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Lebensmittel-Pestizide-Landwirtschaft

Qualität von Lebensmitteln: kaum Pestizide auf dem Teller

Pestizide und Dünger – ohne die beiden wäre die Steigerung in der landwirtschaftlichen Produktivität in den letzten Jahrzehnten nicht möglich gewesen.

Dünger setzt sich vor allem aus den Elementen Stickstoff, Phosphor und Kalium vorhanden. Während Stickstoff und Kalium noch ausreichend vorhanden ist, wird das Phosphorvorkommen immer geringer.

Ohne Intervention könnten die für die Landwirtschaft verfügbaren Phosphorvorkommen Ende diesen Jahrhunderts erschöpft sein.

Rückgewinnung von Phospor wird Pflicht

In Zeiten, als noch mit Fäkalien gedüngt wurde, gelangten etwa genausoviel Nährstoffe zurück in den Boden, wie diesem zuvor entnommen wurden.

Die heutigen Methoden der modernen Landwirtschaft entnehmen dem Boden jedoch dreimal soviel Phosphor.

Gelangt dieser über die Flüsse ins Meer, wo er sich schließlich ablagert, wird er erst in Jahrmillionen wieder zugänglich sein.

Mit einer Änderung der Klärschwammverordnung will das Bundesumweltministerium der Verknappung dieser Ressource entgegenwirken.

Die Änderung der Klärschlamm-Verordnung passierte am vergangenen Donnerstag den Bundestag.

Demnach muss Phosphor aus Klärschlämmen zukünftig verpflichtend zurückgewonnen werden.

Eh die Umsetzung der Verordnung verpflichtend ist, werden jedoch noch 12-15 Jahre vergehen. Dies ist teils auf die langwierigen Genehmigungsverfahren für den Umbau der Anlagen zurückzuführen.

Der zurückgewonnene Phosphor soll vor allem für Düngezwecke eingesetzt werden.

Zudem sollen zukünftig nur noch Klärschlämme mit sehr geringen Schadstoffanteilen auf den Äckern verwendet werden dürfen.

Allerdings werden heutzutage eh schon weniger als ein Drittel der Klärschlämme zum Düngen genutzt. Der Großteil des Klärschlammes wird verbrannt. Das hierin enthaltene Phosphor geht hierbei jedoch verloren.

Wie kann die Rückgewinnung von Phospor erfolgen? Schaut selbst:

Klärschlammverwertung – Rückgewinnung von Phospor

Quelle: Stadt Zürich

Faszinierend, oder? Mit Kläranlagen assoziiert man wohl eher die nicht so angenehmen Seiten der Anlage. Aber habt Ihr Euch schonmal Gedanken darüber gemacht, wieviel Hightech und  komplexe Systeme in einer solchen Anlage stecken?

Wieso die Umsetzung der Verordnung bzw. der Umbau der derzeit bestehenden Anlagen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, lässt sich so wohl besser verstehen.

Während bei Phosphor nach Lösungen gesucht wird, mit denen einer Knappheit entgegengewirkt werden kann, wird über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutiert, weil dieser oft als zu hoch angesehen wird.

Insbesondere in Lebensmitteln sollen die Rückstände zu hoch sein.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat nun in seinem Bericht „Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln“ die Ergebnisse einer im Jahr 2015 durchgeführten Untersuchung veröffentlicht.

Kaum Pestizide in deutschen und europäischen Lebensmitteln

Es wurden Lebensmittel auf ihre Belastung mit Rückständen von Pestiziden getestet.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass in Deutschland als auch in anderen EU-Ländern produzierte Lebensmittel selten zu hohe Rückstände aufweisen.

18.765 Lebensmittelproben wurden auf Pestizide hin untersucht. In der Untersuchung wurde der Fokus vor allem auf Gemüse und Obst gelegt.

Ein Teil davon wurde im Rahmen eines Monitorings zufallsverteilt ausgesucht.

Bei einem Großteil der Proben wurde der Schwerpunkt auf Lebensmittel gelegt, die erfahrungsgemäß verstärkt die Grenzwerte überschreiten.

