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Digitalisierte Landwirtschaft Agrarbetrieb

Digitalisierte Landwirtschaft – Auf in die Zukunft

Keine Frage, landwirtschaftliche Themen lösen mehr denn je hitzige Diskussionen aus. Gegensätzliche Positionen treffen aufeinander, scheinbar unvereinbar. Aber ist dem wirklich so? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Antwort sein?

Bei landwirtschaftlichen Themen bekommt man oft den Eindruck, dass man entweder für die eine oder andere Position ist. Nach dem Motto: wenn man für konventionelle Landwirtschaft ist, dann ist man automatisch gegen Umweltschutz oder Gesundheit.

Schwarz oder weiß. Andere Positionen sind scheinbar nicht möglich. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dieses Schubladendenken hinter uns zu lassen.

Zunächst aber einmal zu den Themen, die diese Woche die Gemüter erregen:

Riegel vor Flächenversiegelung

13,1 Hektar pro Tag – soviel geht derzeit in Bayern an Fläche für Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren.

Die im Landesentwicklungsprogramm geplanten Änderungen zeigen, dass Kabinett und Wirtschaftsausschuss weiterhin “Großes” mit Bayern vorhaben.

Bayern ist bereits der Spitzenreiter unter den Bundesländern, was den täglichen Flächenverbrauch angeht.

Flächenverbrauch heißt ganz allgemein, dass natürlicher Boden mit Bauwerken bedeck wird. Diese Bebauung führt zur Flächenversiegelung.

Die Bodenfruchtbarkeit und eine spätere Nutzung etwa für Land- oder Forstwirtschaft werden hierbei stark beeinträchtigt.

Deshalb wollen die Bayerischen Grünen ein Volksbegehren gegen die rasante Asphaltierung Bayern einleiten.

Das Ziel: die Umwandlung von Freiflächen soll auf 4,7 Hektar pro Tag begrenzt werden.

Da die Umwandlung wohl insbesondere auch die Landwirte betrifft, denen Ackerboden durch die Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrflächen verloren gehen würde, sehen die Grünen den Bauernverband als möglichen Unterstützer des Kurses.

Auch deutschlandweit wird angestrebt, die Umwandlung von Wald, Grünland oder Ackerland in Siedlungs- und Verkehrsflächen weiter auszubremsen.

Laut Zahlen aus dem Bericht “Daten zur Umwelt 2017” des Umweltbundesamtes sind in den Jahren 2012 – 2015 ca. 66 Hektar Land pro Tag deutschlandweit umgewandelt wurden.

Zwar hat sich damit der tägliche Flächenverbrauch stark verringert, das Ziel ist jedoch, im Jahr 2030 nur noch 30 Hektar am Tag umzuwandeln.

Während in Deutschland die Verwendung von Fläche diskutiert wird, geht es auf EU-Ebene gerade darum, was auf den Flächen zum Einsatz kommen darf, oder auch nicht:

Verschärfung beim Einsatz von Neonikotinoiden

Für viel Aufregung sorgt derzeit das Vorhaben der EU-Kommission, den Einsatz von Neonikotinoiden stark einzuschränken.

Es ist die Rede davon, das flächendeckende Verbot von Neonikotinoiden auf die Beizung von Getreide und Rüben auszuweiten. Auch in der Vegetationsperiode soll das Insektizid zukünftig nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Bereits im Jahr 2013 wurden der Einsatz einiger der zu dieser Gruppe gehörenden Insektizide verboten.

Zukünftig sollen die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam nur noch in Gewächshäusern erlaubt sein.

Die einst als harmlos umjubelten Neonikotinoide hatten sich als verheerend für Insekten wie beispielsweise Bienen herausgestellt.

Mit dem Verbot der Neonikotinoide will die EU-Kommission unter anderem noch wirksamer gegen das Insektensterben vorgehen.

Noch ist ein Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) abzuwarten, mit dem im November gerechnet wird.

Bis dahin werden die Diskussionen sich wohl noch stark verstärken:

die Anbauer von Rüben argumentieren, dass sie nicht mehr Herr über die Blattlaus werden und der Rübenertrag erhebliche Einbussen erleiden wird.

Andere meinen, dass ein Verbot, etwas für Rüben unsinnig ist, weil als nichtblühende Pflanzen kann der Einsatz für Bienen hier ja nicht gefährlich sein.

Diese Argumente werden mit Sicherheit auch von den herstellenden Konzernen wie Bayer und Syngenta untermauert.

Auf der anderen Seite ist die Fraktion, die Agrargifte nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes verbieten möchte.

