrd. EUR gerechnet (ein Plus von 1,8%). Der Hauptgrund für den Zuwachs liegt in dem Anstieg der Preise für Schlachtschweine.

Weitere Zahlen im Überblick:

  • 1.370 fleischverarbeitende Betriebe
  • 110.000 Beschäftigte
  • 10,9 Mrd. EUR Exportumsatz => Hauptabnehmer sind EU-Mitgliedstaaten

Auf dem zweiten Platz befindet sich die Milchverarbeitung mit einem Umsatzanteil an der Ernährungsindustrie von 14,6% und einem Umsatz von 24,4 Mrd. EUR.

Die Schätzungen für das Jahr 2016 lauten wie folgt:

  • 209 milchverarbeitende Unternehmen
  • 40.000 Beschäftigte
  • verarbeiten die Milch von über 70.000 Milcherzeugern
  • 7,8 Mrd. EUR Exportumsatz => Hauptabnehmer sind EU-Mitgliedstaaten

Platz drei geht an die Getränkeindustrie mit einem Anteil von 11,9%, gefolgt von den Herstellern von Back- und Teigwaren auf Platz vier mit 11,5% Umsatzanteil an der Ernährungsindustrie. Der kleinste Sektor ist die Fischverarbeitung mit einem Umsatzanteil von 1,3% und einem Umsatz von 2,19 Mrd. EUR.

Landtechnikbranche: Kommt die langersehnte Erholung nach der Umsatzflaute der letzten Jahre?

Nach dem Allzeithoch in 2013, als weltweit ein Umsatz von 103 Mrd. EUR erzielt wurde (laut VDMA), folgte die Abwärtsspirale. Die deutschen Hersteller von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen erreichten in 2013 einen Umsatz von 8,39 Mrd. EUR.

Seitdem kannte die Landtechnikbranche im In- und Ausland nur einen Trend: nach unten…

Und wie sieht es mit den Exporten aus?

Der politisch verursachte Handelsstreit zwischen der EU und Russland und die darausfolgenden Saktionen haben beiden Parteien eher geschadet als geholfen.

Seit dem Handelsembargo haben die deutschen Landtechnikexporte nach Russland um mehr als 53,4% abgenommen. Ob die alten Exportspitzenwerte je wieder erreicht werden? Daran zweifeln heute die meisten. Einige Hersteller wie z.B. Claas haben auf das Embargo mit Investitionen in lokale Produktionsstätten reagiert.

Hauptabnehmer für die deutsche Landtechnikindustrie bleibt weiterhin die EU — hierbei sind Frankreich, das Vereinigte Königreich und Polen die Top 3 Abnahmeländer.

Nach der EU folgt der NAFTA-Raum mit den USA als dominierende Exportregion.

Die vier weltweit agierenden Unternehmen Deere & Company (USA), AGC0 (USA), CNH Industrial (Niederlande) und Claas (Deutschland) vereinen rund 40% des globalen Landtechnikumsatzes auf sich.

Inwieweit die krisenhafte Stimmung in der Landtechnikindustrie durch den Brexit und die protektionistischen Tendenzen der neuen US-Regierung noch weiter verschärft wird, ist momentan unklar. Unternehmen reagieren mit Einstellungsstopps und rechnen auch in 2017 mit einem weiteren wirtschaftlich schwierigen Jahr für die Landtechnikindustrie.

Wo geht die Reise im Agribusiness hin?

Zum Verständnis…

Das Agribusiness belegt mit einem Umsatz von 219 Mrd. EUR und einem Anteil von 12,3% (2015) den dritten Platz innerhalb des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland (1,79 Billionen EUR). Damit ist das Agribusiness nach dem Fahrzeug- (Kfz-Hersteller, 407,2 Mrd. EUR) und Maschinenbau (235,6 Mrd. EUR), die drittgrößte Branche in Deutschland.

Mit anderen Worten:

Wenn das Agribusiness „hustet“, dann hustet das gesamte verarbeitende Gewerbe in Deutschland. Eine Tatsache, die man nicht so einfach unter den Tisch kehren kann.

Was heisst das jetzt übersetzt?

Die Entwicklungen und Trends im Agribusiness sollten weiterhin ganz fest im Auge behalten werden.

Zu diesen Entwicklungen zählen unter anderem:

  • Landflucht
  • Überalterung
  • Starker Rückgang der Agrarpreise, Preisverfall in der Milch- und Fleischwirtschaft
  • Voranschreitende Konsolidierung des Lebensmitteleinzelhandels (z.B. Edeka übernimmt Kaiser’s Tengelmann) und damit einhergehend die fortlaufende Verschlechterung der Verhandlungsposition der Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie
  • Zunehmender Gegenwind aus der Politik
  • Zunehmende Akzeptanzverlust in der Bevölkerung (z.B. durch Änderung des Konsumverhaltens – fleischärmere Ernährungsstile
  • Vogelgrippe und die negativen Auswirkungen dieser

Was können wir dagegen tun?

Der Begriff „hidden champions“ hält auch in unserer Branche Einzug. Der Hersteller Horsch ist sicherlich einer davon.

Es handelt sich hierbei um inhabergeführte, mittelständische Unternehmen die durch Technologie- und Innovationsführerschaft bei gleichzeitig hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, den Weltmarkt erobern.

Ein weiteres positives Signal wird hierzulande auch durch die sogenannten Agribusiness-Cluster gesetzt.

Mit Agribusiness-Cluster Konzepte ist es nämlich möglich, die Themen „Landflucht“ und „Überalterung“ erfolgreich zu bekämpfen.

Beispiele: intensive landwirtschaftliche Nutztierhaltung im nordwestlichen Niedersachsen, Sonderkulturregionen in Rheinland-Pfalz, Agribusiness-Cluster im Allgäu.

Welche weiteren Ideen und Vorschläge fallen Euch noch ein, um das Agribusiness wieder auf die Erfolgsbahn zu lenken?

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