Weniger Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

Nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

In 2016 gab es nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Das sind 9.000 Betriebe weniger als vor 3 Jahren. Die Fläche blieb mit 16,7 Millionen Hektar fast unverändert.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlichte im Rahmen einer Pressemitteilung die ersten vorläufigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016.

Eins ist ganz klar ersichtlich: der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft setzt sich weiter fort und ein Ende der Betriebsschließungen ist nicht in Sicht.

Werfen wir doch einen genaueren Blick auf die Zahlen…

In 2013 gab es 285.000 landwirtschaftliche Betriebe, so die damalige Agrarstrukturerhebung. Drei Jahre zuvor, bei der Landwirtschaftszählung 2010 lag die Zahl der Betriebe um 14.000 darüber. Ein deutlicher Rückgang von 5% in der Zeitspanne 2010-2013.

In 2016 ging die Zahl um weitere 9.000 Betriebe zurück. Das ist ein Rückgang von 3% gegenüber 2013.

Weniger landwirtschaftliche Betriebe, gleiche Ackerfläche

Was den einen oder anderen überraschen mag, ist die Tatsache, dass trotz rückläufiger Betriebsanzahl, die bewirtschaftete Ackerfläche gleich geblieben ist.

Liegt damit „die landwirtschaftliche Macht“ in der Hand von weniger Betriebe? Bekommen größere Betriebe und Kapitalgesellschaften einen größeren Stück vom Kuchen ab?

Interessante Fragen, oder?

Fakt ist: die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht Jahr für Jahr zurück. Die Größe der Fläche hat sich hingegen seit 2010 kaum verändert.

Tierhaltende Betriebe sind von diesem negativen Trend am stärksten betroffen.

Anfang März betrieben 184.000 Betriebe Viehhaltung. Das sind 8% weniger als in 2013. Demnach mussten 16.000 Betriebe schließen. Die großen Leidtragenden waren die schweinehaltende Betriebe. Diese verzeichneten einen Rückgang von 18%.

Die Schere zwischen Familienbetriebe und Personengesellschaften öffnet sich stetig weiter

Die Tatsache, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe schließen, hat einen direkten Einfluß auf die jeweilige Rechtsform und die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen.

Die Gesamtzahl von 276.000 landwirtschaftliche Betriebe teilt sich wie folgt auf:

  • 244.000 Einzelunternehmen (Familienbetriebe) => In 2010 lag die Anzahl bei 273.000.
  • 26.000 Personengesellschaften => In 2010 lag die Anzahl bei 21.000.
  • 5.000 juristische Personen => fast unverändert

Demnach werden knapp 89% der Betriebe von Einzelunternehmen (Familien) geführt, aber ihre Zahl wird Jahr für Jahr geringer.

Dieser Trends wiederspiegelt sich auch in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. So ist die Zahl der Familienarbeitskräfte seit 2013 um knapp 12% auf 446.000 zurückgegangen. Die Zahl der Saisonarbeitskräfte ist um 9% zurückgegangen. Insgesamt wurden 936.000 Beschäftigte registriert. Das sind 8% weniger als bei der Agrarstrukturerhebung 2013.

Bauernsterben in Europa

Mehr als 1,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe haben bereits aufgegeben

Quelle: klagemauerTV

Wie wird denn heuer die Ackerfläche genutzt?

  • 71 % als Ackerland
  • 28 % als Dauergrünland
  • 1 % für Dauerkulturen

Und was genau wird angebaut?

27% des Ackerlandes wird mit Winterweizen bebaut. Silomais steht an zweiter Stelle mit 18% und Winterraps an dritter Position mit 11%.

Öko weiterhin sehr beliebt

Die Zahl der Ökobetriebe steigt.

In 2016 wurden knapp 23.000 landwirtschaftliche Betriebe ökologisch bewirtschaftet. Sechs Jahre zuvor, in 2010 waren es 17.000 Betriebe. Damit einhergehend ist auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche von 1 auf rund 1,1 Mio. Hektar gestiegen (11% Anstieg gegenüber 2013).

Die Agrarstrukturerhebung basiert auf einer Befragung von rund 80.000 landwirtschaftlichen Betriebe und ist gemäß dem Agrarstatistikgesetz eine Erhebung mit Auskunftspflicht. Die Fragen beziehen sich einerseits auf die Produktionsgrundlagen wie z.B. landwirtschaftlich genutzte Fläche und Viehbestände und andererseits auf die im Betrieb vorherrschende Beschäftigtenstruktur.

Die endgültigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016 werden voraussichtlich im Juni 2017 veröffentlicht.

Wie geht’s weiter?

Alarmierende Zahlen, findet Ihr nicht auch?

Strukturwandel, Preisverfall, Gesellschaftswandel, Bevölkerungswachstum, Landflucht…. Das sind die klassischen Schlagwörter die wir immer wieder zu hören bekommen.

Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Betriebe dafür sorgen, dass sie irgendwie am Leben bleiben (die Familie muss ja von irgend etwas auch leben) und dabei immer mehr Menschen ernähren. Kein einfacher Spagat. Und wie wir festgestellt haben, ein Spagat, das von vielen nicht gemacht werden konnte.

Wandel ist die einzige Konstante.

Wir müssen weiterhin am Ball bleiben, uns die neuesten Technologien aneignen und gleichzeitig die Änderungen die in der Gesellschaft stattfinden in die richtige Perspektive rücken. Nur so können wir überleben bzw. allen anderen einen Schritt voraus sein.

Wenn wir nichts tun, wenn wir nichts ändern, dann wird die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter sinken. Kein schönes Szenario.

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