megafusion-in-der-landwirtschaft-bayer-monsanto

Megafusion Bayer-Monsanto: One-Stop Shop in der Landwirtschaft

Seit gestern ist der Begriff One-Stop Shop bzw. „Alles aus einer Hand“ auch bei uns in der Landwirtschaft kein Fremdwort mehr. Das verdanken wir der Mega-Übernahme von Monsanto durch Bayer für schlappe 66 Milliarden USD.

Das deutsche Unternehmen erobert die ‚Chartspitze‘ der Agrarchemiebranche und wird zum Weltmarktführer.

Gemunkelt wurde schon lange aber seit gestern Mittag ist es offiziell. Auf CNN und CNBC diskuttierten amerikanische CEO’s aus dem Agrarsektor und Börsenexperten über die weltweiten Konsequenzen dieser Fusion. Auch deutsche Medien berichteten darüber, jedoch nicht so ausführlich wie die Amerikaner. Dies lag vielleicht auch daran, dass diesmal ein amerikanisches Unternehmen aufgekauft wurde – denn oft ist es anders herum.

Bayer wird zur Nr. 1 im Geschäft der Agrarchemie

Folgendes schonmal vorneweg: Es handelt sich hierbei um die höchste Summe, die jemals von einem deutschen Unternehmen für eine Übernahme bezahlt wurde.

==> 66 Milliarden USD, so der Kaufpreis

==> das sind umgerechnet knapp 59 Milliarden EUR

==> für Aktionäre sind das 128 USD je Aktie in Bar

Wie soll dieser Deal finanziert werden?

Die deutsche Bayer AG plant hierfür eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital.

Anbei ein kurzes Interview der beiden Herren die das Ganze über die Bühne bringen wollen. Es handelt sich um die CEOs der beiden Unternehmen – Werner Baumann, Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und CEO von Monsanto…

Landwirte & Verbraucher aus den USA und Deutschland machen sich große Sorgen

Während die beiden Gentleman lächeln und sich über die Einigung freuen, tobt das Volk.

Die Anzahl der Dislikes auf YouTube bei Videos die über die Fusion berichten, überwiegen bei Weitem die Likes. Die Streams sind mit negativen Kommentaren überfüllt und die Reaktionen auf Facebook, Twitter, Google Plus & Co. sind alles andere als rosig.

In den aktuellen AgroNews von AgroPages.com heisst es

„The German company is aiming to create a one-stop shop for seeds, crop chemicals and computer-aided services to farmers.“

Übersetzt bedeutet das

„Das deutsche Unternehmen zielt darauf ab, einen One-Stop-Shop für Saatgut, Ernte Chemikalien und computergestützte Dienste für Landwirte zu schaffen.“

Die Welt macht sich Sorgen, vor allem Landwirte und Verbraucher.

Sollen wir jetzt alles nur noch von einem Anbieter kaufen? Was bedeutet das für die Landwirtschaft? Diktiert jetzt nur noch ein Großer die Preise und wir sind gezwungen zu diesen Konditionen zu kaufen oder gegebenenfalls unser Betrieb zu schließen?

Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern – soll heissen:

  • Monsanto-Aktionäre müssen zustimmen
  • Kartellbehörden müssen grünes Licht geben

Die Konzerne hoffen auf die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden bis Ende 2017. Sollte es nicht dazu kommen, dann wird Bayer eine sog. Ausfallzahlung von 2 Milliarden USD an Monsanto vornehmen. Das wurde von deutscher Seite bereits zugesichert.

Worin liegt die Attraktivität der Firma Monsanto?

In erster Linie, liegt diese in der führenden Rolle des amerikanischen Unternehmens beim Digital Farming.

Monsanto hat in vielen Farming 4.0 Projekten mit John Deere zusammen gearbeitet und weiss daher ganz genau wo der Schuh auf Landtechnikhersteller-Seite drückt. Bei der Verflechtung Digitale Technik und Landwirtschaft hat Monsanto die Nase vorn. Durch den Kauf sichert sich Bayer damit einen klaren Vorsprung beim Thema Digital Farming.

Zweitens, sticht Monsanto durch sein vielfältiges Know-how im Bereich der Biotechnologie hervor; eine Spalte die für Bayer im Zuge der wachsenden Bevölkerung immer wichtiger wird.

Innovation aus den USA + bewährte Systeme und Prozesse aus Deutschland = ergibt die Nr. 1 der Agrochemiebranche

Sind Fusionen ein Ausweg aus der Misere?

Die Branche steht unter Druck, das wissen wir alle.

Woher kommt diese Schwäche?

Aus einer Kombination von niedrigen Preisen und schwacher Nachfrage.

Bühne, Licht und Kameras sind bereit für das Fusionsspiel. Die Auftritte wurden perfekt in Szene gesetzt und die ganze Welt schaut sprachlos zu. Welcome zur neuen Agrochemie-Serie mit den Hauptdarstellern A + B + C.

Und jetzt im Klartext:

  1. Darsteller A: Bayer durch die Mega-Fusion mit Monsanto
  2. Darsteller B: ChemChina durch Übernahme des schweizer Agro-Konzerns Syngenta (US-Behörde hat vor ein paar Wochen die Milliarden-Übernahme genehmigt)
  3. Darsteller C: Dow Chemical & Dupont (Zusammenschluss wird noch verhandelt)

Ach ja, ein weiterer Darsteller steht an der Bühne und bittet um Zutritt. Es handelt sich um den kanadischen Düngemittelhersteller Potash der nach dem Scheitern der Übernahme von K+S nun mit dem Hersteller Agrium fusionieren will.

Landwirtschaft der Zukunft

Die letzten Schachzüge die in der Agrochemiebranche vollbracht werden, sorgen für eine Menge Zündstoff.

Das Konzept „Alles aus einer Hand“ kann sehr gefährlich sein. Nun ist es aber so, dass wir solche Tendenzen nicht nur in der guten alten Landwirtschaft feststellen, sondern querbeet auch in anderen Branchen.

Die Handelslandschaft in Deutschland hat sich komplett verändert. Wir haben nicht mehr so viele Wahloptionen wie früher. Tante Emma ist fast tod. Heute heisst es für Stadtbewohner Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl. Ja, da gibts noch einen Kaufland oder Real aber die befinden sich meistens ausserhalb der Zentren.

Beim Onlinehandel greifen wir größtenteils auf Amazon oder eBay zurück. Bei Smartphone-Systemen ist es Apple oder Google. Und bei PKWs werden es bald Tesla, Apple oder Google sein, wenn die deutschen Automobilhersteller den Switch zu autonomen PKWs nicht rechtzeitig hinbekommen.

Erleben wir den gleichen Trend auch in der Landwirtschaft? Konzentriert sich die Macht in immer weniger Händen?

Ist irgendwie erschreckend, meint Ihr nicht auch?

Was haltet Ihr von der Fusion Bayer-Monsanto? Was heisst das für Euer Betrieb und insgesamt für die Landwirtschaft?

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.