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XAVER-Landtechnik-Agritechnica-2017

Landtechnik: Fendt schickt Roboter XAVER aufs Feld

Wie sieht die Landtechnik der Zukunft aus? Fendt hat beschlossen, seine Robotereinheit XAVER zur Serienreife zu bringen. 

Es ist nichts neues, das Hightech immer stärker die Arbeitsprozesse von Landwirten, unterstützt, erleichtert oder gar selbstständig übernimmt.

Nehmen wir beispielsweise die neue Gemeinschaftsentwicklung von Pöttinger, New Holland und Josephinum Research.

Sie haben ein System entwickelt, dass die Saatbettbereitung mit kameragestützter Technik erleichtert:

Kameragestützte Saatbettbereitung von Pöttinger

Für Nicht-Landwirte mag es so aussehen, dass der Traktor mal einfach so in gleichmässigen Bahnen übers Feld gefahren wird. Klingt nicht sehr anspruchsvoll.

Aber die Realität sieht anderes aus. Etwa bei der Saatbettbereitung.

Werden heterogene Böden mit einer Kreiseleggen-Säkombination bestellt, muss der Fahrer ständig die Traktorgeschwindigkeit und Kreiseleggendrehzahl per Hand neu einstellen.

Nur mit diesem aufwendigen Nachsteuern kann eine möglichst gleichmäßige, optimale Saatgutablage erreicht werden.

Dies erfordert viel Konzentration, die den Fahrer auch leicht ermüden lässt.

Die kameragestützte Saatbettbereitung von Pöttinger ermöglicht nun die automatische Steuerung der Prozesse: abhängig vom gewünschten Ergebnis richten sich Traktor und Säkombination von selbst stetig neu aus.

Aber dank neuer Technologie, die von Pöttinger auf der Agritechnica 2017 vorgestellt wird, kann auch hier bald das manuelle Hantieren der Vergangenheit angehören:

  • Kameraaufnahme in Echtzeit: Hinter der Kreiselegge wird von einer Kamera die tatsächliche Oberflächenrauhigkeit gemessen
  • Übermittlung der Werte von der Rechnereinheit and die Implement-ECU
  • Automatische Regelung der Fahrgeschwindigkeit der Maschine und der Zapfwellendrehzahl der Kreiselegge, entsprechend dem Sollwert, der vom Fahrer festgelegt wurde

So erlaubt die Technik, auch bei heterogenen Böden die erwünschte Oberflächenstruktur zur erzielen.

Das klingt nach einer Menge Entlastung für den Fahrer.

Das autonome System ist jedoch noch an einem für die Landwirtschaft typischen Gerät angebunden: dem Traktor.

Und freuen wir uns nicht alle, auf der Agritechnica 2017 all die schweren Maschinen mit der neuesten Technik zu bestaunen?

Aber ist das die Zukunft der Landwirtschaft?

Läutet Roboter XAVER die neue Ära in der Landtechnik ein?

Das mehrjähriges Forschungsprojekt MARS (Mobile Agricultural Robot Swarms) von AGCO und Fendt, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ulm und der EU Forschungsförderung wurde erfolgreich abgeschlossen.

Das Roboter Projekt soll nun unter der Marke Fendt zur Serienreife gebracht werden.

Geht es nach AGCO und Fendt wird zukünftig ein Schwarm von Robotereinheiten, mit einer cloud-basierten Systemsteuerung, das Feld bearbeiten:

XAVER, so der Name des Systems, soll zukünftig die präzise Aussaat von Mais planen, überwachen und zudem exakt dokumentieren.

Präzise, exakt und rund um die Uhr. Die sind die Stichwörter, die die Technik auszeichnen.

Mit Hilfe von Satelittennavigation und einem Datenmanagement in der Cloud mit permanentem Zugriff auf die Daten wird dem Wort präzise wohl eine neue Definition in der Landwirtschaft zukommen.

Denn: wörtlich für jedes Saatkorn soll der Ablageort und der Saatzeitpunkt exakt festgehalten werden.

Einer anschließenden Pflege jedes einzelnen Korns vom Keimen bis zur Ernte steht damit nicht mehr soviel im Weg.

