Milchbauern Milchkrise stoppen Landwirtschaft

Milchkrise stoppen: 100 Mio. EUR für Milchbauern

Die Politik greift „endlich“ ein. Die gestrige Entscheidung in Berlin macht Schlagzeilen: die Milchbauern in Deutschland sollen mit 100 Millionen Euro unterstützt werden.

Die Auswirkungen des Milchpreis-Desasters sollen zumindest in Deutschland etwas gedämpft werden. Dafür gibt es jetzt ein Soforthilfepaket von mindestens 100 Mio. EUR aus Berlin.

So lautet das Endergebnis des gestrigen Milchgipfels mit Vertretern aus der Landwirtschaft, Industrie (Molkereien) und Handel. Die genaue Summe wird erst später kommuniziert, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt. Zurzeit redet alle Welt von 100 Millionen plus X.

Was halten die Milchbauern vom Milchgipfel?

Bevor wir uns die Details dieses „grandiosen“ Milchpakets etwas näher anschauen, lasst uns doch hören, was unsere Kollegen von dieser Entscheidung tatsächlich halten…

„Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein…“

Quelle: YouTube Video vom Bayerischer Rundfunk

Hier ein paar Stimmen zusammengetragen:

  • „Das wird allerhöchstens 300 Euro für uns ausmachen“, so Landwirt Diethelm Koch.
  • „Eigentlich hilft nur eines: Menge runter. Und das müssen wir alle machen“, so Landwirt Hermann Dietrich.
  • „Beim Milchgipfel ist kein einziger Milcherzeuger dabei. Kein Milchbauer. Die reden über uns aber nicht mit uns“, so Landwirtin Sabine Schönleben-Nöhring.

Menge hoch, Preise runter. Und je tiefer die Preise sinken, umso mehr produzieren die Milchbauern, damit sie ihre Kosten decken können. Schließlich will jeder seine Familie ernähren und das Betrieb am Laufen halten. Ein Teufelskreis.

Die Folgen sind fatal: der Preissturz geht weiter!

Und dann gibt’s ja noch die angekündigten „strukturellen“ Änderungen – wie auch immer diese aussehen werden. Die Milchbauern sind sehr skeptisch.

Jetzt erstmals zurück zum Hilfspaket Milch…

Bestandteile des 100 Mio. EUR „Milchpakets“

Das Ganze Hilfspaket soll folgende Komponenten beinhalten:

  • 78 Mio. EUR Bundeszuschüsse zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung
  • 20 Mio. EUR zur steuerlichen Gewinnglättung für 3 Jahre rückwirkend
  • Steuerlicher Freibetrag bei der Veräußerung von landwirtschaftlichen Anbauflächen (ist an bestimmten Bedingungen geknüpft)

Quelle: Millionen für Milchbauern, ARD Tagesschau

So sieht also das nationale Programm aus.

Was ist jetzt der nächste Schritt?

Agrarminister Schmidt führt auch mit Brüssel Gespräche. Sein Ziel: das deutsche Hilfspaket soll durch ein weiteres Liquiditätshilfeprogramm auf EU-Ebene unterstützt werden.

Lösen diese Maßnahmen das Überschussproblem am Milchmarkt?

Wohl kaum.

Hier ein paar Stimmen zu den Entscheidungen des „Pseudogipfels“:

„Es ist zu viel Milch am Markt, die Menge muss runter, damit die Preise steigen“, so Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

„Der Milchgipfel hat keinen Durchbruch gebracht“, so NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel.

„Wenn den Bauern Geld zur Verfügung gestellt wird, dann muss es an die Bedingung geknüpft werden, dass sie weniger produzieren“, so der Vorsitzende Romuald Schaber vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

Quelle: ARD Tagesschau

Mengensteuerung…. Langfristige Knüppel-Verträge mit Molkereien…. Preisverhandlungen mit dem Lebensmittelhandel die jenseits von gut und böse sind….

Eine vernünftige Lösung kann nur dann geschaffen werden, wenn sich alle Parteien, d.h. Milchbauern, Molkereien und Handel an einem Tisch setzen und eine Win-Win-Win Situation schaffen.

Derzeit besteht eine Schieflage und die „100 Millionen Euro plus X“ bringen das Trio wenn überhaupt nur sehr kurzfristig weiter.

Spannende Zeiten…

Derweilen gehen die Proteste weiter und viele kleine Betriebe wachen täglich morgens mit der Frage auf „Schließen wir oder nicht?“. Eine durchaus andere Realität als uns die Medien inklusive Politik vermitteln.

Und weil das so schön zum aktuellen Thema passt, hier noch eine Statistik für Euch:

Der Beruf Landwirt liegt im Arbeitslosenranking auf Platz 2!

Die nächsten Prozentzahlen kommen von Finanzen 100. Als Grundlage für die Kalkulation wurden so genannte Zielberufe herangezogen.

Zielberufe sind Berufe, die Menschen die heute arbeitslos sind einmal erlernt haben und in denen sie gerne wieder arbeiten würden. Diese Zahl wird von der Bundesagentur für Arbeit erhoben.

Kommen wir nun zum Arbeitslosenranking von Finanzen 100:

Platz #1: Papier- und Verpackungstechnik

Für Drucker, Mechatroniker und Verfahrensmechaniker sieht es in Deutschland ganz schlecht aus. In den letzten 12 Monaten ist die Arbeitslosenquote hier am stärksten gestiegen, nämlich um 7,1%.

Platz #2: Landwirtschaft

Laut Bericht gibt es rund 12.400 landwirtschaftliche Arbeiter ohne Job. Das entspricht einem Anstieg der Arbeitslosenzahl von 5,9% in den letzten 12 Monaten.

Betroffen sind alle Qualifizierungsniveaus, auch der sog. High-Tech-Landwirt.

Ist das ein Indiz dafür, dass die Sendung „Bauer sucht Frau“ durch die Serie „Erntehelfer und High-Tech-Landwirt suchen Job“ ersetzt wird?

Wer weiß, wer weiß…

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Sich auf die Politik bzw. Medien zu verlassen ist nicht besonders clever.

Andererseits können die kleinen Betriebe jetzt auch nicht über Nacht ihre Strategien ändern, das geborgte Kapital zurückzahlen und was weiß ich, das nächste Facebook gründen.

Es ist schon bemerkenswert wie sich alles in der Geschichte wiederholt… und damit meine ich die Zyklen Goliath-Unternehmen vs. David-Betriebe.

Wer von Euch erinnert sich nicht an die epische Gerichtsverhandlung wo John D. Rockefellers Imperium in viele kleine Organisationen zersplittert wurde.

Die Frage lautet daher: In welchem Zyklus stecken wir denn gerade?

Wenn wir uns die Bayer und Monsanto Games anschauen bzw. wenn wir einen Blick darauf werfen, wie viel Macht Industrie (auch die Molkereiindustrie) und Handel haben, dann befinden wir uns wohl im sog. Goliath-Zyklus. Nicht besonders rosig für die Davids unter uns…

Was glaubt Ihr?

Unterstützen die 100 Mio. EUR die Milchbauern in Deutschland oder ist das tatsächlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.