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Agrarpolitik-Europa-Landwirtschaft

Wo führt die Europäische Agrarpolitik hin?

Angesichts von Themen wie Brexit und Flüchtlingskrise werden die Stimmen lauter, die ein Umdenken der europäischen Agrarpolitik fordern.

Knapp 40 Prozent des gesamten EU-Haushaltes geht an den Agrarsektor. Durch den Brexit fällt ein wichtiger Nettozahler weg.

Aber nicht nur das finanzielle Loch im EU-Haushalt lässt die Stimmen, die überfällige Reformen einfordern lauter werden.

Auch die Flüchtlingskrise, die viele Länder der EU nicht nur finanziell viel abverlangt, schiebt den Fokus auf andere Probleme der Agrarpolitik.

Ist unsere Agrarpolitik ein entscheidender Grund für die Flüchtlingsströme aus Afrika?

Bevor wir diese Frage näher hinterleuchten, zunächst die Meldungen der letzten Tage:

 1 – Der Vogelgrippe H5N8 – Erreger wurde bei Wildvögeln registriert

Der hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N8 wurde, erstmalig seit Mai, nahe Seeburg (Sachsen-Anhalt) bei drei toten Schwänen nachgewiesen.

Entsprechend wurde um den Fundort ein Sperrbezirk sowie Beobachtungsgebiet mit Stallpflicht eingerichtet.

Der Virus kann über Wildvögel erneut nach Deutschland gelangt sein oder im Boden überdauert haben.

Drücken wir die Daumen, dass der Nachweis des agressiven Erregers ein „einmaliges“ Ereignis bleibt.

2 – Prognosen für die Zuckerrübenernte

Europa kann sich auf eine große Zuckerrüben-Ernte vorbereiten. Dies ist auf einen bedeutenden Zuwachs bei der Anbaufläche als auch mit dem Wegfall der Zuckerquote zurückzuführen.

Die Fläche wächst laut EU-Kommission um rund 16 Prozent und erreicht damit das größte Niveau seit 10 Jahren.

Spitzenreiter unter den Zuwachsländern sind Großbritannien (28,9 Prozent) und die Niederlande (27,3 Prozent).

Die erwarteten Ernteerträge bleiben jedoch hinter dem Wachstum der Anbaufläche zurück. Die Ernte wird wahrscheinlich etwas kleiner als die von 2014 ausfallen.

Gleichzeitig befinden sich die Zuckerpreise auf einem Zweijahrestief. Von Februar bis Juni sind die Preise am europäischen Terminmarkt in London um ein Drittel gefallen.

Der Preis hat sich seither kaum erholt. Weltweit wird ein Produktionsüberschuss und Wachstum der Bestände erwartet.

Mit dem entsprechenden Angebot sind die Preise für Zuckerrüben weltweit gefallen und wirken sich entsprechend auf den europäischen Markt aus.

Bis zum Herbst sind noch ein paar Wochen, in denen sich noch einiges ändern kann. Wir Landwirte wissen, das Wetter richtet sich nach keinen Prognosen oder Terminmärkten.

3 – Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung

Kein Obst und Gemüse, dass nicht der Standardnorm und als erstklassig klassifiziert wurde, landet in deutschen Supermärkten.

Verbraucher kaufen nur einwandfreies Gemüse und Obst. Krumme Möhrrüben oder Gurken, Äpfel die nicht komplett rund sind – manch einer kennt wahrscheinlich gar keine natürlichen Formen mehr.

Aldi Süd startet nun den Verkauf von Obst und Gemüse mit „kleinen Schönheitsfehlern“.

Wie die Zeitschrift Lebensmittelpraxis berichtet, soll das zweitklassige Gemüse mit dem Namen „Krumme Dinger“ betitelt zukünftig in den Regalen der Kette angeboten werden.

„Mit dem Angebot ‚zweitklassiger‘ Ware erweitern wir unsere Toleranzen im Einkauf und setzen ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung in der Lieferkette“, so Philipp Skorning, Group Buying Director.

Erstklassiges Obst, Gemüse und Fleisch für unsere Supermarktregale – aber wohin geht der Rest? Die Antwort auf diese Frage hängt wohl zusammen mit der Frage:

Verursacht die europäische Agrarpolitik die Flüchtlingsströme?

Es sind keine neuen Nachrichten, wenn wir von Höfen hören, die aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit aufgeben müssen.

