Urbane-Landwirtschaft-vertical-farming

Ist urbane Landwirtschaft die Zukunft?

Man lebt auf dem Land, oder man lebt in der Stadt. Auf dem Land wird Landwirtschaft betrieben, um Lebensmittel herzustellen. In der Stadt arbeitet man im Büro und kauft im Supermarkt ein.

So oder so ähnlich ist es in unseren Köpfen abgespeichert.

Aber wir leben in aufregenden Zeiten.

Innerhalb weniger Jahre hat sich mittlerweile soviel geändert wie in den letzten Jahrhunderten zusammengenommen nicht.

Konzepte, die in unseren Köpfen verankert sind, weil wir mit diesen aufgewachsen sind, verlieren mehr und mehr an Gültigkeit.

Es ist wichtig, zu hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind und ob es nicht auch anders geht.

Zum einen, weil einfach neue Lösungen für neue Probleme gefunden werden müssen. Zum anderen, einfach um mit den Änderungen mithalten zu können.

Die Grenzen verschwimmen zunehmend. Land und Stadt sind klar in unseren Köpfen getrennt.

Und dann sowas: urbane Landwirtschaft.

Ein Paradox? Wie soll Landwirtschaft in der Stadt funkionieren?

Urbane Landwirtschaft im Supermarkt

Ja, richtig gelesen. Nicht nur, dass Landwirtschaft in der Stadt betrieben wird.

Nein, es geht noch besser. Warum nicht die Lebensmittel direkt dort produzieren, wo sie auch verkauft werden? Nämlich direkt im Supermarkt.

Und wir reden hier nicht von einem futuristischen Konzept. Von einer Zukunftsvision, wie es Hollywood nicht besser auf die Leinwand zaubern könnte.

Letzte Woche wurde in Berlin die erste Indoor-Farm nach dem Qualitätsstandard GLOBALG.A.P. zertifiziert.

Das StartUp-Unternehmen INFARM bringt vertikale Landwirtschaft in einer „Mikro“-Version in den Supermarkt.

Vertical Farming in Berlins Supermärkten

Quelle: Handelsblatt Global

Mit den Innenraum-Treibhäusern werden Blattgemüse, Salat und auch Kräuter genau dort angebaut und geerntet, wo sie dann auch verkauft werden.

Die Zertifizierung ist ein Meilenstein für die Betreiber, denn sie bestätigt, dass die Treibhäuser nach guter landwirtschaftlicher Praxis betrieben werden und vor allem auch von unabhängigen Kontrollstellen überprüft werden.

Viele Supermärkte nehmen erst Produkte in ihr Sortiment auf, wenn der Zulieferer aus Gartenbau, Aquakultur und Landwirtschaft ein gültiges GLOBALG.A.P.-Zertifikat vorlegen kann.

Nun haben die von INFARM betriebenen Indoor-Farmen, als erster Betreiber, von dem unabhängigen Prüfinstitut SGS die Zertifizierung erhalten.

„Da sonst Gemüsebetriebe oder Obstplantagen nach GLOBALG.A.P. auditiert werden, mussten wir die Prüfkriterien für die Instore-Farm erst adaptieren“, so Betina Jahn vom Zertifizierer SGS.

Damit ist der Weg frei für die Zertifizierung von weiteren Indoor-Farmen

Frisches Gemüse produziert im Supermarkt

Bei den Instore-Farmen handelt es sich um in sich geschlossene Systeme. Die Versorgung der Grünpflanzen erfolgt voll automatisiert.

Wie in dem Beitrag dargestellt: in diesem kleinen Ökosystem trifft babylonische Technik auf neueste High-Tech-Standards.

Die Grünpflanzen erhalten ihre Nährstoffe nicht durch den Boden. Ein Wassertank enthält mit Nährstoffen und Sauerstoff angereichertes Wasser.

Dieses wird nach oben zu den obersten Gemüseregalen gepumpt und läuft, wie im Alten Babylonien, auf die darunter liegenden Terrassen, bis es wieder im Wassertank angekommen ist.

Der Kreislauf beginnt wieder von vorne. In dieser Hinsicht ein ressourcensparendes System.

Aber jeder weiß, Pflanzen brauchen Sonne zum wachsen. Hier komm die neueste LED-Technik ins Spiel.

Erst die Entwicklungen auf diesem Gebiet erlauben Pflanzen, ohne direktes Sonnenlicht aufzuwachsen.

Möglich ist dies, weil Pflanzen nicht das „komplette“ Sonnenlicht benötigen. Sie nutzen lediglich ein bestimmtes Spektrum.

Rotes, blaues und infrarotes Licht reichen vollkommen aus. Und hier kommt die Kreativität ins Spiel.

Jedes Lichtfarbe wirkt sich unterschiedlich auf die Pflanzen aus:

  • Rotes  und infrarotes Licht: regelt den Tag- und Nachtrhythmus, ist verantwortlich für Schnelligkeit und Höhe des Wachstums;
  • Blaues Licht: produziert mittels des Pflanzenfarbstoff Chlorophyll aus Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker und erhöht den Anteil von bspw. Vitaminen, verringert jedoch auch das Pflanzenwachstum.

Der Einsatz dieser drei Lichtarten kann nicht nur optimal auf die Bedürfnisse der verschiedenen Pflanzen abgestimmt werden.

Die unterschiedlichen Kombinationen regeln auch den Geschmack der Pflanze. Ein bisschen mehr Schärfe in den Basilikum, oder wie wärs mit mehr Süsse im Rettich?

Im großen Stil die vollständige Produktion von Gemüse im vertikalen Anbau aufgrund des hohen Stromverbrauchs sehr kostenintensiv. Aber auch hierfür wird es Zukunft sicherlich Lösungen geben.

Derzeit bietet METRO Cash & Carry in Berlin und Antwerpen die vertikale Landwirtschaft an.

Frisches Gemüse, ohne Pestizide und Chemikalien, dass, so Tester, intensiv im Geschmack ist. Europa hingt auf dem Gebiet noch hinterher.

Aber stellt Euch eine Zukunft vor, in der nicht nur Supermärkte, sondern auch das Restaurant um die Ecke eine kleine Indoor-Farm betreibt.

Oder werden wir zukünftig unser Gemüse, nach unserem Geschmack, in unserer eigenen Küche produzieren?

Was denkt Ihr, wird so die Zukunft so aussehen, dass jeder „Städter“ seine eigene Farm daheim betreibt?

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