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Superfood-Lebensmittel-Landwirtschaft

Superfood: Was ist so super an Superfoods?

Der Begriff ist in aller Munde: Superfood. Aber wer weiß wirklich was Superfoods sind?

Superfoods – Gesundheit und Vitalität im Übermaß, der Jungbrunnen für Trendsetter, etwas für den gefüllteren Geldbeutel.

Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich die Supermarktregale, Verpackungen oder gar Preise in den Abteilungen anschaut, die Lebensmittel enthalten, die irgendwie anders sein sollen.

Wie das „Super“ in „Superman“ verspricht das „Super“ in „Superfoods“ besondere Kräfte zu enthalten.

Aber bevor Ihr Euch Gemüse im Spandexanzug mit Umhang vorstellt, das das Böse der Welt bekämpft, lasst uns noch auf eine Meldung dieser Woche kucken, die an anderer Stelle für dringend benötigte Hilfe sorgen kann:

Provisorische Güllelager als Notfalllösung

Viele Landwirte in Schleswig-Holstein hat das Wetter der letzten Monate wahrlich verzweifeln lassen. Die Felder sind seit Monaten völlig durchnässt und unbefahrbar.

Die Ausbringung der Gülle wurde zu einem Vorhaben, das einfach nicht umgesetzt werden. Auf den matschigen Böden würden die schweren Geräte einfach nur versinken und steckenbleiben.

Nicht nur, stellt dies eine hohe Belastung für die Landwirte dar. Auch die Umwelt ist durch überlaufende Güllebehälter gefährdet.

Und ein Ende der Lage ist nicht in Sicht. Neben den Wetterbedingungen tragen auch die aktuellen Sperrfristen für die Düngeausbringung zu einer Zuspitzung der Lage bei, denn:

Wohin mit der Gülle?

In Schleswig-Holstein haben die anhaltenden Niederschläge eine akute Notsituation herbeigeführt, für die das Umweltministerium in Kiel mit einer Notlösung für Entspannung sorgen will.

In den kommenden Monaten ist es den Landwirten erlaubt, provisorische Lagerbecken für Gülle zu errichten.

Diese unterliegen strengen Auflagen, bei denen insbesondere der Schutz des Grundwasser und der Oberflächengewässer Priorität haben.

Laut Robert Habeck, Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsminister, wird mit den Notfallmaßnahmen lediglich die Folgen eines viel größeren Grundproblems bekämpft:

„Die intensive Tierhaltung stößt vor allem auf dem Geestrücken an Grenzen. Wir haben dort zu viel Gülle und Gärrückstände auf zu wenig Fläche. Wir brauchen dringend eine Strategie, die Landwirten gutes Einkommen sichert, ohne auf immer mehr Tiere und immer mehr Leistung zu setzen.“

Neben dem Bau der Notfallbehälter, wird zudem nach vorhandenen, nicht ausgelasteten Kapazitäten gesucht. Hier kommen etwa leerstehende Lagerbehalter auf ehemaligen Landwirtschaften oder die Lagerung in anderen Bundesländern, etwa in Erdbecken in Brandenburg in Betracht.

(Quelle: NDR.de, AgE, Euwid Wasser und Abwasser)

Von Gülle zu Superfoods mag es jetzt ein großer Sprung sein, oder auch nicht, denn bei spielen Nährstoffen im Boden eine Rolle.

Vielfach wird angeprangert, dass aufgrund der ausgelaugten Böden viele Lebensmittel und Speisen kaum noch Nährstoffe und Vitamine enthalten.

Superfoods sollen als wahre Nährstoffbomben propagiert das Defizit ausgleichen können.

Superfood – alles super oder was?

In der Europäischen Union ist der Begriff „Superfoods“ auf Verpackungen verbannt, es sei denn, die Behauptung, dass es sich um Superfood handelt, kann wissenschaftlich belegt werden.

In den USA hingegen gibt es keine Regulierung oder rechtliche Festlegung, was ein Superfood eigentlich ist.

Mit anderen Worten: Superfood kann alles oder nichts sein.

Das Wort, was heute in aller Mund ist, wurde von Steven Pratt MD, erfunden. Er hat es als Titel für sein in 2004 veröffentlichtes Buch gewählt.