Die höchste zulässige Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen in oder auf Lebensmitteln wird durch den „Rückstandshöchstgehalt (RHG) angegeben.

Auch wenn aufgrund der Auswahl kein Rückschluß auf alle erhältlichen Lebensmittel getroffen werden kann, so sind die Ergebnisse doch sehr interessiert.

Die Rückstände in Obst und Gemüse weisen eine große Spannbreite auf:

  • Häufig verzerrte Lebensmittel wie z.B. Kartoffeln, Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten wiesen kaum Werte über den RHG auf.
  • Bei exotischen Früchten wie z.B. Guaven, Ingwer, Passionsfrüchte oder Granatäpfel sind verstärkt RHG-Überschreitungen nachweisbar.

Bei in Deutschland und in anderen EU-Ländern produzierten Lebensmittel wurden bei 1,1 Prozent der Proben Werte über dem RHG festgestellt.

Die Grenzwerte wurden bei Produkten aus Drittländern mit 5,5 Prozent der Proben deutlich häufiger überschritten.

Spitzenreiter unter den Lebensmitteln, mit den häufigsten Überschreitungen, sind

  • Bohnen (mit Hülsen) – 7,6 Prozent Überschreitungen
  • frische Kräuter – 6,0 Prozent
  • Tee – 4,8 Prozent
  • Auberginen – 3,4 Prozent
  • Paprika – 3,0 Prozent

Es zeigte sich abermals, dass ökologisch angebaute Produkte deutlich weniger analytisch quantifizierbare Rückstände (65 Prozent rückstandsfrei) aufwiesen als konventionell produzierte Lebensmittel (36,6 Prozent).

In 14,7 Prozent der Proben wurde zudem Chlorat nachgewiesen, bei 6,9 Prozent der Proben in Mengen über dem RHG.

Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau schnitten hierbei mit 8,5 Prozent aller Proben über dem RHG sogar schlechter ab als Produkte aus dem konventionellen Anbau.

Chlorat ist ein Pesitzid, dass wohl vor allem in der weiteren Verarbeitung, etwa im Zuge von Wasch- und Desinfektionsmaßnahmen, in die Lebensmittel gelangt.

Verarbeitete Lebensmittel waren von Chloratbelastungen besonders betroffen. Insbesondere in Säuglings- und Kindernahrung (3,1, Prozent Überschreitungen) als auch Obst und Gemüse (3,1 Prozent) wurden häufig beanstandet.

Säuglings – und Kindernahrung wies zudem besonders oft Überschreitungen des RHG beim Abbauprodukt Fosetyl (10,3  Prozent Überschreitungen) auf.

Über die Hälfte der untersuchten Erzeugnisse wurden dabei auf ökologische Weise produziert.

Es ist erfreulich, dass die Rückstände in Lebensmitteln zurückgehen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch, dass Lebensmittel, die als „sauber“ gelten, etwa Säuglings- und Kleinkindernahrung oder Bio-Produkte, nicht immer dem „Reinheitsanspruch“ entsprechen.

Eine Überschreitung des RHG in insgesamt nur 1,1 Prozent der untersuchten Lebensmittel widerlegt scheinbar die Stimmen, welche anprangern, dass Pestizide in zu hohen Mengen eingesetzt werden.

Wie interpretiert Ihr die Ergebnisse der Studie?

hydroponik-landwirtschaft-pflanzenanbau

Hydroponik statt Erde

Erde, Licht und Wasser sind die Grundzutaten, damit Pflanzen wachsen können. Dies mag für den Hobbygarten stimmen. Im kommerziellen Anbau ist jedoch die Hydroponik auf dem Vormasch.

Jeder kennt sie, die landwirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft.

Kurz gesprochen: zu viele Menschen, zu wenig Ressourcen wie Land oder Wasser, ungleich verteilte Produktion – hier zu viel, da zu wenig, … – die Nachrichten berichten gerne über all das, was falsch läuft.

Weniger wird allerdings von all den Forschungsansätzen berichtet, die bereits innovative Lösungen bereithalten.

Etwa für das Problem der knappen Ressource Wasser.

