Landwirtschaft 4.0 Pros und Cons

Landwirtschaft 4.0: Die Pros und Cons der digitalen Revolution

Landwirtschaft 4.0… Smart Farming 4.0… Industrie 4.0… Mit diesen Schlagwörtern hantieren zur Zeit ganz viele. Aber was steckt eigentlich dahinter? Wie sieht es mit den Risiken wie z.B. Datensicherheit aus?

Landtechnikhersteller wappnen sich mit allerlei High-Tech-Traktoren und Landmaschinen für die Zukunft. Landwirte freuen sich über die Produktivitätssteigerung aufgrund zunehmender Automatisierung, wissen jedoch allzu oft nicht was die digitale Revolution so richtig mit sich bringt.

Und was machen die Unis? Die debattieren weiterhin ganz heftig über das Thema Landwirtschaft bzw. Smart Farming 4.0 und zerbrechen sich die Köpfe über die Vision Roboter trifft Landwirt.

Letzte Woche auf der Cebit 2016 gehörten die Vernetzung auf den Betrieben sowie die anfallende Datenflut in der Landwirtschaft erneut zu den heissen Themen. Hier schonmal ein kurzer Blick auf die Highlights der Messe in Hannover und später gleich mehr…

 

Quelle: YouTube-Video von Mhoch4 – Die Fernsehagentur

Lasst uns erstmal noch einen Blick auf zwei aktuelle Meldungen werfen.

1. Die Ampel schaltet auf grün: Edeka darf jetzt Kaiser’s Tengelmann übernehmen.

Die Macht der Handelsketten in Deutschland wird immer grösser und die „restlichen Kuchenscheiben“ schrumpfen. Denn 85% des deutschen Lebensmittelhandels befindet sich in den Händen von 4 großen Ketten: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland). Soviel zum Thema Wettbewerb in Deutschland.

Nun ist die nächste „Kuchenscheibe“ vom Markt. Seit letzter Woche ist es amtlich: die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann wird von der Edeka übernommen. Der Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich gegen das Bundeskartellamt durchgesetzt und die Übernahme durchgewinkt.

Ein paar Stimmen zu dieser Entscheidung:

  • „Dies gehe eindeutig zu Lasten der Wettbewerbssituation der Landwirtschaft, der Verarbeiter und Vermarkter.“Deutscher Bauernverband
  • „Die heutige Entscheidung für einen Zusammenschluss von Edeka/Kaiser’s Tengelmann durch Bundesminister Gabriel ist aus Sicht der Markenindustrie nicht nachzuvollziehen und ordnungspolitisch falsch.“Markenverband
  •  „Die ohnehin schon sehr große Konzentration im Lebensmittel-Einzelhandel nimmt durch diese Entscheidung weiter zu (…) Langfristig werden die marktmächtigen Unternehmen die Preise diktieren, sowohl bei den Zulieferern als auch an den Regalen.“ – so Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), Die Welt

2. Landwirt des Jahres erhält 10.000 EUR. Bis zum 30. April könnt Ihr Euch noch für den Ceres Award bewerben.

Der Gewinner der diesjährigen Ceres Award erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 EUR für einen guten Zweck und 50 Betriebsstunden eines Deutz-Fahr-Traktoren seiner Wahl auf seinem Hof.

Zusätzlich verlost das dlz-agrarmagazin unter allen Bewerbungen wöchentlich einen Tag mit dem dlz-Chefredakteur auf Eurem Betrieb. Coole Publicity für alle die mitmachen und zu den glücklichen Gewinner der Woche zählen.

Hier könnt Ihr Eure Bewerbung einreichen:

http://www.ceresaward.de/bewerbung-einreichen

Landwirtschaft 4.0 geht klar… aber wie sieht es denn mit Datenschutz 4.0 aus?