In diesem beansprucht er für sich, die wichtigsten nährstoffreichen Lebensmittel ausfindig gemacht zu haben, die bedeutend für den Erhalt einer optimalen Gesundheit sind.

Sein Fokus lag vor allem auf Nährstoffe, die das Leben verlängern können. Man könnte sagen, den Begriff „Superfoods“ zu kreieren, war ein guter Marketingschachzug. Der noch immer funktioniert.

Zumeist verbinden wir Superfoods mit exotischen Lebensmitteln wie Quinoa, Gojibeere, Amaranth, Avocado, Chiasamen, …

Aber dabei hat auch die heimische Natur viel zu bieten: Holunderbeere, Leinsamen, Brennessel, Johannisbeere bis hin zum Grünkohl, um nur einige zu nennen.

Sie sind nicht nur wesentlich günstiger, sondern ebenso nährstoff- und vitaminreich. Und ebenso vielfältig in der Küche einzusetzen.

Heimisches vs. exotisches Superfood

Quelle: Galileo

Ihr seht, auch heimische Superfoods müssen nicht langweilig sind und haben auch für den kleineren Geldbeutel viel zu bieten. 

Es muss nicht die bisher unentdeckte Beere eines weit entfernten Naturvolkes sein, die wir verzerren müssen, um unserer Gesundheit zur erhalten, zurückzuerobern oder ähnliches. 

Wie bei allem lohnt es sich auch, zu hinterfragen und den Kontext zu sehen: Wie hilfreich ist der zusätzliche Verzerr von Gojibeeren, wenn ich täglich einen Schokoriegel, Kekse oder ähnliches esse? 

„Zuckerreiche Müslis oder Milchprodukte werden mit ein paar Acaí-Beeren nicht gesünder“, so Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Meistens hat das, was man nicht isst, eine wesentlich größere Wirkung auf die eigene Gesundheit als das, was man zusätzlich isst.

Wie steht es mit Euch: auf welche Nahrungsmittel setzt Ihr, wenn es um Eure Gesundheit geht?

Gülletechnik bei Agrarbetrieb Gülleausbringung

Gülletechnik: Samson und Vredo stellen Neuheiten vor

Im Bereich Gülletechnik tut sich sehr viel. Der dänische Hersteller Samson bringt mit dem Güllefass PG II 28 ein neues Modell u.a. mit mehr Platz für Schleppschlauchgestänge und mehr Bodenfreiheit auf den Markt. Der niederländische Hersteller Vredo hat einen Gülle-Flex-Tank für seinen Gülle-Selbstfahrer VT7028-3 entwickelt.

Bevor wir die beiden Neuheiten aus der Welt der Gülletechnik näher unter die Lupe nehmen, werfen wir doch einen kurzen Blick auf die aktuellen Meldungen aus unserer Branche.

1. John Deere auf Einkaufstour: nach Wirtgen folgt Mazzotti

Erst vor wenigen Wochen machte Deere & Company Schlagzeilen durch den Kauf der deutschen Wirtgen Group.Die Amerikaner weiten ihre Markanteile ungebremst weiter aus. Jetzt ist der italienische Pflanzenschutzgerätehersteller Mazzotti aus Ravenna dran.

Das Familienunternehmen Mazzotti gibt es bereits seit 30 Jahren. Die Marke Mazzotti hat sich weltweit in der Pflanzenschutzspritzen-Industrie bewährt. Nach der Übernahme, sollen die Marke und der Name Mazzotti trotzdem beibehalten werden.

2. Volvo VM Autonomous – der erste autonom fahrende LKW wird in Brasilien bei der Zuckerrohrernte eingesetzt

Tesla, Google, Case IH, New Holland… autonome PKWs und Traktoren erobern der Reihe nach unsere Straßen und Felder. Jetzt bietet ein autonom fahrender LKW Unterstützung bei der Zuckerrübenernte.

Der Volvo VM Autonomous fährt geschmeidig über die Rübernplantagen in Brasilien. Der Dreiachser mit Auffangbehälter rollt synchron neben der Erntemaschine.

