Glyphosat-Lebensmittel-Aldi

Glyphosat: vom Streitthema zum Marketinghit?

Glyphosat: geliebt, gehasst, harmlos, krebserregend, … es gibt viele Positionen zu dem Herbizid. Es scheint nun noch eine weitere zu geben: gut für den Einzelhandel. 

Dass das Mittel wirkungsvoll auf dem Feld ist, wissen wir.  Aber es scheint auch wirkungsvoll für die Verkaufszahlen sein.

Nicht die des Herbizid-Herstellers, das ist gegeben. 

Sondern es geht um die Verkaufszahlen des Einzelhandels, in dem eine harter Konkurrenzkampf um die Gunst der Käufer herrscht.

Aldi setzt auf eigene Regeln beim Glyphosat

Glyphosat wurde zwar für weitere 5 Jahre in der Europäischen Union zugelassen, aber die Diskussion um das Herbizid ist alles andere als abgeflaut. 

Sie scheint nur am anderen Ende der Wertschöpfungskette angekommen zu sein.

Jetzt fordert Aldi von seinen Lieferanten tierischer Produkte genauere Informationen zu der Anwendung von Glyphosat in der Herstellerkette.

So soll Aldi in einem Schreiben an seine rund 65 Hersteller für die Eigenmarken von Aldi Fragen zum möglichen Einsatz von krebserregenden Substanzen in den Futtermitteln gestellt haben. 

Die Antworten auf die Fragen unter anderem zu: welche Wirkstoffe wieviel und wo eingesetzt werden und welche Alternativen bestehen würden, sollen bis Januar eingereicht werden.

Die Hersteller müssen die Details sicherlich bei ihren Lieferanten nachfragen, ggf. diese wiederum bei ihren. So wird sich die Anfrage einmal komplette durch den Wertschöpfungsprozess ziehen.

Wird die Praxis damit den Politiker vorauseilen? 

Glyphosat wurde in der EU nochmals zugelassen, aber in Deutschland geht die Diskussion um Einschränkungen in der Anwendung weiter, zunächst ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. 

Ob aus Besorgnis um das Wohl seiner Kunden und /oder die Verkaufszahlen, Aldi kann möglicherweise mit seiner Aktion tiefgreifende Veränderung beiführen, und damit die Debatte in Politikerkreisen auch eine Wendung geben.

Wenn wir mal von der Glyphosat-Diskussion Abstand nehmen, dann lohnt es sich die Entwicklung näher im Auge zu behalten.

Wieso? Weil Ihr sicherlich die eine oder andere Marketinglektion von Aldi mitnehmen könnt.

(Quelle: Lebensmittelzeitung, Süddeutsche Zeitung, topagrar)

Die Macht der Verbraucher

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher weiß wohl relativ wenig über die Herstellung ihrer Lebensmittel. Hauptsache sie sind günstig. 

Wer nicht direkt mit landwirtschaftlichen Themen zu tun hat, der hat im Hinterkopf wohl immer noch das Bild, was ihm als Kind suggeriert wurde: den idyllischen, romantisierten Bauernhof, wie er heute wohl noch für „Urlaub auf dem Bauernhof“ vermarket wird. 

Immer mal wieder erregen Skandale genug Aufmerksamkeit, denn sie zeigen dann genau das andere Extrem, dass es in der landwirtschaftlichen Praxis leider durchaus auch gibt. 

Solche Skandale oder auch Diskussionen um ein landwirtschaftliches Thema können dann durchaus gutes mit sich bringen. Etwa wenn artgerechtere Tierhaltungsformen zum Standard werden, oder schädliche Substanzen nicht mehr auf dem Feld eingesetzt werden. 

Eine Minderheit, die auf höhere Standards setzt, kann auch zu einem Massenphänomen werden. Etwa bei Bio-Produkten oder der fleischlosen Ernährungsweise.

Ja, der Trend zu Bio-Produkten hält ungebrochen an. Und ja,Vegetarier, Veganer, Flexitarier sind Begriffe, die zum Alltag dazugehören, Lebensstile die anerkannt sind.

Jetzt stellt sich die Frage:

Warum sind Bio und fleischlos so populär?

Sicherlich, waren es mehr und mehr Verbraucher, die bei ihren Essgewohnheiten umgedacht haben. 

Aber zum „Massenphänomen“ ist es geworden, weil es die Supermärkte, Restaurants und alle möglichen anderen Wirtschaftszweige, man nehme nur den Buchhandel, gab, für die der neue Trend Aufschwung bei den Verkaufszahlen bedeutete. 