Hydroponik und das blaue Gold

Zunehmende Urbanisierung, der Klimawandel und vor allem die fortschreitende Verschmutzung von Wasser führen zu einer zunehmenden Knappheit von reinem Wasser.

Kein Wunder, dass große Konzerne weltweit saubere Quellen aufkaufen und sich die Rechte am Wasser sichern.

Denn sauberes Wasser ist lebensnotwendig. In Fachkreisen wird reines Wasser, sprich Trinkwasser, auch als „das blaue Gold“ bezeichnet. Dies zeigt seinen steigenden Wert.

In der Landwirtschaft werden weltweit derzeit noch 70 Prozent dieses blauen Goldes verbraucht. Wasser ist damit eine ziemlich teure Ressource für den Pflanzenanbau.

Betrachtet man den Trend weltweit, zeigt sich schnell: ja, für den Hobbygärtner wird Erde wohl erstmal weiterhin eine Rolle spielen.

Für den gewerblichen Pflanzenanbau von Gemüse ist dieses System aber längst veraltet.

Hydroponische Pflanzenzucht hat sich in anderen Ländern bereits durchgesetzt.

Hydroponik ist ein landwirtschaftliches System, bei dem statt Erde mit Nährstoffen angereichertes Wasser für die Aufzucht genutzt wird.

Hydroponischer Anbau von Salat in der Schweiz

Quelle: Blick

Und Hypopronik ist unaufhaltsam auf dem Vormasch. Es wird geschätzt, dass der hydroponische Markt bis 2020 weltweit eine knapp 400 Millionen schwere Industrie ist. (Quelle: MarketsAndMarkets)

Dies entspricht einem geschätzten Wachstum von über 16 Prozent.

In 2015 war Europa geschätzt der größte Markt für den hydroponischen Markt.

Es ist ein Vorreiter beim Implementieren von fortgeschrittenen Techniken wie dem Einsatz von hydroponischen Gewächshäusern im Pflanzenanbau.

Spanien setzt diese Form des Anbaus aufgrund seines Mangels an Wasser ein. In den skandinavischen Ländern ermöglicht Hypopronik Landwirtschaft während der doch langen Winterzeit.

Vorteile und Nachteile des hydroponischen Pflanzenanbaus

Ein Vorteil ist sicherlich der vielfältige Einsatz: ob

  • in wasserarmen Regionen,
  • in für den Pflanzenanbau ungünstigen klimatischen Bedingungen,
  • in Gebieten, in denen es an großen Flächen für einen traditionellen Anbau fehlt (etwa in Städten) oder ob
  • im großangelegten kommerziellen Stil oder im heimischen Anbau auf dem Fensterbrett

Hydroponik läutet ein neues Zeitalter in der Landwirtschaft ein. Es ermöglicht erst Konzepte wie vertikale Landwirtschaft oder Gemüsefarmen in Supermärkten.

Die Technik in diesem Bereich wird ständig weiterentwickelt. Und selbst jetzt, mit Systemen, die wohl noch in den Kinderschuhen stecken, kann im Vergleich zu einer in der Erde gewachsenen Pflanze mit

  • einer bis zu 25 Prozent schnelleren Wachstumsrate sowie
  • eines bis zu 30 Prozent höheren Ertrages je Pflanze gerechnet werden.

Und nicht zuletzt ermöglicht diese Form des Anbaus, die Einsparung von Ressourcen in größerem Umfang. Auf Pestizide kann sogar komplett verzichtet werden.

„Der Wasserverbrauch und der Nährstoffeinsatz verringern sich im Vergleich zur Bodennutzung um 30 bis 50 Prozent“, meint Fritz-Gerald Schröder von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden.

Das dies die Umwelt erfreut, muss wohl nicht extra angeführt werden. Freuen kann sich aber auch der Landwirt, nämlich über höhere Gewinnmargen. 

Aber natürlich hat auch diese Form des Anbaus ihre Nachteile.

Hier sind zum einen die hohen Investitionskosten zu nennen. Egal in welcher Größenordnung, der Aufbau und die Installation eines hydroponischen Systems kostet.

Landwirtschaftliche Fläche wird günstiger zu erwerben sein. Hinzukommt, dass die Kenntnisse aus der traditionellen Landwirtschaft nur in begrenztem Umfang einsetzbar sind.