Das moderne Fahrerassistenzsystem sorgt dafür, dass der 270 PS starke Volvo VM 6×4 immer aus Kurs bleibt und seine Spuren nicht verlässt. Präzision ist wichtig; der LKW soll ja nicht über die Zuckerrohrpflanzen fahren.

Quelle: Volvo Trucks & Buses Argentina, YouTube

Zwei GPS-Antennen auf dem Dach helfen bei der Standorterkennung. Der LKW folgt anschliessend den Koordinaten einer digitalen Karte von der Zuckerrohrplantage. Die Pflanzenreihen sind genau markiert. Dadurch werden Verluste minimiert, da der LKW in seiner Spur bleibt und die Reihen nicht überfährt.

Die Produktivität steigt ebenfalls, da diese Arbeit auch während der Nacht problemlos weitergeführt werden kann.

Kaufen kann man den Volvo VM Autonomous noch nicht. Dieser befindet sich in der Entwicklungsphase und soll frühestens 2018 auf den Markt kommen.

Gülletechnik von Samson und Vredo

Samson präsentiert neuen Güllefass PG II 28

Flexible und unabhängige Füllsysteme sind für Samson von großer Bedeutung. Aus diesem Grund wird das ältere Modell PG 27 durch den neuen Güllefass PG II 28 ersetzt. Bei dem Upgrade wurden mehrere Sachen geändert und optimiert.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Der Güllefass PG II 28 ist um 35 cm länger wodurch mehr Platz für Schleppschlauchgestänge geschaffen wird.
  • Vollhydraulischer Radantrieb (HWD)
  • Vereinfachte Bedienung der Achsanhebung
  • Geänderter Unterboden bietet mehr Bodenfreiheit
  • Der Drehpunkt des Krafthebers wurde abgesenkt, um die Zuglinien zum Gerät zu verbessern

Die Kraftheber werden auch bei den Güllewagen PG II 31 und PG II 35 angepasst, damit diese die gleiche geometrische Form haben.

Zur Verabschiedung des Vorgängermodells, hier noch ein kurzes Video vom Samson PG 27 bereitgestellt von den Kollegen von Trekkerweb aus den Niederlanden.

Quelle: Trekkerweb.nl, YouTube

Vredo präsentiert ein neues Konzept, den Gülle-Flex-Tank

Der holländische Hersteller Vredo hat für seinen größten Gülle-Selbstfahrer einen speziellen Tank entwickelt. Es handelt sich hierbei um einen aufpumpbaren Gülle-Flex-Tank.

Anders als der Standardtank aus Glasfaser und Kunststoff, hat der neue Tank eine geringere Breite, und zwar nur 2,1 m (Standardtank liegt bei 2,6 m Breite). Trotz der geringeren Breite, fasst der neue aufpumpbare Tank 32 m³.

Der aufpumpbare Gülle-Flex-Tank ist für den dreiachsigen VT7028-3 gedacht und erreicht bei der Nutzung eines Schleppschlauch- oder Schleppschuhgestänges bis 30 m eine Transportbreite von 3 m.

Der große Vorteil: die Maschine kann ohne Ausnahmegenehmigung gefahren werden.

High-Tech und Gülletechnik

High-Tech gehört dazu… egal ob Landtechnik, Gülletechnik oder xxx-Technik.

Ideen gibt es wie Sand am Meer. Eine Idee kann jedoch noch so brilliant sein, wenn sie nicht umgesetzt wird, wenn man nicht einmal einen Prototypen vorzeigen kann, dann ist diese Idee wertlos. Und das gilt in jeder Branche, unabhängig vom Industriezweig.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass diejenigen Ideen die ganze Branchen ändern, oft aus einer anderen Branche stammen. Ford war zu seiner Zeit so begeistert vom Fleischverarbeitungsprozess in einer Metzgerei, dass er dieses System in die Automobilbranche einführte. Ähnliches gilt für autonome Vehikeln, egal ob PKWs oder LKWs. Das was Roboter können, das kriegen auch Transportmittel hin.

Wir werden in den kommenden Jahren noch sehr viele Änderungen und Neuheiten erleben. Das was wir heute sehen ist nur die Spitze vom Eisberg.

Was glaubt Ihr? Wie wird Eurer Meinung nach die Welt der Land- und Gülletechnik in den kommenden zehn Jahren aussehen?

