Landwirtschaft Sommergerste im Agrarbetrieb

Landwirtschaft: Klagen, Übernahmen, Imagekampagnen

Die gute, alte Landwirtschaft kann mit der neuen High-Tech Welt in puncto Wandel, Tratsch und Klatsch sicherlich sehr gut mithalten.

In dem heutigen Beitrag geht’s um die DMK Schadensersatzklage, die Entstehung des weltweit größten Pflanzenschutzmittelherstellers ChemChina, die Rekordernte in Russland und eine Image-Kampagne von Landwirten aus Landshut.

Starten wir mit einer aktuellen Meldung aus unserem Heimatland…

Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei DMK fordert 28 Mio. EUR

Preisabsprachen, Gebietsaufteilungen… die Zuckerhersteller kommen nicht zur Ruhe.

Geschädigte Unternehmen fordern rund 500 Mio. EUR Schadensersatz. Jetzt gesellt sich das Deutsche Milchkontor auch zur Runde dazu und fordert 28 Mio. EUR Schadensersatz.

„Wie eine Vielzahl anderer Unternehmen hat DMK eine Kartellschadensersatzklage gegen die Zuckerhersteller Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen eingereicht.“

Zur Erinnerung:

In 2014 hatte das Bundeskartellamt gegen die drei oben aufgeführten Unternehmen ein Bußgeld in Höhe von 280 Millionen EUR verhängt. Die Anklage lautete „wegen wettbewerbsbeschränkender Gebiets-, Quoten- und Preisabsprachen“.

Quellen: Handelsblatt, Focus

USA genehmigt Übernahme von Syngenta durch ChemChina

Das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) gibt grünes Licht für die Übernahme der Schweizer Syngenta durch das chinesische Staatskonzern ChemChina.

Der 43 Mrd. USD Deal ist jedoch nicht ganz durch, da noch weitere Länder inkl. deren Regulierungsbehörden über den Zusammenschluss abstimmen müssen. Sicherlich ist das OK aus den USA ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Entstehung des weltweit größten Pflanzenschutzmittelherstellers.

Die Syngenta AG erwartet den Abschluss der Transaktion bis Ende diesen Jahres.

Freude und Frust: Russland rechnet mit einer Rekordernte

Die neuesten Ernteschätzungen in Russland sorgen für Freude und Frust gleichermassen. Freude, weil die Nation mit einer Rekord-Getreideernte rechnet. Frust, weil die Preise für Weizen & Co. im Keller sind und ein Engpass bei den Lagerkapazitäten droht.

Wie lauten die neuesten Schätzungen der Experten?

Das staatliche Agrartransportunternehmen RusAgroTrans hat seine Schätzung für die Getreideernte in Russland erneut angehoben. Anfang Juli gingen die Experten von 110 Mio. Tonnen Getreide aus. Die aktuelle Prognose lautet 118,5 Mio. Tonnen.

Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, dann wäre das eine Rekordernte und laut APK-Inform, der höchste Stand seit 37 Jahren. In 1978 lag die Getreideernte bei 127,4 Mio. Tonnen.

Die Ernteschätzung bzw. die zu erwartende Produktion von Weizen liegt bei 72-73 Mio. Tonnen und die Prognose für Gerste bei 19,5 Mio. Tonnen.

Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen: fast alle führenden Getreide-produzierenden Länder gehen in dieser Saison von einer hervorragenden Ernte aus. Dieser positive Trend drückt auf die Preise. Wer demnach auf bessere Konditionen am Markt wartet, muss in der Lage sein, so viel wie möglich zu lagern.

Das Problemkarussell dreht sich weiter, denn

=> wohin mit den Reserven aus vorhergehenden Wirtschaftsjahren?

=> woher neue Lagerkapazitäten?

=> wie Qualität bewahren, wenn die gute, alte Scheune herhalten muss?

Selbstverständlich gibt’s auch in Russland Getreidesilos, aber wie viele Landwirte können sich diese „teure“ Lösung denn auch leisten? Da muss die Scheune herhalten. Hinzu kommt, dass sich nicht alle Silos in einem technisch einwandfreien Zustand befinden.

Da bleibt Russland, genauso wie vielen anderen Ländern auch, die Hoffnung auf mehr Exporte.

Marketing & Landwirtschaft

Imagekampagne soll Bild konventioneller Tierhalter geraderücken

Die vielen negativen Schlagzeilen und Dokus zu den Themen Massentierhaltung, BSE, Vogelgrippe, Glyphosat, Nitrat im Wasser usw. haben wesentlich zur Imagezerstörung von Landwirten und Tierhaltern beigetragen. Ach ja, lasst uns dabei auch die Trash-TV-Sendung „Bauer sucht Frau“ nicht außer Acht lassen.

Das alles wieder hinzubiegen ist eine große Herausforderung.

Getreu dem Motto „Kaputte Beziehungen kann man reparieren“, haben sich ein paar Landwirte aus dem Landkreis Landshut zusammengetan und eine Werbeagentur engagiert. Die Marketingkollegen sollen nun das hinbiegen, was Medien & Co. zerstört haben…

Quelle: YouTube Video Bayerischer Rundfunk

Wer weiß, wer weiß? Wird die regionale Imagekampagne „Heimatlandwirte“ wirklich etwas retten können?

Viele Konsumenten lassen sich von negativen Berichterstattungen und Nachrichten leiten. Das war schon immer so und daran wird sich auch zukünftig nicht viel ändern. Wichtig ist trotzdem einen realistischen Einblick in die Landwirtschaft bzw. Tierhaltung zu gewähren.

Mangelnde Anerkennung und Wertschätzung

Immer in der Kritik zu stehen und von den Medien „ausgebeutet“ zu werden, macht keinem Spass. Wie wir alle wissen, verkaufen sich negative Schlagzeilen wesentlich besser als Positive. Es geht um Einschaltquoten sowie die Anzahl verkaufter Magazine, Zeitschriften und Zeitungen.

Ob dadurch Existenzen zerstört werden bzw. mehrere Familien ihren Hof samt Einnahmequellen verlieren oder ganze Berufsgruppen durch den Dreck gezogen werden, das interessiert die Wenigsten. Solange man CEO oder General Manager bleibt und weiterhin regelmäßig Geld aufs Konto fließt, passt es schon.

Eine „sachliche Diskussion über die moderne Landwirtschaft“ zu führen ohne dabei die Meinung der sogenannter Hardliner zu ändern – kriegen wir das hin? Was meint Ihr?

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