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Umsetzung von Tierschutz in der Landwirtschaft

Ein gesundes und erfolgreiches 2017! Für viele Landwirte war 2016 ein herausforderndes Jahr. Schauen wir mal, was 2017 für die Landwirtschaft bereithält.

Das Jahr beginnt für Küken, zumindest für solche, die mal Legehennen werden, gut.

Denn mit Beginn diesen Jahres wurde in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Kürzen von Schnäbeln von Küken nun endgültig verboten.

Mit ca. 18 Millionen Legehennen steht Niedersachsen als Erzeuger von Eiern an erster Stelle unter den Bundesländern.

Es begann bereits vor einigen Jahren mit dem Ausstieg aus der Praxis. Die Frist für noch bestehende Ausnahmeregelungen, ist nun auch abgelaufen.

Landwirtschaft und Tierschutz bei Geflügel

Eine Umfrage bei Brütereien ergab, dass im Sommer 2016 bereits 90 Prozent der Halter von Legehennen  auf das Schnäbelkürzen verzichteten.

Die Bundesregierung hat bisher auf eine einheitliche rechtliche Regelung im Tierschutzgesetz verzichtet.

Es besteht jedoch seit Juli 2015 eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Mit Beginn des Jahres 2017 sollen nun in Deutschland keine Junghennen mit gekürzten Schnäbeln mehr eingestallt werden.

Die Praxis ist aus Sicht des Tierschutzes äußerst bedenklich, denn der Schnabel ist für Hühner ein sehr empfindliches Tastorgan.

An dieser Stelle eine Amputation durchzuführen, ist für die Tiere eine Prozedur, die mit oft langhaltenden, qualvollen Schmerzen verbunden ist.

Eine Umsetzung der Abschaffung solcher, in der Praxis gängigen Verfahren, ist nur möglich, wenn alle Akteure in der Wirtschaftskette mit machen.

So hatte Niedersachsen 2014 auch eine Vereinbarung mit den Handel getroffen, dass dieser deutschlandweit beim Ausstieg dabei ist. 

Glückliche Legehennen: Es geht auch ohne Schnäbel kupieren

Quelle: Hermannvid

Das Kürzen von Schnäbeln wurde in der Vergangenheit bei fast allen Küken durchgeführt, die für die konventionelle Legehennenhaltung bestimmt waren.

Die Schnäbel wurden gekürzt, damit die Hennen sich nicht gegenseitig durch Federpicken oder Kannibalismus verletzen konnten.

Unter Federpicken versteht man das Herausrupfen von Federn bei Artgenossen. Kannibalismus ist das Ziehen oder Picken an der Haut anderer Hühner.

Federpicken – Werden alternative Lösungen vom Verbraucher gezahlt?

Die Ursachen, die zu einem derartigen Verhalten der Hühner führen, sind vielfältig.

Es gibt wohl Faktoren, die Verhaltensstörungen der Hühner fördern können, etwa wenn

  • die Besatzdichte sehr hoch ist,
  • das Ernährungsangebot nicht ausgewogen ist, d.h. die Tiere in Bezug auf bestimmte Nährstoffe unterernährt sind,
  • den Tieren Beschäftigung oder Bewegung in Form von Scharren oder Bodenpicken fehlt…

Sprich, wenn generell die Bedingungen der Haltung nicht wirklich artgerecht sind.

Entsprechend enthalten Lösungsansätze, mit denen Federpicken und Kannibalismus vermieden werden soll, Maßnahmen, die den Tieren ein Leben ermöglichen, das mehr seiner Natur entspricht.

Aber wie immer, es mangelt nicht an den Konzepten, die den Nutztieren, eine artgerechtere Haltung ermöglichen.

Es gibt Haltungsformen, die den Hühner mehr Beschäftigungsmöglichkeiten und ein Futter zugestehen, dass ausgewogene Nährstoffkombinationen beinhaltet.

Die Frage ist: sind die Verbraucher auch bereit, hierfür zu zahlen? Und wird er genügend darauf hingewiesen, warum ein Ei mehr kostet als das andere?

Eine Haltung mit ungekürzten Schnäbeln führt zu Mehrkosten in der Produktion.

„Ich setze darauf, dass der Handel die zu erwartenden Mehrkosten von drei bis vier Cent pro Ei an die Landwirte weiterleitet und dass er wie angekündigt keine Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln etwa aus dem Ausland mehr anbietet“, so Christian Meyer, Landwirtschaftsminister Niedersachsen

Verarbeitete Eier unterliegen derzeit jedoch noch keiner Kennzeichnungspflicht. Oft kommt es hierbei wohl zum Einsatz von billigen Käfigeiern aus dem Ausland.

Die Diskussion um das Schnäbelkürzen verdeutlicht wieder das Spannungsfeld, in dem moderne Landwirtschaft ständig ihren Weg finden muss: Wirtschaftlichkeit versus Natur.

Sicherlich ist eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur möglich: artgerechte Tierhaltung, bodenschonende Landwirtschaft, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel,…

Bloß wer wird dies bezahlen? Weltweit sinkt die landwirtschaftliche Fläche aufgrund zunehmender Urbanisierung. Das heißt, weniger Landwirtschaft aber mehr Münder sind zu füttern.

Die Einkommenskluft wird größer. Wir leben in einem Zeitalter, mit rasanten Änderungen auf dem Arbeitsmarkt, weltweit. Die Masse der Menschen, die von einem geringen Einkommen leben muss, wird größer. Auch in Deutschland.

Ein Verbraucher, der im Monat mit seinem Geld kaum über die Runden kommt, wird zum billigen Ei greifen, wenn es darum geht, seine Familie zu ernähren.

Tests zeigen immer wieder, dass die Verbraucher schnell dabei sind, zu verurteilen und nach naturbelassenen Produkten zu schreien. Vor die Wahl gestellt, wird im Supermarkt dennoch die „gerade Einheitsgurke“ gegenüber der „krumgewachsenen Naturgurke“ bevorzugt.

Und dies sind nur drei der unendlichen Liste an Faktoren, in den denen moderne Landwirtschaft heute operieren muss. Alleine diese können überwältigend wirken. 

Fakt ist, auch 2017 wird der Strukturwandel in der Landwirtschaft voranschreiten. Er wird viele Landwirte vor schwere Zeiten stellen. Und genauso für viele Landwirte neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. 

Die Änderungen werden sich vollziehen, ob wir wollen oder nicht. Es liegt an uns, ob wir lieber die Augen verschließen, an bisher Bewährtem festhalten, oder mit offenen Augen, in die Zukunft blicken. 

Ihr seht, auch 2017 wird uns weiter herausfordern. Aber deshalb lieben wir wohl auch die Landwirtschaft: es bleibt einfach spannend und Langeweile kommt nie auf. 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen für Eure Landwirtschaft im Jahr 2017?

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