Bio-Landwirtschaft-Deutschland

Mehr Bio in der deutschen Landwirtschaft?

Wer die Schlagzeilen der letzten Tage verfolgt und Landwirt ist, wird vor lauter Empörung einfach nur sprachlos sein. Mit dem Ziel einer „besseren“ Agrarwirtschaft wird eine ganze Branche angegriffen. Aber wie steht es mit Bio in Deutschland?

Ob aus Reihen der Politiker oder der Kirche, es sind scharfe Worte, die derzeit gegen die Landwirte benutzt werden.

So nahm der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch die Grüne Woche zum Anlass, um in einem Radiowort wörtlich von

  • „katastrophalen Zuständen in den großen Tierfabriken“,
  • „unsäglichen Bedingungen“,
  • „die viel zu großen Mastbetriebe, die einzig und allein auf den Profit setzen“
  • „Grundwasser wird verseucht“
  • „Billiglöhne sorgen für ein modernes Sklaventum“

zu reden.

Und es geht weiter: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks zieht derzeit mit einer großangelegten Werbekampagne den Berufsstand des Landwirts in ein schlechtes Licht.

Bauernregeln für mehr „Bio“ in der Agrarwirtschaft?

Pünktlich zum Start der öffentlichen Konsultation der EU zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik zieht sie mit „neuen Bauernregeln“ ins politische Schlachtfeld.

Ziel soll es sein, „für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung zu werben“.

Die Frage ist, wie bitte schön sollen Sprüche wie

  • „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.“
  • „Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.“
  • „Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese.“ oder
  • „Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern.“

zu Nachhaltigkeit und Naturschutz beitragen?

Kein Wunder, wenn die Empörung groß ist, wird doch die gesamte Agrarwirtschaft mit solchen Äußerungen an den Pranger gestellt. Der Deutsche Bauernverband etwa spricht von „staatlichem Mobbing gegen den landwirtschaftlichen Berufsstand.“

Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Landwirtschaft kann so definitiv nicht erfolgen.

Zudem, werden die Rahmenbedingungen für diesen Wirtschaftszweig nicht auch von der Politik festgelegt?

Und wo bitte schön wird von der Verantwortung des Verbrauchers, der Großeinkäufer, der Anbieter von Lebensmitteln und den anderen Beteiligten im landwirtschaftlichen Kreislauf gesprochen?

Ein Markt wird nicht nur von dem Angebot, sondern auch von der Nachfrage bestimmt.

Es stellt sich die Frage, wie Nachhaltigkeit in Deutschland umgesetzt oder, folgt man den Anschuldigungen, nicht umgesetzt wird.

Eine Form der Landwirtschaft, die sich ohne Zweifel die Nachhaltigkeit und den Tierschutz auf die Fahne geschrieben hat, ist die ökologische Agrarwirtschaft.

Wie steht es um die ökologische Landwirtschaft in Deutschland?

Bio ist zu einem gängigen Begriff geworden. Selbst beim Discounter kann man heute selbstverständlich Lebensmittel erwerben, die ökologisch produziert wurden.

Bio ist voll im Trend und boomt. So der gängige Eindruck.

Mit steigendem Gesundheitsbewusstsein, achten die Verbraucher nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die Art und Weise, wie Produkte hergestellt wurden.

Die steigende Nachfrage nach Bio kann dabei von der aktuellen Anzahl ökologischer Erzeuger nicht gedeckt werden.

Große Nachfrage zu höheren Preisen: Das klingt doch nach rosigen Aussichten für Produzenten von Bio-Lebensmitteln, oder?

Mit Bio in die Pleite?

Quelle: HDReportagen

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die ökologische Landwirtschaft in Deutschland mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Auch wenn diese Form der Landwirtschaft in den letzten Jahren leichte Wachstumszahlen im Umsatz verzeichnen konnte, Bio ist weiterhin ein Nischenprodukt.

Das Wachstum in Anzahl von Bio-Höfen und ökologischen Agrarfläche ist in den letzten Jahren stagniert.

Was sind die Ursachen?