Hier wird auch argumentiert, dass ein Mittel, das sich derart auf das Nervensystem von Insekten auswirkt, sicher auch nicht gut für die menschliche Gesundheit sein kann.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – die beiden Begriffe werden oft gegenübergestellt, als ob das eine das andere ausschliesst.

Vielleicht galt das im letzten Jahrhundert so, aber wir leben im Zeitalter der Digitalisierung.

Digitalisierte Landwirtschaft als Brücke

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde es aufregend und spannend, was sich auf dem Gebiet der Landwirtschaft derzeit alles tut.

Die Debatte um den Flächenverbrauch und den Einsatz der Insektizide sind nur Beispiele, für die Herausforderungen, die zu meistern sind.

Aber im gleichen Atemzug, in dem all die unterschiedlichen Anforderungen an die Landwirtschaft gestellt werden, entfalten sich auch die Möglichkeiten, die wir Landwirte haben, wie nie zuvor.

Es ist nicht mehr, dass man auf der einen Seite oder auf der anderen Seite stehen muss. Warum muss es “konventionell versus ökologisch”, “wirtschaftlich versus nachhaltig” und ähnliches sein?

Digitalisierte Landwirtschaft ist für mich das Zauberwort:

Satellitengesteuerter Traktor: Landwirtschaft der Zukunft?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Die Zusammenarbeit von IT und Landwirtschaft ist noch in den Kinderschuhen, aber wird, wie bei Kindern, schneller erwachsen, als man es glaubt.

Satelittengesteuerte Traktoren, die, fast, für jede Pflanze auf dem Feld ein eigenes Wachstumspaket zur Verfügung stellen? Klingt nach Utopie, aber ist längst eine realisierbare Möglichkeit. 

Das ist es – die Möglichkeiten sind da. Aber wie innovativ sind wir beim Anwenden und Umsetzen? 

Wie Ihr in dem Beitrag seht, es hängt zumeist nicht an dem, was möglich ist, sondern daran, wie jeder einzelne Landwirt für sich bereit ist, sich mit dem Wandel zu beschäftigen; bereit ist ein Voreiter zu sein.

Und wenn die Politik in Ihrem Schwarz-Weiß denken verhaftet ist, als Landwirt hat man mehr denn je, die Möglichkeiten, nach seinen eigenen Kriterien Landwirtschaft zu betreiben. 

Stadt und Land müssen keine Gegensätze sein, um nochmal auf das Thema Flächenverbrauch zurückzukommen.

Ebenso müssen Umweltschutz und ertragreiche Landwirtschaft keine Gegensätze sein. 

Wie seht Ihr die technischen Entwicklungen? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Brücke schlagen und unterschiedliche Interessen zusammenführen?

Digitale-Technik-Landwirtschaft

Digitale Technik in der Landwirtschaft

Die Milchpreise sorgen weiterhin für Diskussionen. Nicht nur bei den Milchbauern stellt sich die Frage, wie die Landwirtschaft effizienter und profitabler gestaltet werden kann. Ist digitale Technik die Antwort?

Die Produktion von Milch ist zu viel, der Preis von Milch ist zu billig.

Über 30 Jahre hat die Europäische Union die Milchmenge mit einer festgelegten Obergrenze, der sogenannten Milchquote, reguliert.

Da die Milchquote nicht, wie vorgesehen, für stabile Preise am Markt sorgte, wurde sie im letzten Jahr abgeschafft.

Seither kehrte jedoch auch weiterhin keine Ruhe für die krisengebeutelten Milchbauern ein.

Weiteres Hilfspaket für deutsche Milchbauern

Bereits im Juli wurde von der EU ein europaweites Maßnahmenpaket vorgestellt, welches mit Finanzhilfen und Entschädigungszahlungen den Milchbauern unter die Arme greifen sollte.

Eine Deckelung der Produktion bzw. Vorgaben bzgl. der Produktionsmengen sieht die EU nicht vor.

Jedoch soll ein Großteil der Zahlungen, 150 Millionnen EUR, an Milcherzeuger gehen, die ihre Produktion drosseln. 14 Cent gibt es für jedes Kilogramm weniger Milch.

Im zweiten Schritt gibt es weitere finanzielle Hilfen, die von den nationalen Regierungen erhöht werden können.

In Deutschland hat Bundesagrarminister Christian Schmidt angekündigt, dass die für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen in Höhe von 58 Millionen EUR von der Bundesregierung verdoppelt werden.

Den deutschen Milchbauern soll damit ein Hilfspaket in Höhe von 116 Millionen EUR unter die Arme greifen.

Das klingt erstmal gut, aber wie immer, der Teufel steckt im Detail. Die einen sind der Meinung, dass nur mit einem strukturellen Umbruch langfristig eine erfolgreiche Milchpolitik erreicht werden kann.