Landtechnik der Zukunft: Roboter statt Traktoren?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Gesteuert werden die Robotereinheiten über die XAVER App. D.h. für den Landwirt der Zukunft: gewünschte Parameter in die App eingeben und diese berechnet und plant den Robotereinsatz. 

Intelligentes Flottenmanagement

Die Flotte ist dann bereit sich an die Arbeit zu machen. Ein Robotersystem umfasst zwischen 6  bis 12 Einheiten. Bis zu ungefähr einem Hektar kann das System in einer Stunde bearbeiten. 

Die Einheiten kommunizieren ständig mit der Steuereinheit: ein Roboter fällt aus? Kein Problem, die App berechnet umgehend eine neue Planung. Sorten sollen gemischt werden? Internet funktioniert gerade nicht? Die App ist vorbereitet. 

Schutz von Boden und Ressourcen

Allein das die gleiche Feldarbeit durch XAVER mit ungefähr 70 Prozent weniger Energieeinsatz erfolgen kann, ist bereits beeindruckend. Der Roboter überzeugt jedoch auch durch andere Vorteile: 

  • Geringes Gewicht (ca. 50 Kilogramm)
  • Batteriebetriebene, elektrischer Antrieb (ca. 400 Watt): emissionsfreies, leckagenfreies Arbeiten
  • Größzügige Bereifung: vernachlässigbarer Bodendruck (ca. 200 Gramm pro Quadratzentimer)
  • Robuste, mechanisch einfach gehaltene Bauweise: einfache Wartung und immanent sicheres System

Gerade dann, wenn der Einsatz von konventionellen Maschinen, etwa aufgrund der Bodenverhältnisse oder der Geräuschemission eingeschränkt ist, kann XAVER seine Stärken ausspielen. 

Nicht zuletzt punktet das Robotersystem in Sachen Produktivität und Flexibilität, weil es rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche zum Einsatz kommen kann. 

Insbesondere in Gebieten mit anspruchsvoll strukturierten Regionen dürfte XAVER eine interessante Alternative sein.

Aber auch innovative Betriebe, die in Gebieten wie dem Precision Farming unterwegs sind, werden das System auf der Agritechnica 2017 wohl genauer unter die Lupe nehmen. 

Was meint Ihr: werden Traktoren in Zukunft wie Dinosaurier ein Relikt vergangener Landtechnik sein?

Agritechnica 2017 -Landwirtschaft-Technik

Innovation Award Agritechnica 2017

Bald ist es soweit! Jeder von uns hat die Tage vom 12.-18. November im Kalender wohl rot angestrichen, wenn die Agritechnica 2017 in Hannover stattfinden wird.

Entsprechend wird sich in den nächsten Wochen viel um Technik drehen. Und passend hierzu gibt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) gute Zahlen bekannt.

Gute Aussichten für die europäischen Agrartechnikhersteller

7,5 Milliarden Euro – dies ist voraussichtlich das Umsatzvolumen aus deutscher Produktion für das Jahr 2017, so der VDMA.

Dies entspricht einem Umsatzwachstum von satten 4 Prozent.

Nach drei Jahren Rezession war die Freude insbesondere bei den in Deutschland produzierenden Landmaschinen- und Traktorenhersteller groß.

Diese konnten Ihren Umsatz um 7 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro steigern.

„Wir erleben seit einigen Monaten auf zahlreichen Märkten ein konjunkturelles Comeback“, äußerte sich Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA.

Die ersten Monate des Jahres waren noch deutlich vom Wachstum auf dem deutschen Markt geprägt. Mit einem Umsatzplus im zweistelligen Bereich konnten die Auslandsmärkte jedoch gut aufholen.

Mit der Agrartechnik im Aufschwung können wir uns natürlich umso mehr auf die neusten Innovationen, die auf der Agritechnica präsentiert werden, freuen.

2x Gold und 29x Silber beim Innovation Award Agritechnica 2017

Über 320 Neuheiten dürfen wir auf der Agritechnica 2017 näher unter die Lupe nehmen.