Zum einen bedeutet Bio nicht gleich regional.

Jedes dritte frische Produkt in Bio-Qualität wird mittlerweile beim Discounter & Co. gekauft.

Aber die Ware kommt zumeist nicht aus Deutschland. Es wird in Ländern produziert, in denen die Produktionskosten deutlich unter denen in Deutschland liegen.

Die hiesige Produktion in ökologischer Qualität konkurriert mit Bio-Importen aus anderen Teilen der Welt.

Hinzukommt, dass eine Umstellung langwierig und teuer ist. Erst nach zwei Jahren ökologischer Produktion kann der Landwirt „Bio-Preise“ für seine Produkte beanspruchen.

Angesichts steigender Preise für konventionell produzierter Rohstoffe muss neben dem marktwirschaftlichen Denken schon eine gehörige Portion Idealismus die Entscheidung zum Umstieg beeinflussen.

Ein weitere Herausforderung ist von der deutschen Agrarpolitik hausgemacht. Die Förderung von Biogasanlagen hat in einigen Regionen zu Pachtpreisen geführt, die von Bio-Bauern einfach nicht gezahlt werden können.

Es fehlt die Fläche für den Anbau von Bio-Lebensmitteln, weil Biogasanlagen mit ihrem 20-jährigen Bestandsschutz einfach lukrativer sind.

Dies sind nur einige Ursachen. Noch nicht angesprochen sind hierbei etwa die Herausforderungen die entstehen, um die strengen biologischen Auflagen zu erfüllen.

So verbreiten sich Pestizide und Co kilometerweit über Luft und Wasser. Sie machen nicht halt, weil die angrenzende Agrarfläche biologisch bewirtschaftet wird.

Mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz sind unumstritten wichtige Ziele. Dem wird wohl kein Landwirt widersprechen.

Die oben aufgeführten Äusserungen von Politik und Kirche, so einseitig und diffamierend sie sind, zeigen auch, dass Diskussion- und Handlungsbedarf besteht.

Aber wie am obigen Beispiel aufgezeigt, Landwirtschaft befindet sich in einem komplexen Gefüge mit unzähligen Faktoren und Beteiligten im Kreislauf.

Dies gilt genauso für die biologische als auch konventionelle Landwirtschaft.

Ein einzelnes Glied in der Wirtschaftskette herauszupicken und kategorisch zu verteufeln, kann nicht die Antwort auf die Fragen der Zukunft sein.

Welche Maßnahmen sind Eurer Meinung nach notwendig, um mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz in Deutschland besser fördern zu können?

Agrarbetrieb Biomilch Milchpreis

Umstellung auf Biomilch

Der sinkende Milchpreis zwingt viele Milchbauern, neue Wege zu gehen. Die höheren Preise für Biomilch lassen immer mehr Landwirte über eine Umstellung der Produktion nachdenken.  Aber lohnt sich diese?

Der Milchpreis ist auf einem Niveau, auf dem die Produktionskosten nicht gedeckt werden. Damit ist die Existenz von tausenden Milchviehbetrieben bedroht.

Milchbauern müssen nach Wegen suchen, die ihre Existenz sichern.

Eine Lösung ist die Vergrößerung des Betriebes: die Produktionsmenge steigern, so dass mit mehr Kühen ein genügend großes Einkommen gesichert werden kann.

Allerdings hilft dieses steigende Angebot an Milch nicht gerade, den Milchpreis wieder zu erhöhen. 

Für wen die Vergrößerung aufgrund der Investitionen, dem höheren Arbeitsaufwand, oder anderem nicht in Frage kommt und wer die Milchproduktion nicht komplett aufgeben möchte, der wird zwangsläufig über eine Umstellung auf Biomilch nachdenken.

Die Umstellung auf Biomilch – ist sie lohnenswert?

Sicherlich freuen sich die Kühe. Denn Bio bedeutet  für die Kuh ein artgerechteres, glücklicheres Leben.  Allerdings produzieren glückliche Kühe auch einen geringeren Ertrag.