Agrarbetrieb-Düngeverordnung-Landtechnik

Landwirtschaft zwischen Verwaltung und kreativer Landtechnik

Bevor wir einen Abstecher in die Landtechnik machen, geht es im heutigen Blog um die Eckpunkte der neuen Düngeverordnung. 

Die novellierte Düngevordnung ist seit dem 01. Juni in Kraft getreten und wird für uns damit spätestens mit der Herbstbestellung relevant.

Es stellt sich deshalb die Frage: was sind die wesentlichen Eckpunkte, die wir ab jetzt zu beachten haben?

Die neue Düngeverordnung ist in Kraft getreten

Das sind die wichtigsten Punkte, die Ihr ab jetzt beim Düngen beachten müsst:

Düngebedarfsermittlung

Für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit ist der Düngebedarf vorab festzulegen und zu dokumentieren.

Hierfür sind die bundesweit einheitlichen Vorgaben einzuhalten. Wer den Düngebedarf überschreitet begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Sperrfristen

  • Ackerland: Nach Ernte der Hauptfrucht bis zum 31.01. darf kein Stickstoff (N) gedüngt werden. Ausnahmen bestehen für:
    • Zwischenfrüchte/ Winterraps / Feldfutter: wenn die Aussaat bis zum 15.09. erfolgt, ist ein N-Düngung bis zum 01.10. erlaubt. Nachweis des Düngebedarfs ist erfordlich
    • Wintergerste nach Getreidevorfrucht: gleiche Vorschriften bei Aussaat bis zum 01.10.; zudem Begrenzung der Herbstdüngung auf 30 kg/ha Ammonium-N oder 60 kg/ha Gesamt-N
  • Grünland/ Dauergrünland/ mehrjähriger Feldfutteranbau:
    • vom 01.11. bis 31.01 besteht N-Düngeverbot
    • vom 15.12 bis 15.01 besteht Verbot für Festmist und Kompost
    • bundeslandweite Verschiebung der Sperrfristen um 4 Wochen möglich

Lagerkapazität

Ab 2020 gilt eine Verlängerung der Lagerkapazität für Jauche/ Gülle/ Gärreste von derzeit 6 auf 9 Monate für Betriebe mit

  • 3 Großvieheinheiten pro Hektar oder
  • ohne eigene Ausbringungsflächen

Ausserdem ist ab 2020 für Festmist und Kompost ein Nachweis der Lagerkapazität von zwei Monaten erforderlich.

Ausbringung

Düngemittel, ob organisch oder organisch-mineralisch, mit einem wesentlichen Gehalt an verfügbaren oder Ammonium-N müssen auf unbestelltem Ackerland sofort, d.h. innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden.

Eine Ausnahme besteht für Festmist von Rindern, Schweinen oder für Kompost.

Ab 2020 ist auf bestelltem Ackerland zudem nur noch die streifenförmige Aufbringung oder ein direktes Eindringen von flüssigen Düngemitteln in den Boden erlaubt.

Für Grünland/ Dauergrünland und mehrschnittigem Feldfutteranbau ist noch bis 2025 Zeit, eh auch hierfür diese Regelung gilt.

Weitere wichtige Regelungen

Für Gärreste besteht nach wie vor im Betriebsdurchschnitt die Grenze von 170 Kilogram Stickstoff pro Hektar bei der Ausbringung.

Ab sofort müssen hierbei aber auch die Gärreste aus Biogasanlagen einbezogen werden.

Mit Beginn nächsten Jahres ist die Erstellung einer Strombilanz verpflichtend für Betriebe mit:

  • mehr als 50 Großvieheinheiten pro Betrieb oder mit
  • mehr als 30 Hektor Landfläche bei mehr als 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar oder
  • Betrieben, die betriebsfremden Wirtschaftsdünger aufnehmen

Ab 2023 müssen alle Betriebe mit mehr als 20 Hektar Landfläche oder 50 Großvieheinheiten pro Hektar die Bilanz erstellen.

Derzeit darf der Stickstoff-Überhang im Schnitt der letzten 3 Jahre beim Nährstoffvergleich nicht über 60 kg N/ha liegen.

Die Grenze für Phoshor liegt im Schnitt der letzten 6 Jahre bei 20 kg P2O5/ha.

