Ertragsprognosen-Frost-Landwirtschaft

Extremes Wetter senkt die Ertragsprognosen

Landwirte in ganz Europa sind derzeit nicht gut auf das Wetter zu sprechen. Denn es senkt ihre Ertragsprognosen teils drastisch.

So sorgen eine anhaltende Trockenheit und zu hohe Temperaturen bei den spanischen Landwirten  für Verzweiflung.

In anderen europäischen Ländern folgt nach einem warmen März ein bitterkalter April.

Schlechte Ertragsprognosen für Spanien

Den spanischen Landwirten droht eine Dürre, die der Ruin für tausende landwirtschaftliche Betriebe bedeuten könnte.

Die Lage ist ernst. Die Getreideernte könnte genauso niedrig wie im Jahr 2012 ausfallen. In 2012 fuhren spanische Landwirte das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten ein.

Aber nicht nur der Getreideanbau ist betroffen. Auch bei Raps und Mandeln fehlt das Wasser. Für Viehbetriebe wird das Futter knapp, weil die Weide- und Futterflächen verdörren.

Während Spanien unter der Hitze leidet, geht in Deutschland die Kältewelle nicht spurlos vorüber.

Frost senkt Ertragserwartungen bei Frühkartoffeln

Die Nächte mit flächendeckenden Frost in der letzten Woche zerstören die Erwartungen auf Spitzenerträge und besonders frühe Erntetermine.

Aus allen Anbaugebieten wurde von Schäden berichtet. Es kann somit wohl mit durchschnittlichen Erträgen und den üblichen Ernteterminen gerechnet werden.

Auch wenn die Meinungen hierüber noch auseinandergehen. Während die einen mit Verspätungen aufgrund des Frostes rechen, gehen die anderen davon aus, dass die Pflanzen nun erst recht schneller wachsen können.

In Gebieten, die stark von dem Wettereinbruch betroffen waren, wird es regional zu Ertragseinbußen kommen.

Wie schnell sich die Bestände erholen und die flächendeckende Zurückstutzung der Pflanzen geholfen hat, wird sich ab Mitte Juli zeigen, wenn die Ernte, geplant anläuft.

Aber nicht nur für die Kartoffelernte mussten die Ertragsprognosen deutlich gesenkt werden.

Das Ausmaß der Frostschäden und Ernteausfälle bei Obstbauern und Winzer ist ebenfalls erheblich.

Schäden beim Obst- und Weinanbau gehen in die Millionen

Der März war besonders warm und sorgte dafür, dass die Obstkulturen in voller Blüte stehen und der Austrieb auch bei späten Weinsorten bereits begonnen hatte.

Die Pflanzen befanden sich alle in einer sehr sensiblen Wachstumsphase, in der sie schweren Frösten ausgesetzt waren.

Die Schäden belaufen sich in die Millionen. Auch Maßnahmen, um die Pflanzen vor dem Frost zu schützen, konnten nur kleine Linderung schaffen.

In Markelsheim etwa, wo etwa mit dem Hubschrauber versucht wurde, warme Luft um die betroffenen Reben zu wirbeln.

Mit dem Heli gegen den Frost im Weinberg

Quelle: Markelsheim

Die Ausfallrate im Weinanbau wird für bestimmte Regionen auf bis zu 95 Prozent geschätzt.

Wahrscheinlich werden für Obstbauern staatliche Nothilfeprogramme erforderlich werden, da diese, im Gegensatz zu Winzern, ihre Kulturen nicht gegen derartige Spätfrostfolgen versichern können.

Auch in Ländern wie Österreich, die Schweiz und Polen hinterließ der Frost seine Spuren.

Wie sind andere Kulturpflanzen von den tiefen Temperaturen betroffen?

Kälteauswirkungen auf Zuckerrüben

Wie sich die Kältewelle auf Zuckerrüben auswirkt, hängt zum einen von dem Entwicklungsstadium der Pflanze ab (Quelle: KultiVent KWS Farmservice):

  • Ungekeimtes Saatgut: geringe Auswirkung; die Rübenpille wird noch ausreichend mit Boden bedeckt
  • Frisch gekeimtes Saatgut: kritische Phase; im schlimmsten Fall kann die Pflanze absterben (Einschnürungen am Hypokotyl zeigen den Schädigungsgrad an);
  • Auflaufende Zuckerrübe: Gefahr des Abfrierens von Blattspitzen und Blättern; ab dem 1-2 Blattstadium geringe Auswirkungen, da die Pflanzen relative unempfindlich gegenüber Frost ist

Desweiteren wird das Gefahrenpotential von Faktoren wie

  • der Bodenart
  • der Bodenstruktur und dem
  • dem Feuchtegehalt des Bodens bestimmt.

Denn diese sind ausschlaggebend dafür, wie stark der Frost in den Boden dringen kann.

Kälteauswirkungen auf die Maisaussaat

Die Experten von KWS CultiVent empfehlen, mit der Maisaussaat noch zu Warten, denn Mais benötigt eine Bodentemperatur von mindestens 8 Grad Celsius.

Bei bereits gesäten Beständen kann es aufgrund der Kälte zu einer Keimruhe kommen, bis sich der Boden wieder auf mindestens 8 Grad aufgewärmen konnte.

Gefährlich wird es, wenn zum Frost zudem noch Feuchtigkeit auf das frische Saatgut trifft.

  • Ungkeimtes Saatgut: trockene Böden: geringeres Risiko – es kommt ggf. zur Keimruhe, bis der Boden sich wieder aufgewärmt hat; feuchte Böden: mögliche Einschränkung von Keimfähigkeit und Triebkraft, was einen verminderten Feldaufgang zur Folge hat;
  • Frisch gekeimtes Saatgut: hohes Risiko; im Extremfall wächst die Koleoptile (Schutzorgan für das erste aufgehende Blatt) nicht, so dass die Pflanze sich nicht entwickeln kann; warme Tage und kalte Nächte können dazu führen, dass sich der Keimling verdreht
  • Keimlingswurzel sowie Koleoptile sind bereits im Wachstam: mittleres mit hohes Risiko; ein verlangsamtes Wachstum führt zur Stauchung der Koleoptile, wodurch ein Wachstum durch den Boden ggf. nicht mehr möglich ist
  • 2-Blattstadium: geringes Risiko; Kälte verursacht beim Mais Schäden, die sich in der Regel wieder verwachsen

Kälteauswirkungen auf Raps

Im Norden und Osten waren erst die ersten Rapsblüten in Sicht, als die Kältewelle Deutschland traf. Im Süden und Westen hingegen stand der Raps bereits in voller Blüte.

Raps ist jedoch eine Kulturpflanze, die sich gut gegen Kälte behaupten kann.

  • Blütenöffnung während des Frostes: häufig bleiben die Blüten unbefruchtet
  • Blütenöffnung vor und nach dem Frost: Ausbildung von normalen Schoten

Da die Blütenphase des Rapses 4-6 Wochen anhält, wirken sich kurze Frostperioden auf den Bestand nicht wirklich aus und haben keinen spürbaren Einfluss auf den Ertrag.

Welche Maßnahmen unternehmt Ihr, um Eure Bestände vor der Kältewelle zu schützen?

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