Denn auf der Weide fressen die Kühe weniger als im Stall. Und das Kraftfutter mit Biosiegel kostet rund das Doppelte von normalen Kraftfutter.

Eine Gleichung, die aufgrund des höheren Biopreises durchaus aufgehen kann. Allerdings: eine Garantie, dass der Preis für Biomilch zukünftig nicht doch noch fallen wird, gibt es nichts.

Eine Umstellung auf eine Bioproduktion bedeutet auch aus einer anderen Überlegung heraus nicht, dass man sich keine Gedanken mehr um den Milchpreis machen muß:

Die Absatzmenge von Biomilch wird auch von dem konventionellen Milchpreis beeinflusst. Bei einem Literpreis von bspw. 0,46 EUR für konventionelle Milch und 1,09 EUR für Biomilch ist der vom Käufer im Supermarkt wahrgenommene Preisunterschied einfach zu groß.

Ein höherer Milchpreis könnte demnach auch den Absatz von Biomilch steigern, wenn die Schere zwischen den Preisen nicht mehr so stark auseinanderdriftet.

Wenn Bio vergleichsweise nicht mehr so teuer ist, könnten die Konsumenten eher geneigt sein, für Bioqualität den „kleinen“ Aufpreis zu zahlen.

Hürden in der Umstellung

Es klingt im ersten Moment sehr logisch: für konventionell hergestellte Milch bekommt man nicht genug, dann stellt man doch einfach auf Milch um, die mehr einbringt.

Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Es ist ratsam, eine der entsprechenden Beratungsstellen aufzusuchen, um genau zu prüfen, ob eine Umstellung auf Biomilch für den eigenen Hof überhaupt möglich ist bzw. Sinn macht.

Die größten Hindernisse für die Umstellung sind:

  • Fehlendes Kapital: Ein Haupthindernis für eine Umstellung ist sicherlich das fehlende Kapital. Durch die anhaltend schlechten Milchpreise sind die Reserven und Rücklagen für viele Milchproduzierten bereits stark geschrumpft. Eine Umstellung auf Bio bedeutet 1-2 Jahre mit höheren Kosten zum gleichen Absatzpreis zu produzieren. Ganz zu schweigen von die Kosten für die Umrüstung des Hofes, bspw. der Ställe.
  • Fehlende Ressourcen: eine Bio-Zertifizierung bringt eine Menge Auflagen mit sich. Zum Beispiel brauch eine Biomilchkuh viel mehr Platz. Ihr täglicher Gang ins Freie muss gewährleistet sein. Nur Höfe, die über die Kapazitäten verfügen, um die besonderen Auflagen zu erfüllen, können eine Umstellung überhaupt in Betracht ziehen.

Lohnt sich für Landwirte eine Betriebsumstellung?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Das Thema der sinkenden Milchpreise und wie diese die Branche beeinflussen, wird die Schlagzeilen sicher noch einige Zeit beschäftigen. 

Ein Thema, das aktuell ebenfalls anfängt die Schlagzeilen zu füllen, ist die bevorstehende Getreideernte. 

Schätzungen zur Getreideernte

Pünktlich zum Beginn der Getreideernte in Deutschland informiert DBV-Präsident Joachim Rukwied über die diesjährigen Ernteerwartungen.

Aufgrund einer besseren Witterung als im Vorjahr, kann dieses Jahr mit einer gut durchschnittlichen Getreideernte gerechnet werden. 

„Die wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe ist wegen der niedrigen Preise für Getreide und Raps jedoch angespannt. Zudem gibt es regional Ernteschäden durch Unwetter, Starkregen oder Hagel. Derzeit sind bundesweit fast 200.000 Hektar davon betroffen, rund dreimal soviel wie in anderen Jahren.“

Die Witterungsbedingungen haben regional zu großen Unterschieden geführt. So kam es in diesem Jahr aufgrund der Unwetter mit Überschwemmungen und Hagel zu Totalverlusten. Andererseits haben die warmen Temperaturen ihr übriges beigetragen und zu Krankheitsbefall und Lagergetreide geführt. 