Ab 2020 reduzieren sich die Grenzwerte bei Stickstoff auf 50 kg N/ha und bei Phosphor auf 10 kg P2O5 ha.

Eins ist sicher: die neue Düngeverordnung wird den Verwaltungsaufwand im landwirtschaftlichen Betrieb nicht abbauen und zum Teil die Spielräume einengen.

Zum Glück gibt es andere Gebiete in der Landwirtschaft, in denen wir noch eigenen Wege gehen dürfen:

Innovative Landtechnik Marke „Eigenbau“

Ich denke mal, jeder von Euch kennt diese Situation: es ist Wahnsinn, was heute in der Landtechnik nicht alles so möglich ist.

Und dennoch fehlt es hier und da an technischen Lösungen.

Es gibt jede Menge landwirtschaftliche Geräte, in Basisausstattung und mit jeder Menge Zubehör, den man für entsprechendes „Kleingeld“ erwerben kann.

Aber Hof ist nicht gleich Hof. Jeder landwirtschaftliche Betrieb bringt auch seine eigenen Herausforderungen mit sich.

Individuelle Landtechnik ist gefragt. Für all diese kleinen und großen Arbeitsschritte, die zeit- oder ressourenintensiv sind, weil es am Markt keine adäquate Lösung gibt.

Oder vielleicht gibt es eine Lösung, aber die Investition würde sich nicht rechnen.

Was kann man da tun?

Not macht erfinderisch. Und in diesem Punkt sind wir Landwirte wohl alle große Erfinder, wie der folgende Videoclip zeigt:

Doppelmesser Schmetterling selbst gebaut

Quelle: Landwirt.com

Landwirt Manfred Fruhauf hat über die Wintermonate getüffelt, weil er auf der Suche nach einem neuen Häckmähwerk keine Maschine gefunden hat, die all die von ihm gewünschten Funktionen vereint.

Der Eigenbau zeigt, wie vielfältig und innovativ Landwirtschaft sein kann.

Denn auch wenn nicht alle unter uns derart komplexe Maschinen selber bauen, der landwirtschaftliche Betrieb erfordert, dass wir ständig in neuen und kreativen Wegen denken.

Auf welche kreativen Lösungen Marke „Eigenbau“, die Ihr auf Eurem Hof einsetzt, seit Ihr besonders stolz?

Landtechnik Kverneland Veenhuis

Landtechnik: Neues von Kverneland, Siloking und Pöttinger

Heute geht’s mal wieder um drei Produktneuheiten aus der Landtechnik.

Die Protagonisten des heutigen Blogs sind Kverneland/Veenhuis mit seiner neuen Produktlinie EcoslideXL, Siloking mit dem ersten komplett elektrisch angetriebenen, selbstfahrenden Futtermischwagen und die neue Sämaschine Aerosem PCS mit dem Duplex-Seed-Saatverfahren.

Bevor wir auf die Produktneuheiten näher eingehen, lasst uns noch kurz einen Blick auf folgende Kurzmeldungen werfen:

1. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU nimmt weiter ab. Osteuropa ist am stärksten betroffen.

Laut einer aktuellen Veröffentlichung von Eurostat, dem Statitischen Amt der Europäischen Union, ist die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU ohne Kroatien in der Zeitspanne 2005-2013 um 26,2% gesunken.

Die meisten Betriebe gaben in der Slowakei auf mit einem jährlichen Minus von 12,5% gefolgt von Bulgarien mit Minus 8,9% und Polen mit Minus 6,6%. Einzig Irland verzeichnete eine Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Hier stieg die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um durchschnittlich 0,6% pro Jahr.

2. Weniger Arbeitsplätze, höhere Bodenpreise – Die Agrarstruktur in Mecklenburg-Vorpommern hat sich seit der Wende radikal verändert.

In den letzten 25 Jahren hat sich die Agrarstruktur im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern radikal verändert.

