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Plantix-Landwirtschaft-Pflanzenkrankheit

Plantix – Mit einem Foto zur Ursache

Per Smartphone den Schädling an der Pflanze erkennen? Kein Problem. Mit der Diagnose-App Plantix können Landwirte weltweit Pflanzenschäden kostenlos diagnostizieren.

Im Grunde ist es eine supereinfache Idee, die der Firma Peat 2016 den World Summit Award und in diesem Jahr auf der Cebit den Innovation Award bescherte.

Das Start-up entwickelte eine App, mit der ganz einfach Pflanzenkrankheiten erkannt werden können.

Wir leben im 21. Jahrhundert. Mehr und mehr Menschen befragen bei Krankheiten erstmal Dr. Google oder eine App.

Ohne lange Wartezeiten ist eine schnelle Diagnose möglich, die oft auch umfassender in den Krankheitsbildern ist, als es der Arzt ermöglichen kann.

Möglichkeiten der Behandlung sind schnell gegeben, der Genesung steht nichts im Weg.

Warum nicht auch einen digitalen Doktor für Pflanzen kreiieren?

Plantix – Diagnose per Smartphone

Mit „Plantix“ können Landwirte weltweit super einfach bestimmen, was Ihren Pflanzen schadet, um dem schnell entgegenwirken zu können.

Dies hilft nicht nur den heimischen Bauern. Insbesondere Kleinbauern rund um den Globus, die besonders um Ihre Existenz kämpfen, können von der App profitieren.

Diese verlieren oft bis zu 30 Prozent Ihrer Ernte aufgrund von Schädlingen und Krankheiten. Für einen Kleinbauer in Indien oder Kolumbien, um nur Beispiele zu nennen, bedrohen solche Ausfälle die Existenz der gesamten Familie.

Aber auch hier wissen wir, wie bedrohlich Schädlinge für unsere Landwirtschaft sein können.

Wie funktioniert nun die App?

Ganz einfach: Handy raus und ein Foto der Blätter machen.

Plantix – Diagnose per App

Quelle: Plantix

Ein ausgeklügeltes Computer-Vision-System sorgt dann dafür, dass die App nicht nur die möglichen Krankheiten ausspuckt.

Nein, sie gibt auch direkt Vorschläge, wie diese auf biologischer oder chemischer Weise behandelt werden könnten.

Die App fördert zudem noch einen weiteren Nutzen: die Anwender können sich über Foren rege austauschen und sich so auch untereinander helfen.

Ziel des Unternehmens ist es, die weltweit größte Datenbank zur Erkennung von Pflanzenschäden aufzubauen.

Für die Nutzer ist die App eine kostenlose Hilfe. Und auch wenn das Start-up hier sehr humanitäre und ökologische Ziele verfolgt, letztendlich muss ein Unternehmen auch rentabel sein und Umsatz generieren.

Hier kommen die Daten anderen Nutzer zugute, die sehr wirtschaftliche Interessen verfolgen:

So sind beispielsweise Institute und Unternehmen dazu bereit für Daten zu zahlen, die zum Beispiel für die Forschung und Entwicklung neuer Produkte höchst relevant sind.

Ein rentables Geschäftsmodell in jeder Hinsicht, das mit einer simplen Idee geboren wurde.

Bisher war die Domäne Experten vorbehalten.

Spezielle Algorithmen, eine stetig wachsende Datenbank und die Verwendung von Deep Neural Networks, einer Methode bei der Maschinen selbständig lernen.

Das sind einige der Zutaten, die auch Laien das Erkennen von Pflanzenschäden und Ihren Ursachen ermöglichen.

Ob Landwirt oder Hobbygärtner, in Deutschland oder Vietnam, viele sollen und können von der kostenlosen App profitieren. Die App ist wohl besonders bei Bauern in Indien sehr beliebt.

Die Idee wurde im Jahr 2014 geboren. In nicht mal drei Jahren wurde aus einer Idee im Kopf ein überaus erfolgreiches Start-up, dass Landwirten rund um den Globus hilft.

Beeindruckend und inspirierend, oder?

Aber schauen wir noch kurz auf die aktuellen Schlagzeilen der letzten Tage.

Eier, Getreide und Obst sorgen aktuell für Falten auf der Stirn.

1. Eier mit Insektizid belastet

In den Niederlanden und Belgien wurden nun zwischen 100 und 200 Legehennenbetriebe gesperrt.

Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) konnte in einigen Betrieben Fipronil über der erlaubten Obergrenze nachweisen.

Es wird vermutet, dass das Insektizid zur Bekämpfung der Roten Vogelmilbe eingesetzt wurde.

