Neonicotinoide und Milchautomaten

Von Bienenschutz und Milchautomaten

Regionalvermarktung liegt im Trend. Auch Milchbauern überlegen, wie sie diesen Trend für sich nutzen können, um Ihr Überleben bei dauerhaft niedrigen Milchpreisen zu sichern. Können Milchautomaten eine Antwort sein? 

Bevor wir dieser Frage nachgehen, kommen wir zunächst zu einem sehr sehr kleinen Nutztier, das ebenso wie die Milchpreise dauerhaft für besorgniserregende Schlagzeilen sorgt.

Die Rede ist von der Biene.

Schon seit längerem häufen sich die Beweise, dass der flächendeckende Einsatz von Neonicotinoiden Bienen und anderen wildlebenden Insekten schadet. 

Bereits im Jahr 2013 wurden der Einsatz der drei Neonicotinoiden Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin europaweit wegen ihrer großen Risiken für Bienen stark eingeschränkt.

Dennoch wurde immer wieder auch gerne angezweifelt, ob sich diese synthetisch hergestellten Wirkstoffe wirklich negativ auf die Bienengesundheit auswirken. Andere Faktoren, etwa die Varroa-Milbe, werden dann als mögliche Ursachen für das Bienensterben genannt.

Diese Woche veröffentlichen Mainzer Wissenschaftler Studienergebnisse, welche neues Licht auf den Einsatz von hochwirksamen Insektiziden und deren Auswirkungen auf die Bienenpopulation werfen.

Neonicotinoide und das Bienensterben

Bereits in einer früheren, europaweit angelegten Studie der Organisation „European Academies Science Advisory Council (EASAC)“ konnte aufgezeigt werden, dass der Einsatz von Neonicotinoiden

  • die Lebenszeit von Bienenköniginnen verkürzte und
  • die Fortpflanzungsrate von Wildbienen herabsetzte.

Die Studie wies bereits auf ein zunehmendes „Bestäubungs-Defizit“ hin. Denn rund 80 Prozent der Kultur- und Wildpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen.

Die Gleichung ist dabei ziemlich einfach: keine Bienen, keine Bestäubung, kein Ernteertrag.

Allgemein werden zu viele Spritzmittel, eine fehlende Vielfalt beim Anbau der Nutzpflanzen und nicht zuletzt auch ein viel zu kleiner Randstreifen mit blühenden Pflanzen gerne als Faktoren genannt, die den Honigbienen die Lebensgrundlage entziehen.

Die neuesten Ergebnisse der Universität Mainz zeigen jedoch sehr spezifisch auf, wie es zu den gefährlichen Auswirkungen durch den Einsatz von sogenannten Neonicotinoiden kommt.

Dabei wirken sich bereits geringe Mengen,  etwa in der Höhe, wie sie auf dem Feld zum Einsatz kommen, erheblich auf die Larvenaufzucht aus.

Die hochwirksamen Insektizide vermindern nachweislich den Acetylcholingehalt im Futtersaft der Ammenbienen. Acetylcholin ist sehr wichtig für die Larvenaufzucht.

Beim Sammeln von Nahrung nehmen die Bienen das Insektizid auf, das in höheren Dosen gar die sogenannten Mikrokänale in der Futtersaftdrüse schädigt, in welchen das Acetylcholin gebildet wird.

Wie steht es um unsere Bienen?

Bienensterben – Immer mehr Beweise

Quelle: lo cco

Obstbauern kennen den wirtschaftlichen Beitrag, den die Honig- und Wildbienen für sie erwirtschaften.

Aber wusstet Ihr, dass ….