Es liegt nicht an dem fehlenden Arbeitseinsatz, dem Willen, Enthusiasmus, Wissen oder Faktoren wie moderner Technik, neusten Produktionsverfahren.

Kleinere Betriebe können mit der billigen Konkurrenz der Massenproduzenten nicht mithalten.

Einen Moment – mit 40 Prozent an Agrarsubventionen der EU-Haushaltes, sollten diese nicht dazubeitragen, die „kleinbäuerlichen“ Strukturen zu erhalten.

Steht dies nicht als politisches Ziel überall geschrieben? Wohin fliesst das Geld?

Fakt ist: Nur 25 Prozent der Direktzahlungen gehen an die 80 Prozent der Höfe mit dem geringsten Einkommen.

55 Prozent der Direktzahlungen gehen an die 10 Prozent der Höfe mit dem höchsten Einkommen.

Nun ist Europa noch, weltweit gesehen, durch Wohlstand geprägt. Wie trifft die europäische Politik andere Bereiche der Erde, etwa Afrika?

Landwirtschaft ist hier noch die Haupteinkommensquelle der Bevölkerung. 

Agrarpolitik fördert mit Subventionen und Zollbestimmungen den Export in ärmere Länder. Teils auch als Entwicklungshilfe betitelt.

Aber auch hier können die Kleinbauern nicht mit den billigen Konkurrenzprodukten mithalten:

Deutsches Huhn in Afrika

Quelle: Manfred M. Strasser

Ob vor unseren eigenen Türen oder auch Übersee, die Agrarpolitik der letzten Jahre scheint nicht zu funktionieren, denn

ob hier oder anderswo, wer in der Landwirtschaft keine Arbeit findet, wandert in die Städte. Wer, wie in den Entwicklungsländern, auch dort keine Arbeit findet, wandert weiter. 

Aber kommen wir wieder zu unserer Frage: wohin gehen die Lebensmittel, die in Europa nicht verkauft werden können?  

Europäische Verbraucher verlangen erstklassige Produkte. Standardisiertes Obst und Gemüse ohne „Fehler“. Fleisch, nur das beste, was nicht nach Tier aussieht. 

Alles, was für uns nicht gut genug ist, geht, wie im Beitrag gesehen, in die Entwicklungsländer. Zum Beispiel nach Afrika.

Wer dort über die Märkte schlendert, findet europäische Produkte auf den Märkten und in den Geschäften. Von Tomaten über Hühnerfleisch.

Es gibt die Vertreter, die eine Agrarpolitik fordern, die nur auf die jeweilige Region oder Land ausgelegt ist.

D.h. es wird produziert, wo auch konsumiert wird. Für den heimischen Markt.

Wahrscheinlich ist ein Umdenken der Verbraucher in derartigem Ausmaß nicht erreichbar. 

Auch ist die Landwirtschaft international derart politisch und wirtschaftlich verflochten, dass ein solche Agrarpolitik wohl rein Utopie ist. 

Aber was ist Eure Meinung: wäre eine dezentrale Agrarpolitik, bei der jedes Land stärker selbstbestimmt handeln kann, ein möglicher Ansatz? 

Lebensmittel-Landwirtschaft-Agrarbetrieb

Lebensmittel – gähnende Leere ohne Import

Gähnende Leere. Keine Lebensmittel. Keine Gebrauchswaren. So präsentierte sich der Edeka Supermarkt in der Hamburger Hafencity. 

Aber bevor uns den Grund für die leeren Supermarktregale anschauen, kommen wir zunächst zum Thema des Tages. 

Heute ist es soweit: heute läuft die Frist ab, in der die EU-Kommission die Übernahme von Monsanto und Bayer überprüfen wollte. 

Bereits zwei dieser Großfusionen wurden in diesem Jahr von der Kommission genehmigt: die Fusion von Dow und Dupont sowie die Übernahme von Syngenta durch Chem China. 

Die Fusion von Monsanto und Bayer stellt eine Konzentration im bisher noch nicht gesehenem Ausmaß dar. 

Monsanto und Bayer – neuer König über Pestizide und Saatgut?

Die beiden zusammen würden den Pestizid-und Saatgutmarkt in einem Ausmaß dominieren, dass sie quasi bestimmen können, was auf den Felder wächst und was nicht. Und dies nicht auf einem kleinen, begrenzten Gebiet sondern, in diesem Fall, in der gesamten EU.

Die Konzerne argumentieren, dass die Fusion betragen wird, dass die Ernährung für die europäische Bevölkerung sichergestellt werden soll.