Fipronil ist ein Phenylpyrazol, das als Pflanzenschutzmittel und Biozid eingesetzt wird. Der Tierarzt nutzt es gerne, um die geliebten Hunde und Katzen von Flöhen und Zecken zu befreien.

Der Einsatz in der Lebensmittelproduktion ist jedoch prinzipell verboten.

Die nachgewiesenen Mengen des Insektizid liegen unter den offiziell genannten Grenzen, ab denen eine Gefahr für die Gesundheit besteht.

Das generelle Verbot sperrt die Eier jedoch für eine jegliche Vermarktung. Von den 2,9 Millionen Eiern, die aus den betroffenen Erzeugerbetrieben nach NRW importiert wurden, sind bereits 875.000 in den Handel gelangt.

Eier mit dem Stempelaufdruck 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001, mit Legedaten zwischen dem 09. Bis 21. Juli 2017 sollten entsprechend nicht verzerrt werden.

2. Zitterpartie bei der Weizenernte

Nach dem der Weizen allen Wetterwidrigkeiten zum Trotz es gut bis zur Ernte geschafft hat, lässt der Regen pünktlich zur Erntezeit uns Landwirte nochmals bangen.

Wieviel Regen wird es noch geben? Derzeit passen die Fallzahlen noch, auch wenn es bereits Verzögerungen bei der Ernte gibt.

Prognosen sind schwer zu treffen, also können wir wohl nur weiterhin zittern und hoffen, dass der Regen endet und die Böden schnellstmöglich wieder befahrbar sind.

3. BayWa Obst beantragt Kurzarbeit

Das Ausmaß des Schadens, den der Frost im Frühjahr zur Blütezeit verursacht hat, wird nun erst richtig sichtbar.

In Polen, Österreich und Deutschland sind bei der Apfelernte Verluste von bis zu 70 Prozent zu verzeichnen.

Den Süden hat es besonders getroffen. Die BayWo Obst kündigte nun Kurzarbeit an.

“Wir erwarten die geringste Ernte seit 25 Jahren – für die Erzeugerbetriebe in der Region ist die Situation mehr als fordernd und bisweilen existenzbedrohend”, kommentiert BayWa.

Mit einer der größten Missernten, sind die auf das Obstgeschäft spezialisierten Betriebe über Monate nicht ausgelastet.

Gegen das Wetter werden können wir nur begrenzt etwas ausrichtet.

Unsere Pflanzen mit Apps beim Wachstum besser zu fördern und bei Krankheiten gezielter behandeln zu können, das wird mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz wohl der Standard der Zukunft sein.

Wie sieht es mit Euch aus: wer von Euch hat Plantix schon genutzt? Wie sind Eure Erfahrungen?

Digitalisierte Landwirtschaft Agrarbetrieb

Digitalisierte Landwirtschaft – Auf in die Zukunft

Keine Frage, landwirtschaftliche Themen lösen mehr denn je hitzige Diskussionen aus. Gegensätzliche Positionen treffen aufeinander, scheinbar unvereinbar. Aber ist dem wirklich so? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Antwort sein?

Bei landwirtschaftlichen Themen bekommt man oft den Eindruck, dass man entweder für die eine oder andere Position ist. Nach dem Motto: wenn man für konventionelle Landwirtschaft ist, dann ist man automatisch gegen Umweltschutz oder Gesundheit.

Schwarz oder weiß. Andere Positionen sind scheinbar nicht möglich. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dieses Schubladendenken hinter uns zu lassen.

Zunächst aber einmal zu den Themen, die diese Woche die Gemüter erregen:

Riegel vor Flächenversiegelung

13,1 Hektar pro Tag – soviel geht derzeit in Bayern an Fläche für Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren.

Die im Landesentwicklungsprogramm geplanten Änderungen zeigen, dass Kabinett und Wirtschaftsausschuss weiterhin “Großes” mit Bayern vorhaben.

Bayern ist bereits der Spitzenreiter unter den Bundesländern, was den täglichen Flächenverbrauch angeht.

Flächenverbrauch heißt ganz allgemein, dass natürlicher Boden mit Bauwerken bedeck wird. Diese Bebauung führt zur Flächenversiegelung.

Die Bodenfruchtbarkeit und eine spätere Nutzung etwa für Land- oder Forstwirtschaft werden hierbei stark beeinträchtigt.

Deshalb wollen die Bayerischen Grünen ein Volksbegehren gegen die rasante Asphaltierung Bayern einleiten.

Das Ziel: die Umwandlung von Freiflächen soll auf 4,7 Hektar pro Tag begrenzt werden.

