Hilfspaket fuer Milchbauern Agrarbetrieb

Hilfspaket für Milchbauern

Die EU greift mit einem 500 Mio. EUR Hilfspaket den europäischen Milchbauern unter die Arme. Eine Deckelung der Milchproduktion mit Hilfe einer festgesetzten Quote wird es nicht geben.

500 Millionen EUR von der EU für die Milchbauern… Eine stolze Summe, zumal viele letzte Woche noch von 300 Mio. EUR ausgegangen sind. Seit gestern sind die 500 Mio. EUR jedoch amtlich. Agrarkommissar Phil Hogan will den krisengeplagten EU-Landwirten helfen.

Und wie sieht es mit der Milchquote aus?

Von einer Widereinführung der Milchquote will in Brüssel keiner was hören. Die EU-Kommission lehnt damit die Forderung von Politikern und Verbänden aus einigen EU-Mitgliedsstaaten zur Drosselung des Milchangebots eindeutig ab.

„No more Milchquote“ heisst es aus Brüssel – manch einen freut es, die anderen nicht.

Milchbauern kämpfen ums Überleben

 Quelle: YouTube Video von RT Deutsch

Deutsche Milchbauern erhalten 58 Mio. EUR

Von den insgesamt 500 Mio. EUR entfallen umgerechnet 58 Millionen EUR auf die deutschen Milchbauern.

Das Gesamtpaket besteht aus zwei Teilen und teilt sich wie folgt auf:

  • 150 Mio. EUR als Anreiz zur freiwilligen Senkung der Milchproduktion (Stichwort: freiwillig)
  • 350 Mio. EUR für nationale Programme; Gelder werden nach einem Länderschlüssel verteilt (Deutschland erhält 58 Mio. EUR)

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt äußerte sich zu dieser Entscheidung der EU-Kommission wie folgt:

„Es ist heute ein guter Tag für die europäische und die deutsche Landwirtschaft. Europa ist seiner Verantwortung ein Stück näher gekommen. (…)

Wer glaubt, dass mit staatlichen Mitteln, mit staatlichen Paketen die Milchmengensteuerung stattfinden kann, der überinterpretiert die Möglichkeiten. Es geht hier um Soforthilfe“.

Quelle: Deutschlandfunk

Ist die Milchkrise damit überwunden?

Natürlich nicht…

Die Preise sind am Boden und die Märkte (sowohl EU-weit als auch der Weltmarkt) übersättigt. Und was die Milchmengen anbelangt, so gibt es weiterhin keine gesetzliche Produktionsbeschränkung — alles auf freiwilliger Basis. Die Milchquote ist scheinbar endgültig vom Tisch.

Nicht umsonst spricht Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt von einer „Soforthilfe“, denn wer 1+1 zusammenzählt, weiss, dass wir längst nicht am Ende der Milchkrise sind, sondern eher mittendrin.

Deshalb durfte es auch keinen verwundern, dass die meisten EU-Politiker von einer Angebotskrise im Milchmarkt sprechen.

Ernährungstrends im Wandel

Wenden wir uns doch mal kurz von Brüssel und der Politik ab und schauen auf das was wirklich zählt: der Verbraucher und sein Konsumverhalten.

Jeder der bei Edeka, Rewe, Aldi, Lidl, DM, Rossmann & Co. einkauft, muss folgende Veränderung im „Milchregal“ festgestellt habe:

  • Sojadrinks, Reisdrinks, Kokosdrinks, Mandelmilch, Hafermilch und jegliche Kombinationen dieser stehen mittlerweile im Kühlregal neben der normalen, herkömmlichen Kuhmilch
  • Sojadesserts, Kokosdesserts, vegane Desserts aller Art stehen ebenfalls immer häufiger im Kühlregal neben den klassischen Joghurts und Milchdesserts

Was nun? Ist das mal wieder ein verpöhnter Trend von gelangweilten Großstadtmenschen, die nichts besseres zu tun haben als immer ‚Exquisit‘ einzukaufen?

Wohl kaum.

Ein Aldi stellt doch nie eine Palette Sojadrinks neben Milch hin, wenn es nicht verkauft wird. Ein Rewe füllt doch nicht mehrere Regale mit veganen Drinks wenn keiner danach fragt.

Ganz anders als bei Milch, liegen hier die Preise teilweise über den 2 EUR-Bereich. Tolle Spannen, da profitiert der Handel ganz stark davon, ist ja klar.

Worauf ich hinaus will ist folgendes:

Mit Scheuklappen durch die Handelsketten zu spazieren und Trends komplett zu ignorieren hat noch keinem geholfen; ganz im Gegenteil, so eine Ignoranz führt eher zum Bankrott.

Ja, Kuhmilch wird weiterhin getrunken. Daran wird sich in den kommenden Jahren auch nicht viel ändern – obwohl, achtet man auf die „vegane Revolution“, dann kann das in ein paar Jahren zu einigen Herausforderungen führen.

Leben Veganer tatsächlich gesünder?

Quelle: YouTube Video von Bayerischer Rundfunk

Fakt ist, wir haben es bei Milch mit einer Angebotskrise zu tun. Das Angebot übersteigt die Nachfrage.

Sicherlich ist das 500 Mio. EUR Hilfspaket eine tolle Unterstützung für die Milchbauern in der EU. Aber löst das, das Milchproblem? Wohl kaum.

In einer freien Marktwirtschaft regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Angebot hoch, Preis runter. Die Formel ist ganz einfach, die Konsequenzen teilweise verheerend.

Wie geht’s jetzt weiter?

„Business as usual“ werden viele sagen…

Denn die Verteilung der 58 Mio. EUR wird noch ein bischen dauern. Hinzu kommt, dass nicht jeder Landwirt bzw. Milchbauer mit dem ihm zugewiesenen Geld alle seine Probleme auf dem Hof lösen wird.

Letztendlich bleibt es einem selbst überlassen, wie er / sie den eigenen Bauernhof wirtschaftet. Sicherlich kann die Politik da unterstützend wirken, aber die Verantwortung bleibt immer noch bei einem selbst. Eine externe Schuldzuweisung wird kaum einem weiterhelfen. Ist nur Energieverschwendung.

Für die Milchbauern unter Euch: Inwieweit hilft Euch diese Finanzspritze aus Brüssel?

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.