Rucklaufige Investitionsbereitschaft Landwirte in Europa

Rückläufige Investitionsbereitschaft führender Landwirte in Europa

Das Importembargo Russlands und der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind nur zwei der Themen welche die Stimmung der Landwirte in Europa trübt. Hinzu kommt der Preisverfall bei Milch, Schweinefleisch & Co. was die Investitionsbereitschaft und die Zukunfterwartungen aller im Agrarbereich tätigen Menschen nicht unbedingt beflügelt.

Trotz aller oben aufgeführten Herausforderungen liegt die Investitionsbereitschaft führender Landwirte in Europa auf einem hohen Niveau. Die Landwirte in Deutschland erwarten eine überwiegend stabile Geschäftsentwicklung.

Trendmonitor Europa – Das erwarten Landwirte

Zweimal im Jahr – jeweils im Frühjahr und im September, nach der Ernte – befragen DLG-Experten deutsche, französische, polnische und britische Landwirte, um einen besseren Einblick in die aktuelle Stimmung, die Geschäftsentwicklung und die Investitionsbereitschaft zu erhalten und andererseits ein Gespür dafür zu bekommen, wie führende Landwirte in Europa die Zukunft einschätzen.

In dem heutigen Blog berichte ich über die Ergebnisse des Trendmonitors Frühjahr 2015.

1. Deutsche Landwirte erwarten einen überwiegend stabilen Geschäftsverlauf

Starten wir unsere Reise gleich hierzulande.

Schenkt man dem Trendmonitor glauben, so wollen 46% der Ackerbauern, 47% der Schweinehalter und 54% der Milchviehhalter investieren. Die Investitionsneigung bei den Milchviehhaltern bleibt stabil.

Die ganzen Diskussionen und Änderungen rundum das Thema „Milchquote“ haben dazu geführt, dass die Milchproduzenten alles daran setzen ihre Produktivität zu steigern, um damit die vorhandenen Kapazitäten besser auszulasten.

Das weltweit hohe Angebot u.a. auch bei Milch drückt weiterhin auf den Preis und erfordert entsprechende Anpassungsstrategien. Die Milchviehhalter rechnen erst für Jahresende mit Preisverbesserungen und damit einer leichten Markterholung.

In Deutschland stehen die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz und zunehmende Liquiditätsrisiken im Fokus, so ein Fazit des DLG-Trendmonitors.

Bevor wir die Lage der Landwirte in drei weiteren europäischen Ländern näher unter die Lupe nehmen, lassen Sie uns noch einen schnellen Blick auf den frisch veröffentlichten Geschäftsbericht der Rentenbank werfen.

Das Neugeschäft der Landwirtschaftlichen Rentenbank mit Programmkrediten stieg im Jahr 2014 um 3,8%. An der Spitze der regionalen Verteilung von Förderkrediten steht das Bundesland Schleswig-Holstein. Die hohe Nachfrage nach Windkraftanlagen führte zu einer Finanzierung in Höhe von 1.012,7 Millionen EUR. Hiervon entfielen 703,8 Mio. EUR auf das Programm „Bürger- und Bauernwindparks“.

Während Schleswig-Holstein massiv investierte, ging die Finanzierungslust in Bayern deutlich zurück. Der Rückgang basiert im Wesentlichen auf rückläufige Photovoltaik-Finanzierungen.

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 05

2. Auf der Agenda der französichen Landwirtschaft steht die Umsetzung der EU-Agrarreform

In Frankreich liegt die Investitionsbereitschaft der Landwirte bei 21%. Das entspricht einem Plus von 7% im Vergleich zum Herbst 2014. Zwar bewegt sich alles noch auf einem sehr niedrigem Niveau, nicht desto trotz wollen:

  • 29% der Milcherzeuger
  • 15% der Marktfruchterzeuger und
  • 20% der Schweinehalter

in den nächsten 12 Monaten investieren.

Hauptthema der französischen Landwirtschaft bleibt weiterhin die Umsetzung der EU-Agrarreform.

3. Britische Landwirte hoffen auf Steuererleichterungen

Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung gehen in entgegengesetzte Richtungen:

  • Marktfruchterzeuger und Milchviehhalter sind weniger optimistisch
  • Schweinehalter erwarten in den nächsten Monaten stabile Preise und gehen damit auch weiterhin von einer soliden Geschäftsentwicklung aus

Die Investitionsbereitschaft der Schweinehalter liegt bei 63% (ein Plus von 12%) und die der Milchviehhalter bei 55% (das entspricht einem Rückgang von 12%).

Die Landwirte aus Großbritannien geben die Hoffnung auf Steuererleichterungen nicht auf.

4. Das niedrige Preisniveau und die damit einhergehenden Liquiditätsrisiken beschäftigt die polnischen Landwirte

Die Stimmung bei den polnischen Landwirten ist nicht ganz so optimal wie bei den westlichen Kollegen. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, das Importembargo Russlands und der sich daraus ergebende Preisdruck, trübt die Stimmung.

Die Investitionsbereitschaft nimmt zwar ab, bleibt nicht desto trotz auf einem hohen Niveau. So wollen 50% der Milchviehhalter, 47% der Schweinehalter und 46% der Marktfruchterzeuger Investitionen tätigen.

Fazit

So wie es aussieht, kämpfen europäische Landwirte von der Vogelperspektive aus gesehen, an unterschiedlichen Fronten. Wagt man jedoch einen Blick tiefer hinter die Kulissen, dann lässt sich feststellen, dass fast alle durch die Bank auf eine gewisse Entspannung im Bereich der Preise hoffen. Sollten sich die grauen Wolken etwas auflockern, gehe ich davon aus, dass wir eine Ankurbelung der Investitionen sehen werden.

Was erwarten Landwirte und Verbraucher Ihrer Meinung nach von der EU-Agrarpolitik? Welche Zukunftsszenarien sind wahrscheinlich?

 

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 01

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