Da die Umwandlung wohl insbesondere auch die Landwirte betrifft, denen Ackerboden durch die Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrflächen verloren gehen würde, sehen die Grünen den Bauernverband als möglichen Unterstützer des Kurses.

Auch deutschlandweit wird angestrebt, die Umwandlung von Wald, Grünland oder Ackerland in Siedlungs- und Verkehrsflächen weiter auszubremsen.

Laut Zahlen aus dem Bericht “Daten zur Umwelt 2017” des Umweltbundesamtes sind in den Jahren 2012 – 2015 ca. 66 Hektar Land pro Tag deutschlandweit umgewandelt wurden.

Zwar hat sich damit der tägliche Flächenverbrauch stark verringert, das Ziel ist jedoch, im Jahr 2030 nur noch 30 Hektar am Tag umzuwandeln.

Während in Deutschland die Verwendung von Fläche diskutiert wird, geht es auf EU-Ebene gerade darum, was auf den Flächen zum Einsatz kommen darf, oder auch nicht:

Verschärfung beim Einsatz von Neonikotinoiden

Für viel Aufregung sorgt derzeit das Vorhaben der EU-Kommission, den Einsatz von Neonikotinoiden stark einzuschränken.

Es ist die Rede davon, das flächendeckende Verbot von Neonikotinoiden auf die Beizung von Getreide und Rüben auszuweiten. Auch in der Vegetationsperiode soll das Insektizid zukünftig nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Bereits im Jahr 2013 wurden der Einsatz einiger der zu dieser Gruppe gehörenden Insektizide verboten.

Zukünftig sollen die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam nur noch in Gewächshäusern erlaubt sein.

Die einst als harmlos umjubelten Neonikotinoide hatten sich als verheerend für Insekten wie beispielsweise Bienen herausgestellt.

Mit dem Verbot der Neonikotinoide will die EU-Kommission unter anderem noch wirksamer gegen das Insektensterben vorgehen.

Noch ist ein Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) abzuwarten, mit dem im November gerechnet wird.

Bis dahin werden die Diskussionen sich wohl noch stark verstärken:

die Anbauer von Rüben argumentieren, dass sie nicht mehr Herr über die Blattlaus werden und der Rübenertrag erhebliche Einbussen erleiden wird.

Andere meinen, dass ein Verbot, etwas für Rüben unsinnig ist, weil als nichtblühende Pflanzen kann der Einsatz für Bienen hier ja nicht gefährlich sein.

Diese Argumente werden mit Sicherheit auch von den herstellenden Konzernen wie Bayer und Syngenta untermauert.

Auf der anderen Seite ist die Fraktion, die Agrargifte nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes verbieten möchte.

Hier wird auch argumentiert, dass ein Mittel, das sich derart auf das Nervensystem von Insekten auswirkt, sicher auch nicht gut für die menschliche Gesundheit sein kann.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – die beiden Begriffe werden oft gegenübergestellt, als ob das eine das andere ausschliesst.

Vielleicht galt das im letzten Jahrhundert so, aber wir leben im Zeitalter der Digitalisierung.

Digitalisierte Landwirtschaft als Brücke

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde es aufregend und spannend, was sich auf dem Gebiet der Landwirtschaft derzeit alles tut.

Die Debatte um den Flächenverbrauch und den Einsatz der Insektizide sind nur Beispiele, für die Herausforderungen, die zu meistern sind.

Aber im gleichen Atemzug, in dem all die unterschiedlichen Anforderungen an die Landwirtschaft gestellt werden, entfalten sich auch die Möglichkeiten, die wir Landwirte haben, wie nie zuvor.

Es ist nicht mehr, dass man auf der einen Seite oder auf der anderen Seite stehen muss. Warum muss es “konventionell versus ökologisch”, “wirtschaftlich versus nachhaltig” und ähnliches sein?

Digitalisierte Landwirtschaft ist für mich das Zauberwort:

Satellitengesteuerter Traktor: Landwirtschaft der Zukunft?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Die Zusammenarbeit von IT und Landwirtschaft ist noch in den Kinderschuhen, aber wird, wie bei Kindern, schneller erwachsen, als man es glaubt.

Satelittengesteuerte Traktoren, die, fast, für jede Pflanze auf dem Feld ein eigenes Wachstumspaket zur Verfügung stellen? Klingt nach Utopie, aber ist längst eine realisierbare Möglichkeit. 

Das ist es – die Möglichkeiten sind da. Aber wie innovativ sind wir beim Anwenden und Umsetzen? 

Wie Ihr in dem Beitrag seht, es hängt zumeist nicht an dem, was möglich ist, sondern daran, wie jeder einzelne Landwirt für sich bereit ist, sich mit dem Wandel zu beschäftigen; bereit ist ein Voreiter zu sein.