Ja, gestartet ist der Trend beim Verbraucher.

Als anerkannter Standard hat aber sicher ein ausgefeiltes Marketing beitragen, das weitere Verbraucher von „Bio“ oder „vegan“ überzeugen sollte und schließlich die allgemeine Meinung zum Thema neu geformt hat. 

Eins ist sicher: wenn „Bio“ nicht wirkungsvoll für die Verkaufszahlen gewesen wär, wär es von den Supermärkten nicht ernst genommen wurden. Es wär heute nicht derart relevant. 

Deshalb wird es interessant sein, wie die Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel weiter fortgeführt wird.

Es ist eine Sache, wenn die Diskussion zwischen Politikern, Pharmakonzernen, Umweltaktivisten oder etwa Vertretern Landwirtschaft diskussiert wird.

Und es ist eine andere Sache, wenn die Diskussion im Einzelhandel und beim Verbraucher geführt wird, die als Abnehmer mit ihrem Geld klare Richtungen vorgeben.

Wie heißt es so schön: „Follow the money.

Soll heißen: folge dem Geldstrom, um zu wissen, wer wirklich die Entscheidungen trifft. 

Wie seht Ihr die Entwicklung – wird das Beispiel von Aldi auch auf andere Einzelhandelsketten überspringen und schließlich neue Standards in der Landwirtschaft schaffen?

Weihnachtsbaum-Greening-Landwirtschaft

Die Jagd nach dem perfekten Weihnachtsbaum

Weihnachten steht vor der Tür. Damit geht sie auch wieder los: die Jagd nach dem perfekten Weihnachtsbaum.

Langsam läuft sie an: die Weihnachtssaison.

Der erste Advent steht vor der Tür und die Vorbereitungen für das große Fest mit den Liebsten nehmen Fahrt auf. 

Bevor wir uns der Feststimmung widmen können, aber noch einen kurzen Ausblick auf Agrarreformen, der von EU-Kommissar Phil Hogan gestern gegeben wurde. 

Eine moderne und einfachere Agrarpolitik, dafür sprach sich Hogan gestern aus. Dem können wir wohl alle zustimmen. 

Aber wie soll dies konkret aussehen? 

Wird das Greening abgeschafft?

Gestern hat Hogan seine Ideen zur gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 der Öffentlichkeit mitgeteilt: 

Die Vorstellungen zum zukünftigen Kurs der europäischen Agrarpolitik enthalten viele Punkte, die bei den einen auf Zustimmung, bei den anderen auf Ablehnung stoßen werden. 

Entsprechend können wir uns wohl auf heftige Diskussionen in den nächsten Wochen einstellen. 

Herausstechen tuen sicherlich vor allem zwei Punkte: 

Den Mitgliedsstaaten soll wieder mehr Verantwortung zugesprochen werden. D.h. die EU soll zukünftig nur noch die Parameter und Ziele festlegen. 

Wie diese erreicht werden oder umgesetzt werden, soll in der Verantwortung der Mitgliedsstaaten liegen. Hiermit soll wieder mehr Flexibilität erreicht werden. 

Zum anderen erregt sicherlich Aufmerksamkeit, dass in dem Strategiepapier massiv die derzeitige Greening-Regeln abändern und gar abschaffen: 

„Ja, das Greening wird abgeschafft, weil es viel zu kompliziert war und deshalb nicht funktioniert hat“, so Hogan. 

Zum Jahresende kommt also nochmals Bewegung in die Agrarpolitik.

Weniger Bürokratie, und die Umsetzung eines Systems, dass nicht auf Sanktionen aufbaut, sondern sich an dem Erreichen von Ergebnissen orientiert, das klingt gut und spannend. 

Wir werden gespannt sein, wie die verschiedenen Interessengruppen auf das Papier reagieren und was letztendlich wirklich verabschiedet wird. 

Quelle: Europäische Kommission

Nun aber zur Feststimmung: Weihnachten steht vor der Tür und eins steht fest: 

Kein Weihnachten ohne Weihnachtsbaum

Für 80 Prozent der deutschen Haushalte ist der Weihnachtsbaum ein Must zu Weihnachten. In keinem anderen Land hat der Weihnachtsbaum einen solch hohen Stellenwert wie in Deutschland.

Die deutschen Verbraucher können sich in dieser Saison freuen, denn die Preise sind stabil geblieben, entsprechen dem Niveau vom Vorjahr.

