Agrarbetrieb-Landwirtschaft-Gentechnik

Landwirtschaft: mit oder ohne Gentechnik

Über Monate wurde an ihm gewerkelt. Nun wurde er vorgestellt, der neue Gesetzesentwurf zur Gentechnik in Deutschland.

Über das Ziel, das Anbauverbot von gentechnisch-veränderten Pflanzen besteht weitgehend Einigkeit. Nicht jedoch über die Wege, welche der Gesetzentwurf zum Erreichen des Zieles wählt. 

Aber auch ohne den Einsatz von Gentechnik lassen sich Pflanzen verändern.

So arbeiten Monheim – Bayer CropScience und die KWS Saat AG seit 2001 an der Entwicklung einer herbizidtoleranten Zuckerrübe.

Oder offizieller gesagt: an der Forschung über innovative Unkrautregulierung in Zuckerrüben.

Neue Rübensorte: tolerant gegen ALS-Hemmer ohne Gentechnik

Im Klartext bedeutet dies, das Rübenpflanzen mit einer natürlichen Veränderung in Ihrem Erbgut gezielt ausgewählt und weiter gezüchtet wurden, um die Unkrautkontrolle beim Anbau von Zuckerrüben zu erleichtern.

Das Ziel war es, Zuckerrüben zu entwickeln, mit der Betonung auf „ohne Gentechnik“ zu entwickeln, die gegenüber Herbiziden der Klasse der ALS-Hemmer tolerant sind.

Scheinbar waren die Unternehmen erfolgreich. Die neue Rübensorte wird, mit dem passendem Herbizid Conviso, wohl ab 2018 in Deutschland erhältlich sein.

Conviso ist ein Herbizid, dass ALS-Hemmer enthält. Es beinhaltet den blattaktiven Wirkstoff Foramsulfuron als auch den blatt- und bodenaktiven Wirkstoff Thiencarbazone-methyl. Derzeit läuft der Zulassungsprozess.

Rüben, die gegenüber Glyphosat resistent sind, wurden gentechnisch verändert. Die neue Rübensorte, die das Herbizid toleriert, wurde klassisch gezüchtet.

Das Resultat mag das Gleiche sein. Wo die Rübe angebaut werden darf, wird der Unterschied sein.

Die Pflanze entwickelt sich in Ihrer Jugendzeit langsam, d.h. bereits in einem sehr frühen Stadium ist eine effektive Unkrautkontrolle notwendig.

Allerdings verspricht der Einsatz des Herbizids im Termin flexibler zu sein und soll zudem alle Unkräuter der Rübe erfassen.

Ob mit oder ohne Gentechnik entwickelt, Pflanzen die Herbizide tolerieren, erleichtern dem Landwirt in vielen Bereichen das Leben. Diese Erleichterung kommt jedoch nicht ohne Ihren Preis, wenn man es sich zu einfach macht.

Denn die Resistenz birgt auch Risiken. Die Natur passt sich immer an. Eine einseitige Nutzung von Herbiziden wird die Hersteller erfreuen. Unkräuter können jedoch ebenfalls anfangen, ALS-Hemmer zu tolerieren.

Es ist deshalb wichtig, dass ein integrierter Einsatz erfolgt. Prozesse, in denen Fruchtfolgen und andere Wirkstoffe gezielt eingesetzt werden, sind gefragt.

Dies zeigt wieder, Landwirtschaft ist ein extrem komplexes System, in denen viele Variablen berücksichtigt und miteinander verknüpft werden müssen, um bestmögliche Erträge zu erzielen.

Aber manchmal ist es auch einfach nur simple:

Zuckerrübenernte bei Sonnenuntergang

Quelle: Andi S

Manchmal können die Dinge auch in der Landwirtschaft einfach sein. Aber nach der kurzen Erholung gehts weiter ins politische Minenfeld. 

Gestern wurde vom Bundeskabinett der Gesetzentwurf zum Gentechnik-Gesetz von Agrarminister Christian Schmidt verabschiedet.

Neuer Gesetzesentwurf zur Gentechnik verabschiedet

„Mit dem Gesetzentwurf stellen wir langfristig ein flächendeckendes Anbauverbot für grüne Gentechnik sicher.“ – Agrarminister Christian Schmidt

So sicher wie der Agrarminister sind die zahlreichen Kritiker des Gesetzentwurfes sich allerdings nicht.

Das Gesetz sieht ein flächendeckendes Anbauverbot vor, wenn sich alle Bundesländer und sechs Bundesminister einig sind.

Schmidt hält dieses Einigungsverfahren als den rechtlich sichersten Weg, um zukünftig den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland zu verhindern.

Kritiker befürchten hindessen, dass diese Bedingungen zu kompliziert sind und zu unterschiedlichen Regelungen für jedes Bundesland führen werden. Denn nach dem neuen Gesetzentwurf könnten die einzelnen Bundesländer jeweils ein Anbauverbot aussprechen.

So äußerte sich der Deutsche Bauernverband (DBV), dass die „komplizierten Regelungen“ in Deutschland „einen Flickenteppich beim Anbau von GVO-Pflanzen“ schaffen werden.

Die Frage ist, wie in Deutschland sinnvoll und praktikabel produziert werden kann, wenn in jedem Bundesland unterschiedliche Regelungen herrschen?

Ist der Gesetzentwurf mit EU-Recht vereinbar, wenn den Marktteilnehmern in der EU gleiche Voraussetzungen zugesprochen werden? Werden wir zukünftig hitzige Debatten verfolgen, weil jedes Bundesland seine eigene Regelung durchsetzen will?

Warum wurde die Chance auf ein bundeseinheitliches Anbauverbot nicht genutzt und stattdessen ein Verfahren gewählt, was ein Anbauverbot mit seinem komplizierten Regelwerk eher erschwert?

Der neue Entwurf wirft bei den unterschiedlichen Interessenverbänden viele Fragen auf. Manche hoffen, die neuen gesetzlichen Regelungen im Bundestag noch stoppen zu können.

Der Anbau zugelassener GVO-Pflanzen ist bisher in Deutschland  lediglich für Forschungszwecke möglich. In der EU sind jedoch bereits 6 gentechnische veränderte Maissorten zugelassen und weitere Anbauzulassungen werden wohl folgen.

Landwirtschaftsminister Schmidt kündigte hierfür bereits an, ebenfalls eine Ausnahme für Deutschland zu beantragen.

Ob mit oder ohne Gentechnik gezüchtet, resistente Pflanzen sollen höhere Erträge versprechen. Konntet Ihr bereits Erfahrungen mit Resistenzen sammeln? Wenn ja, welche?

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