Und wenn die Politik in Ihrem Schwarz-Weiß denken verhaftet ist, als Landwirt hat man mehr denn je, die Möglichkeiten, nach seinen eigenen Kriterien Landwirtschaft zu betreiben. 

Stadt und Land müssen keine Gegensätze sein, um nochmal auf das Thema Flächenverbrauch zurückzukommen.

Ebenso müssen Umweltschutz und ertragreiche Landwirtschaft keine Gegensätze sein. 

Wie seht Ihr die technischen Entwicklungen? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Brücke schlagen und unterschiedliche Interessen zusammenführen?

Vanille-Landwirtschaft-Niederlande

Ist Vanille die neue niederländische Tomate?

Agrartechniker in den Niederlanden erforschen derzeit fleissig, wie die seltene und sensible Vanille in Europa Fuß fassen kann.

Denn: warum exotische Pflanzen importieren, wenn die sich rasant entwickelnde Technologie in Gewächshäusern die Tropen im Kleinformat nach Europa holen kann?

Die Agrarwirtschaft durchstößt damit weitere, bisher gegebene Grenzen. Der Anbau von Pflanzen ist nicht mehr an bestimmte Regionen der Erde gebunden.

Aber bevor uns das kühne Projekt der Niederländer näher anschauen, werfen wir noch den Blick auf zwei Nachrichten dieser Woche:

Russland wird größter Weizenexporteur

Nach den aktuellsten Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) wird Russland für 2017/2018 zum ersten Mal die Poolposition unter den weltweit größten Exporteuren für Weizen einnehmen.

Grundjahr ist das diesjährige Rekordangebot des Landes. Dieses liegt ca. 10 Prozent über dem Vorjahr und übertrifft noch die Erwartungen vom letzten Monat.

Die wesentlichen Faktoren, die Russland den ersten Platz einnehmen lassen werden, sind:

  • erweiterte Anbauflächen,
  • verbesserte Erträge,
  • konkurrenzfähige Preise und
  • der Ausbau der Infrastruktur zur Verbessung der Logistik beim Export

Dies zeigt auch nochmals deutlich, wie sehr sich Russlands Position auf dem Weltmarkt in den letzten Jahren gewandelt hat.

Sojaanbau in der EU soll gestärkt werden

Von den 14 EU-Landwirtschaftsministern wurde gestern eine Erklärung unterschrieben, die den Anbau von Eiweißpflanzen, vor allem Soja, in der EU vorantreiben soll.

Nachhaltig, zertifiziert und gentechnikfrei sollen dabei die Prozesse von der Produktion bis hin zur Vermarktung ablaufen.

„Unsere heimischen Eiweißpflanzen sind gegenüber dem importierten Soja noch nicht konkurrenzfähig, obwohl sie im Hinblick auf die Nachhaltigkeit überlegen sind. Die Entscheidung des Europaparlaments, den Pflanzenschutzmitteleinsatz auf ökologischen Vorrangflächen einzuschränken, verpasst den Eiweißpflanzenanbau in Deutschland einen zusätzlichen Rückschlag. Mit der Unterzeichnung der Soja-Erklärung setzen wir ein Signal, uns stärker für den Leguminosenanbau einzusetzen“, so Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Ein Signal ist noch keine Umsetzung. Es wird sich zeigen, wie weit sich der Anbau von Soja in Deutschland ausdehnen wird.

Ich hab die beiden Nachrichten ausgewählt, weil sie abermals zeigen, wie stark sich landwirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern können.

Mit politischem Willen und darauffolgender Umsetzung schafft es Russland, Europa und die USA zu überholen, die Positionen auf dem Weltmarkt zu verschieben.

Vielleicht ist es auch das, was wir hinsichtlich des Sojaanbaus in der EU erleben werden, eine Veränderung in der weltweiten Verteilung der Sojaproduktion.

Definitiv ist Soja jedoch eine Pflanze, die ein Beispiel für die Verschiebung der landwirtschaftlichen Grenzen ist.

Denn, fragt man Verbraucher, dann werden sie den Sojaanbau sicher nicht unbedingt mit Europa in Verbindung bringen.

Klar, es gibt Pflanzen, die für unser europäisches Klima nicht ausgelegt sind und weiterhin nur in fernen Regionen angebaut werden. Oder?

In den Niederlanden wird kräftig daran geforscht, diese Gegebenheit abzuändern.

Vanille aus den Niederlanden

Wir kennen die Gewächshäuser, in den Tomaten, Salat und Co. mit künstlichem Licht in sonst pflanzenunfreundlichen Bedingungen wachsen können.