Und die Konzerne natnürlich nicht ihre Macht ausnutzen, um bestimmte Beschränkungen, etwa die Einführung von genmodifizierten Saatgut über gesetzliche Lücken oder ähnlichem, ausnutzen würden. 

Allerdings wissen wir alle, Shareholder sind nicht daran interessiert, wie Ihre Anteile an Wert steigen, nur dass sie steigen. 

Und wenn die Sicherstellung der Ernährung für Konzerne im Agrarsektor einen hohen Stellenwert haben würde, müssten sicher andere Strategien verfolgt werden. 

Bereits jetzt besteht eine große Abhängigkeit der Landwirtschaft hinsichtlich des Saatgutes und der Pestizide. 

Die Sorgen vor einer größeren Marktmachtstellung, die von den Fusionsgegnern geäußert werden, sind wohl nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich die weltweiten Entwicklungen anschaut.

Denn beobachtet man, wie sich Konzerne in Gebieten der Erde verhalten, in denen sie nicht von politischen Hürden aufgehalten werden, dann ist ein kritisches Hinterfragen der Übernahme wohl ratsam. 

Aber generell reiht sich auch diese Übernahme in einen Prozess ein, der bereits Jahrzehnte anhält und weiter fortschreitet: 

Die Ernährung eines Landes obligt längst nicht mehr in den Händen eines Landes. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln ist weltweit aufgeteilt, mit einer zunehmenden Konzentration der Mitspieler. 

Und hier kommt die „gähnende Leere“ ins Spiel:

Lebensmittel aus der ganzen Welt

In einer Aktion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hat Edeka in der Hamburger Hafencity alle Lebensmittel aus den Regalen genommen, die importiert wurden. 

Mit Schildern wie „So leer ist ein Regal ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“ wollte der Supermarkt ein Zeichen setzen.

Aber für uns, ist die Aktion gerade auch aus einer landwirtschaftlichen Sicht beeindruckend.

Ohne Lebensmittel aus dem Ausland sind die Regale im Supermarkt leer. Punkt.

Mangos aus Asien, Rindfleisch aus Argentinien, Gemüse aus den Niederlanden, … sie werden als selbstverständlich angesehen. Bananen sind nichts exotisches. Man bekommt sie einfach zu kaufen. 

Kaum einer macht sich wahrscheinlich Gedanken, welche internationalen Verflechtungen und Trends hinter dem breiten Angebot stecken. 

So ist Deutschland für die Versorgung seiner Bevölkerung abhängig von Importen aus dem Ausland. 

Denn: die eigenen Ackerflächen nehmen zunehmend ab.

Weltweite Ackerflächen für deutsche Lebensmittel

Abgesehen von Phänomen wie der Flächenversiegelung, wird die vorhandene heimische Ackerfläche gern für den Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung und den Export genutzt.

Ein Drittel der deutschen Agrarproduktion wird ins Ausland exportiert

Derweilen nimmt die Ackerfläche im Ausland, auf denen für deutsche Lebensmittel geackert wird, zu.

Hierzu zählen beispielsweise solche landwirtschaftlichen Flächen, wie sie für den Anbau von Soja, das für die Fleischindustrie als Kraftfutter von Bedeutung ist, genutzt werden. 

Lebensmittel werden nicht mehr produziert, wo sie gebraucht werden, sondern wo die Produktion am günstigsten ist. Soll heißen, die Landwirtschaft ist weltweit hoch spezialisiert. 

Um beim Soja zu bleiben: Soja ist ein Eiweißfutter, dass in Übersee wesentlich günstiger hergestellt werden kann als heimisches Eiweißfutter, etwa Futtererbsen oder Ackerbohnen. 

Entsprechend hat sich in Deutschland die Ackerfläche für Leguminosen zurückgebildet.

Zwar ist es ein Ziel des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen auszubauen, aber ohne Importe kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. 

So verbraucht Deutschland derzeit 4,2 Millionen Tonnen Sojaschrot. Schätzungsweise kann aus den in Deutschland selbst geernteten Mengen an gentechnikfreien Soja gerade einmal 0,03 Tonnen Sojaschrot gewonnen werden. 

Eine Reduzierung der Abhängigkeit ist quasi utopisch.

Auf der einen Seiten haben wir die Hersteller von Saatgut und Pestiziden, deren Entwicklungen auf eine Verringerung der Vielfalt an Nutzpflanzen mitsichbringt. 

