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Glyphosat – ein neues Auskunftsrecht

Wissenschaftliche Frage, Industrielobbyismus, politisches Tauziehen – die Debatte um Glyphosat lässt die Gemüter abermals hochkochen. 

Glyphosat ist das am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel in Europa.

Es wird zur Vernichtung von Unkraut auf Feldern mit Nutzpflanzen wie zum Beispiel Mais und Raps eingesetzt.

Ob und in welchem Ausmaß Glyphosat gefährlich ist, sorgt jedoch immer wieder für starke Diskussionen zwischen den einzelnen Interessengruppen.

Glyphosat – das neue Informationsrecht

Natürlich wurden im Laufe der Jahre jede Menge Studien zu Glyphosat erstellt.

Aber während ein Teil der Studien krebsfördernde und andere gefährliche Auswirkungen von Glyphosat belegen, untermauert ein anderer Teil der Studien die Ungefährlichkeit des Pestizids.

In den letzten zehn Jahren hat sich der Einsatz von Glyphosat verdoppelt. Es ist das mit Abstand meistgenutzte Pestizid.

Aber Wissenschaftler sind nicht in der Lage, ein einheitliches Bild über die Auswirkungen des Einsatzes des Pestizids zu geben.

Erst Recht fehlt dem Bürger die Möglichkeit, auf zuverlässige Informationen für ihre Meinungsbildung zugreifen zu können.

Ändern soll sich dies mit zwei Urteilen, die nun vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gefällt wurden.

Diese beiden Urteile stehen Bürgern und auch Organisationen das Recht auf Informationen über die Auswirkungen von Pestiziden zu.

Zu dem Urteil kam es aufgrund zweier, ähnlich aufgebauter Klagen.

Zum einen hatte Greenpeace, in Kooperation mit dem Pecticide Action Network Europe (PAN Europe), die Herausgabe der Dokumente zur Genehmigung des PSM-Wirkstoffs Glyhphosat gefordert.

Zum anderen verlangte die niederländische Bienenstiftung die Herausgabe von Dokumenten zum Wirkstoff Imidacloprid. Diese wurde bisher vom Unternehmen Bayer verweigert.

Imidacloprid wird einer Reihe von Pestiziden zugeordnet, welche als Ursache für das weltweite Bienensterben gelten.

Bayer begründet das Zurückhalten der Informationen mit der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen.

Der Europäische Gerichtshof klärte die bestehende Gesetzgebung: der Begriff „Emissionen“ bezieht sich auch auf Mittel, die freigesetzt werden, um Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen.

Im Fall von Pestiziden ergeben sich damit für die Behörden, ebenso wie im Fall von Fabriken, die Schadstoffe ausstoßen, Informationspflichten.

„Transparenz ist wichtig, damit unabhängige Wissenschaftler die Gefahren von Glyphosat und anderen Pestiziden besser beurteilen und umstrittene Risikobewertungen der Behörden überhaupt überprüfen können“, meinte Harald Ebner ( Bundestagsabgeordneter der Grünen)

Es wird sich zeigen, wie dieses neue Auskunftsrecht in der Praxis umgesetzt wird.

Unabhängig davon sind Landwirte immer auf der Suche nach einem effizienteren Einsatz unserer Arbeitsmittel.

Auch wenn der Einsatz von Pestiziden in den letzten Jahren stark zugenommen hat, regen doch neuere Technologien und auch Erkenntnisse an, über Lösungen nachzudenken, die einen verminderten Einsatz von Pestiziden mit sich bringen.

Die Ergebnisse einer einzigartigen Langzeitstudie wirft interessante Fragen auf:

DOK-Versuch: Biologische und konventionelle Landwirtschaft im Langzeitvergleich

Quelle: FiBLFilm

Im biologischen Anbei wurden 20 Prozent weniger Erträge als beim konventionellen Anbau erzielt. Allerdings war der Aufwand auch um 40 Prozent geringer.

Die Erträge konnten, entgegen den Erwartungen, über lange Zeiträume stabil gehalten werden. Und die Auswirkungen auf die Böden und Umwelt sind eindeutig positiv.

Solche Ergebnisse werfen Fragen auf wie zum Beispiel: wie effektiv oder effizient ist der Einsatz von Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel auf Dauer wirklich?

Können neue Technologien die Antwort sein?

Der Traktor denkt und lenkt

Mit Konzepten wie Precision Farming („Präzise Landwirtschaft“) soll zukünftig verstärkt gezielter auf die Besonderheiten jedes Feldes eingegangen werden können.

Mit Sensoren, GPS und Co. ausgerüstet, „denkt“ die Landtechnik immer weiter mit.

Pestizide und Dünger müssen nicht mehr im Totalschlag auf dem gesamten Feld ausgebracht werden:

Der Traktor der denkt und lenkt

Quelle: pilotFilmSchmoelzer

Wir leben in einem wirklich aufregenden Zeitalter. Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran. Innovative Ansätze lassen sich überall finden.

Und sie sind wichtig und gefragt. Denn die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft in Deutschland und anderswo steht, wachsen:

So wünscht eine wachsende Zahl an Verbrauchern günstige Lebensmittel, die aber dennoch tier- und umweltfreundlich sind.

Daten werden wohl die neue Währung in der Landwirtschaft werden. Daten zu den aktuellen Wetterverhältnissen, Bodenfeuchtigkeit, Pflanzenwachstum die autonom Bewässerungs- und Düngersysteme steuern, werden nur der Anfang sein.

Derzeit nutzen rund 20 Prozent der Landwirte eine spezialisierte Software für Ihre landwirtschaftlichen Einsatzgebiete.

Gemäß einer Studie des ITK-Branchenverbands Bitkom stecken in der digitalen Vernetzung der einzelnen landwirtschaftlichen Produktschritte rund drei Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren an Wertschöpfungspotenzial.

3 Milliarden Euro – es kann wohl damit gerechnet werden, dass in den nächsten 10 Jahren die Landwirtschaft in Deutschland eine „digitale Revolution“ erleben wird.

Was meint Ihr? Wird die zunehmende Digitalisierung den Einsatz von Pestiziden und Düngern reduzieren können?  

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