Diese und andere Gewächshäuser der neuesten Generation stellen sicher, dass wir egal zu welcher Jahreszeit unser geliebtes, heimisches Gemüse frisch im Supermarkt erhalten können.

Nun sind Pflanzen wie Salatköpfe relativ anspruchslos. Andere Pflanzen haben sich bisher vehement gegen die Aufzucht in Gewächshäusern gesträubt.

So etwa auch die Vanille, die das exotische Klima, etwa von Madagaskar, liebt.

Die seltene und teure Pflanze ist sehr sensible hinsichtlich ihrer Zuchtbedingungen, weshalb sie bisher auch nur in wenigen Plätzen der Welt wächst.

Mit einem Anteil von über 60 Prozent ist Madagaskar der Hauptanbieter am Weltmarkt.

Das Land ist bitterarm. Der Anbau von Vanille bildet auf den dortigen Plantagen für rund 80.000 Kleinbauern die Lebensgrundlage.

Aber Vanille ist eine äußerst lukrative Pflanze. Derzeit kostet ein Kilogramm um die 600 Dollar. Der Preis lag nie zuvor so hoch und übersteigt gar den von Silber.

Gründe hierfür sind vielfältig. Sie reichen von Naturgewalten bis hin zu einer weltweit steigenden Nachfrage nach natürlichen Produkten.

Die Suche nach der richtigen Formel von Wasser, Licht, Temperatur und Feuchtigkeit im Gewächshaus scheint sich zu lohnen.

Niederländer holen exotische Gewürze in ihre Gewächshäuser

Quelle: afpde

Auch der ressourcenintensive Anbau scheint sich bei dem derzeitigen Marktpreis zu rechnen:

Vanille ist durchweg eine Pflanze, die eine intensive Betreuung benötigt.

Angefangen bei der Bestäubung, bei der die tausenden Insekten und Vögel, die sonst damit beschäftigt sind, von Hand in mühevoller Kleinarbeit ersetzt werden müssen.

Aber eins wird deutlich: mit den rasanten technologischen Entwicklungen, scheinen exotische Pflanzen nicht mehr nur in exotischen Ländern wachsen zu müssen:

Die erste Ernte der Dutch Vanilla wird für 2020 erwartet. Noch wird die Produktion im Gewächshaus zu teuer sein, um wirklich in Konkurrenz zu etwa Madagaskar zu stehen.

Die fehlende Quantität könnten die Niederländer bei der richtigen Formel in Punkto Qualität jedoch wieder wettmachen.

Was meint Ihr, wird die Verlagerung der Produktion in Gewächshäuser, die Landwirtschaft weltweit vereinheitlichen, so dass alle Pflanzen überall angebaut werden können?

Registrierkasse-Butter-Landwirtschaft

Registrierkasse: Ärger mit dem Finanzamt vermeiden

Nur Bares ist Wahres. Aber nicht für das Finanzamt. Ob offene Ladenkasse oder Registrierkasse, es schaut mit Argusaugen auf die Kassenführung. 

Aber wer meint, mit einer Registrierkasse auf der „sichereren“ Seite zu sein, schließlich hält die Registrierkasse ja alles genaustens fest, der irrt sich.

Die Rechtsprechung arbeitet fleißig daran, alle eventuell möglichen Steuerlücken zu schließen und die elektronische Speicherung und Überprüfung voranzutreiben.

Aber lasst uns zunächst auf ein „historisches“ Ereignis der letzten Tage schauen:

Butter so teuer wie nie

Bisher galt 1983 als das Jahr mit den höchsten Butterpreisen. Ja, das ist ganz schön lange her. Damals kostete eine 250-Gramm-Packung Butter umgerechnet 1,36 EUR.

Nicht so lange her liegt der historische Tiefstand von 65 Cent für eine 250-Gramm-Packung aus dem Jahr 2009.

Aber auch vor einem Jahr, im Juni 2016 lag der Durchschnittspreis für Butter noch bei 79 Cent pro 250 Gramm.

Seither haben die Preise für Butter gute Sprünge hingelegt und wollen scheinbar nicht aufhören zu klettern.

„Die Butterpreise befinden sich auf bisher nicht gekannten Höhen,“ so die Börsen- und Handelsmakler der H. Jürgen Kiefer GmbH.

Aldi Nord und Aldi Süd haben gerade erst nochmals die Preise um 30 Cent auf 1,79 EUR pro 250-Gramm-Packung angehoben. In der Tat, ein neue historischer Rekord.

Aber warum sind die Preise derart am Steigen?

Wie immer: Nachfrage und Angebot bestimmen den Preis. Nach den Protesten der Landwirte wurde eine Reduktion der Milchmengen vereinbart.