Das Aufsetzen und Managen eines solchen Systems erfordert sein eigenes Set an Erfahrungen, Fähigkeiten und Kenntnissen.

Und ja, auch auf dem Feld überwacht man seine Pflanzen. Hydroponik ist jedoch ein sensibles, in sich geschlossenes System.

Es bedarf einer ständigen Überwachung, dass der pH-Wert oder die Menge an Nährstoffen stimmen. Da Wasser nicht wie bei Erde gespeichert werden kann, muss der ständige Wasserfluß sichergestellt sein.

Falsche Einstellungen oder technische Ausfälle, etwa der Pumpanlage, können direkt fatale Auswirkungen auf die gesamte Pflanzenproduktion haben.

Das Gebiet der Hydroponik wird in den nächsten Jahren für spannende Entwicklungen sorgen, die Landwirtschaft nochmals neu definieren werden.

Forscher vom Frauenhofer-Institut suchen nach Lösungen, wie hydroponische Pflanzenproduktion mit kommunalen Abwässers möglich ist,  IKEA bietet bereits mit seinem Drinnengarten hydroponische Systeme quasi fürs Wohnzimmer an.

Unser Verständnis vom Pflanzenanbau wird sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern. 

Welche Erfahrungen konntet Ihr bereits mit hydroponischen System sammeln? 

Landtechnik John Deere Massey Ferguson

John Deere und Massey Ferguson präsentieren Neuheiten auf der SIMA

Die Internationale Landwirtschaftsmesse SIMA, besser bekannt auch als  „Paris International Agribusiness Show“ hat am Sonntag, in der französischen Hauptstadt Paris, seine Tore geöffnet.

Alles was Rang und Namen hat, ist selbstverständlich dabei. Landtechnikhersteller und bekannte Markennamen wie z.B. John Deere, Fendt, Case IH, Claas, New Holland, Massey Ferguson, Horsch, Krone, Amazone zeigen in der Metropole Europas ihr Bestes.

SIMA ist die perfekte Plattform, um Produktneuheiten zu präsentieren und damit quasi auf die anstehende Landtechnikmesse in Hannover so richtig Lust zu machen.

In dem heutigen Beitrag möchte ich auf die Produktneuheiten aus den Häusern John Deere und Massey Ferguson eingehen. Bevor wir loslegen, hier noch ein kurzer Videoclip mit dem was uns bis Donnerstag, den 2. März auf der SIMA in Paris erwartet.

Quelle: simaTVparis

E-Traktor SESAM von John Deere erhält SIMA Innovation Award 2017

Am Stand 5b A 018 steht die vollelektrische Landmaschine SESAM von John Deere. Der voll batteriebetriebene Traktor hat zwei Elektromotoren, fährt stufenlos und leistet 130 kWh.

Nun wurde das Konzept SESAM (Sustainable Energy Supply for Agricultural Machines) mit einer besonderen Erwähnung ausgezeichnet.

Ein paar technische Details im Überblick:

  • 2 wartungsfreie Elektromotoren: ein Motor übernimmt den Fahrantrieb und der andere die Zapfwelle & das Hydrauliksystem; bei Bedarf können beide Motoren zusammen geschaltet werden
  • stufenlose DirectDrive Getriebe (serienmäßig)
  • leistet 130 kWh
  • maximale Leistung von 400 PS
  • basiert auf dem Chassis eines 6R

Wie das bei E-Autos so ist, arbeitet der SESAM-Traktor emissionsfrei und mit einem geringen Geräuschpegel.

Kommen wir doch zur wichtigsten Frage, und zwar: wie lange hält die Batterie?

  • 4 Batteriestunden bei herkömmlichen Einsätzen (55 km bei Straßenfahrten)
  • 3 Stunden Ladezeit
  • Lebensdauer liegt bei ca. 3.100 Ladezyklen

Anbei eine kurze Videopräsentation des neuen E-Traktors von John Deere. Wie wär’s mit einem Blick unter die Motorhaube?