Eine weltweite Konzentration auf wenige Sorten, die in Gebieten angebaut werden, in denen Größenvorteile enorme Kosteneinsparungen in der Produktion mitsichbringen. 

Auf der anderen Seiten stehen die Verbraucher, die nicht nur günstige Lebensmittel in immer ausreichender Menge verlangen. Die Essgewohnheiten weltweit passen sich weiterhin zunehmend an. 

Wer Supermärkte in anderen Ländern weltweit aufsucht, kennt das Phänomen, dass mittlerweile überall die gleichen Lebensmittel wie im heimischen Supermarkt zu finden sind. 

Kleine Variationen. Aber sonst das Gleiche. 

Andererseits nimmt die Nachfrage nach regionalen Produkten zu. 

Was meint Ihr: sind Trends wie die Regionalität nur Randerscheinungen für Träumer oder können sie wirklich die Produktion von Lebensmitteln nachhaltig beeinflussen?

Plantix-Landwirtschaft-Pflanzenkrankheit

Plantix – Mit einem Foto zur Ursache

Per Smartphone den Schädling an der Pflanze erkennen? Kein Problem. Mit der Diagnose-App Plantix können Landwirte weltweit Pflanzenschäden kostenlos diagnostizieren.

Im Grunde ist es eine supereinfache Idee, die der Firma Peat 2016 den World Summit Award und in diesem Jahr auf der Cebit den Innovation Award bescherte.

Das Start-up entwickelte eine App, mit der ganz einfach Pflanzenkrankheiten erkannt werden können.

Wir leben im 21. Jahrhundert. Mehr und mehr Menschen befragen bei Krankheiten erstmal Dr. Google oder eine App.

Ohne lange Wartezeiten ist eine schnelle Diagnose möglich, die oft auch umfassender in den Krankheitsbildern ist, als es der Arzt ermöglichen kann.

Möglichkeiten der Behandlung sind schnell gegeben, der Genesung steht nichts im Weg.

Warum nicht auch einen digitalen Doktor für Pflanzen kreiieren?

Plantix – Diagnose per Smartphone

Mit „Plantix“ können Landwirte weltweit super einfach bestimmen, was Ihren Pflanzen schadet, um dem schnell entgegenwirken zu können.

Dies hilft nicht nur den heimischen Bauern. Insbesondere Kleinbauern rund um den Globus, die besonders um Ihre Existenz kämpfen, können von der App profitieren.

Diese verlieren oft bis zu 30 Prozent Ihrer Ernte aufgrund von Schädlingen und Krankheiten. Für einen Kleinbauer in Indien oder Kolumbien, um nur Beispiele zu nennen, bedrohen solche Ausfälle die Existenz der gesamten Familie.

Aber auch hier wissen wir, wie bedrohlich Schädlinge für unsere Landwirtschaft sein können.

Wie funktioniert nun die App?

Ganz einfach: Handy raus und ein Foto der Blätter machen.

Plantix – Diagnose per App

Quelle: Plantix

Ein ausgeklügeltes Computer-Vision-System sorgt dann dafür, dass die App nicht nur die möglichen Krankheiten ausspuckt.

Nein, sie gibt auch direkt Vorschläge, wie diese auf biologischer oder chemischer Weise behandelt werden könnten.

Die App fördert zudem noch einen weiteren Nutzen: die Anwender können sich über Foren rege austauschen und sich so auch untereinander helfen.

Ziel des Unternehmens ist es, die weltweit größte Datenbank zur Erkennung von Pflanzenschäden aufzubauen.

Für die Nutzer ist die App eine kostenlose Hilfe. Und auch wenn das Start-up hier sehr humanitäre und ökologische Ziele verfolgt, letztendlich muss ein Unternehmen auch rentabel sein und Umsatz generieren.

Hier kommen die Daten anderen Nutzer zugute, die sehr wirtschaftliche Interessen verfolgen:

So sind beispielsweise Institute und Unternehmen dazu bereit für Daten zu zahlen, die zum Beispiel für die Forschung und Entwicklung neuer Produkte höchst relevant sind.

Ein rentables Geschäftsmodell in jeder Hinsicht, das mit einer simplen Idee geboren wurde.

Bisher war die Domäne Experten vorbehalten.

Spezielle Algorithmen, eine stetig wachsende Datenbank und die Verwendung von Deep Neural Networks, einer Methode bei der Maschinen selbständig lernen.

