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Cannabis für medizinische Zwecke

Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke ab 2019 erlaubt

Cannabis (das lateinische Wort für Hanf) ist eine äußerst umstrittene Pflanze. Viele assoziieren Cannabis mit etwas Negativem, die wenigsten sind über deren Verwendung in der Medizin informiert. Das alles soll sich in den kommenden Jahren ändern.

Seit letztem Jahr ist Cannabis als Medizin verschreibungspflichtig (ich rede hier über Deutschland). Das heißt, Patienten gehen mit ihrem verschreibungspflichtigem Rezept in die Apotheke und erhalten diese dort. Das ist soweit alles schön und gut. Die Diskussionen entstehen wegen etwas ganz anderem.

Wer darf in Deutschland zukünftig Cannabis anbauen? Welche Auflagen müssen denn erfüllt werden?

Eine konkrete Antwort auf diese Fragen gibt es noch nicht. Alles was wir wissen ist, dass ab 2019 der Anbau für Medizinalhanf auf heimischen Flächen erlaubt ist.

Was wissen wir noch?

  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) soll erstmals 10 Lizenzen vergeben
  • Es gibt strenge Auflagen für den Cannabis-Anbau, um die Qualität sicherzustellen
  • In der Ausschreibung wird verlangt, dass man „einschlägige Erfahrungen mit dem Cannabisanbau für medizinische Zwecke vorweisen muss“
  • Ausgeschrieben wurden 6.600 Tonnen medizinischem Cannabis für einen Zeitraum von 4 Jahren
  • Der Deutsche Hanfverband (DHV) ist der Meinung, die 6,6 Tonnen seien zu wenig, um ohne Importe auszukommen
  • In Deutschland wird aktuell von ca. 20.000 Cannabispatienten ausgegangen

Quellen: Leafly, Deutscher Hanfverband (DHV), Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Ist Cannabis für medizinische Zwecke was für Landwirte?

Sicherlich gibt es Landwirte, die Cannabis für medizinische Zwecke anbauen möchten und gerne eine dieser zehn Lizenzen ergattern möchten.

Die Auflagen brechen aber jedem das Genick, denn welcher Landwirt in Deutschland hat Erfahrung mit Cannabis, wenn die Pflanze hierzulande bisher verboten war? Das ist doch ein Paradox.

„Es ist skandalös, dass das kein deutscher Landwirt erfüllen kann“ – so Bernhard Rüb von der Landwirtschaftkammer NRW.

Quelle: Westfälische Rundschau

Bis 2019 haben wir alle noch 11 Monate Zeit. Wir haben Zeit, aber die Patienten die auf Medizinalhanf angewiesen sind, können dieses Durcheinander sicherlich schwer nachvollziehen.

Bis dahin heisst es weiterhin auf Importe setzen, z.B. aus den Niederlanden. Und diejenigen unter Euch die gerne eine Lizenz erwerben möchten, bleibt bei den derzeitigen Auflagen nur noch eins übrig: einen erfahrenen Partner im Ausland suchen und mit diesem gemeinsam sich für eine Lizenz bewerben.

Denn eins verändert sich in dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit: die Anzahl der Patienten die auf Medizinalhanf angewiesen sind, steigt weiter an (siehe Prognose DHV).

Wie kauft man medizinischen Cannabis in Deutschland?

Der nachfolgende kurze Beitrag vom DHV zeigt wie ein ADHS-Patient Cannabis in der Apotheke kauft.

Quelle: Deutscher Hanfverband, YouTube

Gesundheitliche Vorteile von Cannabis

Über die Nachteile von Cannabis kann fast jeder ein Buch schreiben. Wenn es um die Vorteile geht, dann mag zwar der eine oder andere gehört haben, dass die Hanfpflanze den Krebspatienten hilft aber mehr auch nicht.

Hier ein paar gesundheitliche Vorteile von Cannabis im Überblick:

  • Cannabidiol soll mehreren Studien zufolge die Vermehrung von Krebszellen stoppen. Auch von Abtötung von Krebszellen ist sogar die Rede (National Cancer Institute, Medical News Today).
  • Cannabis reduziert Schmerz und Schlechtsein und erhöht den Appetit z.B. in der Chemotherapie (American Cancer Society).
  • Laut einer in 2006 veröffentlichten Studie der European Journal of Gastroenterology and Hepatalogy beenden 86% der Hepatitis C Patienten, die in Therapie sind und medizinischen Marihuana konsumieren, ihre Therapie erfolgreich und mit verbesserten Chancen.
  • Cannabis soll bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen (University of Nottingham, 2010).
  • In angemessener Dosis verringert medizinisches Marihuana die Angst (z.B. hilfreich bei Phobien), verbessert die Laune der Nutzer und kann als Sedativum gehandhabt werden (Harvard Medical School, 2010).

Hanfpflanzen sollen weiterhin bei multipler Sklerosis, Alzheimer, Arthritis, Gehirnerschütterungen und Traumata sowie unzähligen Autoimmunkrankheiten behilflich sein.

Ich gehe davon aus, dass wir durch die Legalisierung von Cannabis in weiteren Teilen der Erde, immer mehr Studien durchführen und Ergebnisse haben werden zu den Vorteilen und gleichermaßen Risiken dieser Pflanze.

Für Patienten die aus medizinischen Gründen auf die Hanfpflanze zurückgreifen müssen, bleibt der Weg zum Arzt und anschließend die Reise zur Apotheke nicht erspart. Ob wir in den kommenden Jahren eine Legalisierung dieser Pflanze in Deutschland erleben werden oder nicht, wird sich zeigen.

Ab Januar diesen Jahres ist der Verkauf von Marihuana im Bundesstaat Kalifornien (USA) legal. Viele Unternehmen haben im Vorfeld ihre Lager aufgestockt und setzen ihre Karten auf die Boom-Branche.

Cannabis für medizinische Zwecke soll ab 2019 auch in Deutschland angebaut werden – seid Ihr dafür oder dagegen? Weshalb „ja“ bzw. „nein“?