Landkonzentration-Landwirtschaft

Zunehmende Landkonzentration in Europa

Eine zunehmende Landkonzentration ist in Deutschland als auch im restlichen Europa ein Trend, dem die EU-Agrarpolitiker entgegenwirken möchten.

Der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments hat sich nun deutlich gegen eine „fortschreitende Eigentumskonzentration“ von Agrarflächen ausgesprochen.

Aber bevor wir den Hintergrund hierfür näher betrachten, lässt uns jedoch kurz auf die schauen Lage für Geflügelhalter schauen.

Keine Entwarnung für Vogelgrippe

Die Vogelgrippe ist noch nicht vollständig „abgeklungen“. Trotz einer Lockerung der Stallpflicht für viele Geflügelhalter, für viele bleibt die Situation unverändert.

Derzeit prüft das Bundeswirtschaftsministerium, in welchem Ausmaß die Schäden vorliegen, und ob gegebenfalls ein Antrag auf EU-Hilfen für die deutschen Eierproduzenten beantragt werden kann.

Derzeit ist von einem Schaden in Höhe von 40 Millionen EUR die Rede.

Für die mehr als eine Million Tiere, die in den vergangenen Wochen getöteten werden mussten, werden die Landwirte von den Tierseuchenkassen entschädigt.

Es geht aber auch um Schäden, die etwa bei Freilandhennen entstanden, deren Eier nun nicht mehr als Freilandeier deklariert werden durften. Dies reduzierte natürlich den Verkaufspreis.

Auch wenn der Markt wohl mit Verständnis auf die Situation reagierte, so zahlten Edeka und Rewe beispielsweise weiterhin den vollen Freiland-Preis, das wirkliche Ausmaß der Schäden kann noch nicht abgeschätzt werden.

Erst dann wird sich zeigen, ob das BMEL tatsächlich EU-Hilfen beantragen wird.

Aber nun zur Frage: wie steht es um die Landkonzentration in Europa?

Zunehmende Landkonzentration in Europa

Zum Hintergrund: seit Jahren nimmt die Konzentration von landwirtschaftlicher Fläche zu.

Im Jahr 1975 gab es noch ungefähr 904.700 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Im Jahr 2016 waren es lediglich noch rund 262.100 Betriebe. (Quelle: Statista)

Den Trend der Landkonzentration gibt es nicht nur in Deutschland. Auch das restliche Europa ist hiervon betroffen.

Und die Größenordnung und Geschwindigkeit sind erschreckend.

Normalerweise denke man bei Landkonzentration an Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Klingt Landkonzentration vielleicht noch harmlos, dort wird das Phänomen auch mit dem Begriff „Land Grabbing“ bezeichnet.

Land Grabbing klingt nicht mehr harmlos. Große Agroholdings und Finanzunternehmen kaufen oder pachten auf langfristig ausgelegte Zeiträume Agrarflächen. Diese bewirtschaften sie in eigener Regie.

Die Investoren kommen aus dem Aus- oder Inland, die rechtlichen Zusammenhänge und Transaktionen sind meist wohl eher sehr instransparent und kaum nachvollziehbar.

Die neuen Großgrundbesitzer – Das Geschäft mit Europas Boden

Quelle: biopilz

Die Konzentration von Agrarland in den Händen weniger ist seit Jahren auch in Europa ein Thema.

In 2010 gehörten in den EU-27 –  Ländern bereits 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzen Fläche rund 3 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe.

80 Prozent der Betriebe verfügten im Gegensatz dazu in 2012 nur über 12 Prozent der Agrarflächen. (Quelle: Europäisches Parlament – Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung)

Als „besonders problematisch“ wird die Lage in Rumänien, Ungarn und Bulgarien gesehen. Aber auch Deutschland, Spanien und Italien zeigen eine besorgniserregende Entwicklung.

Wachsende Landkonzentration durch Zuschüsse

Wie Europäische Agrarsubventionen die Entwicklung begünstigen, zeigt sich insbesondere an Osteuropa.

Nach dem Fall der Bauern gingen viele Landwirte schnell bankrott. Warum? Sie hatten gar keine Chance gegen die subventionierte Konkurrenz aus dem Westen.

Nun wirken natürlich auch Faktoren wie die Größeneffizienz eines Betriebes.

Ein kleiner Bauernhof kann mit einem Großbetrieb, der wirtschaftlicher den Hof betreiben kann, nicht mithalten. Insbesondere, wenn die Gewinnmargen eh schon gering sind und nicht viel Spielraum zulassen.

Und längst ist die europäische Landwirtschaft nicht mehr nur in europäischen Händen.

Chinesische Firmen, die in Bulgarien im großen Stil Mais anbauen, oder der großflächige Getreideanbau von Unternehmen des Mittleren Ostens in Rumänien sind nur zwei Beispiele.

Allerdings ist die Europäische Agrarpolitik an den Entwicklungen hinsichtlich der Landkonzentration nicht unschuldig.

So etwa meint SPD-Politikerin Maria Noichl, dass die flächengebundenen Direktzahlungen zu einer „einseitigen Förderung der größten Betriebe“ führe. Sie betonte, dass die genossenschaftlich organisierten Betriebe dabei  nicht gemeint sind.

Auch wird kritisiert, dass die EU-Kommission Verletzungsverfahren gegenüber seinen osteuropäischen Mitgliedsstaaten, etwa Polen, androht.

Europäische Länder, die also dem Land Grabbing durch Finanzinvestoren entgegentreten wollen, werden wegen Diskriminierung hierfür auch noch angeprangert.

Nun hat der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments in einer Ausschusssitzung in der letzten Woche einen Initativbericht zum Thema verabschiedet.

Es wird darin unter anderem dazu aufgerufen, einer zunehmenden Flächenkonzentration Einhalt zu gebieten und Junglandwirte sowie Neueinsteiger beim Erwerb von Gründstücken zu unterstützen.

Dies ist ein Anfang, aber es müssen auch Handlungen folgen. Welche Handlungen sind Eurer meiner nach notwendig, um die zunehmende Konzentration zu stoppen?

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