Die Neuheitenkommission des Agritechnica-Veranstalters, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ( DLG), hatte hierbei einen kleinen Vorsprung. Sie hat nun bekanntgegeben, welche Maschinen für sie besonders innovative Lösungen für unsere Landwirtschaft bieten:

Zwei innovative Lösungen wurden vom DLG mit dem Innovation Award Agritechnica 2017 in Gold ausgezeichnet:

Claas CEMOS AUTO THRESHING – das autonome Dreschwerk für Claas Schüttler- und Hybrid-Mähdrescher: diese Technik ist der erste Tangentialmähdrescher, der sich vollautomatisch sowohl auf die Frucht als auf die Bedingungen einstellen lässt.

Kemper StalkBuster – eine ins Mais-Schneidwerk integrierte Mulcheinrichtung (gemeinsame Entwicklung mit John Deere): diese Innovation erlaubt Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln und Diesel und bringt einen geringeren Schädlingsdruck beim wichtigsten Widersacher im Maisanbau mit sich.

Herzlichen Glückwunsch an Claas und Kemper zur Goldmedaille. Zudem wurden weitere 29 Silbermedaillen für Neu- und Weiterentwicklungen der Agrartechnikhersteller verliehen:

  • AGCO e100 Vario
  • AGCO IDEAL Mähdrescher
  • AGCO MARS – Mobile Agricultural Robot Swarms
  • AGCO VarioPull
  • AGCO/DKE-Data/Horsch/Amazone/Grimme/Kuhn/Lemken/Pöttinger/Rauch/SDF agrirouter
  • Agrocom Smart Crop Damage Identification – Intelligentes Erkennungssystem von Wildschäden
  • Amazone SmartService 4.0
  • Amazone SwingStop pro
  • Claas CEMOS für Traktoren: Fahrerassistenzsystem zur optimalen Einstellung von Traktor und Maschine
  • Claas Telematics Large Vehicle Alert System warnt Automobil-Fahrer vor Landmaschinen im Straßenverkehr
  • Claas/Einböck/Hatzenbichler/Bednar/Carre Stereoskopische Reihenkamera CULTI CAM für mechanische Hacken
  • Claas-AXION 900 TERRA TRAC Halbraupentraktor mit Vollfederung der Gesamtmaschine
  • Farmdok – Automatisierung landwirtschaftlicher Aufzeichnungen mit Smartphones
  • Fliegl Beacon+GPS+Sigfox -Fliegl COUNTER SX-/-Pöttinger PÖTPRO Guide
  • Fliegl BÜFFEL Überladevorrichtung für Halmgut
  • Fruit-Tec SmaArt Kamerasystem für die automatisierte Blütenausdünnung mit Darwin
  • Grimme Ventor 4150 – 4-reihiger selbstfahrender Kartoffelroder mit Leistungsverdoppelung eines weltweit führenden Rodesystems
  • GSI Flexwave Grain Silo Unloading System
  • Holmer SmartTurn
  • John Deere EZ Ballast Wheels
  • John Deere Traktor-Integrierte Aktive Anbaugerätelenkung mit Infield Automatisierung für Hochleistungshacken – AutoTrac Implement Guidance
  • Krone LiftCab
  • Kuhn Optimierung der Pflugarbeit durch automatisches GPS-gestütztes Ausheben der Pflugkörper
  • Lechler ESV Elektrisches-Schließ-Ventil
  • New Holland Erstes proaktives automatisches Mähdreschereinstellungssystem
  • Petkus MultiCoater CM 300
  • Pöttinger Sensosafe
  • Pöttinger/New Holland Kameragestützte Saatbettbereitung
  • Wienhoff LevelTuner

Herzlichen Glückwunsch auch an die Gewinner der Silbermedaille. 

Alle über 320 Neuheiten und vielmehr könnt Ihr auf der weltweit größten Messe für Landtechnik im November erleben. Ein kleiner Vorgeschmack gefällig?

Agritechnica 2017

Quelle: Agritechnica

Klar freu ich mich, die Maschinen und Techniken vor Ort zu sehen. Aber die Gelegenheit, sich mit Fachleuten und Gleichgesinnten auszutauschen, ist für mich der größte Pluspunkt der Messe. 