Gleichzeitig stieg jedoch auch die Nachfrage nach Milch. Zudem haben Spekulanten die Warenterminbörsen als Alternative zu Niedrigzinsanlagen wiederentdeckt.

Der deutsche Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft. Aldi gibt mehr oder weniger die Preise vor.

Wir können davon ausgehen, dass andere Ketten die Preise ebenfalls anziehen werden.

Auch für andere Lebensmittel wird mit einem Preisanstieg zu rechnen sein.

Insbesondere Produkte wie Backwaren, in denen Milch ein wichtiger Bestandteil ist, werden wohl zukünftig auch mehr kosten.

Die steigenden Preise scheinen jedoch auch schon zu einem leichten Rückgang der Nachfrage zu führen. Die nächsten Monate werden wohl erst zeigen, wie der Gewinn für die Landwirte aussehen wird. 

Um den Gewinn solls auch beim heutigen Hauptthema gehen: 

Registrierkasse: Finanzamt darf Einnahmen schätzen

Ob Hofladen oder Straßen- und Feldverkauf, wenn landwirtschaftliche Betriebe direkt vermarkten, dann sind meist erhebliche Barumsätze im Spiel.

Eine ordnungsgemäße Kassenführung ist  das A und O, um mit dem Finanzamt keinen Ärger zu bekommen.

Viele Landwirte nutzen die Vorzüge der Registrierkasse für Ihre Kassenführung. Wenn das Finanzamt dem Kassenprotokoll Eurer PC-gestützten Ladenkasse nicht vertraut, habt Ihr ein Problem. 

Der Fiskus darf Eure Einnahmen schätzen. Und das kann zu satten Nachzahlungen führen. 

In Punkto Registrierkassen ist die Rechtsprechung gerade viel am Änderung. Zeit, um die Kassenführung nochmals unter die Lupe zu nehmen: 

Offene Ladenkasse

Da die Kasseneinnahmen und -ausgaben jeden Tag in einem Kassenbericht vollständig und richtig sowie zeitgerecht und geordnet festgehalten werden müssen, ist die offene Ladenkasse wohl ein wenig aufwendiger als die Registrierkasse.

Die Tageseinnahmen erreichnen sich wie folgt:

Kassenendbestand (ermittelt durch Zählung!) minus Kassenendbestand des Vortages minus Bareinlagen plus Ausgaben plus Barentnahmen.

Tips für die Offene Ladenkasse

  • Ermittelt den Endbestand des Tages wirklich durch Zählen. Ein Zählprotokoll mit Unterschrift, Datum und Uhrzeit kann belegen, dass der Bericht wirklich am Ende des Geschäftstages erstellt wurde
  • Haltet ein Schema (siehe oben) für die Berechnung der Tageseinnahmen ein, formal und zeitlich. Kassenberichte müssen täglich erstellt werden. Moment, täglich? Wie will das denn das Finanzamt prüfen?  Betriebsführer sind detailsbesessen: Schriftbild, Kuli, Wortwahl, … es wird nach allem gesucht, was überführen könnte.

Eine Registerkasse ist deshalb sehr beliebt: sie zeichnet alles für einen auf. Der Abschluß des Tages ist einfach per Ausdruck des Tagesendsummenbon erledigt.

Registerkasse

Aber auch hier, Registrierkasse ist nicht gleich Registrierkasse. Überlegt Euch vor dem Kauf, was diese für Euch übernehmen soll.

Kann das Gerät nicht alle steuerrelavanten Informationen für Euch speichern und in entsprechenden Formaten übertragen, bleibt Ihr weiterhin auf eine Menge zusätzlichem Papierkram sitzen.

Jetzt könnte man meinen, dass eine Registerkasse für einen Vorteile gegenüber dem Finanzamt bringt, schließlich ist doch alles zweifelsfrei dokumentiert. Nein, denn:

„Für die Finanzverwaltung ist jeder Unternehmer, der ausschließlich oder überwiegend mit Bargeld hantiert, ein potentieller Steuerhinterzieher„, meint Bettina Rau-Franz, Steuerberaterin aus Velbert.

Und seit kurzem haben die Finanzbehörden elektronische Registrierkasse und PC-gestütze Kassensysteme im Visier. Das Finanzamt hält diese für einfach manipulierbar.

Beim Eingeben eines neuen Preises etwa, wenn die Kasse automatisch ein Protokoll hierfür erstellt, ist dies für die Behörde nicht zulässig. Es kann halt manipuliert werden, so die Argumenation.

Und damit mit Registrierkassen nicht mehr soviel Steuern hinterzogen werden, wurde ein neues Gesetz erlassen.