Auch beim Weihnachtsbaum lassen sich Trends feststellen, wie sie aus anderen Branchen, etwa der Lebensmittelbranche, festzustellen sind:

Regionalität und Nachhaltigkeit liegen im Trend

Laut einer repräsentativen Verbraucherstudie des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Grünschnitterzeuger  ist es über die Hälfte der deutschen Haushalte wichtig, dass ihr Baum aus heimischer Produktion stammt.

Für die Verbraucher steht Regionalität für mehr Frische, Qualität und eine Produktion, die auf Nachhaltigkeit setzt.

Zum Stichwort Nachhaltigkeit: diese gewinnt immer mehr an Bedeutung. Es wird bereits überwiegend in zertifizierten Betrieben produziert.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist kaum nötig. Zudem verfügen die Anbauflächen laut Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalens über einen hohen ökologischen Nutzen.

Sie weisen eine positive CO2-Bilanz auf und bieten einen Lebensraum um seltene Tierarten.

Stellt sich nun noch die Frage:

Was erwartet der Deutsche von seinem „perfekten“ Weihnachtsbaum? 

Die deutschen Verbrauchen kaufen zunehmend eher kleinere Baumgrößen von 1,50 – 1,75 Meter, die am besten makellos sind.

Der Trend geht zudem immer mehr zum kleinen Zweitbaum, ob fürs Kinderzimmer oder die Terrasse. 

Weiterhin ist der typischen Weihnachtsbaumstand der wichtigste Vertriebszweig. Die Verbaucher kaufen zu

  • 30 Prozent am Stand der Weihnachtsbaumhändler
  • 27 Prozent direkt auf dem Erzeugerhof
  • 24 Prozent in Bau- und Verbrauchermärkten
  • 12 Prozent im Gartenzenter und in Gärtnereien
  • 4 Prozent der Bäume kommen aus dem eigenen Garten oder waren Geschenke

Quelle: Statistisches Bundesamt, Statista,Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger

Die zeigt, dass der Weihnachten auch beim Weihnachtsbaum noch voller Tradition steckt. Aber gewinnt der Vertriebsweg übers Internet zunehmend an Bedeutung.

Neben der Online-Bestellung wächst auch die Nachfrage nach Convenience, sprich Bequemlichkeit: den geschmückten Baum samt Ständer geliefert und nach Weihnachten wieder abgeholt zu bekommen, dafür können sich immer mehr Menschen begeistern.

Zum Glück halten sich diese Zahlen noch in Grenzen. Es gibt durchaus Zeiten, in denen dies enorm hilfreich sein kann. Aber Weihnachten ist auch ein Fest der Besinnlichkeit.

Das gemeinsame Schmücken, sich die Zeit nehmen, bewusst auf das Fest und die Zeit mit den Liebsten vorzubereiten, gehört dies nicht auch zu Weihnachten dazu?

Vielleicht kann Euch der folgende Beitrag ein paar neue Ideen und Inspirationen für Euren diesjährigen Weihnachtsbaum geben:

Weihnachtstrends in diesem Jahr

Quelle: Flowers by Schouten

Weihnachten ist ein Fest, dass tief in unseren Herzen verwurzelt ist. Dennoch bedeutet es für jeden etwas anderes.

Für die einen ist es Rückbesinnung auf die Traditionen. An Ritualen, die seit Generationen in der Familie zelebriert werden, wird sehr genau festgehalten. 

Andere probieren auch gerade an den Feiertagen auch gerne etwas Neues aus. Für die einen gehört der gesamte Weihnachtstrubel und durchaus Aufwand drumherum dazu, die anderen legen Wert auf eine entspannte Zeit zusammen, mit möglichst wenig Arbeit. 

Wie feiert Ihr Eurer Weihnachtsfest und lasst 2017 zu einem ganz besonderen Fest werden? 

Tomaten-Landwirtschaft-Wittenberg

Tomaten aus Wittenberg – nicht einfach nur Tomaten

Tomaten, eine Massenproduktion ohne Gesicht, oder? Die Geschichte des größten Gewächshauses in Deutschland zeigt, wie es auch anders geht.

Bei Tomaten denken die meisten sicherlich sofort an die Niederlanden mit ihren riesigen Anlagen, in denen Gemüse “rund um die Uhr” produziert wird.

Aber auch in Deutschland wird Gemüse in Gewächshäusern produziert. Zugegeben, wahrscheinlich nicht ganz vergleichbar. 

In Sachsen-Anhalt zeigt sich jedoch, wie es auch in Deutschland funktionieren kann. 

Hier in Wittenberg, befindet sich die größte, geschlossene Gewächshausanlage Deutschlands.