Trends in der Agrartechnik

Die ausgezeichneten, technischen Lösungen zeigen, dass die folgenden Trends in der Agrartechnik weiterhin an Bedeutung gewinnen:

  • Zunehmende Automatisierung von Prozessen
  • Integration von intelligenten Datamanagement-Systemen zur Optimierung der Regelung und Steuerung von Maschinen, Logistik, Dokumentation, Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit
  • Zunehmende Bedeutung von Digitalisierung und Vernetzung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (Cloud Computing, Big Data, …)

Trotz dieser Trends spielt aber der klassische Maschinenbau für die Landwirtschaft weiterhin eine große Rolle.

Zudem lässt sich erkennen, dass die Agrartechnikhersteller zunehmend innovative Lösungen aus branchenfremden Bereichen erfolgreich in die Landtechnik integrieren.

Stichworte sind hier zum Beispiel E-Mobilität, höhenverstellbare Fahrerkabinen, intelligent vernetzte Fahrzeuge oder Augmented-Reality-Anwendungen.

Ihr könnt es sicher auch kaum abwarten, die Neuheiten in live unter die Lupe zu nehmen.

Gibt es eine Neuheit, die nicht mit einem Award ausgezeichnet wurde, aber für Euch definitiv auch ein Gewinner ist?

Agrarbetrieb-Düngeverordnung-Landtechnik

Landwirtschaft zwischen Verwaltung und kreativer Landtechnik

Bevor wir einen Abstecher in die Landtechnik machen, geht es im heutigen Blog um die Eckpunkte der neuen Düngeverordnung. 

Die novellierte Düngevordnung ist seit dem 01. Juni in Kraft getreten und wird für uns damit spätestens mit der Herbstbestellung relevant.

Es stellt sich deshalb die Frage: was sind die wesentlichen Eckpunkte, die wir ab jetzt zu beachten haben?

Die neue Düngeverordnung ist in Kraft getreten

Das sind die wichtigsten Punkte, die Ihr ab jetzt beim Düngen beachten müsst:

Düngebedarfsermittlung

Für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit ist der Düngebedarf vorab festzulegen und zu dokumentieren.

Hierfür sind die bundesweit einheitlichen Vorgaben einzuhalten. Wer den Düngebedarf überschreitet begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Sperrfristen

  • Ackerland: Nach Ernte der Hauptfrucht bis zum 31.01. darf kein Stickstoff (N) gedüngt werden. Ausnahmen bestehen für:
    • Zwischenfrüchte/ Winterraps / Feldfutter: wenn die Aussaat bis zum 15.09. erfolgt, ist ein N-Düngung bis zum 01.10. erlaubt. Nachweis des Düngebedarfs ist erfordlich
    • Wintergerste nach Getreidevorfrucht: gleiche Vorschriften bei Aussaat bis zum 01.10.; zudem Begrenzung der Herbstdüngung auf 30 kg/ha Ammonium-N oder 60 kg/ha Gesamt-N
  • Grünland/ Dauergrünland/ mehrjähriger Feldfutteranbau:
    • vom 01.11. bis 31.01 besteht N-Düngeverbot
    • vom 15.12 bis 15.01 besteht Verbot für Festmist und Kompost
    • bundeslandweite Verschiebung der Sperrfristen um 4 Wochen möglich

Lagerkapazität

Ab 2020 gilt eine Verlängerung der Lagerkapazität für Jauche/ Gülle/ Gärreste von derzeit 6 auf 9 Monate für Betriebe mit

  • 3 Großvieheinheiten pro Hektar oder
  • ohne eigene Ausbringungsflächen

Ausserdem ist ab 2020 für Festmist und Kompost ein Nachweis der Lagerkapazität von zwei Monaten erforderlich.

Ausbringung

Düngemittel, ob organisch oder organisch-mineralisch, mit einem wesentlichen Gehalt an verfügbaren oder Ammonium-N müssen auf unbestelltem Ackerland sofort, d.h. innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden.

Eine Ausnahme besteht für Festmist von Rindern, Schweinen oder für Kompost.

