Pflanzenschutz bei Agrarbetrieb

Pflanzenschutz: Preisabsprachen und Substitutionslisten

Kartellamt zu Besuch bei den Branchenriesen BayWa und Agravis wegen Verdacht verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzprodukten – so oder ähnlich lauten die aktuellsten Schlagzahlen der deutschen TV-Sender und Zeitungen. Hierzu gleich mehr.

In dem heutigen Beitrag schauen wir uns ebenfalls die Subsitutionsliste näher an. Die EU-Kommission hat 77 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die als „risikoreich“ für Umwelt und Gesundheit eingestuft werden, auf eine Substitutionsliste gesetzt. Die Suche nach besseren Alternativen hat bereits begonnen.

Pflanzenschutz auf der Tagesordnung: Bundeskartellamt durchsucht mehrere Unternehmen der Agrarbranche

Die Nummer 1 und 2 im europäischen Agrarhandel, BayWa und Agravis, werden zur Zeit von der Kartellbehörde durchsucht. Das Bundeskartellamt geht dem Verdacht verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzprodukten nach.

Die Büroräume des Marktführers BayWa mit Sitz in München wurden bereits durchsucht. BayWa-Mitarbeiter stehen unter dem Verdacht, an wettbewerbswidrigen Absprachen beim Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln beteiligt gewesen zu sein. Aus einem aktuellen Pressebericht des Nachrichtensenders n-TV erfahren wir folgendes:

„Die BayWa wird mit dem Bundeskartellamt in allen Punkten uneingeschränkt kooperieren“, erklärte BayWa-Chef Klaus Josef Lutz. „Es ist unser größtes Interesse, dass diese Angelegenheit restlos aufgeklärt und eventuelles Fehlverhalten mit aller Härte verfolgt wird.“

Die Unternehmenszentrale von Agravis in Hannover wurde ebenfalls von den Behörden besucht. Auch bei der Nummer zwei im europäischen Agrarhandel stehen Mitarbeiter unter dem Verdacht an wettbewerbsbeschränkenden Absprachen beteiligt gewesen zu sein. Agravis arbeite kooperativ mit den Behörden zusammen.

Zu den weiteren Unternehmen die untersucht wurden, gehört auch die RWZ (Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG). Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass das Bundeskartellamt keine Angaben zu den Namen der durchsuchten Unternehmen und betroffenen Verbände macht.

Eine Durchsuchung erfolgt auf der Basis eines gerichtlichen Beschlusses und dient der Aufklärung des Sachverhalts. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

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Substitutionsliste: 77 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe sollen ersetzt werden

Die EU-Kommission hat 77 zugelassene Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe auf die Substitutionsliste gesetzt. Demnach können die Behörden in den Mitgliedstaaten die Verwendung dieser Wirkstoffe einschränken, wenn sie der Auffassung sind, dass es unbedenklichere, gesündere Alternativen gibt. In der EU gibt es zur Zeit rund 460 genehmigte Wirkstoffe.

Die Laufzeit der aufgeführten Wirkstoffe beträgt nur noch bis zu 7 Jahre. Die Wirkstoffe sind nicht verboten, sollen jedoch mittel- bis langfristig durch bessere ersetzt werden. Um Forschungsabteilungen zu unterstützen, hat die Kommission eine Liste mit Substitutionskandidaten zusammengestellt.

Nach Angaben des  Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gilt:

Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die einen Substitutionskandidaten enthalten, soll für solche Verwendungszwecke versagt werden, für die es Alternativen gibt, die keine wesentlichen wirtschaftlichen oder praktischen Nachteile aufweisen. Dabei soll auch berücksichtigt werden, dass eine gewisse chemische Vielfalt an Wirkstoffen oder alternativen Verfahren nötig ist, um dem Entstehen von Resistenzen entgegenzuwirken. Auch die Auswirkungen auf die Zulassung geringfügiger Verwendungen sind zu berücksichtigen. Für die Landwirtschaft bedeutet das: Die Einführung der vergleichenden Bewertung kann die Anzahl verfügbarer Pflanzenschutzmittel in einer Kultur verringern, darf aber keine Bekämpfungslücken schaffen und ein praktikables Resistenzmanagement nicht gefährden.

Ab dem 1. August 2015 müssen neue Anträge auf Zulassung eines Pflanzenschutzmittels, das einen der gelisteten Wirkstoffe enthält, darauf geprüft werden, ob risikoärmere Alternativen zur Verfügung stehen.

Neue Regeln im Pflanzenschutz: Sachkundenachweis im Scheckkartenformat

Um das heutige Thema Pflanzenschutz abzuschliessen, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass alle Anwender und Händler von Pflanzenschutzmitteln ab dem 26. November 2015 einen neuen Sachkundenachweis im Scheckkartenformat besitzen müssen. Der Stichtag für die Beantragung des neuen Nachweises ist der 26. Mai 2015.

Ist schon überwältigend was sich alles im Bereich Pflanzenschutz und PSM tut. Was halten Sie von den ganzen Neuerungen? Sind Sie von möglichen Preisabsprachen der Branchengiganten überrascht?

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