Ein paar Zahlen im Überblick:

  • In 1989 waren 183.000 Menschen in 1.055 landwirtschaftlichen Betriebe beschäftigt.
  • In 2014 waren es nur noch 19.000 Menschen. Die Anzahl der Betriebe ist hingegen auf 4.725 gewachsen.
  • In 1989 wurden auf dem Gebiet 1,3 Mio. Rinder gehalten. In 2014 waren es nur noch 535.000.
  • Ähnlich sieht es auch in der Schweinehaltung aus: 2,7 Mio. in 1989 vs. 904.000 in 2014.
  • Alarmierend ist auch der Anstieg der Bodenpreise von rund 2.000 EUR pro Hektar (Mitte der 1990er) auf 17.536 EUR pro Hektar (2015).

Es gibt jedoch auch Positives aus MV zu berichten.

In 2015 belegte das Bundesland mit 82,7 dt/ha Getreide bundesweit den 3. Platz. Bei Raps kam MV mit 40,9 dt/ha sogar auf den 2. Platz.

Quelle: Pressemitteilung Regierungsportal M-V

Landtechnik von Kverneland, Siloking und Pöttinger

Kverneland/Veenhuis baut seine Ecoline Produktlinie aus

Letztes Jahr auf der EuroTier 2016 vorgestellt und heute schon auf den Feldern zu sehen.

Kverneland hat den Güllefass Ecoline überarbeitet und weiterentwickelt. Dabei wurden einige Optionen wie zum Beispiel die eingelassenen Radkästen bzw. die Saug- und Andockarme aus den beiden Baureihen Profiline und Premium Integral übernommen.

Ein Heckhubwerk wurde ebenfalls eingearbeitet, um die Schleppschlauch- und Schleppschuhgestänge anbauen zu können.

Das war aber nicht alles. Kverneland hat auch ein neues Schleppschuhgestänge mit dem Namen EcoslideXL entwickelt.

Ein paar technische Details im Überblick:

  • Verfügbar in den Arbeitsbreiten 12 m, 15 m und 18 m
  • Kat. 3 Anbaupunkt ermöglicht Zusammenarbeit mit Güllefässer anderer Hersteller
  • 250 mm Schleppschuhabstand (veränderbar)
  • 3 m Außenbreite zusammen mit dem Ecoline
  • ISOBUS-Kompatibilität
  • 32 Zoll Bereifung (Profiline und Premium Integral Fässer)

Auf der Facebook Seite von Veenhuis gibt es jede Menge Bilder und Berichte von Usern. Da könnt Ihr Euch jederzeit mit Kollegen austauschen, die eine derartige Maschine bereits im Einsatz haben.

Der neue Siloking TruckLine 4.0 Compact – elektrisch angetrieben & selbstfahrend

100% elektrisch!

Siloking präsentiert mit TruckLine 4.0 den ersten elektrisch angetriebenen Futtermischwagen.

Technische Spezifikationen:

  • elektrischer Selbstfahrer
  • 6.350 mm lang / 2.280 mm breit / 2.250 mm hoch
  • 8 m³ Volumen
  • 15 kW Mischantrieb
  • Fahrantrieb mit 18 kW Motor ausgestattet und in die Vorderachse integriert
  • bis zu 25 km/h Fahrgeschwindigkeit möglich
  • kabellose Funk- und Wiegesystem Siloking Data

Der 1 Tonne schwere, leistungsstarke Akku reicht für 3 Mischungen (bis zu 100 Milchkühe plus Nachzucht). Wer mehr schaffen will, kann auf eine Heavy-Duty-Batterie umsteigen. Damit können bis zu 5 Mischzyklen am Tag erzielt werden.

Quelle: Siloking

Die Maschine wurde zum ersten Mal auf der EuroTier 2016 vorgestellt. Ab Q2/ 2017 ist der neue Siloking TruckLine 4.0 auch im Handel erhältlich.

Neue Sämaschine Aerosem PCS Duples-Seed von Pöttinger

Goodbye Einzelreihe, hello Doppelreihe…

Mit dem Duplex-Seed-Saatverfahren können Landwirte ab sofort Silo- und Körnermais in Doppelreihe säen. Dafür benötigt man das Modell Aerosem PCS von Pöttinger.

Welche Vorteile bietet denn dieses neue Verfahren?

