Lebensmittel ohne Gentechnik

Lebensmittel: Ohne Herbizide, ohne Gentechnik

Immer mehr Konsumenten wollen sich gesund und gentechnikfrei ernähren. Lebensmittel ohne Pestizide, ohne Herbizide und ohne Gentechnik – geht das überhaupt?

Die Anzahl der Menschen die sich vegetarisch oder vegan ernähren steigt in den westlichen Industrien weiter an. Der Verzicht auf tierische Produkte lässt sich besonders stark in großen Städten beobachten. Ein Trend der auch bei uns in Deutschland so langsam zum „Mainstream“ wird.

Was wollen diese Menschen eigentlich? Warum verzichten sie auf Milchprodukte, Fleisch oder Honig?

Das sind durchaus berechtigte Fragen.

Letztens war ich in Frankfurt unterwegs und hatte die Gelegenheit mich mit ein paar waschechten Vegetarier und Veganer zu unterhalten. Ich wollte wissen, was sie dazu bewegt hat, auf tierische Lebensmittel zu verzichten.

Hier sind ein paar Antworten die ich erhielt:

  • „Ich habe keine Lust mehr meinen Körper mit Antibiotika und Hormone zu vergiften.“
  • „Ich kann mich gegen genmanipuliertem Saatgut schwer schützen, aber was ich kann ist zumindest hinten in der Vergiftungskette etwas weglassen. Und das tue ich indem ich auf Fleisch, Fisch & Co. verzichte.“
  • „Massentierhaltung, Vogelgrippe, Schweinepest, Rinderwahnsinn, Fischabfälle, Wachstumshormone – von diesen Schlagzeilen hatte ich die Nase voll. Meine ganze Familie ernährt sich jetzt vegan.“

Klar könnte ein Steakliebhaber bzw. jemand der gerne Milch trinkt sagen „Mensch, diese Leute haben echt eine an der Waffel“…

Aber bringt uns das weiter?

Sicherlich nicht. Als Landwirt bringt uns diese Einstellung sicher nicht weiter.

Wie wir alle wissen, entscheiden Verbraucher letzten Endes was bei ihnen auf den Tisch landet und damit auch wofür sie Geld ausgeben. Ein weiterer wichtiger Teilnehmer in dem Lebensmittel-Spiel ist sicherlich der Einzelhandel.

Wie reagiert der Lebensmitteleinzelhandel auf das neue Konsumentenverhalten?

Wer bei Rewe, Edeka, Lidl und Aldi in München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder Frankfurt einkaufen geht, dem wird einiges auffallen: ganze Regale mit Sojaprodukten, Honig aus Mexiko und Neuseeland, Marmeladen mit ökologischem Rohrzucker, Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel, laktose- und glutenfreie Flächen usw.

Können wir unsere Augen vor solchen Veränderungen wirklich noch schließen?

Ist uns immer noch nicht klar geworden, dass die sogenannten Big City Trends früher oder später auch bei uns auf dem Lande ankommen werden?

Verbrechen Gentechnik: Ein Bauer packt aus

Quelle: Quer-Denken.TV

[STUDIE] Was könnte die Verbreitung der Lebensmittel mit dem Label „Ohne Gentechnik“ bremsen?

Immer mehr Menschen verlangen nach klaren Kennzeichnungen im Supermarkt – OHNE Gentechnik, OHNE Pestizide, OHNE Hormone, OHNE xyz…

Die Reaktion darauf: der deutsche LEH setzt zunehmend auf gv-freie tierische Lebensmittel.

Tolle Sache, nur wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? Und noch wichtiger, wer soll das denn bezahlen?

Perfektes Szenario für das in Leben rufen einer neuen Studie. Den Auftrag bekam das Thünen Institut; der Auftraggeber ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Die Frage: Geht das überhaupt?

Werfen wir doch mal einen Blick auf die Fakten.

Mehr als 80% der weltweit angebauten Sojabohnen sind gentechnisch verändert. Nun soll also Deutschland sicherstellen, dass die Futtermittel, die im Regelfall auch Sojabestandteile „mit Gentechnik“ enthalten, quasi auf konventionell „ge-switcht“ werden. Leichter gesagt als getan.

Ein möglicher Weg wäre, Sojabohnen schwerpunktmäßig aus Brasilien zu importieren.

Vertraut man den Statistiken, so sind 6-12% der Flächen in Brasilien mit konventionellen Sorten angebaut. Übersetzt heisst das: die gentechnikfreie Sojaernte in Brasilien ist größer als die Nachfrage aus Europa.

Damit wäre das Thema Verfügbarkeit erstmals vom Tisch. Wohl nicht ganz, denn China hat die EU in puncto größter Soja-Importeur schon längst abgelöst. Also doch Knappheit.

Weiter geht’s…

Wer stellt nun sicher, dass diese Sojabohnen tatsächlich gentechnikfrei sind?

Das erfolgt in den Häfen Brasiliens, natürlich nicht für „lau“ – es wird ein Preiaufschlag von 60 bis 110 EUR/ Tonne berechnet so transgen.de.

Hinzu kommt, dass die brasilianischen Farmer die gentechnikfrei ernten und auf den Anbau konventioneller Sorten setzen, selbstverständlich eine zusätzliche Prämie erwarten.

Damit gelangen wir zur K.O.-Frage:

Ist der deutsche Verbraucher wirklich bereit diesen Preis zu zahlen?

Denn eins ist sicher, die Handelsketten wollen nicht auf den Mehrkosten sitzen bleiben, sondern würden alles am liebsten an den Verbraucher weitergeben.

Nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern aus dem Handel und der Futterwirtschaft lautet das Fazit des Thünen-Instituts in seiner Stellungnahme für das BMEL eher nüchtern:

„Eine Ausweitung der „Ohne Gentechnik“-Produktpalette in Deutschland wird weniger durch die Verfügbarkeit von nicht-gentechnisch verändertem Soja aus Brasilien limitiert sondern eher durch die Vermarktungskette.“

Wahr oder nicht wahr?

Die Antwort darauf erhalten wir vielleicht eher als manch einem lieb ist…

Lebensmittel ohne Herbizide: Zukunftmusik oder bald Realität?

Digitalisierung, Roboter, Drohnen – in rund 10 Jahren sollen Pilzkrankheiten und Unkräuter von Sonsoren erkannt und individuell, ohne Herbizide, bekämpft werden können. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern des VDI-MEG vom Oktober 2016.

Mehr als 80% der Teilnehmer sind der Meinung, dass dies mit der richtigen Sensortechnik zu schaffen sei. Der Weg für mechanische und thermische Verfahren ist also frei.

Die deutschen Verbraucher sind verunsichert.

In den Nachrichten wird mal positiv und mal negativ über Glyphosat berichtet. Kaum liegen die Ergebnisse einer neuen Studie auf den Tisch und schon wird das Ganze durch die Vogelgrippe überschattet. Zwischendurch berichten Sender über Fischabfälle, Massentierhaltung, GMO und Krankheiten die damit im Zusammenhang stehen. Und dann wundern wir uns über die „ach so bizarren“ Konsumentenentscheidungen.

Was können wir als Landwirte tun, um den Konsumenten die Ängste vor den „oh, so schädlichen“ Lebensmitteln wegzunehmen? Was fällt Euch dazu ein?

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