Landtechnik John Deere Agritechnica 2015

Landtechnik: John Deere und Deutz legen Quartalszahlen vor

Der US-amerikanische Landtechnikhersteller John Deere und der Kölner Motorenhersteller Deutz haben ihre Quartalszahlen vorgelegt.

Und wie lauten die Ergebnisse?

Soviel schonmal vorne weg: bei beiden steht ein Minuszeichen davor.

Bevor wir uns die aktuelle Lage der beiden Unternehmen näher anschauen, klären wir erstmals etwas Wichtiges auf. Denn die Spekulationen der letzten Woche rundum Monsanto, Bayer und BASF haben nicht nur die Börsianer wuschig gemacht, sondern auch viele Menschen die im Bereich Landwirtschaft, Landtechnik & Co. tätig sind.

Wenn zwei oder drei Riesen um weltweite Marktdominanz kämpfen, dann betrachtet man die befürchteten Hunger Games nur noch als Spiel…

Die Rede ist natürlich vom Bayer-Monsanto Übernahmespiel. Von einem Trio ist zur Zeit noch keine Rede – BASF kommentierte Bayerns 62 Milliarden US-Dollar schwere Kaufangebot für Monsanto nicht.

Jetzt ist es amtlich! Es handelt sich nicht um 40 Mrd. USD, sondern um genau 62 Mrd. USD – so die offizielle Meldung in Zeitungen und Nachrichtensendungen (Quelle: Die Welt). Das sind umgerechnet 55 Milliarden EUR bzw. 122 USD je Aktie – ein „Aufschlag von 37% auf den Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen“.

Das sind ja gigantische Summen die durchs Orbit fliegen… und das bereits zu Beginn bzw. als erstes Angebot. Ich bin sehr gespannt was am Ende daraus wird.

Eins ist sicher: Die Summen im Fussball werden immer größer und nicht nachvollziehbar. Die Summen beim Kauf von Tech-Startups werden immer fantasievoller. Wieso soll es dann in unserer Branche nicht ähnlich zugehen? Ob das ein guter oder schlechter Trend ist, das lasse ich mal an dieser Stelle so stehen.

Zurück zur Realität…

Gewinn bei John Deere bricht um ein Drittel ein

John Deere hat letzte Woche seinen Q2-Bericht veröffentlicht. Der Gewinn von Deere & Company belief sich im zweiten Quartal auf 495,4 Millionen USD. Das sind 28% weniger als in der Vorjahresperiode (690,5 Millionen USD).

  • Die Umsätze und sonstigen Erträge sanken in Q2 um 4% auf 7,875 Mrd. USD und im Halbjahr um 8% auf 13,400 Mrd. USD
  • Der Gewinn im ersten Halbjahr lag bei rund 750 Mio. USD (Vorjahr: 1,077 Mio. USD).

Wer bzw. was ist Schuld an der Misere?

John Deere führt folgende zwei Faktoren auf:

  1. Konjunkturschwäche in der Landwirtschaft
  2. Schwache Performance (Nachfrage) der Baumaschinenmärkte

Samuel Allen, der CEO und Verwaltungsratsvorsitzende von Deere & Company äußerte sich zu dem Ergebnis wie folgt:

„Die Ergebnisse des zweiten Quartals spiegeln die anhaltenden Auswirkungen einer sich weiter abschwächenden weltweiten Agrarkonjunktur wider sowie schwächer tendierende Baumaschinenmärkte.“

Quelle: Pressemeldung John Deere

Die Sorgenkinder „Maschinensparten“ und „Finanzierungsgeschäft“

Ähnlich wie im Bereich Gesamtumsatz, gings auch beim Umsatz der weltweiten Maschinensparten runter:

  • 4% weniger Umsatz in Q2
  • 9% weniger Umsatz im ersten Halbjahr

Der Betriebsgewinn lag in Q2 bei 688 Mio. USD (Vorjahr: 828 Mio. USD). Der Nettogewinn in Q2 betrug 393 Mio. USD (Vorjahr: 524 Mio. USD).

Als Ursachen für die schlechte Performance werden niedrige Liefermengen, ungünstige Wechselkurse und eine unvorteilhafte Zusammensetzung des Produktprogramms genannt.

Neben der Maschinensparte schwächelte auch das Finanzierungsgeschäft von Deere & Company. Der Gewinn lag in Q2 bei 102,6 Mio. USD (169,8 Mio. USD im Vorjahr).

Die drei Hauptursachen für den Ergebnisrückgang sind:

  1. Weniger vorteilhafte Zinsspannen
  2. Einbußen beim Restwert von Leasingmaschinen
  3. Erhöhung der Rückstellungen um Kreditrisiken zu decken

Wie lauten die Erwartungen von JD?

Eine Erholung ist erstmals nicht in Sicht. Das Unternehmen geht auf das gesamte Geschäftsjahr gesehen, von einem Rückgang in Höhe von 9% bei Maschinenumsätze aus. Für das dritte Quartal wird ein Minus von 12% erwartet.

Die Company erwartet einen Gewinn von 1,2 Milliarden USD. Damit hält der Abwärtstrend bei JD weiter an.

Schlechte Stimmung auch beim nächsten Hersteller. Unsere virtuelle Reise führt aus den USA nach Deutschland, u.z. zur Deutz AG nach Köln.

Bei der Deutz AG ist die Auftragslage im Keller

Deutz AG hat am Anfang des Monats seinen Quartalsbericht veröffentlicht. Das Unternehmen verkaufte in Q1/ 2016 insgesamt 32.112 Motoren. Das sind 13% weniger als im Vorjahr.

Der Umsatz belief sich auf 300,2 Mio. EUR und damit 5,6% unter dem Vorjahreswert von 318,1 Mio. EUR. Das operative Ergebnis ist im Vergleich zu Q1/2015 um 2,8 Mio. EUR zurückgegangen; im Vergleich zum Vorquartal jedoch um 13 Mio. EUR verbessert.

Die Entwicklung entspricht den Erwartungen. Das Unternehmen geht weiterhin von einem schwierigen Marktumfeld aus und rechnet für das Geschäftsjahr 2016 mit stagnierenden (besten falls leicht steigenden) Umsätze.

Hunger Games & Landtechnik

Weniger Anbauflächen, mehr Menschen, mächtige „Spieler“…

Der Agrochemie-Markt ist bereits super stark konzentriert aber wie es aussieht, geht da noch einiges. Kaum ist das Syngenta-Spiel zu Ende, fängt das Monsanto-Spiel an. Bloss keine Langeweile aufkommen lassen, das wäre ja schädlich für alle Parteien…

Chemchina kaufte vor wenigen Wochen Syngenta. Dow Chemical und Du Pont schliessen sich zusammen zu einem weiteren Branchengiganten – bis dato die größe Firmenhochzeit in der Geschichte der Chemieindustrie.

Die Karten werden neu gemischt und Bayer legt vor. Jetzt ist Monsanto am Zug. In der Zwischenzeit schaut BASF zu.

Die wichtige Frage ist:

Was macht die Kartellbehörde? Schaut die auch nur zu?

Spannende Zeiten.

Egal ob Agrochemie, Landtechnik, Virtual Reality oder Artificial Intelligence – in den kommenden Jahren wird sich vieles gewaltig ändern. Was glaubt Ihr?

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