Zukünftige Bestimmungen für Registrierkassen

  • Ab 01. Januar 2020: alle Kassen, die dann angeschafft werden, müssen über eine technische Sicherheitseinrichtung verfügen, bei der ab dem ersten Tastendruck alle Eingaben unveränderlich und verschlüsselt gespeichert werden
  • Für bereits bestehende Registrierkassen wird der Einsatz einer technischen Sicherheitseinrichtung zur Pflicht. Mit dieser soll das nachträgliche Manipulieren verhindert werden.
  • Bei nicht-nachrüstbaren Kassensystemen besteht eine Übergangsfrist bis 2020.
  • Ab 2018 dürfen die Finanzämter eine unangekündigte Kassen-Nachschau durchführen.
  • Es besteht künftig die Pflicht, dass man jedem Kunden einen Bon ausgibt. Man kann sich hiervon auch befreien lassen. Für Verkaufsstände auf Wochenmärkten wär dies zum Beispiel möglich.

Bereits seit Beginn diesen Jahres dürfen nur noch Kassensysteme verwendet werden, die bestimmte Anforderungen, wie das Speichern von Umsätzen für mindestens 10 Jahre erfüllen.

Ist die elektronische Registrierkasse Pflicht?

Quelle: akundo akademie

Wer noch ältere Systeme im Betrieb hat, sollte sich um eine Nachrüstung oder um einen Ersatz kümmern.

Zum einen drohen Strafgelder, zum anderen darf der Betriebsprüfer das Ergebnis schätzen, was zu Steuernachzahlungen führen kann.

Für alle landwirtschaftlichen Direktvermarkter, die Registrierkassen nutzen oder zukünftig nutzen möchten, sind deshalb die Vor- und Nachteile vor dem Hintergrund der neuen Bestimmungen gut abzuklären. 

Welche Erfahrungen konntet Ihr bisher sammeln? 

Insekten-Landwirtschaft-Lebensmittel

Sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?

Kulinarische Erlebnisse aus der ganzen Welt erfreuen sich in Europa großer Beliebtheit. Insekten auf dem Teller sind hierzulande jedoch noch eine Seltenheit.

Was bei den meisten Europäern wohl eher Brechreiz auslöst, ist in anderen Teilen der Welt, etwa in Asien und in vielen Ländern der südlichen Hemisphäre, seit Jahrtausenden ein ganz „normales“ Lebensmittel.

Und denkt nicht, dass Insekten nur von Naturvölkern und dem armen Teil der Bevölkerung verzerrt wird.

Für 2 Milliarden Menschen sind Insekten ein ganz normales Nahrungsmittel und werden zumeist wegen ihres Geschmackes verzerrt.

Der Geschmack von Insekten wird teils sogar so sehr geschätzt, dass sie in manchen Ländern ein hochpreisiger kulinarischer Genuss sind.

Die Akzeptanz steigt stetig, aber dennoch sind Insekten in Europa bisher eher noch eine Kuriosität.

Ob in Lutschern oder in trendigen Restaurants, in denen die Tierchen kunstvoll auf dem Teller angerichtet werden – Insekten zu essen hat eher etwas mit Mutprobe oder exotischem Erlebnis zu tun.

Aber seit Jahren wird auch in der EU kräftig geforscht, wie die kleinen Krabbeltiere manches Problem der Ernährung besser lösen können.

Sind Insekten die Nahrungsquelle der Zukunft?

Repräsentanten der  FAO (Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen) würden diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Laut der FAO sollten wir mehr Insekten essen.

In 2050 wird die Weltbevölkerung auf 9 Billionen Menschen angewachsen sein. Schon heute sind die begrenzten Ressourcen ein Problem.

Nur beim Erwähnen von Stichworten wie Boden, Wasser, Wald, Fische, Artenvielfalt oder nicht erneuerbare Energien werden Euch jede Menge bekannte Problemthemen durch den Kopf gehen.

Aber wie sollen Grillen, Käfer und Co. diese Probleme der Menschheit lösen?

Nahrhaft und Nachhaltig

Die Vorteile von Insekten lassen sich wohl mit diesen beiden Adjektiven am besten beschreiben. Sie sind nahrhaftig und nachhaltig.

Insekten als nahrhaftes Lebensmittel

Wusstet Ihr, dass Insekten ein sehr gesundes Lebensmittel sind?

Sie enthalten viele Mikronährstoffe wie Eisen, Selen, Magenesium, Kupfer und Zink und reichlich Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren und auch Vitamine.