Nicht nur auf dem Milchmärkten, auch auf den Getreidemärkten stehen die Preise unter Druck und folgen aktuell einem Abwärtstrend. Welche Ansätze halten Ihr für sinnvoll, um den aktuellen Herausforderungen an den Märkten zu begegnen? 

Bio Agrarbetrieb Landwirtschaft

Bio – eine Nische im Trend

Bio ist in aller Munde. Das Bewusstsein der Verbraucher für ökologisch erzeugte Lebensmittel steigt. Die Lebensmittelindustrie steht jedoch noch ganz anderen Herausforderungen gegenüber.

Bio-Lebensmittel – eine steigende Nachfrage

Wer kennt das nicht. Man sitzt abends gemütlich beim Essen mit Freunden und es fällt das Wort „Bio“.

Am liebsten würde man sich direkt die Ohren zu halten, denn man weiß, was kommt: eine lange Diskussion über Sinn und Unsinn von Bioprodukten.

Für die einen ist es fast eine Religion, für die anderen der größte Humbug.

Fakt ist, Verbraucher hinterfragen immer mehr, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Das Bewusstsein der Verbraucher für die Herkunft und Qualität der Lebensmittel steigt stetig.

Und Bio sorgt nicht nur für Gesprächsstoff, sondern ist ein Trend mit steigenden Umsätzen. Betrug der Umsatz von Bio-Lebensmitteln im Jahr 2000 noch 2,1 Milliarden EUR, wurde im Jahr 2015 der 4-fache Umsatz in Höhe von 8,62 Milliarden EUR erwirtschaftet.

Dies entspricht einer Steigerung von 11 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. (Quelle: Statista.com)

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt, aber kann die Produktion mithalten?

Ein paar interessante Zahlen zum Bio-Markt in Deutschland

  • Knapp 9 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe, genau 24.343 Höfe,  waren in 2015 Bio-Höfe.
  • 6,4 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurde in 2015 für den Bio-Anbau genutzt. (Der EU-Durchschnitt lag bei 5,7 Prozent.)
  • Dennoch machten Bio-Produkte in 2014 nur 4,4 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. (Im Vergleich: Europäischer Spitzenreiter ist Dänemark mit 7,6 Prozent Umsatzanteil.)
  • 55 Prozent des Umsatzes von Bio-Lebensmitteln wird im Lebensmitteleinzelhandel erwirtschaftet. Naturkostfachgeschäft sind mit ca. 31 Prozent am Umsatz beteiligt. Wochenmärkte, Hofläden, Metzgereien und ähnliches erwirtschaften 13 Prozent am Bio-Umsatz.

Quelle:   Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft

Die Zahlen zeigen deutlich: auch wenn der Verbraucher den Eindruck hat, dass Bio wie nie zuvor boomt, letztendlich ist Bio dennoch ein Nischenmarkt.

Warum ist das so? Ist Bio nicht gesünder? Und nachhaltiger? Sprich, besser?

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Nachhaltigkeit und Qualität sind gefordert. Und das bei hohen Produktionsmengen.

Die Ernährung der wachsenden Bevölkerung ist eine der Schlüsselherausforderungen der Zukunft, denn die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden knapper und sind bereits teils stark überlastet.

Klingt deprimierend? Oder spannend?

Vor großen Herausforderungen gestellt, haben Menschen schon immer große Lösungen gefunden. Was haltet Ihr von nachfolgendem Konzept:

Quelle: FUTUREMAG – ARTE

Wie findet Ihr die urbane Revolution? Meint Ihr, vertikale Bauernhöfe wären auch was für Deutschland?

Sind Bio-Lebensmittel zu teuer?

Wer sich nur den Ladenpreis für Bio-Lebensmittel gegenüber konventionell hergestellten Lebensmitteln anschaut, könnte meinen, dass Bio-Qualität einfach teuer ist.

Die gleichen Lebensmittel mit Bio-Siegel lassen den Verbraucher tiefer in die Tasche greifen.

Aber wär das noch so, wenn man die externen Kosten, welche durch die konventionelle Landwirtschaft entstehen, mit einbezieht?