Das sind einige der Zutaten, die auch Laien das Erkennen von Pflanzenschäden und Ihren Ursachen ermöglichen.

Ob Landwirt oder Hobbygärtner, in Deutschland oder Vietnam, viele sollen und können von der kostenlosen App profitieren. Die App ist wohl besonders bei Bauern in Indien sehr beliebt.

Die Idee wurde im Jahr 2014 geboren. In nicht mal drei Jahren wurde aus einer Idee im Kopf ein überaus erfolgreiches Start-up, dass Landwirten rund um den Globus hilft.

Beeindruckend und inspirierend, oder?

Aber schauen wir noch kurz auf die aktuellen Schlagzeilen der letzten Tage.

Eier, Getreide und Obst sorgen aktuell für Falten auf der Stirn.

1. Eier mit Insektizid belastet

In den Niederlanden und Belgien wurden nun zwischen 100 und 200 Legehennenbetriebe gesperrt.

Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) konnte in einigen Betrieben Fipronil über der erlaubten Obergrenze nachweisen.

Es wird vermutet, dass das Insektizid zur Bekämpfung der Roten Vogelmilbe eingesetzt wurde.

Fipronil ist ein Phenylpyrazol, das als Pflanzenschutzmittel und Biozid eingesetzt wird. Der Tierarzt nutzt es gerne, um die geliebten Hunde und Katzen von Flöhen und Zecken zu befreien.

Der Einsatz in der Lebensmittelproduktion ist jedoch prinzipell verboten.

Die nachgewiesenen Mengen des Insektizid liegen unter den offiziell genannten Grenzen, ab denen eine Gefahr für die Gesundheit besteht.

Das generelle Verbot sperrt die Eier jedoch für eine jegliche Vermarktung. Von den 2,9 Millionen Eiern, die aus den betroffenen Erzeugerbetrieben nach NRW importiert wurden, sind bereits 875.000 in den Handel gelangt.

Eier mit dem Stempelaufdruck 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001, mit Legedaten zwischen dem 09. Bis 21. Juli 2017 sollten entsprechend nicht verzerrt werden.

2. Zitterpartie bei der Weizenernte

Nach dem der Weizen allen Wetterwidrigkeiten zum Trotz es gut bis zur Ernte geschafft hat, lässt der Regen pünktlich zur Erntezeit uns Landwirte nochmals bangen.

Wieviel Regen wird es noch geben? Derzeit passen die Fallzahlen noch, auch wenn es bereits Verzögerungen bei der Ernte gibt.

Prognosen sind schwer zu treffen, also können wir wohl nur weiterhin zittern und hoffen, dass der Regen endet und die Böden schnellstmöglich wieder befahrbar sind.

3. BayWa Obst beantragt Kurzarbeit

Das Ausmaß des Schadens, den der Frost im Frühjahr zur Blütezeit verursacht hat, wird nun erst richtig sichtbar.

In Polen, Österreich und Deutschland sind bei der Apfelernte Verluste von bis zu 70 Prozent zu verzeichnen.

Den Süden hat es besonders getroffen. Die BayWo Obst kündigte nun Kurzarbeit an.

“Wir erwarten die geringste Ernte seit 25 Jahren – für die Erzeugerbetriebe in der Region ist die Situation mehr als fordernd und bisweilen existenzbedrohend”, kommentiert BayWa.

Mit einer der größten Missernten, sind die auf das Obstgeschäft spezialisierten Betriebe über Monate nicht ausgelastet.

Gegen das Wetter werden können wir nur begrenzt etwas ausrichtet.

Unsere Pflanzen mit Apps beim Wachstum besser zu fördern und bei Krankheiten gezielter behandeln zu können, das wird mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz wohl der Standard der Zukunft sein.

Wie sieht es mit Euch aus: wer von Euch hat Plantix schon genutzt? Wie sind Eure Erfahrungen?

Digitalisierte Landwirtschaft Agrarbetrieb

Digitalisierte Landwirtschaft – Auf in die Zukunft

Keine Frage, landwirtschaftliche Themen lösen mehr denn je hitzige Diskussionen aus. Gegensätzliche Positionen treffen aufeinander, scheinbar unvereinbar. Aber ist dem wirklich so? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Antwort sein?

Bei landwirtschaftlichen Themen bekommt man oft den Eindruck, dass man entweder für die eine oder andere Position ist. Nach dem Motto: wenn man für konventionelle Landwirtschaft ist, dann ist man automatisch gegen Umweltschutz oder Gesundheit.