Das kühne Projekt zeigt, wie eine Idee erfolgreich umgesetzt werden kann und neue Wege in der deutschen Landwirtschaft gegangen werden können. 

Tomaten aus Wittenberg – Einzigartigkeit statt Masse

300 x 500 Meter misst die Anlage, die das erste Gewächshaus des kühnen Projekts gilt. Betreiber der Riesengewächshauses ist die Wittenberg Gemüse GmbH.

2013 wurden 600.000 Tomatenpflanzen wuchsen auf ca. 15 Hektar in bis zu 4 Metern Höhe.

Dies war nur die erste Bauphase des Projektes, dass zum größten Gewächshaus Deutschlands werden sollte. Geplant ist der Ausbau mit einer Anbaufläche von 45 Hektar.

Dann folgen auch Gurken und Paprika im Anbau. 

Aber Massenproduktion ohne Namen ist hier fehl am Platz. Das Projekt ist gut durchdacht und zeigt, wie ein erfolgreiches Business aufgebaut werden.

Von der Idee bis zum Bau der Anlage über der Vermarktung der Tomate, nichts wurde dem Zufall überlassen.

Deshalb lasst uns einfach auf die Faktoren schauen, die zum Erfolg dieses gigantischen Projekts geführt hat. 

(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Wittenberger Sonntag, Zeit Online, Leipziger Volkszeitung)

Spezialisiertes Wissen der Branche

Zunächst konnten drei Investoren mit viel Erfahrung im Gemüseanbau in Gewächshäusern gewonnen werden.

Ihr ahnt es, es wurden 3 niederländische Investoren begeistert.

Ein wirklich gut durchdachter Schritt. Die Investoren waren bereits auf der Suche, nach Möglichkeiten in Deutschland zu produzieren.

Um die Geschäftsidee in ein erfolgreiches Business zu verwandeln, wurde somit von Anfang an eine strategisch gut durchdachte Partnerschaft eingegangen.

Mit den notwendigen Finanzen und vor allem auch Know-How ausgestattet, konnte der Bau der Anlage beginnen.

Gezieltes und Strategisches Vorgehen bei der Umsetzung

Ein Projekt dieser Größenordnung sollte gut durchdacht sein. 

Aber dennoch lasst uns auf einige Aspekte schauen, die Euch zeigen, wie durchdacht der Bau der Anlage war. 

Das genau in Wittenberg Tomaten produziert werden, ist kein Zufall.

Als Standort wurde Wittenberg mit seinen optimalen Bedingungen gewählt, die Ideal für den Anbau der Tomate im großen Stil ist.

“Hier ist alles beisammen. Wärme, sauberes Kohlendioxid, eine riesige freie Fläche und die Lage zwischen mehreren großen Städten, so Helmut Rehhahn, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Management GmbH Magdeburg.

Er war als Projektmanager bei der Umsetzung der Idee zu einem erfolgreichen Business dabei.

Nicht nur bei den Investoren wurde auf strategische gute Partnerschaften geachtet. Die Anlage wurde in der Nähe der Kraftwerkriesen SKW Stickstoffwerke Piesteritz gebaut.

Bei der Produktion im Kraftwerk fallen Wärme und Stickstoff an. Über eine 500 Meter lange Pipeline gelangen beide zur Tomate und sorgen für deren gutes Wachstum.

Für beide Unternehmen eine Win-Win-Situation.

Auch wurden die örtlichen Entscheidungsträger, etwa die Stadt Wittenberg mit an Bord geholt.

Die Standortwahl richtete sich jedoch nicht nur noch den Produktionsvorgaben. Die Lage ist ebenso wichtig für die Distribution und Vermarktung.

Wie wir im nächsten Punkt sehen werden, es lag auch hierfür ein solides Konzept zugrunde. 

Stellt sich noch die Frage, warum es ausgerechnet Tomaten geworden ist. 

Sie wurden ausgewählt, weil die Tomatewächst gut und erzielt relative hohe Preise”, so Rehhahn.

Eine Produkterweiterung, etwa der Anbau von Paprika, war von Beginn an nicht ausgeschlossen. Aber zunächst wurde gezielt die Tomate produziert.

Ein Schritt nach dem anderen. Jeder sehr gut durchdacht und mit den vor- und nachgelagerten Prozessen abgestimmt. 

Nicht einfach nur Tomaten – Eine clevere Vermarktung

Wie hebt sich ein Gewächshaus in Deutschland von der Konkurrenz aus den Niederlanden ab?

In dem es sich eine sogenannte Unique Selling Proposition schafft, abgekürzt ein sogenannter USP.