Die einen berichten ausgiebig über Isobus, Schlagkarteien, Smartphones, elektrische Landmaschinen (z.B. John Deere), Maschine-zu-Maschine Konzepte, kurz M2M-Lösungen (z.B. Telekom) und die anderen zerbrechen sich den Kopf über das Thema Datenschutz. Jawohl, Cyber Crime ist auch bei uns in der Landwirtschaft kein Fremdwort mehr.

Es gibt Programme und Apps zur Steuerung von Feldhäcksler & Co., die Fütterung kann man ebenfalls vom Computer verwalten und wer wissen will, wo einer seiner LKW-Fahrer gerade steckt, dem steht die digitale Welt ebenfalls parat.

Das meine lieben Freunde ist die gläserne Farm… alles wird zunehmend vollautomatisiert, erfasst und zentral dokumentiert. Die „smarten“ Maschinen haben eine ganze Menge drauf – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Denkt doch mal kurz nach: Wer hat denn noch Zugriff auf unsere Daten? Woher weiss ein Landwirt, dass mit seinen Daten kein Mißbrauch betrieben wurde?

Fakt ist:

In der Landwirtschaft fehlen einerseits die technischen Lösungen und andererseits die rechtlichen Grundlagen, um einen Mißbrauch völlig auszuschließen, so Prof. Dr. Hans W. Griepentrog, Robotikexperte am Institut für Agrartechnik an der Universität Hohenheim.

Das ist ein essentielles Problem des Smart Farming… Es gibt viele offene Fragen zum Thema Datenschutz.

Einerseits können Landwirte dank GPS und ausgereifter Anwendungstechniken sehr präzise arbeiten, so der Professor. Denn…

„Landwirtschaft 4.0 verarbeitet diese großen Datenmengen, verknüpft sie, automatisiert Abläufe und unterstützt so den Landwirt beim Entscheidungsprozess.“

Andererseits muss laut Experte sichergestellt werden, dass…

„Der Landwirt muss die Datenhoheit behalten und sicher sein, dass seine Daten nicht weitergegeben oder etwa für Werbezwecke verwendet werden.“

„Um das zu gewährleisten gibt es mittlerweile gute Methoden der Verschlüsselung. Es muss sichergestellt sein, dass auf die Daten nur der Adressat, also beispielsweise der Dienstleister, Zugriff hat“.

Übersetzt heisst es:

Der Landwirt muss seinem Dienstleister vertrauen.

Einfacher gesagt als getan, insbesondere aufgrund einer unklaren bzw. mangelhaften rechtlichen Grundlage (denkt doch mal an die unzähligen Diskussionen rundum das Thema Betriebsgeheimnis).

Anbei noch ein kurzes Interview mit DLG Präsident Carl-Albrecht Bartmer über die Herausfoderungen der Landwirtschaft 4.0, aufgenommen auf der Agritechnica 2015.

 

Quelle: YouTube-Video von agrarheute

Die Rolle des Landwirts in der Zukunft

Nichts ist beständiger als der Wandel… Die einen mögen diesen Spruch, die anderen hassen es regelrecht.

Wer jedoch denkt, dass sich im Bereich Landwirtschaft nichts ändern wird, der ist realitätsfremd. Prozesse und Technologien werden immer komplexer… Klar werden Apps und jede Menge Softwarelösungen sog. Routinearbeiten übernehmen, aber die Entscheidung wird letzten Endes dann doch bei uns bleiben.

Aber was tun wenn man die Daten nicht versteht bzw. nicht interpretieren kann? Was tun wenn man die Technik nicht versteht?

Vorbei die süsse Zeit des „mich interessiert IT und Technik nicht“…

Heute und morgen gilt: Landwirte brauchen IT-Kenntnisse.

Ich meine damit nicht Codes schreiben, HTML, CSS oder Javascript-Kenntnisse haben. Vielmehr geht es darum, sich schnell in neue Softwareprogramme und Apps einzuarbeiten, um diese für seine Zwecke und sein Betrieb maximal einsetzen und nutzen zu können.

Spannende Zeiten in der Landwirtschaft…

Rosig oder neblig: Was erhofft Ihr Euch von der Zukunft?

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.