Schwarz oder weiß. Andere Positionen sind scheinbar nicht möglich. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dieses Schubladendenken hinter uns zu lassen.

Zunächst aber einmal zu den Themen, die diese Woche die Gemüter erregen:

Riegel vor Flächenversiegelung

13,1 Hektar pro Tag – soviel geht derzeit in Bayern an Fläche für Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren.

Die im Landesentwicklungsprogramm geplanten Änderungen zeigen, dass Kabinett und Wirtschaftsausschuss weiterhin “Großes” mit Bayern vorhaben.

Bayern ist bereits der Spitzenreiter unter den Bundesländern, was den täglichen Flächenverbrauch angeht.

Flächenverbrauch heißt ganz allgemein, dass natürlicher Boden mit Bauwerken bedeck wird. Diese Bebauung führt zur Flächenversiegelung.

Die Bodenfruchtbarkeit und eine spätere Nutzung etwa für Land- oder Forstwirtschaft werden hierbei stark beeinträchtigt.

Deshalb wollen die Bayerischen Grünen ein Volksbegehren gegen die rasante Asphaltierung Bayern einleiten.

Das Ziel: die Umwandlung von Freiflächen soll auf 4,7 Hektar pro Tag begrenzt werden.

Da die Umwandlung wohl insbesondere auch die Landwirte betrifft, denen Ackerboden durch die Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrflächen verloren gehen würde, sehen die Grünen den Bauernverband als möglichen Unterstützer des Kurses.

Auch deutschlandweit wird angestrebt, die Umwandlung von Wald, Grünland oder Ackerland in Siedlungs- und Verkehrsflächen weiter auszubremsen.

Laut Zahlen aus dem Bericht “Daten zur Umwelt 2017” des Umweltbundesamtes sind in den Jahren 2012 – 2015 ca. 66 Hektar Land pro Tag deutschlandweit umgewandelt wurden.

Zwar hat sich damit der tägliche Flächenverbrauch stark verringert, das Ziel ist jedoch, im Jahr 2030 nur noch 30 Hektar am Tag umzuwandeln.

Während in Deutschland die Verwendung von Fläche diskutiert wird, geht es auf EU-Ebene gerade darum, was auf den Flächen zum Einsatz kommen darf, oder auch nicht:

Verschärfung beim Einsatz von Neonikotinoiden

Für viel Aufregung sorgt derzeit das Vorhaben der EU-Kommission, den Einsatz von Neonikotinoiden stark einzuschränken.

Es ist die Rede davon, das flächendeckende Verbot von Neonikotinoiden auf die Beizung von Getreide und Rüben auszuweiten. Auch in der Vegetationsperiode soll das Insektizid zukünftig nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Bereits im Jahr 2013 wurden der Einsatz einiger der zu dieser Gruppe gehörenden Insektizide verboten.

Zukünftig sollen die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam nur noch in Gewächshäusern erlaubt sein.

Die einst als harmlos umjubelten Neonikotinoide hatten sich als verheerend für Insekten wie beispielsweise Bienen herausgestellt.

Mit dem Verbot der Neonikotinoide will die EU-Kommission unter anderem noch wirksamer gegen das Insektensterben vorgehen.

Noch ist ein Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) abzuwarten, mit dem im November gerechnet wird.

Bis dahin werden die Diskussionen sich wohl noch stark verstärken:

die Anbauer von Rüben argumentieren, dass sie nicht mehr Herr über die Blattlaus werden und der Rübenertrag erhebliche Einbussen erleiden wird.

Andere meinen, dass ein Verbot, etwas für Rüben unsinnig ist, weil als nichtblühende Pflanzen kann der Einsatz für Bienen hier ja nicht gefährlich sein.

Diese Argumente werden mit Sicherheit auch von den herstellenden Konzernen wie Bayer und Syngenta untermauert.

Auf der anderen Seite ist die Fraktion, die Agrargifte nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes verbieten möchte.

Hier wird auch argumentiert, dass ein Mittel, das sich derart auf das Nervensystem von Insekten auswirkt, sicher auch nicht gut für die menschliche Gesundheit sein kann.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit – die beiden Begriffe werden oft gegenübergestellt, als ob das eine das andere ausschliesst.

Vielleicht galt das im letzten Jahrhundert so, aber wir leben im Zeitalter der Digitalisierung.

Digitalisierte Landwirtschaft als Brücke

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde es aufregend und spannend, was sich auf dem Gebiet der Landwirtschaft derzeit alles tut.