Laut Hersteller bringt das Duplex-Seed-Saatverfahren:

  • bis zu 10% Mehrertrag
  • eine Leistungssteigerung aufgrund höherer Fahrgeschwindigkeit
  • das direkte Ansteuern der Kornanzahl
  • die Überwachungsmöglichkeit jeder Maisreihe

Der große Vorteil der Aerosem PCS Duplex Seed Maschine liegt einerseits in der schnellen Umstellung von Drillsaat auf Maissaat und andererseits im Säen von Getreide UND Mais. Ein Multitalent quasi.

Doppelreihe versus Einzelreihe

Die Doppelreihe sorgt für bessere Standraumbedingungen, d.h. mehr Licht, mehr Wasser, mehr Nährstoffe und geringeres Erosionsrisiko.

  • 30% mehr Abstand zwischen den Körnern
  • 70% mehr verfügbare Fläche pro Pflanze

führen zu einem geringeren Konkurrenzverhalten und einer erhöhten Fotosynthese.

Der Abstand zwischen zwei Doppelreihen beträgt 75 cm. Der Abstand zwischen den beiden Einzelreihen einer Doppelreihe ist 12,5 cm groß.

Landtechnik & Messen

Die Internationale Grüne Woche schliesst am Sonntag die Tore. Das nächste Highlight steht jedoch auch schon vor der Tür.

Die Reise geht von Berlin nach Paris… Es geht zur SIMA.

Vom 22 bis 26. Februar gibts jede Menge Innovationen und Produktneuheiten aus Landwirtschaft, Landtechnik und Co. Das ist ein Vorgeschmack auf das was uns im November auf der Agritechnica in Hannover erwartet.

SIMA, Agritechnica oder beides? Wo liegen Eurer Meinung nach die Stärken der jeweiligen Messen?

agrarbetrieb-nitrat-wasser-landwirtschaft

Nitrat im Grundwasser – noch keine Einigung

2017 steht vor der Tür. Aber die politische Umsetzung von Lösungen, die zur Reduzierung von Nitrat im Grundwasser führen, steht weiterhin aus. 

40 Seiten. 1500 Dokumente im Anhang. Das ist die Klageschrift gegen Deutschland. Der Umfang und der Ton machen es klar: die Europäische Kommission meint es ernst.

Die zu hohen Belastungen mit Nitrat im Grundwasser, welche seit Jahren zunehmen, sowie die Untätigkeit Deutschlands, bessere Schutzmaßnahmen umzusetzen, werden nicht mehr geduldet.

Lösungen zu Reduzierung von Nitrat im Grundwasser gesucht

Seit Jahren wird über eine Neuordnung der Düngeverordnung diskutiert.

Und die Diskussion dauert an. Denn die Verabschiedung des Düngepackets steht weiterhin aus.

Frühestens im März nächsten Jahres kann damit gerechnet werden, dass eine Beschlussfassung im Bundesrat erfolgen wird.

Das Tauziehen der politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen geht also weiter.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) setzt sich für eine schnellst mögliche Verabschiedung ein, um uns Landwirten endlich Planungssicherheit zu geben.

„Die Landwirte brauchen endlich Gewissheit, wie sie ihre Düngeplanung machen können“, meint Bernhard Krüsken, Generalsekretär des DBV

Gleichzeitig sprach er sich warnend gegen eine Verschärfung des aktuell vorliegenden Entwurfes zur Düngeverordnung aus:

„Nach unserer Einschätzung bietet der Verordnungsentwurf genügend Instrumente, um die Probleme in den Hotspots lösen zu können.“

Fest steht, im Januar nächsten Jahres wird der Bundestag nochmals den Rat der Sachverständigen einholen.

In Ihrer Klage wirft die EU-Kommission Deutschland beispielsweise vor, das eine Überdüngung der Äcker zugelassen wird oder das neueste wissenschaftliche Standards nicht berücksichtigt werden.

Etwa weil die gesetzlichen Düngepausen von maximal drei Monaten einfach zu kurz seien. Nach heutigem Stand der Wissenschaft, müssten diese mindestens fünf bis sieben Monate betragen.

Wieso ist es so schwer, die Grenzwerte der EU für Nitrat im Grundwasser zu erreichen?

Neue Düngeverordnung: Weniger Nitrat im Trinkwasser

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Einige Faktoren, die im Beitrag angesprochen werden, zeigen die Probleme auf: um optimale landwirtschaftliche Erträge zu erwirtschaften, benötigt es ein Düngen, das auf optimales Pflanzenwachstum ausgelegt ist.