Ab 2020 ist auf bestelltem Ackerland zudem nur noch die streifenförmige Aufbringung oder ein direktes Eindringen von flüssigen Düngemitteln in den Boden erlaubt.

Für Grünland/ Dauergrünland und mehrschnittigem Feldfutteranbau ist noch bis 2025 Zeit, eh auch hierfür diese Regelung gilt.

Weitere wichtige Regelungen

Für Gärreste besteht nach wie vor im Betriebsdurchschnitt die Grenze von 170 Kilogram Stickstoff pro Hektar bei der Ausbringung.

Ab sofort müssen hierbei aber auch die Gärreste aus Biogasanlagen einbezogen werden.

Mit Beginn nächsten Jahres ist die Erstellung einer Strombilanz verpflichtend für Betriebe mit:

  • mehr als 50 Großvieheinheiten pro Betrieb oder mit
  • mehr als 30 Hektor Landfläche bei mehr als 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar oder
  • Betrieben, die betriebsfremden Wirtschaftsdünger aufnehmen

Ab 2023 müssen alle Betriebe mit mehr als 20 Hektar Landfläche oder 50 Großvieheinheiten pro Hektar die Bilanz erstellen.

Derzeit darf der Stickstoff-Überhang im Schnitt der letzten 3 Jahre beim Nährstoffvergleich nicht über 60 kg N/ha liegen.

Die Grenze für Phoshor liegt im Schnitt der letzten 6 Jahre bei 20 kg P2O5/ha.

Ab 2020 reduzieren sich die Grenzwerte bei Stickstoff auf 50 kg N/ha und bei Phosphor auf 10 kg P2O5 ha.

Eins ist sicher: die neue Düngeverordnung wird den Verwaltungsaufwand im landwirtschaftlichen Betrieb nicht abbauen und zum Teil die Spielräume einengen.

Zum Glück gibt es andere Gebiete in der Landwirtschaft, in denen wir noch eigenen Wege gehen dürfen:

Innovative Landtechnik Marke „Eigenbau“

Ich denke mal, jeder von Euch kennt diese Situation: es ist Wahnsinn, was heute in der Landtechnik nicht alles so möglich ist.

Und dennoch fehlt es hier und da an technischen Lösungen.

Es gibt jede Menge landwirtschaftliche Geräte, in Basisausstattung und mit jeder Menge Zubehör, den man für entsprechendes „Kleingeld“ erwerben kann.

Aber Hof ist nicht gleich Hof. Jeder landwirtschaftliche Betrieb bringt auch seine eigenen Herausforderungen mit sich.

Individuelle Landtechnik ist gefragt. Für all diese kleinen und großen Arbeitsschritte, die zeit- oder ressourenintensiv sind, weil es am Markt keine adäquate Lösung gibt.

Oder vielleicht gibt es eine Lösung, aber die Investition würde sich nicht rechnen.

Was kann man da tun?

Not macht erfinderisch. Und in diesem Punkt sind wir Landwirte wohl alle große Erfinder, wie der folgende Videoclip zeigt:

Doppelmesser Schmetterling selbst gebaut

Quelle: Landwirt.com

Landwirt Manfred Fruhauf hat über die Wintermonate getüffelt, weil er auf der Suche nach einem neuen Häckmähwerk keine Maschine gefunden hat, die all die von ihm gewünschten Funktionen vereint.

Der Eigenbau zeigt, wie vielfältig und innovativ Landwirtschaft sein kann.

Denn auch wenn nicht alle unter uns derart komplexe Maschinen selber bauen, der landwirtschaftliche Betrieb erfordert, dass wir ständig in neuen und kreativen Wegen denken.

Auf welche kreativen Lösungen Marke „Eigenbau“, die Ihr auf Eurem Hof einsetzt, seit Ihr besonders stolz?

Bayer-Monsanto-EU-Landwirtschaft

Wie Bayer von Monsanto profitieren will

Die Übernahme von Monsanto durch Bayer wäre der größte Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland.

Ca. 30 Behörden müssen der Übernahme zustimmen. Einige Forderungen für die Genehmigung wurden bereits gestellt. Etwa von der südafrikanischen Wettbewerbsbehörde.