Das habt Ihr bestimmt schon mal gehört, auf was heißt es eigentlich?

Auf gut Deutsch heißt es Alleinstellungsmerkmal. Das sind so die Begrifflichkeiten, aber aussagen tun sie nicht viel, oder?

Deshalb einfach gesprochen, ein USP drückt aus, wofür Eure Landwirtschaft steht.

Ein Unternehmen kann nicht Alles für Alle sein. Es wird klang- und sanglos im großen Ozean der Konkurrenz untergehen.

Erfolgreiche Unternehmen wissen wofür sie stehen und für wenn genau sie da sind.

Unique – das heißt einzigartig.

Und davon verstehen die Wittenberger etwas. Sie produzieren nicht eine Tomate.

Sie produzieren die Luther-Tomate.

Der USP der Wittenberger Gemüse GmbH sagt alles aus: “Die Luther Tomate – Tomaten mit Geschmack”.

Den Namen “Luther-Tomate” haben sich die Wittenberger auch schützen lassen.

Regionalität und Geschmack

Gemüse aus Wittenberg, von der Region, für die Region.

Die Tomate ist stark mit der Region verbunden. Heimische, regional produzierte Produkte sind für Käufer in Deutschland ein wichtiges Merkmal.

Etwas, was eine niederländische Tomate nicht bieten.

Die Wittenberger legen Wert auf die Anbindung an die Region und auch auf eine nachhaltige Produktion.

Angebaut wird in Töpfen mit Kokosfasern. Diese sind leicht kompostierbar.

Die hauseigenen Hummeln sorgen für eine optimale Bestäubung, d.h. der Anbau erfolgt ohne Pflanzenschutzmittel.

Das Unternehmen schafft Arbeitsplätze in der Region und arbeitet mit Unternehmen der Region zusammen.

Im USP ist jedoch noch ein zweiter Punkt herausgestellt: der Geschmack.

Frisches Gemüse, reif geerntet und mit viel Geschmack, wenn es verkauft wird, weil es muss nicht erst lange Transportwege hinter sich legen.

Das Konzept ist tatsächlich einzigartig in Deutschland: im Werksverkauf kann sich jeder seine Tomate direkt abholen. Dort wo produziert wird, wird verkauft.

Dort wo angebaut wird, wird auch der Versand abgefertigt. So kann auch individuell verpackt werden, ganz nach Kundenwunsch.

„Die Luther-Tomate – Tomaten mit Geschmack“ – ein wirklich starker USP, der heraussticht und sagt, wofür das Unternehmen steht. 

Wie steht es eigentlich um Euren USP? Was macht Eure Landwirtschaft so einzigartig? Wofür steht Ihr?

Übrigens, der Werksverkauf der Wittenberger Gemüse GmbH ist noch bis zum 17. November geöffnet.

Dann endet für dieses Jahr die Saison der Luther-Tomate.

Geht nochmal die Punkte diese Erfolgsgeschichte durch. Das größte geschlossene Gewächshaus Deutschlands ist mit Sicherheit kein kleines Projekt.

Es war auch nur eine Idee, die vor einigen Jahren im Kopf von jemanden entstanden ist, der den Mut hatte, dieser Idee nachzugehen.

Die Umsetzung erfolgte nicht durch diese einzelne Person. Es war nicht notwendig, dass sie das notwendige Wissen hatte oder die finanziellen Ressourcen. 

Ihr seht, es lassen sich Wege finden, egal wie groß das Projekt.

Sicherlich habt Ihr auch noch die eine oder andere Idee für Eure Landwirtschaft. Wie könntet Ihr diese Idee umsetzen?

Halloween-Landwirtschaft-Kürbis

Haltet etwas Süsses bereit – es ist Halloween

Es ist Halloween! Früher kannte man es nur aus amerikanischen Filmen, aber immer mehr breitet sich der Brauch auch in Deutschland aus.

Mittlerweile werden auch überall in Deutschland schaurige und schöne gruselige Partys gefeiert.

Kinder ziehen verkleidet um die Häuser und fragen nach „Süsses oder Saures“.

Ob im Supermarkt oder in der Lieblingsbar – überall wird für Grusel derzeit gesorgt. Man kommt um Halloween einfach nicht mehr vorbei.

Halloween – vom Druidenkult zum römisch-katholischen Fest

Ursprünglich stammt der Brauch aus Irland. Das Fest geht nach der Encyclopedia Britannica auf ein Fest der Druiden im alten Gallien und Britannien zurück.