Bundesagrarminister Christian Schmidt begründet die Verdoppelung der finanziellen Hilfen für deutsche Milchbauern aber gerade damit, dass ein Strukturbruch teuer käme.

Einig sind sich alle jedoch in einem: die Milchproduktion muss sich verringern und die Milchpreise erhöhen.

Auf der einen Seite versucht die Politik mit Hilfspaketen, langfristige Lösungen und bessere Marktbedingungen für die Landwirte zu schaffen.

Aber natürlich sind auch die Landwirte selbst ständig auf der Suche, wie sie ihre Produktion effizienter gestalten können. Der Preisdruck ist hoch. Die Arbeit sehr fordernd.

Digitale Technik in der Landwirtschaft

Das Internet hat auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten und sorgt in vielen Bereichen nicht nur für mehr Effizient, Flexibilität oder eine kostengünstigere Produktion.

Die Änderungen sind weitreichend. Beginnend bei der morgendlichen Arbeitsanweisung für den ganzen Tag, deren Bedeutung sinkt, wenn per WhatsApp schnell und unkompliziert während des Tages kommuniziert werden kann.

Düngemenge wird – gesteuert von Satelliten – quadratmetergenau  ausgebracht. Die Kuh schickt eine SMS, wenn sie davor steht, zu kalben.

Ausfahren, um die Äcker und das Wachstums des Getreides zu überprüfen? Fehlanzeige. Dafür fliegt die Drohne über die Äcker und sendet die Bilder auch ins Wohnzimmer.

Landwirtschaft via iPad und Handy. Sicher nicht die Vorstellung, welche der Durchschnittsbürger von der Landwirtschaft hat. Ohne digitale Technik scheint Landwirtschaft nicht mehr zu funktionieren.

Digitalisierung der Landwirtschaft: Profitabel, nachhaltig und selbstbestimmt

Quelle: SAP D-A-CH

Wenn man sich die Zahlen des Deutschen Bauernverbands betrachtet, ernährt ein Bauer heute durchschnittlich 144 Menschen. Vor ca. hundert Jahren waren es gerade mal vier.

Und wie im Video gesagt, die Weltbevölkerung ist weiterhin kräftig am Wachsen und stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen.

Eine Steigerung der Produktivität ist einfach notwendig. Ist digitale Technik die Antwort?

„Die Zukunft der Arbeitswissenschaften in der Landwirtschaft ist unumgänglich mit der Entwicklung von automatisiert und sogar autonom agierenden Maschinen in der Außen- und in der Innenwirtschaft verbunden“ – Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Elisabeth Quendler MSc.

Im Grunde ist die Technik bereits soweit fortgeschritten, das die Maschinen auf den Feldern autonom fahren könnten.

Die Digitalisierung der landwirtschaftlichen Abläufe ist dabei, dass Berufsbild des Landwirten vollständig zu ändern. Und ihm im Zuge dessen sein Leben wohl auch etwas angenehmer zu gestalten.

Etwa, wenn seine Anwesenheit beim morgendlichen Kühemelken nicht  mehr erforderlich wird. Weil die Melkanlage selbständig alle Arbeiten übernimmt und anschließend alle wichtigen Informationen direkt weitergibt.

So gut die digitale Welt der Landwirtschaft auch klingt, sie bringt auch ihre Herausforderungen mit sich.

  • Etwa für kleine Betriebe, denen die finanziellen Mittel für die Anschaffung der teils sehr teuren Technik fehlen. Hier könnten Kooperationen eine Lösung sein.
  • In den ländlichen Gebieten fehlen oftmals flächendeckende Breitband-Internetverbindungen, so dass auf Internet basierter Technik Grenzen gesetzt ist. An einer besseren Abdeckung des Internets wird allerdings bereits gearbeitet.
  • Selbständige Arbeitsabläufe erfordern nicht mehr die Einbeziehung des Landwirten wie früher. Die Beziehung zu seinem Betrieb ändert sich. Von „mitten drin“ zum Schreibtischtäter ist nicht nur eine völlige Veränderung des Berufsbildes
  • Maschinen heutzutage sind groß, komplex in der Bedienung und zudem sehr teuer. Konnte man früher seine Kinder den Traktor fahren lassen, ist heute spezialisiertes Wissen erforderlich, um alle Maschine und Abläufe steuern zu können.  

Generell bietet die digitale Technik in der Landwirtschaft Verbesserungen in der Landwirtschaft und kann auch dazu beitragen, dass die Ressourcen nicht nur besser, sondern auch umweltverträglicher genutzt werden.

Wie sieht Ihr die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft – profitiert Ihr von dieser oder steht Ihr den Entwicklungen skeptisch gegenüber?