Ihre Auflage für ein Ja ist Bayers weltweite Aufgabe seiner Saatgut-Marke LibertyLink und dem dazugehörigen Unkrautvernichter Liberty.

Bevor wir uns der Frage zuwenden, was der Bayer von Monsanto für das Eigengeschäft lernen kann, lasst uns einen Blick auf  den aktuellen EU-Markt werfen:

Exporte von Agrarprodukten und Lebensmittel auf Höhenflug

Die Agrar- und Lebensmittelexporte der Europäischen Union sind auf Siegeszug.

Im März konnten sich die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat um 11,3 Prozent auf 12,7 Milliarden EUR steigern.

Dies entspricht dem höchsten monatlichen Exportwert der vergangenen 5 Jahre. Die Exporte in die USA, nach Japan, Russland und die Schweiz konnten den größten Zuwachs verzeichnen.

Der Export von Schweinfleisch scheint sich laut den Zahlen der EU-Kommission zu erholen.

In dem Zeitraum von April 2016 bis März 2017 konnte, gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im Export von Agrarprodukten und Lebensmitteln eine Steigerung von 3,6 Prozent auf 133,5 Milliarden EUR erzielt werden.

Die wichtigsten Exportländer der Europäischen Union waren laut Bericht: Brasilien, USA, Argentinien und China.

Weitere Länder, die europäische Agrar- und Lebensmittel im größeren Ausmaß importieren sind: die Schweiz, die Türkei, Indonesien, die Ukraine und die Elfenbeinküste.

Nicht ganz so Jubeln tut der Europäische Markt für Landmaschinen:

Nachfrage nach Traktoren leicht rückläufig

Der Europäische Dachverband der Landmaschinenindustrie (CEMA) berichtet, dass im ersten Quartal dieses Jahres die Verkäufe von Landmaschinen um 1,3 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraumes lagen.

Aber schauen wir uns den Zuwachs und den Rückgang der Verkaufszahlen für die einzelnen Länder an:

  • Frankreich: -25,9 Prozent
  • Österreich: -10,3 Prozent
  • Niederlande: -2,3 Prozent
  • Belgien: +4,9 Prozent
  • Deutschland: +5,7 Prozent
  • Dänemark: +12,6 Prozent
  • Italien: +13,8 Prozent
  • Spanien: +22,3 Prozent
  • Großbritannien: +26,4 Prozent

Insbesondere der starke Rückgang der Nachfrage in Frankreich führte zu dem rückläufigen Gesamtergebnis.

Es wird mit einer anhaltenden negativen Entwicklung in Frankreich gerechnet.

Für Deutschland rechnet die CEMA mit einer steigenden Nachfrage nach Futtererntemaschinen und Pressen.

Mit dem durchwachsenem Ergebnis auf dem europäischen Inlandsmarkt setzt die CEMA ihre Hoffnungen auf den Export von Landmaschinen in andere Staaten.

Zuversicht über die zukünftige Entwicklung auf den Märkten äußert hingegen der Pharmachef von Bayer, Dieter Weinland.

Bayer will von Monsanto lernen

Die geplante Übernahme von Monsanto beschäftigt bereits seit Monaten die Schlagzeiten.

Die Eingliederung von Monsanto würde Bayer weltweit zur Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmittel katapultieren.

Weinland setzt darauf, dass Bayer in Punkto Gentechnik und Digital Farming von Monsanto profitieren kann.

Monsantos Ansätze in der „grünen Gentechnik“, sprich in der Landwirtschaft, könnten so auch in die „rote Gentechnik“, sprich in den medizinischen Bereich, übertragen werden.

Die digitalen Lösungen, die Monsanto für die Optimierung von Bewässerung, Düngung und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einsetzt, könnten nach Weinland ebenfalls für den Pharmakonzern inspirierend sein.

„Digital Farming“ in der Pharmaindustrie? Nicht ganz. Aber auch im Gesundheitswesen spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle.

Der Trend geht hier zur computergestützten Diagnose und Behandlung.

„Unsere Wissenschaftler können da etwas von Monsanto lernen“, sagte Weinand.

