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Neue Herausforderungen für Erzeuger von Zucker

2017 wird ein bedeutendes Jahr für die Erzeugung von Zucker werden: die Rahmenbedingungen im Zuckersektor werden sich erheblich ändern.

Denn zum 30. September 2017 läuft die Quotenregelung für Zucker als auch für Isoglucose aus.

Nach dem Wegfall der Milchquote war der Zuckersektor noch der letzte Markt, in welchen die Europäische Agrarpolitik direkt eingegriffen hat.

Mit dem Auslauf der Quote werden sich die marktpolitischen Rahmenbedingungen im Zuckersektor nun aber ebenfalls stark verändern:

Keine EU-Quoten für Zucker, keine Mindestpreise für Quotenrüben, keine Produktionsabgaben.

Was bedeudet dies für die Erzeuger von Zucker?

Auf jeden Fall wird die Erzeugung von Zucker in der EU ohne Quoten viele Herausforderungen mit sich bringen.

Es kann damit gerechnet werden, dass sich der Wettbewerb verschärfen und die Konzentration der Marktteilnehmer zunehmen wird.

Der Wegfall der Quote wird zu größeren Schwankungen hinsichtlich der Preise und der Angebotsmengen führen.

Waren seit 1968 die Produktionsmengen und Absatzpreise vorgegeben, werden zukünftig vielen Faktoren das Angebot und die Nachfrage, und damit die Preise bestimmen. 

Zwei wesentliche Faktoren werden der Zuckerpreis am Weltmarkt sowie die Kosten für Getreide, aus welchem das Konkurrenzprodukt Isoglukose hergestellt wird, sein.

Der Zuckersektor wird sich an Unsicherheiten gewöhnen müssen.

„Wir sehen Chancen, aber machen uns auch Sorgen“, sagt Fred Zeller, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Zuckerrübenanbauer.

Die Zuckerbranche steht vor großen Herausforderungen, die jedoch auch jede Menge Chancen mit sich bringen.

Die neue Agrarpolitik sieht verpflichtende Branchenvereinbarungen zwischen den Anbauern und den Erzeugern von Zucker vor, die die Bedingungen für den Kauf bis hin zu Lieferung einschließen.

Die Verträge und Preismodelle für das kommende Jahr wurden von den Marktteilnehmern soweit bereits angepasst. Die Verträge zwischen den Rübenanbauern und den Abnehmern sind größtenteils unter Dach und Fach.

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ) meldet, dass norddeutsche Rübenanbauer im kommenden Jahr ihre Anbauflächen erweitern möchten. Zudem gibt es viele Neuinteressenten, die in den Anbau von Zuckerrüben einsteigen werden.

Dies zeigt, dass neue Absatzchancen für den Markt mit dem Wegfall der Zuckerquote erwartet werden.

Mit dem derzeitigen Anbauvolumen von Zuckerrüben kann der Konsum von Zucker in der EU nicht gedeckt werden, weshalb zum Beispiel Rohrzucker aus Übersee importiert wird.

Der Wegfall der Quote könnte zu einer Verringerung der Zuckerimporte führen, wenn in Europa selbst mehr Zuckerrüben angebaut werden können. So zumindest die Hoffnung.

Die Zunahme der Rübenanbauer ist auch ein Anzeichen für die steigende Konkurrenz im Rübenbau.

Bei dem derzeitigen Niveau des Zuckerpreises ist nicht wirklich damit zu rechnen, dass außereuropäische Anbieter auf dem geöffneten Markt ebenfalls für Konkurrenz sorgen werden. 

Allerdings wurden Befürchtungen wach, dass die Abnehmer von Zuckerrüben etwa die Preise drücken könnten. Die Anbauer nach dem Wegfall der Quote somit im Nachteil wären.

Mit der Verschärfung der Wettbewerbsbedingungen ist aber wohl eher damit zu rechnen, dass alle Marktteilnehmer, also Rübenanbauer, die Zuckerfabriken bis hin zu den Zuckerverwendern enger zusammenarbeiten werden müssen.

Wie sieht denn so eine Produktskette aus?  …

Zucker – Von der Rübe bis zur Verpackung

Quelle: NDR Documentaries

Ganz schön spannend, oder?

Die Zuckerrübe – eine moderne Erfolgsgeschichte

Wusstet Ihr eigentlich, dass der Zucker in der Rübe 1747 von Andreas Sigismund Marggraf entdeckt wurde?

Das wir den Zucker heute industriell gewinnen können, verdanken wir einem gewissen Franz Carl Achard, der den Prozess 1801 entwickelte.

Wenn man bedingt, dass seit dem Altertum fast nur Honig als Süssungsmittel genutzt wurde, ist die Zuckerrübe wirklich eine moderne Erfolgsgeschichte.

Die größte Herausforderung war der niedrige Zuckergehalt bei einem großen Arbeitsaufwand. Aber hier zeigt sich, was in der Landwirtschaft nicht alles möglich ist:

Langjährige Züchtung hat den Zuckergehalt der Rübe auf bis zu 20 Prozent erhöht und die Arbeitskraftstunden (AKh) pro Hektar von 600 auf unter 20 reduziert!

Die Zuckerrübe wird auch längst nicht mehr nur für die Gewinnung von Zucker im Haushalt produziert: ob in der Futtermittelindustrie, für Arzneimittel, als Rohstoff für Ethanolprodukte oder für chemische und synthetische Stoffe, die Einsatzmöglichkeiten sind ungemein vielfältig.

Und derzeit steigt die Bedeutung der Zuckerrübe als Substrat für Biogasanlagen. Die Zuckerrübe ist unter den Feldfrüchten die Frucht mit den höchsten Energieertrag pro Hektar.

Der Vorteil von Zuckerrüben liegt zum einen in den optimierten Gärprozessen: Saccharose in Reinform kann von den Bakterien leicht umgesetzt werden. Die Zuckerrübe verweilt mit weniger als 15 Tagen nur sehr kurz in den Fermentern.

Ausserdem kann sie für eine Auflockerung in den Biogasfruchtfolgen sorgen, dem Mais quasi mal eine Pause verschaffen.

Herausforderungen und Chancen – wie seht Ihr an Entwicklung in den kommenden Jahren im Rübenanbau?

 

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