Quelle: John Deere France, YouTube

Massey Ferguson setzt mit dem neuen Flagschiff MS 8740 auf leistungsstarke Traktoren

In der Halle 7 am Stand 38 steht alles im Zeichen von MF rot.

Massey Ferguson zeigt in Paris jede Menge Neuerungen unter anderem ein neues Bedienterminal (das Datatronic 5) und ein neues Topmodell in der 8700-er Baureihe.

Das Highlight der Messe – der neue, 400 PS-starke Traktor MF 8740

Der neue leistungsstarke Großtraktor aus dem Hause Massey Ferguson wird in den kommenden Tagen und Wochen noch jede Menge Blicke auf sich ziehen. Das Modell 8740 rundet die Baureihe nach oben hin. Wer MF-Fan ist und schwere Arbeiten erledigen muss, der hat jetzt die passende Landmaschine dazu.

Was zeichnet den Großtraktor MF 8740 besonders aus?

Kurz gefasst: das Gewicht.

Der für schwere Zapfwellenarbeiten geeignete Großtraktor wiegt 4 Tonnen (!) weniger als andere Schlepper aus dieser Leistungsklasse. Das Leistungsgewicht beträgt 27 kg/PS.

MF 8700-er Baureihe umfasst ab sofort 6 Traktormodelle

Massey Ferguson hat die gesamte 8700-er Baureihe überarbeitet und den 400 starken Großtraktor 8740 dazugefügt. Die insgesamt sechs Modelle 8727 / 8730 / 8732 / 8735 / 8737 und 8740 (neu) verfügen über eine Leistung von 270 bis 400 PS.

Zu den Neuerungen zählen:

  • Neue Motorentechnologie AGCO Power 6 Zylinder
  • Abgassystem AGCO Power Stage IV (T4 final)
  • Stufenlosgetriebe
  • SCR-Technologie
  • Neue Michelin Reifen AxioBib 2 VF 650/85 R42
  • Neues Bedienterminal Datatronic 5

Zum Schluss noch ein paar Infos zum Datatronic 5 Bedienterminal.

Das neue ISOBUS-fähige MF-Bedienterminal hat ein Tablet-Design (9-Zoll Touch-Screen) und ist mit einem umfangreichen Precision-Farming-Paket ausgestattet.

SIMA-Highlights und „Matrix“ in der Landwirtschaft

Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Tagen jede Menge Pressemitteilungen über weitere Highlights und Produktneueinführungen erhalten werden. Die SIMA-Agrishow ist sicherlich eine tolle Location wenn es darum geht, „mehr“ Aufmerksamkeit zu bekommen.

Sobald es Neues von Fendt, Claas, Horsch und Co. gibt, werde ich hier berichten. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Eins steht heute schon fest: wir wollen alle diese Innovationen auch auf der Agritechnica in Hannover sehen, denn nicht jeder von uns schafft es so schnell nach Paris. 

Ende nächsten Monats ist erstmals die CEBIT in Hannover. Jeder Technikbegeisterte weiss, dass wir die Trends E-Autos / E-Traktoren, Autonome Autos / Traktoren, Augmented Reality, Roboter & Drohnen vermehrt auch bei uns in der Landwirtschaft wiederfinden.

Wenn der weltgrößte Landtechnikhersteller John Deere auf E-Traktoren setzt, wenn Case IH und New Holland an autonomen Schleppern rumbasteln… spätestens dann wissen wir, dass „Matrix“ auch in unserer Branche Realität geworden ist.

Urbane-Landwirtschaft-vertical-farming

Ist urbane Landwirtschaft die Zukunft?

Man lebt auf dem Land, oder man lebt in der Stadt. Auf dem Land wird Landwirtschaft betrieben, um Lebensmittel herzustellen. In der Stadt arbeitet man im Büro und kauft im Supermarkt ein.

So oder so ähnlich ist es in unseren Köpfen abgespeichert.

Aber wir leben in aufregenden Zeiten.

Innerhalb weniger Jahre hat sich mittlerweile soviel geändert wie in den letzten Jahrhunderten zusammengenommen nicht.

Konzepte, die in unseren Köpfen verankert sind, weil wir mit diesen aufgewachsen sind, verlieren mehr und mehr an Gültigkeit.