Aber erstmal müssen Behörden rund um den Globus der Übernahme zustimmen. Bayer rechnet damit, dass Ende 2017 alles unter Dach und Fach ist.

Nach all der Statistik und Politik zum Abschluß noch ein Thema, dass wir alle lieben: Landtechnik.

INO Duplex 800 Mulcherkombination

Die Dreifach-Mulchkombination von INO ist zwar für den Einsatz auf Großflächen konstruiert, kann aber auch auf kleineren Flächen zum Einsatz kommen:

INO Großflächenmulcher Duplex 800

Quelle: Landwirt.com

In der Praxis konnte sich die Mulcherkombination behaupten. Bis zu sieben Hektor kann das Gerät pro Stunde bearbeiten und läuft dabei ruhig und geschmeidig.

Selbst mit einer Maschine wie dem 130 PS starken John Deere 6125R waren noch mindestens drei Hektar pro Stunde schaffbar.

Herzstück des Gerätes ist der Doppelspiralmotor. Nach Angaben des Herstellers verfügt er über elektronisch ausgewuchtete Wellen, die mit knapp 2.200 Umdrehungen pro Minute drehen.

Hohe Schlagkraft bei einem geringen Leistungsbedarf? Das klingt gut. Mit robuster und innovativer Technik möchte das Gerät am Markt punkten.

Mit der richtigen Technik macht das Arbeiten auf dem Feld auch richtig Spaß.

Es stellt sich nur die Frage, wohin es mit der Landwirtschaft gehen wird. Wie denkt Ihr über den Zusammenschluß von Bayer und Monsanto?

Glyphosat-herbizid-pestizid

Landwirtschaft: Ja für Glyphosat, Nein für John Deere

Ende 2017 wär sie ausgelaufen, die Zulassung für Glyphosat. Während Umweltverbände ein EU-weites Verbot fordern, da das Mittel unter anderem krebserregend ist, kam ein Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur zu einem anderen Ergebnis.

Der Ausschuss für Risikobewertung in der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hat die Ergebnisse bereits existierender Studien ausgewertet, also keine eigenen Test durchgeführt.

Außer schweren Augenschädigungen und dass es giftig für das Wasser-Ökosystem ist, soll das Mittel demnach ungefährlich sein.

Es bestehe demnach kein Krebsrisiko, wie es unter anderem von der Internationalen Krebsforschung kommuniziert wurde.

10 weitere Jahre für Glyphosat

Über die Gefährlichkeit des Mittels wird es wohl weiterhin kontroverse Aussagen geben.

Im Jahr 2015 wurde das Mittel von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Im Jahr darauf attestierte sie jedoch das genaue Gegenteil, dass das Pestizid keinerlei Risiko für Krebs birgt. Es denke sich jeder seinen Teil.

Die EU-Kommission muss aber in diesem Jahr über die weitere Zulassung entscheiden. Die Aussage der ECHA ist hierfür die Grundlage.

Und die Wissenschaftler der Agentur bescheinigen Glyphosat die Ungefährlichkeit.

EU-Verbraucherkommissar Vytenis Andriukaitis legte nun auch den langerwarteten Vorschlag vor.

Demnach soll die Zulassung für das Pestizid um weitere 10 Jahre verlängert werden, während das Netzmittel Tallowamin weiterhin verboten ist.

Ein Verbot soll es für den Einsatz von Glyphosat vor der Ernte und in öffentlichen Parks und Spielplätzen geben.

Im Juni wird über den Vorschlag von dem Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (PAFF) entschieden.

Nur wenn die EU-Staaten mit einer qualifizierten Mehrheit dem Vorschlag nicht zustimmen, wird dieser nochmals überarbeitet werden müssen.

Eine Verlängerung wär bis zu 15 Jahre möglich gewesen. Auf welchen Verlängerungszeitraum der Ausschuss sich letztendlich einigt, bleibt noch abzuwarten.

Es könnte hierbei zu Kompromissen kommen, um die eine oder andere Stimme eines Mitgliedsstaates noch zu erhalten.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan äusserte sich positiv zu dem Vorschlag und begrüsst, dass Glyphosat nun weiterhin in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann.

