Verbrauchermonitor Lebensmitteln in Deutschland

BfR-Verbrauchermonitor: Wo liegen die größten gesundheitlichen Risiken?

Rauchen, Klima- bzw. Umweltbelastung, ungesunde oder falsche Ernährung und Alkohol – diese vier Nennungen stehen im neuen BfR-Verbrauchermonitor ganz oben auf der Liste. Themen wie Gentechnik/Genmanipulation oder ungesunde/belastete Lebensmittel spielen eine untergeordnetere Rolle.

Das sind die Ergebnisse der aktuellen, repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Im halbjährlichem Abstand werden über 1.000 Personen zu Themen aus dem Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes befragt.

Werfen wir doch einen gemeinsamen Blick auf die Fragen und die jeweiligen Antworten.

1. Die größten gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher

An der Spitzenposition befindet sich das Rauchen, dicht gefolgt vom Thema Klima- und Umweltbelastung. Ungesunde bzw. falsche Ernährung sowie Alkohol folgen anschliessend mit einer gleichen Anzahl von Nennungen.

Während das Rauchen bei 19% liegt und damit von knapp jedem Fünften als Risiko genannt wird, stellt sich die Situation beim Thema ungesunde/belastete Lebensmittel oder Probleme, die sich durch die Landwirtschaft ergeben können, ganz anders dar. Der Wert liegt bei 9%, d.h. nur knapp jeder Zehnte sieht diese beiden Themen als Risiko.

Die Nennungen für Gentechnik/Genmanipulation liegen indessen bei nur 7%; der Drogenkonsum bei 6%.

2. Bekanntheit von Gesundheits- und Verbraucherthemen

Allarmierend sind hingegen die Nennungen bzgl. der Bekanntheit von:

  • „Genome Editing“, eine neue, jedoch intensiv diskutierte Methode zur Veränderung des Erbguts (84% der Befragten haben noch nichts davon gehört) sowie
  • Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees (66% der Befragten haben noch nichts davon gehört)

Etwas anders sieht es bzgl. des Themas Glyphosat in Lebensmitteln aus. Die vielen Medienbeiträge haben für eine Bekanntheit von 55% gesorgt. Hier gab es auch die größte Aufholjagd im Vergleich zur Vorjahresbefragung mit +32 Prozentpunkten.

Die Unterschiede beim Bekanntheitsgrad von Gesundheits- und Verbraucherthemen sind nach wie vor sehr groß.

Bekanntheit in Prozent:

  • 93% für gentechnisch veränderte Lebensmittel
  • 88% für Antibiotikaresistenzen
  • 82% Reste von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln
  • 74% Krankheitserreger/Bakterien in Rohwürsten
  • 68% Mineralöle in Lebensmitteln
  • 49% Acrylamid in Lebensmitteln
  • 34% Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees
  • 14% Genome Editing

Was steckt im Essen?

Hierzu ein kurzer Film zur BfR-MEAL-Studie die sich mit dieser Frage näher beschäftigt.

Quelle: YouTube, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

3. Beunruhigung über Themen zur Lebensmittelsicherheit

Was beunruhigt den deutschen Verbraucher? Ist es das Thema Glyphosat in Lebensmitteln oder eher ganz andere Schwerpunkte?

Der aktuelle BfR-Verbrauchermonitor gibt Aufschluss darüber. Mit über 50% sorgen folgende drei Themen für Beunruhigung im Kreise der Verbraucherinnen und Verbraucher:

  • Antibiotikaresistenzen
  • gentechnisch veränderte Lebensmittel
  • Reste von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln

Hingegen wird den Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees, der Lebensmittelhygiene zu Hause sowie der Genome Editing wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

„Es zeigt sich aber nach wie vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher auch Risiken unterschätzen, die aus Sicht der Risikobewertung wichtig sind, wie z.B. Pyrrolizidinalkaloide im Tee, Acrylamid in Lebensmitteln oder die Lebensmittelhygiene im eigenen Haushalt“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

4. Veränderung der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln

Die Antworten auf die Frage nach der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln zeigt ebenfalls deutliche Meinungsunterschiede auf.

So sind 46% der Befragten der Meinung, dass die Qualität und Sicherheit der Lebensmitteln eher abgenommen hat. Lediglich 18% sind der Auffassung dass diese eher zugenommen haben. Rund ein Drittel (34%) sind der Meinung, dass alles gleich geblieben ist.

Die Studienergebnisse können in dieser Broschüre des BfR nachgelesen werden. Hier gehts zum Download.

Verbrauchermonitor 2017: Genome Editing ist den Menschen in Deutschland weitgehend unbekannt

Wie kommt es, dass die große Mehrheit der Deutschen mit dieser in der Wissenschaften heiss diskutierten Methode zur Genveränderung nicht vertraut ist? Wieso geben nur 14% der Befragten an, von Genome Editing überhaupt gehört zu haben?

Sind wir denn hierzulande alle so ignorant oder leistet der Staat bzw. die Medien eine schlechte Arbeit in diesem Bereich?

Gemäß einer meiner Leitsätze „Was man nicht weiß, kann man lernen“ – habe ich mich auf die Suche nach einem gutem Erklärungsvideo zu „Genome Editing“ gemacht. Und siehe da, ich bin fündig geworden.

Jan Wolkenhauer erklärt in der Kreidezeit-Folge #129 wie sich Abschnitte im Erbgut gezielt und präzise verändern lassen können.

Quelle: YouTube, biotechgermany

Die bereits im Video erwähnte CRISPR-Cas9 Methode des Genome Editing wird verstärkt in den USA eingesetzt. Noch wird das Ganze in der Tierwelt angewandt und getestet. Ob das auch bei Menschen angewandt wird ist fraglich. Hier scheint die moderne Ethik an ihre Grenzen zu stoßen.

Die Angst ist groß und das ist nicht unberechtigt. Noch nie wurde mit dem menschlichen DNA so rumexperimentiert wie heute und entsprechend gibt es auch keine Studien darüber.

Ein stark polarisierendes Thema von dem wir zukünftig noch sicherlich eine ganze Menge hören werden.

Überraschen Euch die Ergebnisse aus dem aktuellen Verbrauchermonitor? Was hättet Ihr anders eingeschätzt?

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