Glyphosat-Lebensmittel-Aldi

Glyphosat: vom Streitthema zum Marketinghit?

Glyphosat: geliebt, gehasst, harmlos, krebserregend, … es gibt viele Positionen zu dem Herbizid. Es scheint nun noch eine weitere zu geben: gut für den Einzelhandel. 

Dass das Mittel wirkungsvoll auf dem Feld ist, wissen wir.  Aber es scheint auch wirkungsvoll für die Verkaufszahlen sein.

Nicht die des Herbizid-Herstellers, das ist gegeben. 

Sondern es geht um die Verkaufszahlen des Einzelhandels, in dem eine harter Konkurrenzkampf um die Gunst der Käufer herrscht.

Aldi setzt auf eigene Regeln beim Glyphosat

Glyphosat wurde zwar für weitere 5 Jahre in der Europäischen Union zugelassen, aber die Diskussion um das Herbizid ist alles andere als abgeflaut. 

Sie scheint nur am anderen Ende der Wertschöpfungskette angekommen zu sein.

Jetzt fordert Aldi von seinen Lieferanten tierischer Produkte genauere Informationen zu der Anwendung von Glyphosat in der Herstellerkette.

So soll Aldi in einem Schreiben an seine rund 65 Hersteller für die Eigenmarken von Aldi Fragen zum möglichen Einsatz von krebserregenden Substanzen in den Futtermitteln gestellt haben. 

Die Antworten auf die Fragen unter anderem zu: welche Wirkstoffe wieviel und wo eingesetzt werden und welche Alternativen bestehen würden, sollen bis Januar eingereicht werden.

Die Hersteller müssen die Details sicherlich bei ihren Lieferanten nachfragen, ggf. diese wiederum bei ihren. So wird sich die Anfrage einmal komplette durch den Wertschöpfungsprozess ziehen.

Wird die Praxis damit den Politiker vorauseilen? 

Glyphosat wurde in der EU nochmals zugelassen, aber in Deutschland geht die Diskussion um Einschränkungen in der Anwendung weiter, zunächst ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. 

Ob aus Besorgnis um das Wohl seiner Kunden und /oder die Verkaufszahlen, Aldi kann möglicherweise mit seiner Aktion tiefgreifende Veränderung beiführen, und damit die Debatte in Politikerkreisen auch eine Wendung geben.

Wenn wir mal von der Glyphosat-Diskussion Abstand nehmen, dann lohnt es sich die Entwicklung näher im Auge zu behalten.

Wieso? Weil Ihr sicherlich die eine oder andere Marketinglektion von Aldi mitnehmen könnt.

(Quelle: Lebensmittelzeitung, Süddeutsche Zeitung, topagrar)

Die Macht der Verbraucher

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher weiß wohl relativ wenig über die Herstellung ihrer Lebensmittel. Hauptsache sie sind günstig. 

Wer nicht direkt mit landwirtschaftlichen Themen zu tun hat, der hat im Hinterkopf wohl immer noch das Bild, was ihm als Kind suggeriert wurde: den idyllischen, romantisierten Bauernhof, wie er heute wohl noch für „Urlaub auf dem Bauernhof“ vermarket wird. 

Immer mal wieder erregen Skandale genug Aufmerksamkeit, denn sie zeigen dann genau das andere Extrem, dass es in der landwirtschaftlichen Praxis leider durchaus auch gibt. 

Solche Skandale oder auch Diskussionen um ein landwirtschaftliches Thema können dann durchaus gutes mit sich bringen. Etwa wenn artgerechtere Tierhaltungsformen zum Standard werden, oder schädliche Substanzen nicht mehr auf dem Feld eingesetzt werden. 

Eine Minderheit, die auf höhere Standards setzt, kann auch zu einem Massenphänomen werden. Etwa bei Bio-Produkten oder der fleischlosen Ernährungsweise.

Ja, der Trend zu Bio-Produkten hält ungebrochen an. Und ja,Vegetarier, Veganer, Flexitarier sind Begriffe, die zum Alltag dazugehören, Lebensstile die anerkannt sind.

Jetzt stellt sich die Frage:

Warum sind Bio und fleischlos so populär?

Sicherlich, waren es mehr und mehr Verbraucher, die bei ihren Essgewohnheiten umgedacht haben. 

Aber zum „Massenphänomen“ ist es geworden, weil es die Supermärkte, Restaurants und alle möglichen anderen Wirtschaftszweige, man nehme nur den Buchhandel, gab, für die der neue Trend Aufschwung bei den Verkaufszahlen bedeutete. 

Ja, gestartet ist der Trend beim Verbraucher.

Als anerkannter Standard hat aber sicher ein ausgefeiltes Marketing beitragen, das weitere Verbraucher von „Bio“ oder „vegan“ überzeugen sollte und schließlich die allgemeine Meinung zum Thema neu geformt hat. 

Eins ist sicher: wenn „Bio“ nicht wirkungsvoll für die Verkaufszahlen gewesen wär, wär es von den Supermärkten nicht ernst genommen wurden. Es wär heute nicht derart relevant. 

Deshalb wird es interessant sein, wie die Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel weiter fortgeführt wird.

Es ist eine Sache, wenn die Diskussion zwischen Politikern, Pharmakonzernen, Umweltaktivisten oder etwa Vertretern Landwirtschaft diskussiert wird.

Und es ist eine andere Sache, wenn die Diskussion im Einzelhandel und beim Verbraucher geführt wird, die als Abnehmer mit ihrem Geld klare Richtungen vorgeben.

Wie heißt es so schön: „Follow the money.

Soll heißen: folge dem Geldstrom, um zu wissen, wer wirklich die Entscheidungen trifft. 

Wie seht Ihr die Entwicklung – wird das Beispiel von Aldi auch auf andere Einzelhandelsketten überspringen und schließlich neue Standards in der Landwirtschaft schaffen?

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