Lebensmittel-Pestizide-Landwirtschaft

Qualität von Lebensmitteln: kaum Pestizide auf dem Teller

Pestizide und Dünger – ohne die beiden wäre die Steigerung in der landwirtschaftlichen Produktivität in den letzten Jahrzehnten nicht möglich gewesen.

Dünger setzt sich vor allem aus den Elementen Stickstoff, Phosphor und Kalium vorhanden. Während Stickstoff und Kalium noch ausreichend vorhanden ist, wird das Phosphorvorkommen immer geringer.

Ohne Intervention könnten die für die Landwirtschaft verfügbaren Phosphorvorkommen Ende diesen Jahrhunderts erschöpft sein.

Rückgewinnung von Phospor wird Pflicht

In Zeiten, als noch mit Fäkalien gedüngt wurde, gelangten etwa genausoviel Nährstoffe zurück in den Boden, wie diesem zuvor entnommen wurden.

Die heutigen Methoden der modernen Landwirtschaft entnehmen dem Boden jedoch dreimal soviel Phosphor.

Gelangt dieser über die Flüsse ins Meer, wo er sich schließlich ablagert, wird er erst in Jahrmillionen wieder zugänglich sein.

Mit einer Änderung der Klärschwammverordnung will das Bundesumweltministerium der Verknappung dieser Ressource entgegenwirken.

Die Änderung der Klärschlamm-Verordnung passierte am vergangenen Donnerstag den Bundestag.

Demnach muss Phosphor aus Klärschlämmen zukünftig verpflichtend zurückgewonnen werden.

Eh die Umsetzung der Verordnung verpflichtend ist, werden jedoch noch 12-15 Jahre vergehen. Dies ist teils auf die langwierigen Genehmigungsverfahren für den Umbau der Anlagen zurückzuführen.

Der zurückgewonnene Phosphor soll vor allem für Düngezwecke eingesetzt werden.

Zudem sollen zukünftig nur noch Klärschlämme mit sehr geringen Schadstoffanteilen auf den Äckern verwendet werden dürfen.

Allerdings werden heutzutage eh schon weniger als ein Drittel der Klärschlämme zum Düngen genutzt. Der Großteil des Klärschlammes wird verbrannt. Das hierin enthaltene Phosphor geht hierbei jedoch verloren.

Wie kann die Rückgewinnung von Phospor erfolgen? Schaut selbst:

Klärschlammverwertung – Rückgewinnung von Phospor

Quelle: Stadt Zürich

Faszinierend, oder? Mit Kläranlagen assoziiert man wohl eher die nicht so angenehmen Seiten der Anlage. Aber habt Ihr Euch schonmal Gedanken darüber gemacht, wieviel Hightech und  komplexe Systeme in einer solchen Anlage stecken?

Wieso die Umsetzung der Verordnung bzw. der Umbau der derzeit bestehenden Anlagen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, lässt sich so wohl besser verstehen.

Während bei Phosphor nach Lösungen gesucht wird, mit denen einer Knappheit entgegengewirkt werden kann, wird über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutiert, weil dieser oft als zu hoch angesehen wird.

Insbesondere in Lebensmitteln sollen die Rückstände zu hoch sein.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat nun in seinem Bericht „Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln“ die Ergebnisse einer im Jahr 2015 durchgeführten Untersuchung veröffentlicht.

Kaum Pestizide in deutschen und europäischen Lebensmitteln

Es wurden Lebensmittel auf ihre Belastung mit Rückständen von Pestiziden getestet.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass in Deutschland als auch in anderen EU-Ländern produzierte Lebensmittel selten zu hohe Rückstände aufweisen.

18.765 Lebensmittelproben wurden auf Pestizide hin untersucht. In der Untersuchung wurde der Fokus vor allem auf Gemüse und Obst gelegt.

Ein Teil davon wurde im Rahmen eines Monitorings zufallsverteilt ausgesucht.

Bei einem Großteil der Proben wurde der Schwerpunkt auf Lebensmittel gelegt, die erfahrungsgemäß verstärkt die Grenzwerte überschreiten.

Die höchste zulässige Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen in oder auf Lebensmitteln wird durch den „Rückstandshöchstgehalt (RHG) angegeben.

Auch wenn aufgrund der Auswahl kein Rückschluß auf alle erhältlichen Lebensmittel getroffen werden kann, so sind die Ergebnisse doch sehr interessiert.

Die Rückstände in Obst und Gemüse weisen eine große Spannbreite auf:

  • Häufig verzerrte Lebensmittel wie z.B. Kartoffeln, Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten wiesen kaum Werte über den RHG auf.
  • Bei exotischen Früchten wie z.B. Guaven, Ingwer, Passionsfrüchte oder Granatäpfel sind verstärkt RHG-Überschreitungen nachweisbar.

Bei in Deutschland und in anderen EU-Ländern produzierten Lebensmittel wurden bei 1,1 Prozent der Proben Werte über dem RHG festgestellt.

Die Grenzwerte wurden bei Produkten aus Drittländern mit 5,5 Prozent der Proben deutlich häufiger überschritten.

Spitzenreiter unter den Lebensmitteln, mit den häufigsten Überschreitungen, sind

  • Bohnen (mit Hülsen) – 7,6 Prozent Überschreitungen
  • frische Kräuter – 6,0 Prozent
  • Tee – 4,8 Prozent
  • Auberginen – 3,4 Prozent
  • Paprika – 3,0 Prozent

Es zeigte sich abermals, dass ökologisch angebaute Produkte deutlich weniger analytisch quantifizierbare Rückstände (65 Prozent rückstandsfrei) aufwiesen als konventionell produzierte Lebensmittel (36,6 Prozent).

In 14,7 Prozent der Proben wurde zudem Chlorat nachgewiesen, bei 6,9 Prozent der Proben in Mengen über dem RHG.

Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau schnitten hierbei mit 8,5 Prozent aller Proben über dem RHG sogar schlechter ab als Produkte aus dem konventionellen Anbau.

Chlorat ist ein Pesitzid, dass wohl vor allem in der weiteren Verarbeitung, etwa im Zuge von Wasch- und Desinfektionsmaßnahmen, in die Lebensmittel gelangt.

Verarbeitete Lebensmittel waren von Chloratbelastungen besonders betroffen. Insbesondere in Säuglings- und Kindernahrung (3,1, Prozent Überschreitungen) als auch Obst und Gemüse (3,1 Prozent) wurden häufig beanstandet.

Säuglings – und Kindernahrung wies zudem besonders oft Überschreitungen des RHG beim Abbauprodukt Fosetyl (10,3  Prozent Überschreitungen) auf.

Über die Hälfte der untersuchten Erzeugnisse wurden dabei auf ökologische Weise produziert.

Es ist erfreulich, dass die Rückstände in Lebensmitteln zurückgehen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch, dass Lebensmittel, die als „sauber“ gelten, etwa Säuglings- und Kleinkindernahrung oder Bio-Produkte, nicht immer dem „Reinheitsanspruch“ entsprechen.

Eine Überschreitung des RHG in insgesamt nur 1,1 Prozent der untersuchten Lebensmittel widerlegt scheinbar die Stimmen, welche anprangern, dass Pestizide in zu hohen Mengen eingesetzt werden.

Wie interpretiert Ihr die Ergebnisse der Studie?

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