Landwirtschaftliche Betriebe leiden unter Preisverfall

Landwirtschaftliche Betriebe leiden unter Preisverfall

Viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland haben im Wirtschaftsjahr 2014/2015 stark gelitten. Gewinneinbrüche von 35% und mehr waren keine Seltenheit. Schlechte Unternehmensergebnisse verzeichneten sowohl Haupt- als auch Nebenerwerbsbetriebe.

Der vom Deutschen Bauernverband neulich veröffentlichte Situationsbericht 2014/2015 verleiht einen essentiellen Blick auf die aktuelle Lage. Die negative Zahlen ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Bericht. Starke Gewinneinbrüche, niedrigere Erträge und weniger Investionen, so das Fazit des Berichts.

Werfen wir doch einen Blick auf die Details.

Zuvor noch zwei wichtige Informationen:

1. Der Beitragsvorschuss zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (LBG) muss bis zum 15. Januar 2016 auf dem Konto des SVLFG gutgeschrieben sein.

Wer später überweist, muss mit Säumniszuschlägen rechnen. Die Vorschüsse wurden Mitte letzten Jahres, im August 2015 per Bescheid mitgeteilt.

2. Im letzten Monat wurden bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rund 7.800 Anträge für Beihilfe beantragt.

Über 5.900 landwirtschaftliche Betriebe haben ihre Anträge in der letzten Antragswoche gestellt. Das beantragte Gesamtvolumen wird auf rund 60 Millionen EUR geschätzt. Im Schnitt sind das 7.600 EUR pro Antragsteller. Zwei Drittel der Antragsteller sind laut BLE, Milcherzeuger. Die meisten Anträge kommen aus Bayern, gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 05

Landwirtschaftliche Betriebe über das Wirtschaftsjahr 2015/2016: Von Erholung keine Spur

Niedrige Erzeugerpreise und ungünstige Marktentwicklungen dämpfen weiterhin die Stimmung der Landwirte. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht.

Trotz niedrigeren Energie- und Futtermittelpreise rechnet man mit Gewinnrückgängen in fast allen Betriebsformen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/2015 lag das Unternehmensergebnis der Haupterwerbsbetriebe mit 43.300 EUR um 35% unter dem Vorjahresergebnis. Bei den Nebenerwerbsbetrieben hat sich das Gesamtergebnis gegenüber dem Vorjahr um 20% verschlechtert.

Weitere Ergebnisse im Überblick:

  • Durchschnittlich 30.000 EUR Unternehmensergebnis je Familienkraft, d.h. 2.500 EUR Bruttomonatseinkommen
  • Durchschnittlich 6.850 EUR bzw. 570 EUR pro Monat wurde für die Landwirtschaftliche Alters- und Krankenversicherung bezahlt
  • 8,4% niedrigere Erträge
  • 3% weniger staatliche Zulagen und Zuschüsse
  • 2,1% niedrigere Auswendungen aufgrund der Preisreduzierungen bei Energie, Futtermittel und Viehzukauf
  • 6% mehr Fremdkapitaleinsatz je Haupterwerbsbetrieb
  • 37% der Haupterwerbsbetriebe mit einer Eigenkapitalbildung über 10.000 EUR
  • 8% weniger Bruttoinvestitionen bzw. 43% weniger Nettoinvestionen je Haupterwerbsbetrieb

Die Unternehmensergebnisse je Betriebstyp fielen wie folgt aus:

  • -23% in den Ackerbaubetrieben
  • -44% in den Milchviehbetrieben
  • -35% bei den Rindermastbetrieben
  • -33% bei den Veredlungsbetrieben
  • +4% bei den Weinbaubetrieben (Ergebnisrückgang aus dem Vorjahr konnte trotzdem nicht kompensiert werden)
  • +11% in den Öko-Betrieben aufgrund stabiler Preise für Ökoprodukte und höherer Zahlungen aus Agrarumweltmaßnahmen (Flächenprämien)

Die aufgeführten Daten stammen aus der aktuellen Analyse des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes Kiel in Zusammenarbeit mit weiteren regionalen Buchstellen. Die Unternehmensergebnisse von 13.762 landwirtschaftlichen Betriebe wurden als Kalkulationsbasis herangezogen. Die Hochrechnung erfolgte „anhand der Verteilung der Betriebe nach der Agrarstrukturerhebung 2010.“

Rübenerträge 2015 besser als erwartet

Jedes Mal wenn ich über das Thema Zuckerrüben berichte, dann beziehe ich mich auf die Daten der LIZ, Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe. Ganz anders heute. Die nachfolgenden Zahlen stammen vom Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ).

Die Zahlen der Rübenernte 2015 kurz im Überblick:

  • Ertrag lag bei 73,7 Tonnen je Hektar (im Vorjahr waren es 80 t/ha)
  • Zuckergehalt von 17,4% (im Vorjahr 17,6%)
  • Zuckerertrag von 12,8 t/ha (im Vorjahr waren es 14,0 t/ha)

Der späte Beginn der Kampagne und die frostfreien Wintertage kamen den norddeutschen Rübenanbauern besonders entgegen. Während die Hackfrüchte der Kollegen im Süden unter der Sommerhitze litten, profitierten die Kollegen im Norden von der vorteilhaften Witterung insb. im Herbst.

Aussichten für landwirtschaftliche Betriebe

Strukturwandel, Abwanderung, Fachkräftemangel, Geburtenrückgang…

Diese Schlagworte kennt jeder Landwirt nur allzu gut. Es wird viel darüber diskutiert und debattiert, Zeitungen greifen immer wieder gerne das Thema auf, um die Leserzahlen nach oben zu treiben, aber so richtig passiert nicht viel.

Auf die Politik ist ebenfalls wenig Verlass; diese beschäftigt sich lieber mit anderen Themen und daher, liegt es an uns Landwirte, die aktuelle Situation zu entschärfen und unsere Betriebe für die nächsten Generationen fit zu halten.

Lasst uns deshalb lieber auf das fokussieren, was wir selbst ändern können, denn das ist eine ganze Menge. Wir wissen längst schon, dass Jammern nicht hilft.

Wie geht Ihr das Thema an? Welche Maßnahmen ergreift Ihr, um Eure landwirtschaftliche Betriebe profitabel zu führen?

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