Vor über 2.000 Jahren feierten die Kelten dort das Fest „Samhain“. Mit dem Fest wurde Abschied vom Sommer genommen und der Winter begrüsst.

Das Fest fand seit eher am 31. Oktober statt. Dies war in keltischer und angelsächsischer Zeit die Neujahrsnacht. Mit riesigen Feuern auf Bergkuppen sollten auch böse Geister vertrieben werden.

Es wurden große Feuer entzündet. Diese sollten auch den Seelen der Verstorbenen, die als Geister in dieser Nacht auf die Erde zurückkehrten, den Weg zu ihrem ehemaligen zu Hause führen.

Die Geister, die ihren Weg nicht mehr finden konnten, trieben ihr Unwesen in dieser Nacht, erschreckten die Menschen mit ihrem Spuk.

Das Fest, dass immer in der Nacht vor Allerheiligen stattfindet, etabliert sich seit den 90ern immer mehr in Deutschland.

Hier zeigt sich, dass – auch wenn Halloween ein neumodischer Trend aus den USA zu sein scheint – der Grundgedanke und die Wurzeln auch in unserer Kultur verankert sind.

Ein heidnisches Fest, das in Frühzeiten des Christentums assimiliert wurde. „Hallow“ bedeutet übrigens soviel wie „etwas für heilig erachten“ und „heilig machen“.

Auch nach der Christianisierung Britanniens erfreute sich das Fest großer Beliebtheit. Deshalb wurde es letztendlich von der christlichen Kirche in Britannien übernommen.

Allerheiligen, das bis Ende des achten Jahrhunderts noch am 13. Mai gefeiert wurde, wurde schließlich auf den 01. November gelegt.

Dieser Brauch verbreitete sich von Britannien schließlich auf andere Länder aus, weshalb Allerheiligen auch vom Papst in Rom Anfang des neunten Jahrhunderts offiziell vom 13. Mai auf den 01. November verlegt wurde.

Insbesondere in Irland blieben die alten Bräuche zur Nacht am 31. Oktober erhalten. Mit den Hungersnöten in Irland im 19. Jahrhundert, suchten viele Iren eine neue Heimat in Amerika und prägten die neue Welt mit ihren Bräuchen.

Heute ist Halloween von seinen ursprünglichen druidischen bzw. auch religiösen Wurzeln getrennt und ein eher kommerzielles Fest, das für die jüngere Generation in Deutschland einfach dazugehört.

Von regionaler Besonderheit zur globalen Kultur

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde die Geschichte von Halloween schon faszinierend. Wir leben in einer Zeit, in der technische Innovationen, die es nie zuvor gab, unser Leben komplett auf den Kopf stellen.

Und gleichzeitig schleicht sich ein jahrtausende alter Brauch in unser Leben und verändert ebenso innerhalb weniger Jahre unsere Wirtschaft und Gesellschaft.

Halloween ist nicht das einzige Fest, dass weltweit auf Eroberungszug geht. Auch in Asien wird mittlerweile Weihnachten gefeiert, wenn auch mit anderen Nuancen.

Ebenso ist das Oktoberfest nicht mehr nur ein bayerisches Phänomen.

Diese und auch andere Beispiele zeigen beeindruckend, wie sich Trends und frühere regionale, kulturelle Bräuche global vereinheitlichen.

Auch wer kein Halloween-Fan ist, tut sich gut daran, diese Trends im Auge zu behalten. Den letztendlich bietet sie jede Menge wirtschaftliche Möglichkeiten.

In Deutschland etwa nutzen mehr Landwirte die steigende Nachfrage nach Kürbissen, angekurbelt durch Halloween, aus.

Kürbisse erobern Deutschland

Zwar gehören Geister, Gespenster und andere untote Gestalten zum Halloween. Aber die erste Assoziation ist wohl der Kürbis.

Zwar sind Kürbisse zur Herbstzeit in der Küche beliebt, aber durch Halloween haben Kürbisse sicherlich nochmals einen Aufwind erlebt.

Mit lustig oder schaurig geschnitzten Gesichtern gehören sie zur Halloween-Dekoration einfach dazu.

Laut Zahlen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) hat sich der Kürbisanbau in Deutschland in den letzten Jahren gut erhöht:

Von 2012 bis 2016 hat sich die Anbaufläche um rund ein Drittel auf 4000 Hektar erhöht. Von 2006 bis 2016 hat sich der Ernteertrag verdoppelt.

Von den rund 2100 Landwirten, die Kürbis anbauen wurden 90 000 Tonnen produziert. Dennoch spielt der Kürbis mit seinen rund 3 Prozent Anbaufläche für Gemüse in Deutschland eine untergeordnete Rolle ein.