Die Debatte um den Flächenverbrauch und den Einsatz der Insektizide sind nur Beispiele, für die Herausforderungen, die zu meistern sind.

Aber im gleichen Atemzug, in dem all die unterschiedlichen Anforderungen an die Landwirtschaft gestellt werden, entfalten sich auch die Möglichkeiten, die wir Landwirte haben, wie nie zuvor.

Es ist nicht mehr, dass man auf der einen Seite oder auf der anderen Seite stehen muss. Warum muss es “konventionell versus ökologisch”, “wirtschaftlich versus nachhaltig” und ähnliches sein?

Digitalisierte Landwirtschaft ist für mich das Zauberwort:

Satellitengesteuerter Traktor: Landwirtschaft der Zukunft?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Die Zusammenarbeit von IT und Landwirtschaft ist noch in den Kinderschuhen, aber wird, wie bei Kindern, schneller erwachsen, als man es glaubt.

Satelittengesteuerte Traktoren, die, fast, für jede Pflanze auf dem Feld ein eigenes Wachstumspaket zur Verfügung stellen? Klingt nach Utopie, aber ist längst eine realisierbare Möglichkeit. 

Das ist es – die Möglichkeiten sind da. Aber wie innovativ sind wir beim Anwenden und Umsetzen? 

Wie Ihr in dem Beitrag seht, es hängt zumeist nicht an dem, was möglich ist, sondern daran, wie jeder einzelne Landwirt für sich bereit ist, sich mit dem Wandel zu beschäftigen; bereit ist ein Voreiter zu sein.

Und wenn die Politik in Ihrem Schwarz-Weiß denken verhaftet ist, als Landwirt hat man mehr denn je, die Möglichkeiten, nach seinen eigenen Kriterien Landwirtschaft zu betreiben. 

Stadt und Land müssen keine Gegensätze sein, um nochmal auf das Thema Flächenverbrauch zurückzukommen.

Ebenso müssen Umweltschutz und ertragreiche Landwirtschaft keine Gegensätze sein. 

Wie seht Ihr die technischen Entwicklungen? Kann digitalisierte Landwirtschaft eine Brücke schlagen und unterschiedliche Interessen zusammenführen?

Vanille-Landwirtschaft-Niederlande

Ist Vanille die neue niederländische Tomate?

Agrartechniker in den Niederlanden erforschen derzeit fleissig, wie die seltene und sensible Vanille in Europa Fuß fassen kann.

Denn: warum exotische Pflanzen importieren, wenn die sich rasant entwickelnde Technologie in Gewächshäusern die Tropen im Kleinformat nach Europa holen kann?

Die Agrarwirtschaft durchstößt damit weitere, bisher gegebene Grenzen. Der Anbau von Pflanzen ist nicht mehr an bestimmte Regionen der Erde gebunden.

Aber bevor uns das kühne Projekt der Niederländer näher anschauen, werfen wir noch den Blick auf zwei Nachrichten dieser Woche:

Russland wird größter Weizenexporteur

Nach den aktuellsten Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) wird Russland für 2017/2018 zum ersten Mal die Poolposition unter den weltweit größten Exporteuren für Weizen einnehmen.

Grundjahr ist das diesjährige Rekordangebot des Landes. Dieses liegt ca. 10 Prozent über dem Vorjahr und übertrifft noch die Erwartungen vom letzten Monat.

Die wesentlichen Faktoren, die Russland den ersten Platz einnehmen lassen werden, sind:

  • erweiterte Anbauflächen,
  • verbesserte Erträge,
  • konkurrenzfähige Preise und
  • der Ausbau der Infrastruktur zur Verbessung der Logistik beim Export

Dies zeigt auch nochmals deutlich, wie sehr sich Russlands Position auf dem Weltmarkt in den letzten Jahren gewandelt hat.

Sojaanbau in der EU soll gestärkt werden

Von den 14 EU-Landwirtschaftsministern wurde gestern eine Erklärung unterschrieben, die den Anbau von Eiweißpflanzen, vor allem Soja, in der EU vorantreiben soll.

Nachhaltig, zertifiziert und gentechnikfrei sollen dabei die Prozesse von der Produktion bis hin zur Vermarktung ablaufen.