Es ist wichtig, zu hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind und ob es nicht auch anders geht.

Zum einen, weil einfach neue Lösungen für neue Probleme gefunden werden müssen. Zum anderen, einfach um mit den Änderungen mithalten zu können.

Die Grenzen verschwimmen zunehmend. Land und Stadt sind klar in unseren Köpfen getrennt.

Und dann sowas: urbane Landwirtschaft.

Ein Paradox? Wie soll Landwirtschaft in der Stadt funkionieren?

Urbane Landwirtschaft im Supermarkt

Ja, richtig gelesen. Nicht nur, dass Landwirtschaft in der Stadt betrieben wird.

Nein, es geht noch besser. Warum nicht die Lebensmittel direkt dort produzieren, wo sie auch verkauft werden? Nämlich direkt im Supermarkt.

Und wir reden hier nicht von einem futuristischen Konzept. Von einer Zukunftsvision, wie es Hollywood nicht besser auf die Leinwand zaubern könnte.

Letzte Woche wurde in Berlin die erste Indoor-Farm nach dem Qualitätsstandard GLOBALG.A.P. zertifiziert.

Das StartUp-Unternehmen INFARM bringt vertikale Landwirtschaft in einer „Mikro“-Version in den Supermarkt.

Vertical Farming in Berlins Supermärkten

Quelle: Handelsblatt Global

Mit den Innenraum-Treibhäusern werden Blattgemüse, Salat und auch Kräuter genau dort angebaut und geerntet, wo sie dann auch verkauft werden.

Die Zertifizierung ist ein Meilenstein für die Betreiber, denn sie bestätigt, dass die Treibhäuser nach guter landwirtschaftlicher Praxis betrieben werden und vor allem auch von unabhängigen Kontrollstellen überprüft werden.

Viele Supermärkte nehmen erst Produkte in ihr Sortiment auf, wenn der Zulieferer aus Gartenbau, Aquakultur und Landwirtschaft ein gültiges GLOBALG.A.P.-Zertifikat vorlegen kann.

Nun haben die von INFARM betriebenen Indoor-Farmen, als erster Betreiber, von dem unabhängigen Prüfinstitut SGS die Zertifizierung erhalten.

„Da sonst Gemüsebetriebe oder Obstplantagen nach GLOBALG.A.P. auditiert werden, mussten wir die Prüfkriterien für die Instore-Farm erst adaptieren“, so Betina Jahn vom Zertifizierer SGS.

Damit ist der Weg frei für die Zertifizierung von weiteren Indoor-Farmen

Frisches Gemüse produziert im Supermarkt

Bei den Instore-Farmen handelt es sich um in sich geschlossene Systeme. Die Versorgung der Grünpflanzen erfolgt voll automatisiert.

Wie in dem Beitrag dargestellt: in diesem kleinen Ökosystem trifft babylonische Technik auf neueste High-Tech-Standards.

Die Grünpflanzen erhalten ihre Nährstoffe nicht durch den Boden. Ein Wassertank enthält mit Nährstoffen und Sauerstoff angereichertes Wasser.

Dieses wird nach oben zu den obersten Gemüseregalen gepumpt und läuft, wie im Alten Babylonien, auf die darunter liegenden Terrassen, bis es wieder im Wassertank angekommen ist.

Der Kreislauf beginnt wieder von vorne. In dieser Hinsicht ein ressourcensparendes System.

Aber jeder weiß, Pflanzen brauchen Sonne zum wachsen. Hier komm die neueste LED-Technik ins Spiel.

Erst die Entwicklungen auf diesem Gebiet erlauben Pflanzen, ohne direktes Sonnenlicht aufzuwachsen.

Möglich ist dies, weil Pflanzen nicht das „komplette“ Sonnenlicht benötigen. Sie nutzen lediglich ein bestimmtes Spektrum.

Rotes, blaues und infrarotes Licht reichen vollkommen aus. Und hier kommt die Kreativität ins Spiel.