Wie würden die Preise wirklich aussehen, wenn die externen Kosten, wie die Reinigung des Grundwasser von Pestiziden und Düngern oder der Verlust der Artenvielfalt, mit in den Apfelpreis beim Discounter einbezogen werden?

Das Blatt kann sich schnell wenden.

Konventionelle versus Ökologische Landwirtschaft

Kommen wir nochmals auf die Frage zurück: ist Bio besser?

Die Antwort hängt wohl davon ab, wenn man fragt.

Gerne wird das eine verteufelt, das andere in den Himmel gelobt. Dabei sitzen doch eigentlich alle im gleichen Boot.

Verbraucher möchten Lebensmittel mit hoher Qualität zu guten Preisen.

Ein Landwirt produziert Lebensmittel, für die Ernährung der Bevölkerung. In bestmöglicher, wirtschaftlich realisierbarer Qualität.

Auch ein Landwirt möchte mit seiner Arbeit ein gutes Leben für sich und seine Familie ermöglichen. Auch ein Landwirt ist in seiner Arbeit von den Gegebenheiten seiner Branche, seines Marktes beeinflußt.

Seine Investitionen in Maschinen und Produktionssysteme, die gestern quasi noch das Nonplusultra waren, müssen sich rentieren. Ein Wechsel von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft will erst einmal finanziert sein und muss sich wirtschaftlich rechnen. 

„Land unter“ gefährdet die Ernte 2016

Ob konventionell oder ökologisch, Erntemengen und deren Qualität sind für viele Landwirte aktuell die Hauptsorge.

Die starken Unwetter der letzten Wochen haben viele Felder überschwemmt. Das generell feuchtwarme Wetter erhöht die Infektionsgefahr für Fusariosen.

Und es ist kein Ende in Sicht.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor weiteren Unwettern, die in Gebieten mit wassergesättigten Böden das Risiko von Überschwemmungen und Hochwasser steigen lassen.

Landwirte können jedoch auf Hilfe vom Land rechnen. Länder wie Bayern, Baden-Württemberg oder NRW, deren Regionen besonders stark betroffen sind, haben Soforthilfen zugesagt bzw. Hilfspakete beschlossen.

Weitere Informationen zur Antragstellung und deren Fristen erhaltet Ihr bei Euren örtlich zuständigen Verwaltungen.

Und natürlich bietet auch das Hochwasser eine passende Gelegenheit,  die industrielle Landwirtschaft in den Schlagzeilen zu diskutieren, denn mancherorts wird gerade der intensive Maisanbau in der Region für die extremen Ausmaße des Hochwassers verantwortlich gemacht.

Wie steht Ihr zu dem Thema ökologische Landwirtschaft? Meint Ihr, es wird eine Nische in der Landwirtschaft bleiben oder meint Ihr, die Zukunft der Landwirtschaft heißt „Bio“?

Ökolandbau Comeback von Dinkel und Emmer Agrarbetrieb (c) Agrarbetrieb.com

Ökolandbau: Das Comeback von Dinkel und Emmer

Der globale Ökomarkt wächst ungebremst weiter. Für das Gesamtjahr 2014 wird mit einem Umsatzwachstum in Höhe von 5-10% gerechnet.

Während die EU-Agrarminister die Entscheidung für strengere Auflagen für Bioprodukte in Europa vertagt haben, arbeiten Forscher einer deutschen Universität daran, das Thema Ökolandbau durch die Züchtung resistenter Sorten stärker voranzutreiben.

Pilzkrankheiten sind im Ökolandbau eine riesen Herausforderung

Pilzkrankheiten wie Steinbrand bereiten den Biobauern große Probleme. Anders als im konventionellen Anbau, wo Brandkrankheiten durch chemische Beizmitteln in Schach gehalten werden können, müssen Landwirte die Bio anbauen, die Finger davon fern halten. Einfacher gesagt als getan, insbesondere wenn die ganze Getreidemenge futsch ist und damit Existenzen bedroht werden.