Bei John Deere ist man hingegen derzeit alles andere als glücklich.

Übernahme von Monsanto-Sparte durch John Deere geplatzt

Der Landmaschinenhersteller wird das „Pecision Planting LLC equipment“ – Geschäft von Monsanto nicht übernehmen.

Monsanto hat sich von den seit 2015 laufenden Verhandlungen zurückgezogen.

Im August letzten Jahres leitet bereits das US-Justizministerium rechtliche Schritte gegen die Übernahme ein. Es argumentierte, dass die Akquisition dem Wettbewerb schaden würde.

Die Übernahme der Sparte durch John Deere hätte dazu geführt, dass die Verwendung von schneller und präziser Pflanztechnologien den Landwirten teuer zu stehen kommt.

John May, Präsident der Abteilung Agricultural Solutions bei John Deere, äusserte sich, dass John Deere „tief enttäuscht über dieses Ergebnis ist“.

John Deere und Monsanto hatten sich darauf vorbereitet, in diesem Jahr ihren Fall nochmals vorzutragen, um die Genehmigung für die Übernahme zu erhalten.

„Mit der Chance dies zum Abschluß zu bringen, glauben wir, es war klar ersichtlich, dass die Hürde der Transaktion auf eine falsche Einschätzung des Marktes beruhte.“ John May

Monsanto bestätigte unterdessen, dass seine Tochtergesellschaft Climate Corp. weiterhin an dem Verkauf des Geschäftsfeldes mit präzisen Pflanztechnologien interessiert ist. Das Unternehmen möchte sich ausschließlich auf seine digitale Landwirtschaftsplattform fokussieren.

Es werden derzeit Gespräche mit anderen potentiellen Käufern geführt.

Das Precision Planting Equipement Geschäft wurde im Jahr 2012 für 210 Millionen Dollar von Monsanto erworben.

Mit der gescheiterten Akquisition ist auch die digitale Kooperationsvereinbarung hinfällig.

Kunden von John Deere, die die Climate FieldView-Plattform und John Deeres Wireless-Data-Server-Technologie zur Datenübertragung nutzen, sind hiervon aber nicht betroffen.

Aber schauen wir doch zum Schluss noch aufs Feld. Derzeit steht bei Zuckerrüben die zweiten oder dritten Nachlaufbehandlungen an.

Bekämpfung von Unkräutern bei Zuckerrüben

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ) erwartet eine rasche Entwicklung der Rüben aufgrund des wüchsigen Wetters.

Die Rüben befinden sich auf den Großteil der Flächen in einem guten und stabilen Zustand.

Die Unkrautsituation variiert von Feld zu Feld sehr stark, aber es ist nun die Zeit, auf eine sichere Bekämpfung der Unkräuter zu achten.

Unkrautbekämpfung bei Zuckerrüben

Quelle: Housi Bracher

Nachlaufbehandlungen haben sich als effektive und kostengünstige Unkrautkontrolle bewährt.

Folgende Herbizide empfiehlt der LIZ 

  • Gänsefuß und Melde im Laubblatt: Metamitron, blattaktive PMP-Produkte und Öl
  • Große und/oder schwere bekämpfbare Unkräuter: blattaktiv Debut einsetzen
  • Spezielle Unkräuter im Laubblatt: Chlopyralid (Lontrel/Vivendi) zusetzen
  • Verhindern des erneuten Auslaufens: Spectrum aufgrund seiner versiegelnden Wirkungen; Additivwirkung des Mittels bei Mischungen beachten
  • Starker Grasdruck: separate Behandlung vor der dritten Nachlaufbehandlung

Mittelkombinationen aus Blatt- und Bodenherbiziden erzielen nicht nur witterungsunabhängig gute Wirkungen, sie erlauben auch Wirkungslücken zu erschließen, so dass verschiedene Unkrautarten wirkungsvoll bekämpft werden.

Stellt sich abschließend die Frage, wie es um Eure Meinung zum Glyphosatvorschlag und der gescheiterten Fusion steht. Begrüßt Ihr diese oder bedauert Ihr eher das Ergebnis? Warum?