Jedes Lichtfarbe wirkt sich unterschiedlich auf die Pflanzen aus:

  • Rotes  und infrarotes Licht: regelt den Tag- und Nachtrhythmus, ist verantwortlich für Schnelligkeit und Höhe des Wachstums;
  • Blaues Licht: produziert mittels des Pflanzenfarbstoff Chlorophyll aus Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker und erhöht den Anteil von bspw. Vitaminen, verringert jedoch auch das Pflanzenwachstum.

Der Einsatz dieser drei Lichtarten kann nicht nur optimal auf die Bedürfnisse der verschiedenen Pflanzen abgestimmt werden.

Die unterschiedlichen Kombinationen regeln auch den Geschmack der Pflanze. Ein bisschen mehr Schärfe in den Basilikum, oder wie wärs mit mehr Süsse im Rettich?

Im großen Stil die vollständige Produktion von Gemüse im vertikalen Anbau aufgrund des hohen Stromverbrauchs sehr kostenintensiv. Aber auch hierfür wird es Zukunft sicherlich Lösungen geben.

Derzeit bietet METRO Cash & Carry in Berlin und Antwerpen die vertikale Landwirtschaft an.

Frisches Gemüse, ohne Pestizide und Chemikalien, dass, so Tester, intensiv im Geschmack ist. Europa hingt auf dem Gebiet noch hinterher.

Aber stellt Euch eine Zukunft vor, in der nicht nur Supermärkte, sondern auch das Restaurant um die Ecke eine kleine Indoor-Farm betreibt.

Oder werden wir zukünftig unser Gemüse, nach unserem Geschmack, in unserer eigenen Küche produzieren?

Was denkt Ihr, wird so die Zukunft so aussehen, dass jeder „Städter“ seine eigene Farm daheim betreibt?

Bio-Landwirtschaft-Deutschland

Mehr Bio in der deutschen Landwirtschaft?

Wer die Schlagzeilen der letzten Tage verfolgt und Landwirt ist, wird vor lauter Empörung einfach nur sprachlos sein. Mit dem Ziel einer „besseren“ Agrarwirtschaft wird eine ganze Branche angegriffen. Aber wie steht es mit Bio in Deutschland?

Ob aus Reihen der Politiker oder der Kirche, es sind scharfe Worte, die derzeit gegen die Landwirte benutzt werden.

So nahm der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch die Grüne Woche zum Anlass, um in einem Radiowort wörtlich von

  • „katastrophalen Zuständen in den großen Tierfabriken“,
  • „unsäglichen Bedingungen“,
  • „die viel zu großen Mastbetriebe, die einzig und allein auf den Profit setzen“
  • „Grundwasser wird verseucht“
  • „Billiglöhne sorgen für ein modernes Sklaventum“

zu reden.

Und es geht weiter: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks zieht derzeit mit einer großangelegten Werbekampagne den Berufsstand des Landwirts in ein schlechtes Licht.

Bauernregeln für mehr „Bio“ in der Agrarwirtschaft?

Pünktlich zum Start der öffentlichen Konsultation der EU zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik zieht sie mit „neuen Bauernregeln“ ins politische Schlachtfeld.

Ziel soll es sein, „für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung zu werben“.

Die Frage ist, wie bitte schön sollen Sprüche wie

  • „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.“
  • „Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.“
  • „Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese.“ oder
  • „Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern.“

zu Nachhaltigkeit und Naturschutz beitragen?

Kein Wunder, wenn die Empörung groß ist, wird doch die gesamte Agrarwirtschaft mit solchen Äußerungen an den Pranger gestellt. Der Deutsche Bauernverband etwa spricht von „staatlichem Mobbing gegen den landwirtschaftlichen Berufsstand.“

Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Landwirtschaft kann so definitiv nicht erfolgen.

Zudem, werden die Rahmenbedingungen für diesen Wirtschaftszweig nicht auch von der Politik festgelegt?

Und wo bitte schön wird von der Verantwortung des Verbrauchers, der Großeinkäufer, der Anbieter von Lebensmitteln und den anderen Beteiligten im landwirtschaftlichen Kreislauf gesprochen?

Ein Markt wird nicht nur von dem Angebot, sondern auch von der Nachfrage bestimmt.