Oder angepasst an die Nachfrage für den Weltmarkt, wird heutezutage in großen Massentieranlagen Fleisch produziert. Eine kostenoptimale Antwort auf die Frage „Wohin mit der Gülle?“ steht aus.

D.h. es geht letztendlich auch darum, zu wettbewerbsfähigen Preisen die benötigte Qualität und Quantität für die Märkte produzieren.

Nitratbelastungen im Grundwasser sind das Ergebnis eines sehr komplexen Systems, in welchem wirtschaftliche und regionalpolitische Ziele ebenso wie die Ziele einzelner landwirtschaftlicher Betriebe aufeinander treffen.

Die Reduzierung von Nitrat ist „nur“ ein Teil eines Systems, in dem viele Interessen berücksichtigt und unterschiedlichste Ergebnisse erreicht werden müssen.

Aber der Druck auf Deutschland steigt. Die Zeit für lange Reden läuft aus. Die Geduld für solche ist bei vielen Beteiligten bereits überstrapaziert.

Auch wenn Sie nochmals verschoben wurde, im nächsten Jahr werden wir mit ihr rechnen können, die Neuordnung der Düngevorschriften.

Und diese wird jede Menge Verschärfungen mitsichbringen.

Mit ziemlicher Sicherheit werden wir zukünftig beim Düngen weniger flexibel in unserem Handlungsspielraum sein. Wir werden die spezifischen Ansprüche des Bestandes infolge von Standort und Witterung wohl weniger berücksichtigen können.

Im Gegenzug werden wir alle mit einem deutlich stärkeren Dokumentationsaufwand rechnen können, um den zunehmenden Nachweispflichten nachkommen zu können.

Vielleicht wird nach Verabschiedung der neuen Düngeverordnung dann über eine Reform beim Pflanzenschutz diskutiert.

Denn auch im Hinblick auf die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, hat die EU nichts Gutes zu Deutschland zu sagen:

Zulassung von Pflanzenschutzmitteln: Behördendschungel und fehlende Ressourcen

120 Tage beträgt die gesetzliche Frist, in derer über die Zulassung von neuen Pflanzenschutzmitteln entschieden werden sollte.

Um durchschnittlich 600 Tage wird diese Frist in Deutschland überschritten.

600 Tage! Dies bedeutet, wir deutschen Landwirte warten knapp 2 Jahre länger darauf, moderne und innovative Pflanzenschutzmittel einsetzen zu dürfen.

Dies ergab ein Audit, welches im Auftrag der EU durchgeführt wurde. Das die EU mit einem derart systematischen Verstoß der Gesetzesfristen nicht zufrieden ist, ist selbsterklärend.

Wichtiger jedoch: das wir beim Pflanzenschutz unseren europäischen Nachbarn einen nicht unerheblichen Zeitraum hinterherhinken, kann uns zum Nachteil werden.

Woran liegt es, dass in Deutschland die Zulassung so lange dauert?

Zum einen gibt es in Deutschland keine zentrale Behörde für die Zulassung. Wir haben direkt vier Behörden, die in dieser Hinsicht verschiedene Aufgaben wahrnehmen.

An für sich kann dies auch was Gutes sein, wenn vier spezialisierte Behörden aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein neues Pflanzenschutzmittel bewerten.

Problematisch wird es nur, wenn diese jede mehr oder weniger für sich selbst arbeiten. Die Koordination und Abstimmung mit anderen Behören im In- und Ausland fehlt.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die aktuell verfügbaren Ressourcen, dem steigenden Antragsvolumen nicht gewachsen sind.

Auch in diesem Bereich sind Lösungen und damit Reformen gefragt, damit Deutschland den Europäischen Gesetzesvorgaben nachkommt.

Aber aktuell ist jeder Blick wohl erstmal auf den Reformkrimi um die Düngerverordnung gelenkt.

Was meint Ihr: welche Maßnahmen müssen in der neuen Reform verankert werden, um die Belastung von Nitrat im Grundwasser effektiv senken zu können, ohne die landwirtschaftlichen Betriebe zu stark zu belasten?