Forscher der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim unter der Leitung von Dr. Friedrich Longin und Prof. Dr. Thomas Miedaner sehen bei den beiden Getreidearten Dinkel und Emmer große Chancen, bald schon resistente Sorten zu züchten.

„Für beide Getreidearten konnten wir vielversprechendes Zuchtmaterial identifizieren.“

Die Forscher sind sehr zuversichtlich. Die Nischenkulturen Dinkel und Emmer, die sowohl beim Biokäufer als auch im Ökolandbau immer mehr Anhänger finden sind äußerst widerstandsfähig. Ungünstige Bedingungen und ein schlechter Boden machen den beiden Weizenarten nicht viel aus. Pilzkrankheiten wie z.B. der Zwergsteinbrand können hingegen zerstörerisch sein.

Ökolandbau: Dinkel im Kommen

Pilzkrankheiten können fatale Folgen haben

Wie Anfangs erwähnt, bedrohen Steinbrand und Zwergsteinbrand die Saatgutproduktion. Ist das Feld einmal befallen, so bleibt dem Biobauer nicht viel übrig, außer auf andere Kulturen umzusatteln oder auf resistente Sorten zu hoffen.

„Viele Ökobauern bauen Saatgut nach. Der Lebenszyklus der Pilze ist aber besonders gut an den Weizen angepasst, so dass sich die Sporen in jeder Vermehrungsstufe stärker anreichern.“ – Dr. Friedrich Longin

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Es gibt Licht am Horizont.

Das Team von Dr. Longin hat 65 Emmersorten auf ihre Resistenz gegen Steinbrand getestet. Erfreulicherweise gelang es dem Forscherteam 20 sehr resistente Genotypen zu identifizieren. Es gibt an dieser Stelle jedoch auch eine schlechte Nachricht. Die Resistenz beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem einzigen Gen.

Was bedeutet das im Klartext?

Prof. Miedaner erklärt wie folgt:

„Eine solche monogenische Resistenz ist oft nicht von Dauer. (…) Sie kann leicht vom Pilz geknackt werden und zeigt dann keinerlei Wirksamkeit mehr.“

Trotz dieser Diagnose empfiehlt Prof. Dr. Miedaner diese Sorten rasch auf den Markt zu bringen. Um eine dauerhaft resistente Emmer-Züchtung zu ermöglichen, sind weiterführende Forschungen von Nöten. Die identifizierten Sorten sind als Ausgangsmaterial jedoch sehr nützlich.

Hoffnungen auch bei Dinkel

Zwergsteinbrand stellt ein regionales Problem dar. Das Forscherteam hat die schwäbische Alb zu Testzwecken herangezogen. Hier ist der Pilz seit Jahren stark verbreitet. Von den 66 Dinkelsorten und 92 Zuchtlinien, konnte 1 Sorte und ein erheblicher Teil des Zuchtmaterials als resistent identifiziert werden.

Dr. Longin erwartet erste resistente Dinkel- und Emmersorten für den Raum Mitteleuropa in naher Zukunft und äußert sich wie folgt:

„Bei Emmer befinden sich zwei der vielversprechenden Sorten gerade im Zulassungsverfahren, sie dürften schon in rund zwei Jahren auf dem Markt sein.“

Der Weg ist holprig und lang. Ökobauern müssen sich also noch etwas gedulden.

Bio versus konventionell

Ökolandbau bleibt weiterhin ein umstrittenes Thema. Egal ob Öko-Label, Förderprogramme, Öko-Lebensmittel die keine sind…. So richtig weiss der Biokonsument nicht mehr was er / sie kaufen soll. Und wie siehts mit dem Biobauer selbst aus? Ist er ebenfalls verwirrt?

Wie wirtschaftlich erfolgreich kann der Ökolandbau überhaupt sein?

 

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Biomarkt waechst weltweit ungebremst weiter

Biomarkt wächst weltweit ungebremst weiter

Der Biomarkt boomt weltweit. Für 2014 werden Umsatzzuwächse in Höhe von 5-10% erwartet. Das steigende globale Interesse an Ökolebensmitteln führt in einigen Ländern wie Deutschland, Dänemark und den USA teilweise bis zu einem zweistelligen Umsatzwachstum.