Es stellt sich die Frage, wie Nachhaltigkeit in Deutschland umgesetzt oder, folgt man den Anschuldigungen, nicht umgesetzt wird.

Eine Form der Landwirtschaft, die sich ohne Zweifel die Nachhaltigkeit und den Tierschutz auf die Fahne geschrieben hat, ist die ökologische Agrarwirtschaft.

Wie steht es um die ökologische Landwirtschaft in Deutschland?

Bio ist zu einem gängigen Begriff geworden. Selbst beim Discounter kann man heute selbstverständlich Lebensmittel erwerben, die ökologisch produziert wurden.

Bio ist voll im Trend und boomt. So der gängige Eindruck.

Mit steigendem Gesundheitsbewusstsein, achten die Verbraucher nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die Art und Weise, wie Produkte hergestellt wurden.

Die steigende Nachfrage nach Bio kann dabei von der aktuellen Anzahl ökologischer Erzeuger nicht gedeckt werden.

Große Nachfrage zu höheren Preisen: Das klingt doch nach rosigen Aussichten für Produzenten von Bio-Lebensmitteln, oder?

Mit Bio in die Pleite?

Quelle: HDReportagen

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die ökologische Landwirtschaft in Deutschland mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Auch wenn diese Form der Landwirtschaft in den letzten Jahren leichte Wachstumszahlen im Umsatz verzeichnen konnte, Bio ist weiterhin ein Nischenprodukt.

Das Wachstum in Anzahl von Bio-Höfen und ökologischen Agrarfläche ist in den letzten Jahren stagniert.

Was sind die Ursachen?

Zum einen bedeutet Bio nicht gleich regional.

Jedes dritte frische Produkt in Bio-Qualität wird mittlerweile beim Discounter & Co. gekauft.

Aber die Ware kommt zumeist nicht aus Deutschland. Es wird in Ländern produziert, in denen die Produktionskosten deutlich unter denen in Deutschland liegen.

Die hiesige Produktion in ökologischer Qualität konkurriert mit Bio-Importen aus anderen Teilen der Welt.

Hinzukommt, dass eine Umstellung langwierig und teuer ist. Erst nach zwei Jahren ökologischer Produktion kann der Landwirt „Bio-Preise“ für seine Produkte beanspruchen.

Angesichts steigender Preise für konventionell produzierter Rohstoffe muss neben dem marktwirschaftlichen Denken schon eine gehörige Portion Idealismus die Entscheidung zum Umstieg beeinflussen.

Ein weitere Herausforderung ist von der deutschen Agrarpolitik hausgemacht. Die Förderung von Biogasanlagen hat in einigen Regionen zu Pachtpreisen geführt, die von Bio-Bauern einfach nicht gezahlt werden können.

Es fehlt die Fläche für den Anbau von Bio-Lebensmitteln, weil Biogasanlagen mit ihrem 20-jährigen Bestandsschutz einfach lukrativer sind.

Dies sind nur einige Ursachen. Noch nicht angesprochen sind hierbei etwa die Herausforderungen die entstehen, um die strengen biologischen Auflagen zu erfüllen.

So verbreiten sich Pestizide und Co kilometerweit über Luft und Wasser. Sie machen nicht halt, weil die angrenzende Agrarfläche biologisch bewirtschaftet wird.

Mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz sind unumstritten wichtige Ziele. Dem wird wohl kein Landwirt widersprechen.

Die oben aufgeführten Äusserungen von Politik und Kirche, so einseitig und diffamierend sie sind, zeigen auch, dass Diskussion- und Handlungsbedarf besteht.

Aber wie am obigen Beispiel aufgezeigt, Landwirtschaft befindet sich in einem komplexen Gefüge mit unzähligen Faktoren und Beteiligten im Kreislauf.

Dies gilt genauso für die biologische als auch konventionelle Landwirtschaft.

Ein einzelnes Glied in der Wirtschaftskette herauszupicken und kategorisch zu verteufeln, kann nicht die Antwort auf die Fragen der Zukunft sein.

Welche Maßnahmen sind Eurer Meinung nach notwendig, um mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz in Deutschland besser fördern zu können?