„Unsere heimischen Eiweißpflanzen sind gegenüber dem importierten Soja noch nicht konkurrenzfähig, obwohl sie im Hinblick auf die Nachhaltigkeit überlegen sind. Die Entscheidung des Europaparlaments, den Pflanzenschutzmitteleinsatz auf ökologischen Vorrangflächen einzuschränken, verpasst den Eiweißpflanzenanbau in Deutschland einen zusätzlichen Rückschlag. Mit der Unterzeichnung der Soja-Erklärung setzen wir ein Signal, uns stärker für den Leguminosenanbau einzusetzen“, so Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Ein Signal ist noch keine Umsetzung. Es wird sich zeigen, wie weit sich der Anbau von Soja in Deutschland ausdehnen wird.

Ich hab die beiden Nachrichten ausgewählt, weil sie abermals zeigen, wie stark sich landwirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern können.

Mit politischem Willen und darauffolgender Umsetzung schafft es Russland, Europa und die USA zu überholen, die Positionen auf dem Weltmarkt zu verschieben.

Vielleicht ist es auch das, was wir hinsichtlich des Sojaanbaus in der EU erleben werden, eine Veränderung in der weltweiten Verteilung der Sojaproduktion.

Definitiv ist Soja jedoch eine Pflanze, die ein Beispiel für die Verschiebung der landwirtschaftlichen Grenzen ist.

Denn, fragt man Verbraucher, dann werden sie den Sojaanbau sicher nicht unbedingt mit Europa in Verbindung bringen.

Klar, es gibt Pflanzen, die für unser europäisches Klima nicht ausgelegt sind und weiterhin nur in fernen Regionen angebaut werden. Oder?

In den Niederlanden wird kräftig daran geforscht, diese Gegebenheit abzuändern.

Vanille aus den Niederlanden

Wir kennen die Gewächshäuser, in den Tomaten, Salat und Co. mit künstlichem Licht in sonst pflanzenunfreundlichen Bedingungen wachsen können.

Diese und andere Gewächshäuser der neuesten Generation stellen sicher, dass wir egal zu welcher Jahreszeit unser geliebtes, heimisches Gemüse frisch im Supermarkt erhalten können.

Nun sind Pflanzen wie Salatköpfe relativ anspruchslos. Andere Pflanzen haben sich bisher vehement gegen die Aufzucht in Gewächshäusern gesträubt.

So etwa auch die Vanille, die das exotische Klima, etwa von Madagaskar, liebt.

Die seltene und teure Pflanze ist sehr sensible hinsichtlich ihrer Zuchtbedingungen, weshalb sie bisher auch nur in wenigen Plätzen der Welt wächst.

Mit einem Anteil von über 60 Prozent ist Madagaskar der Hauptanbieter am Weltmarkt.

Das Land ist bitterarm. Der Anbau von Vanille bildet auf den dortigen Plantagen für rund 80.000 Kleinbauern die Lebensgrundlage.

Aber Vanille ist eine äußerst lukrative Pflanze. Derzeit kostet ein Kilogramm um die 600 Dollar. Der Preis lag nie zuvor so hoch und übersteigt gar den von Silber.

Gründe hierfür sind vielfältig. Sie reichen von Naturgewalten bis hin zu einer weltweit steigenden Nachfrage nach natürlichen Produkten.

Die Suche nach der richtigen Formel von Wasser, Licht, Temperatur und Feuchtigkeit im Gewächshaus scheint sich zu lohnen.

Niederländer holen exotische Gewürze in ihre Gewächshäuser

Quelle: afpde

Auch der ressourcenintensive Anbau scheint sich bei dem derzeitigen Marktpreis zu rechnen:

Vanille ist durchweg eine Pflanze, die eine intensive Betreuung benötigt.

Angefangen bei der Bestäubung, bei der die tausenden Insekten und Vögel, die sonst damit beschäftigt sind, von Hand in mühevoller Kleinarbeit ersetzt werden müssen.

Aber eins wird deutlich: mit den rasanten technologischen Entwicklungen, scheinen exotische Pflanzen nicht mehr nur in exotischen Ländern wachsen zu müssen:

Die erste Ernte der Dutch Vanilla wird für 2020 erwartet. Noch wird die Produktion im Gewächshaus zu teuer sein, um wirklich in Konkurrenz zu etwa Madagaskar zu stehen.

Die fehlende Quantität könnten die Niederländer bei der richtigen Formel in Punkto Qualität jedoch wieder wettmachen.

Was meint Ihr, wird die Verlagerung der Produktion in Gewächshäuser, die Landwirtschaft weltweit vereinheitlichen, so dass alle Pflanzen überall angebaut werden können?