Die diesjährige Ernte fällt scheinbar mässig aus. „Das Jahr war weder schlecht noch spitze – es war ein normales Jahr“, meint Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband.

Viele unter uns kennen die Maschinen, die für Getreide, Raps und Co. zum Einsatz kommen wohl ziemlich genau. Aber wie sieht es bei den Maschinen für die Kürbisernte aus. 

Das diese auch beeindruckend sind, zeigt der folgende Beitrag: 

Maschinen für die Kürbisernte

Quelle: Epische Maschinen

Der Kürbis liebt es etwas wärmer, weshalb die Anbauflächen vor allem im westlichen und südlichen Teil von Deutschland zu finden sind. Außerdem brauch er reichlich Wasser und Sonne.

Auch wenn die Wetterbedingungen insgesamt ganz gut waren für Kürbisse, in einigen Regionen hatten die Landwirte jedoch mit zuviel Regen oder zuviel Sonne zu tun.

Der Kürbis ist eine Beere, die beliebteste unter ihnen ist der Hokkaido-Kürbis. Früher waren vor allem die öl- und eiweißreichen Samen geschätzt, da diese auch gut gelagert werden konnten.

Weltweit werden Speisekürbisse vor allem in China, Indien und in der Russichen Förderation angebaut. (FAO, 2013). In Europa sind es die Ukraine, Spanien und Italien, die beim Kürbisanbau führend sind.

Wie steht es mit Euch – seit Ihr heute auch im Halloween-Fieber?

Safran-Landwirtschaft-Glyphosat

Der Orient in Deutschland: Safran wird in Franken angebaut

Safran – die einen denken direkt an den Orient, die anderen erinnern sich an die Paella im letzten Spanienurlaub.

Aber wer verbindet Safran mit Franken?

Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen entdeckt der eine oder andere Landwirt neue, bisher für Europa eher exotische Pflanzen zum Anbau.

Längst beschränkt sich Landwirtschaft nicht mehr nur auf traditionelle, heimische Pflanzen.

Es lohnt sich, die Augen aufzumachen und nach neuen Ideen und Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Ein Ehepaar aus Franken macht es vor, wie es aussehen kann, wenn man neue Wege geht.

Aber zunächst noch einen kurzen Ausflug zum wohl Thema der letzten Monate, Wochen und auch Tage.

Glyphosat bis 2022 oder 2024?

Am Mittwoch letzter Woche stimmten die EU-Staaten ab, ob Glyphosat die weitere Zulassung erhält. Zumindest war dies der Plan.

Eine Einigung konnte abermals nicht erzielt werden, d.h. im zuständigen Fachausschuss wurde keine Abstimmung vorgenommen.

Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Verlängerung der Zulassung, die im Dezember ausläuft, auf 10 Jahre auslegen.

Das EU-Parlament fordert jedoch eine maximale Verlängerung von 5 Jahren. Als Kompromis steht jetzt die Zulassung für 5-7 Jahre im Raum, d.h. bis 2022 – 2024.

Während die einen vor den schädlichen Auswirkungen des Mittels warnen, halten die anderen es für unerlässlich.

Das Totalherbizid wirkt auf alles was grün ist. Es blockiert ein Enzym, was für den Pflanzenwachstum wichtig ist. D.h. wo Glyphosat ausgebracht wurde, ist im wahrsten Sinne des Wortes Wüste.

Es kann dort nichts mehr wachsen. Außer Pflanzen, die aufrund von Veränderungen in ihren Anlagen, resistent sind. Das Mittel ist also eine sehr einfach Methode, das Feld schnell von allem Unkraut zu befreien.

Herbizidhersteller wie Bayer, Monsanto oder Syngenta produzieren jährlich ca. 800.000 Tonnen des Mittels. Das Haupteinkommen erzielen die Unternehmen jedoch mit dem Verkauf von Saatgut, dass gegen Glyphosat resistent ist.

Es ist heißt also weiterhin abwarten. Bis dahin können wir uns aber den schönen Dingen des Lebens widmen.

Etwa dem Safran, der als Luxusgewürz nicht nur in Gourmethäusern, für einen Gaumenschmaus sorgt.

Safran – das Gold auf dem Teller

Manch einer kennt noch das Kinderlied “Safran macht den Kuchen gel”. Gel bedeutet dabei gelb.

Auch Spanier schwören bei ihrem Essen, etwa der Paella, auf die schöne gelbe Farbe. Safran kommt übrigens auch aus dem Arabischen, wo “Za’fran , ganz grob “gelb sein” bedeutet.

