Milchpreis-Landwirtschaft-Deutschland

Der niedrige Milchpreis – gibt es einen Ausweg?

Niedriger Milchpreis, schlechte Ernte – die Landwirtschaft in Deutschland sorgt weiter für Schlagzeilen. Zu niedrige Preise aufgrund eines weltweiten Überangebots treffen die Landwirte besonders hart. 

Für Schlagzeilen sorgte in den letzten Tagen eine Aktion von rund 50 Bauern, die aus Protest gegen die Milchpreise ein Zentrallager der Lebensmittelkette Aldi blockierten.

Viele Landwirte sind der Meinung, dass auch Einzelhandelsketten wie Aldi mit ihrer Preispolitik für die desolate Lage der Milchbauern verantwortlich sind.

Aldi hingegen argumentiert, dass die Preise der Märkte einfach an die Kunden weitergegeben werden, was schließlich seine Pflicht wär, Lebensmittel so günstig wie möglich abzugeben.

Fakt ist, die Milchproduktion in Deutschland rechnet sich für die Milchbauern weitestgehend nicht, denn aktuell liegt der Verkaufspreis unter den Produktionskosten.

Mit einem weltweiten Überangebot werden sich die Preise allerdings nicht ändern. Die Preise verbleiben weiterhin auf einem historischen Tiefstand.

Gibt es keinen Ausweg?

Mit direkt und regional den niedrigen Milchpreis umgehen

Konzepte wie etwa Rohmilch-Automaten mit einem Milchpreis von ca. 1,00 EUR scheinen eine lukrative Nische auf dem gebeutelten Milchmarkt darzustellen.

Mit der Direktvermarktung können die Milchbauern direkt die Verbraucher erreichen. Die zig Zwischenhändler, welche alle ihren Teil vom Kuchen abbekommen möchten, können umgangen werden.

Wie bei Bioprodukten ist auch hier der Verbraucher gewillt, mehr für Qualität zu zahlen.

Allerdings: da Rohmilch bisher nur vom Erzeugerbetrieb abgegeben werden darf, wird diese Form der Direktvermarktung vorerst nur sehr eingeschränkt neue Märkte bzw. Standorte erobern können.

Dabei bieten sich gerade in Städten bzw. Ballungszentren unzählige Standorte für Milchautomaten an.

Mit den heutigen technologischen Standards, könnte ein Milchautomat auch an der Tankstelle oder vor dem Supermarkt stehen, denn die Anforderungen an Einhaltung der Kühlkette sowie der Hygiene und Sauberkeit können auch fernab vom Erzeugerbetrieb gewährleistet werden.

Hier ist jedoch noch der Gesetzgeber gefordert, die aktuellen Bestimmungen zu lockern.

Solche regionalen und direkten Vermarktungskonzepte stellen also lediglich eine Nische dar. 

Die EU setzt mit ihrem Hilfspaket auf finanzielle Zuschüsse an die Milchbauern, die ihre Milchanlieferungen freiwillig reduzieren.

Den Milchpreis erhöhen durch Verringern der Produktion

Das Gegenkonzept zum Bedienen eines Nischenmarktes ist der Ausbau der Produktion, um quasi den Massenmarkt bedienen zu können.

Viele Landwirte sind in den letzten Jahren den Weg gegangen, in ihren Hof, dessen Technik und Ausstattung, massiv zu investieren, um mehr Milch produzieren zu können.

Zum Zeitpunkt dieser Entscheidungen sahen die Absatzprognosen noch anders aus, die Investitionen wurden von der Politik gefördert.

Aber auch mit der effizienteren Produktion kann kein rentables Wirtschaften erreicht werden. Es wird einfach zu viel Milch produziert.

150 Millionen EUR hat die EU in ihrem aktuellen Haushalt für die Reduzierung der Milchproduktion auf EU-Ebene eingeplant.

Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist das Ziel, die EU-Milchmenge um ca. 1,07 Millionen Tonnen zu reduzieren.

Die ersten Verhandlungsergebnisse sind nun veröffentlich wurden. Auch wenn diese noch nicht abschließend sind, lassen sich erste wichtige Eckpunkte bereits festhalten:

  • An dem Programm können alle Milchproduzenten teilnehmen, die bis Juli 2016 aktiv Milch erzeugt haben.
  • Gewährleistet wird die Prämie für bis zu 50 Prozent der Milchlieferung im Referenzquartal. Die Mindestmenge beläuft sich auf 3000 Kilogram.
  • Der Antrag muss bis spätestens 45 Tage nach Ablauf des Quartals mit verringerter Produktion gestellt werden. Wahrscheinlich wird der Landwirt 14 Cent pro reduziertem Kilo Milch erhalten.
  • Wenn die Mittel ausgeschöpft sind, wird es keinen weiteren Antragszeitraum geben. Der Stichtag für die erste Antragsstellung ist der 23.09.2016.

Wieweit wird dieses Programm die Milchbauern zu Reduktion der Produktion oder gar Aufgabe des Betriebes veranlassen?

Milchbauern am Abgrund – „Die dunkle Seite der Milch“ in der „Freien Marktwirtschaft“

Quelle: MSO MindMap

Aber nicht nur Milchbauern kämpfen derzeit ums Überleben. Insgesamt verdienen Landwirte an ihren Produkten weniger.

Schlechtes Wetter sorgt für niedrige Getreideernte

Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Getreide- und Rapsernte wird auch für viele Landwirte der finanzielle Druck weiterhin erhöht.

Europa kämpft aufgrund des extremen schlechten Wetters in diesem Jahr mit erheblichen Einbrüchen bei der Ernte.

Aufgrund der weltweit durchaus guten Angebotslage, teils konnten Rekorderträge eingefahren werden, hat das reduzierte Angebot in Europa allerdings keinen weiteren Effekt auf die Preise.

„Geringere Erntemenge multipliziert mit einem geringeren Preis gibt ein noch geringeres Ergebnis. Vielen Ackerbauern geht das Geld jetzt auch aus. Sie reihen sich bei den Milchbauern und Schweinebauern ein“  – Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverband (DBV)

Für ein Bundesland nach dem anderen werden die Zahlen der diesjährigen Saison veröffentlicht. Mit 111 Millionen EUR weniger Ertrag gegenüber dem Vorjahr sind die Einbußen erheblich.

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. In den nächsten Jahren wird es größere strukturelle Änderungen geben. 

Neue Konzepte  sind gefragt. Welche innovativen Ideen werden in Eurer Umgebung von den Landwirten ausprobiert? 

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