Nachhaltige Produktion von Insekten

Aber das Insekten so als Nahrungsmittel der Zukunft gesehen werden, liegt wohl eher an den folgenden Vorteilen:

Bessere Umweltbilanz

Insekten sind Kaltblüter, d.h. sie verwerten Futter wesentlich effizienter.

Als Futter können organische Abfälle aller Art verwendet werden.

Das Wegschmeißen von Lebensmitteln ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Als Futter für die Krabbeltiere wär der Abfall nicht verschwendet.

Sie produzieren auch wesentlich weniger schädliche Treibhausgase.

Schont die Ressourcen

Für ein Kilogramm Heuschreuke braucht es nur 8 Liter Wasser. Im Gegensatz dazu: für einen Kilogramm Rinderbraten braucht es zumindest 20.000 Liter Wasser bei der Produktion.

Generell werden für die Produktion gleicher Mengen an Eiweiß weniger Futter oder auch Land benötigt.

Erhalt der Biodiversität

Als Ersatz für Inhaltsstoffe wie Fischmehl oder Soja, kann die Umwelt erheblich besser geschützt werden:

das Ausbeuten der Meere als auch das Abholzen von Regenwälder könnte erheblich eingeschränkt werden.

Da Insekten ganz einfach auch lokal oder regional gezüchtet werden können, ist man nicht auf andere geographische Regionen angewiesen.

In der Tat sind Vorreiter bereits am Entwickeln der ersten „Eiweißmaschinen“ für daheim:

Die Insektenfarm für zu Hause

Quelle: Galileo

Die Insektenfarm für zu Hause? Wahrscheinlich braucht es hierfür noch ein bisschen mehr Gewöhnungszeit.

Die Ernährungsindustrie macht sich derweil Gedanken, wie die kleinen Larven in Burgern, Fitnessriegeln, Currywurst und Co. Akzeptanz finden können.

Der Kopf scheint für den Verzehr die größte Hürde zu sein. Verarbeitet wird man geschmacklich die Inhaltsliste wohl nicht mehr herausschmecken.

Und ehrlich, wenn man auf die Inhaltsstoffe von verarbeiteten Lebensmittel schaut, sind dann die Würmer nicht eine bessere Alternative?

Wenn Verbraucher die chemischen Zutaten ihrer Nahrung in ihrer Ausgangsform sehen würden, würde ihnen wohl auch ganz mulmig werden.

Das sie oft zudem giftig für die Gesundheit sind, ist auch zu genüge bekannt. Also auf ins Insektenzeitalter?

Hürden für die allgemeine Verbreitung

So einfach ist es dann auch nicht, denn die rechtlichen Rahmenbedingungen sind sehr komplex. In der EU sind Insekten bisher nicht als Nahrungsmittel zugelassen.

Denn auch wenn in anderen Teilen der Welt der Verzerr normal ist, beim Züchten, Verarbeiten und Vermarkten im großen Stil müssen auch Insekten die rechtlichen Bestimmungen der EU in Punkto Lebensmittelsicherheit einhalten.

Ausserdem weiss man generell noch sehr wenig zu den Nutz- und Nährwerten dieser Tiergruppe.

Was passiert in den Körpern mit den Nährstoffen, wenn die Tiere in den diversen Formen verarbeitet werden und wie sind die Auswirkungen? Wie sieht es aus mit Allergien, Krankheiten oder ähnlichem? Hier sind noch viele Fragen offen.

Und natürlich stellen sich auch ethische Fragen. Wir kennen die Fragen, die sich heutzutage beim Züchten und Verarbeiten von Tieren stellen.

Diese werden zwangsläufig auch bei der Produktion von schwarzer Soldatenfliege, Mehlkäfer oder der Wanderheuschrecke aufkommen.

Die Schweiz hat als erstes Land Insekten bereits als offizielles Nahrungsmittel zugelassen.

Seit Mai 2017 können Mehlwürmer, Grashüpfer und Grillen dort ganz normal in Supermärkten gekauft werden.

Die EU zieht mit einer Verordnung nach, die ab 2018 Insekten als Nahrungsmittel zulässt.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir kleine Fliegenfarmen neben unserer Kräuterbank zum Kochen stehen haben.

Als Inhaltsstoffe für Tierfutter und andere Produkte könnten Insekten jedoch schon bald eine große Rolle spielen.

Erste Produktionsanlagen werden hierfür bereits erbaut. So etwa gerade in den Niederlanden.

Eine große Anlage zur Züchtung von Fliegenlarven soll 2018 den Betrieb aufnehmen und auf Basis von Lebensmittelresten Tierfutter produzieren.

Welche Auswirkungen wird Eurer Meinung nach die Zulassung ab 2018 auf die deutsche Landwirtschaft haben?