  • 265 Milliarden Euro beträgt der geschätzte weltweite wirtschaftliche Nutzen, den Bienen produzieren
  • 10.000 – 15.000 Bienen eines Honigbienenvolkes fliegen täglich aus
  • ca. 1,5 Millionen Blüten besuchen diese Bienen, um 1 kg Honig zu produzieren und
  • 100.000 Kilometer, d.h. 2,5 x um die Erde, legen sie dabei fliegend zurück
  • nach Rind und Schwein stehen Bienen an 3. Stelle in der Liste der wichtigsten Nutztiere für den Menschen
  • von den rund 20.000 Bienenarten weltweit, sind nur 9 Arten Honigbienen

Quelle: 3 Sat

In der Top 3 der Nutztiere kommen wir nun vom kleinsten zu dem größten Nutztier, dem Rind. Genauer gesagt den Kühen und ihrer Milch. Denn der seit Jahren sinkende Milchpreis gefährdet viele Milchbauern.

Insbesondere die kleineren Höfe können mit diesem Preiskampf nicht mithalten.

Milchautomaten als Alternative zu den Billigpreisen der Molkereien?

Agrarökonom Holger Thiele meint: „Man unterschätzt die Solidarität der Kunden mit den  Erzeugern“. (Quelle: zeit.de)

Soll heißen, Verbraucher wären durchaus bereit mehr für die Milch zu zahlen, wenn sie wüssten, was der Griff zur billigsten Milch im Supermarkt für die Milchbauern bedeutet.

Generell steigt das Interesse der Verbraucher an landwirtschaftlichen Produkten, denen man vertrauen kann. Insbesondere Erzeugnisse mit dem Bio-Zeichen oder dem Hinweis, dass sie regional angebaut wurden, können dieses Vertrauen wecken.

Und die Verbraucher zahlen gerne für ein Lebensmittel, dem sie vertrauen, ein wenig mehr.

Seine Milch wieder „wie früher“ frisch gezapft vom Bauernhof abholen, scheint ein Konzept zu sein, dass da rein pass und eine Lösung für beide Seiten bietet:

  • Der Verbraucher sieht, woher seine Milch kommt und kann sich auf die frische Qualität verlassen.
  • Der Milchbauer kann durchaus einen Preis von 1,00 EUR/ Liter für seine Milch erhalten. Ein Preis, den keine Molkerei zahlen wird.

Einfach ermöglicht werden kann diese Direktvermarktung von Milch mit sogenannten Milchautomaten.

Damit sich der Automat auch rechnet, hier ein paar Tips, die Ihr beachten sollten:

Vor dem Kauf des Milchautomaten

Setzt Euch vor dem Kauf unbedingt mit Eurem zuständigen Veterinäramt in Verbindung. Von diesem erfahrt Ihr, welche Auflagen für den Verkauf von Rohmilch erfüllt sein müssen. Der Gang zum Veterinäramt vorab kann Euch viele nachträgliche Kosten ersparen.

Schaut Euch Eure Molkerei-Verträge genau an. Enthalten sie Klauseln, die Euch den zusätzlichen Milchverkauf gar verbieten oder in diesem einschränken?

Und klar, es gibt diverse Hersteller und Automatentypen. Ein Milchautomat ist keine günstige Investition. Ihr solltet Euch reichlich vorab erkunden, welche technische Ausstattung Euer Milchautomat aufweisen soll.

Nicht zuletzt ist es für den Erfolg des Milchautomaten wichtig, dass er eine gute Verkaufslage hat. Wo soll der Automat stehen? Ist er leicht zugänglich und gut erreichbar? Besteht eine genügend große Nachfrage?

Fragen, die Ihr Euch stellen solltet: 

  • Ist das Gerät EU-zertifiziert und eichfähig?
  • Ist der technische Service für den Milchautomat gewährleistet? Können Defekte schnell und relativ kostengünstig repariert werden? Werdet Ihr schnell und einfach informiert, wenn die Milch alle ist? Ist Befüllung und Reinigung einfach und kostengünstig durchführbar?
  • Ist das Gerät einfach für den Kunden zu bedienen? Kann der Automat Geld wechseln und auch Scheine annehmen? Welche Produkte sollen am Automaten erhältlich sein? Können besondere Auflagen, wie etwa beim Verkauf von Rohmilch, erfüllt werden?

Habt Ihr Erfahrungen mit Milchautomaten? Was sind Eure Empfehlungen und Tips für den erfolgreichen Direktverkauf von Milch?

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