In einer Pressemeldung zur BioFach 2015 (Nürnberg, vom 11-14.02.2015) äußerte sich Dr. Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) über die aktuelle Bioexpansion wie folgt: „Die großen Märkte wachsen alle, manche sogar zweistellig.“

Biomarkt in der EU: Mehr als 10 Mio. ha ökologisch bewirtschaftet 

Europa bleibt Spitzenreiter wenn es um Bio-Flächenwachstum geht. Mit einem Bio-Anteil von 5,6% an der gesamten Landwirtschaftsfläche haben die Länder aus „good old Europe“ die Nase ganz vorne.

EU-Spitzenreiter ist nach wie vor Österreich mit fast 20%, gefolgt von Estland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Schweden, Tschechien und die Schweiz mit einem Bio-Flächenanteil von mehr als 10%.

Die treibende Kraft ist nach wie vor der Fachhandel, der mit seinen großflächigen Bio-Supermärkten vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA neben Naturkost-Geschäften eine wichtige Rolle einnimmt.

Deutschland ist größter Biomarkt in der EU

Der Umsatz mit Biolebensmitteln lag 2013 bei rund 7,55 Mrd. EUR und verzeichnete laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) einen Plus von 7,2%.

Der Flächenwachstum konnte mit dem Marktwachstum jedoch nicht mithalten. Die Bio-Anbaufläche stieg um 2,5% auf 1,06 Mio. ha und verzeichnete 6,3% an der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Bayern liegt mit 215.000 ha Bio-Fläche an erster Stelle, gefolgt von Brandenburg mit 136.000 ha und Mecklenburg-Vorpommern mit 125.000 ha.

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Niederlande zum ersten Mal mit einem Milliardenumsatz

Das „Land des Jahres“ der Weltleitmesse Biofach 2015 verzeichnete 2013 laut Schätzungen des Dachverbands Bionext (NL) einen Umsatz von 1,07 Mrd. EUR. Der Zuwachs im Bio-Sektor lag bei 6-8% und im Naturkostfachhandel bei 9%.

Frankreich: Ökofläche steigt um 9%

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche stieg in 2013 auf 1,06 Mio. ha und lag damit gleichauf mit Deutschland. Der Umsatz betrug 4,65 Mrd. EUR und entspricht einer Verdopplung des Marktvolumens von 2007.

Die Biolebensmitteln die bei den Franzosen hoch im Kurs stehen sind vor allem Eier und Milch mit jeweils 15% bzw. 11% des Gesamtumsatzes.

Italien: Bioflächenanteil von über 10%

Die lanwirtschaftliche Biofläche stieg 2013 um 12,8% auf 1,3 Mio. ha. Damit hat Bio in Italien einen Anteil von über 10% an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die südlichen Regionen (Sizilien, Kalabrien, Apulien) sind aufgrund neuer Regionalförderprogramme besonders stark an dem Wachstum beteiligt.

Großbritannien: Zum ersten Mal seit 4 Jahren wieder im Plus

In 2013 legte die Bio-Branche in Großbritannien um 2,8% und verbuchte einen Umsatz in Höhe von 2,16 Mrd. EUR. Seit der Finanzkrise in 2008 gab es im Königreich kein Wachstum mehr.

Biomarkt in den USA mit einem Umsatzplus von 11,5%

Bio bzw. „Organic“ ist auch in den USA gross im Kommen. Der Bioumsatz stieg um 11,5% auf 35,1 Mrd. US-Dollar. Besonders stark ausgeprägt ist der Kauf von Bio bei den Warengruppen Obst und Gemüse. Hier wird jeder 10-te Dollar für ein Bioprodukt ausgegeben.

Den detaillierten Bericht zum globalen Bio-Boom können Sie auf der Biofach 2015 einsehen.

Hype oder doch nicht?

Ist Bio ein weltweiter Hype oder mittlerweile fester Bestandteil der Lebensmittelbranche? Hat sich der Biomarkt bereits erfolgreich etabliert? Was glauben Sie?

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