Ursprünglich wurde das Gewürz nur im persischen und arabischen Raum angebaut, mittlerweile ist es aber weltweit in ausgewählten Regionen zu finden.

Das Gelbe kommt von dem im Safran enthaltenen Farbstoff Crocin. Dieser ist so potent, dass bereits 0,01 Gramm ca. 3 Liter Wasser einfärben können.

Aber stop! Ja, Safran ist nicht nur eine schöne Lebensmittelfarbe.

Das Edelgewürz ist würzig und leicht bitter im Geschmack. Wer Safran an die Nase hält, dem wird der intensive, durchaus schwere Geruch auffallen.

Stellt sich die Frage, warum Safran so teuer ist.

Das liegt an seiner sehr aufwendigen Produktion. Die Erntezeit ist zeitlich sehr begrenzt und die Ernte ist schwierig:

Handarbeit von A bis Z

Alles um Safran ist Handarbeit.

Bei dem Gewürz handelt es sich um die Stempelfäden des “Safran” genannten Krokus. Diese Krokusart hat violette Blüten, die jeweils drei orangerote Safranfäden besitzt.

Während der ca. zwei wöchigen Blütezeit werden die Blüten von Hand geerntet. Die der Blüte entnommenen Fäden werden anschließend getrocknet, bevor sie gehandelt werden.

Zudem handelt es sich bei der Pflanze um einen Hybriden. D.h. der Krokus kann sich nicht selber fortpflanzen. Auch für die Vermehrung der Pflanze ist Handarbeit gefragt: jede Knolle muss für den Anbau geteilt werden.

Ja, Fäden hab nicht viel Gewicht. Hier zeigt sich, warum Safran das teuerste Gewürz ist und auch gerne mal gefälscht wird.

150.000 Blüten müssen geerntet werden, d.h. von Hand gepflückt werden, um ein Kilo getrockene Safranfäden zu gewinnen.

Heilung und Potenz

Wusstet Ihr, dass dem Safran auch heilende und Potenz fördernde Wirkungen zugesprochen werden?

In früheren Zeiten wurde etwa der Hochzeitschleier der Braut mit Safran gelb gefärbt. Der Brauch versprach nicht nur Gesundheit und ein langes Leben, sondern auch Potenz und Gebärfähigkeit.

Wer mit Safran seine Speisen würzt, sollte entsprechend vorsichtig sein.

Das Gewürz ist sehr intensiv. Neulinge sollten deshalb auch erstmal sehr vorsichtig vorgehen und kleine Mengen ansetzten.

Zudem ist Vorsicht geboten, weil das Gewürz, das auch zum Färben hochwertiger Seide genutzt wird, Flecken in Kleidung und Oberflächen verursacht, die nicht mehr rausgehen.

Lohnt sich der Anbau des Gewürzes? Die Produktion ist sehr aufwendig. Jedoch kann ein Gramm Safran zwischen 7 bis 17 EUR kosten.

In Franken hat sich ein Hof auf die Produktion des Krokus eingelassen.

Safran aus Franken

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Auch wenn der Anbau in Franken noch ein Nebenerwerb ist, es zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, in neue Wege und Ideen zu investieren.

Der Preis für ein Kilo Safran geht schnell in mehrere Tausende EUR. Kein Wunder, dass das Gewürz damit ein lukratives Geschäft für allerlei auch dubiose Händler ist.

Nehmen wir zum Beispiel Spanien. Obwohl das Land nur 1,5 Tonnen Safran herstellt, werden 90 Tonnen Safran jährlich exportiert. (Quelle: Die Welt)

Wie funktioniert dies? Indem beispielsweise günstig Safran aus dem Iran eingekauft, in Spanien veredelt und zu wesentlichen höheren Preisen in alle Welt als in Spanien produzierter Safran verkauft wird.

Auf diese Art können nicht nur Handelsembargos umgangen werden (etwa darf Safran nicht vom Iran in die USA verkauft werden, aber durchaus von Spanien).

Auch muss sich die Produktion im Ausland nicht an die doch strikteren Bestimmung der EU halten.  Es lohnt sich deshalb für Verbraucher, sehr genau auf die Herkunft zu achten.

Ein florierender Handel zeigt jedoch, es besteht eine starke Nachfrage. Und Qualität und Herkunft sind wichtige Merkmale für Verbraucher.

Wie steht es mit Euch – habt Ihr auch bereits über den Anbau von nicht heimischen Pflanzen, die jedoch stark nachgefragt sind, nachgedacht?