Beiträge

Artenschutz-Blumenwiese-Agrarbetrieb

Wie kann Artenschutz funktionieren?

Erst am Dienstag hat ein Schäfer auf einem Cuxhavener Deich sechs seiner Schafe an den Wolf verloren. Geht der Artenschutz zu weit? Die Diskussion ist abermals entfacht. 

Der Artenschutz in Deutschland und auch anderen Ländern ist ein heikles Thema. 

Zum einen steht es außer Frage, dass er ernorm wichtig ist. Die Natur ist ein sensibles Zusammenspiel von dem kleinsten bis zum größten Lebewesen. 

Kein anderes Tier wie die Biene zeigt wohl auf, wie eins mit dem anderen verbunden ist. Und es ist schön von Erfolgen wie beim Biber, Seeadler oder auch Wolf zu hören. 

Aber gerade beim Wolf zeigt sich, dass es nicht nur damit getan ist, eine Tierart zu schützen: 

Wo sind die Grenzen beim Artenschutz?

Der Wolf ist ein Raubtier. Ein intelligentes dazu. Und Nutztiere sind, zugegebenermaßen, eine idealle Beute.

Es wird an Konzepten gearbeitet, wie Nutztiere und Wolf zukünftig besser zusammenleben können.

Hier prallen jedoch auch sehr unterschiedliche Einstellungen zum Thema aufeinander. Die Diskussionen halten derweilen an.

Sicher ist jedoch eins: es ist kein Thema, dass noch sehr lange auf die Bank geschoben werden kann.

Gerade die Schafhaltung auf Deichen zeigt, dass es nicht getan ist mit Handlungsanweisungen wie: baut bessere und wolfssichere Zäune um die Herden.

Dies ist vielerorts nicht umsetzbar. Und die zunehmenden Berichte, dass der Wolf die Scheu vor Menschen verliert, zeigen ebenfalls auf, dass es mit den derzeitigen Regelungen nicht getan ist.

Tierschutz bewegt sich in einem sehr sensiblen Umfeld: bei Nutztieren prallt das Wohl der Tiere mit der Wirtschaftlichkeit aufeinander.

Bei Wildtieren, kann der Schutz einer Tierart zu Lasten anderer gehen:

Kann Artenschutz zu weit gehen?

Nehmen wir beispielsweise die Elefanten in Südafrika. Nachdem diese aufgrund des Elfenbeins gnadenlos gejagt wurden, konnten sich die Bestände aufgrund der strikten Tierschutzgesetze erholen.

Mittlerweile sind die Bestände jedoch derart explosionsartig gestiegen, dass die große Elefantenpopulation ebenfalls eine Belastung für die Umwelt darstellen:

Elefanten benötigen bis zu 200 Kilogramm Nahrung am Tag. Ressourcen hierfür stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Zuviele Elefanten können zudem mit ihrem Gewicht erheblich zur Versiegelung von Böden beitragen – jeder kennt den Effekt von Trampelpfaden, auf denen keine Wiese mehr wächst.

Die Erfolgsgeschichte des Elefanten kann für andere Tiere wie dem Spitzmaulnashorn somit auch zur Bedrohung werden.

Der Schutz einer Tierart kann erheblich zu Lasten von anderen Tierarten, die ebenfalls auf die Nahrung und Natur für ihr Überleben angwiesen sind, gehen.

Bei uns gibt es keine Elefanten, aber wir freuen uns auf eine wachsende Wolfspopulation. Die Rückkehr des Wolfes ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Aber: 

Eine zunehmende Population hat unmittelbare Folgen, insbesondere für Nutztierhalter, deren Existenz durch Übergriffe auch gefährdet werden kann.

„Die europäische Strategie einer Koexistenz der Weidewirtschaft mit diesem Raubtier ist grandios gescheitert und muss neu diskutiert werden“, meint deshalb Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung.

Ein vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) und dem Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (VJE) in Auftrag gegebenes Gutachten empfiehlt nun den kontrollierten Abschuss des Wolfes in Deutschland.

Dies wird bereits in anderen europäischen Ländern praktiziert. Ab wann muß dem Artenschutz Einhalt geboten werden, um andere Arten, ob Nutztier oder Mensch, zu schützen?

Artenschutz in der Landwirtschaft

Der Wolf wird stark diskutiert, weil er beim Kontakt mit der Zivilisation und Landwirtschaft durchaus auch als „Gewinner“ hervorgeht. 

Beim Aufeinandertreffen von Landwirtschaft und anderen Wildtieren, etwa dem Rebhuhn, gewinnt eigentlich immer die Landwirtschaft. 

Ein Drittel aller Tierarten in Deutschland sind gefährdet. Die Existenz oder Nicht-Existenz einzelner Tiere fällt nicht direkt ins Gewicht. 

Über die Zeit sind die Zahlen jedoch schockierend. Um beim Rebhuhn zu bleiben: in Hessen allein wurde vor 60 Jahren noch 100.000 Vögel pro Jahr (!) von den Jägern geschossen. 

Heute besteht die gesamte Rebhuhn-Population aus gerade mal geschätzten 3.000 Tieren, wenn überhaupt. 

Es ist nicht zu Verleugnen, dass die moderne Landwirtschaft ihren Anteil an dem Aussterben vieler Arten hat. 

Die wirtschaftlichen Anbaumethoden mit Monokulturen, Einsatz von Pestiziden, fehlenden Ackerrandstreifen und anderem sind nicht gerade förderlich. 

Entsprechend wird in der Presse schnell über die Landwirtschaft hergezogen. Aber auch diese Betrachtungsweise ist sehr einseitig. 

Denn, so unsere Meinung bei Agrarbetrieb: Landwirtschaft und Umweltschutz müssen sich nicht ausschließen. Dies gilt auch für die konventionelle Landwirtschaft. 

Landwirtschaft und Artenschutz

Im letzten Jahrhundert hat sich die Landwirtschaft so stark geändert wie nie zuvor. Die Folgen der Revolution auf dem Feld haben sich erst in diesem Jahrhundert gezeigt. 

Seitdem hat ein starkes Umdenken eingesetzt. Und die technologischen Möglichkeiten vereinfachen mehr denn je den Schutz von Wildtieren. 

Aber auch fernab von Technologien setzen viele Landwirte Maßnahmen um, die regional den Umweltschutz fördern.

Agrarbetrieb etwa, hat eine Leidenschaft für Blumenwiesen.

Nicht nur erfreut die Blütenpracht das Auge und Herz, sie fördert die Artenvielfalt und bietet die Nahrungsgrundlage für viele Tiere, insbesondere Insekten. 

Wir haben deshalb auch die Blumenwiesenpatenschaft ins Leben gerufen. So kann jeder aktiv beim Artenschutz mithelfen und dabei sich selbst oder anderen eine Freude machen.

(Nähere Informationen findet Ihr übrigens unter „Blumenwiese„.)

Natürlich interessiert mich wieder Eure Meinung zum Thema: wie sind Eurer Meinung nach moderne Lebensweise und Artenschutz miteinander zu verbinden?

Social Media Landwirtschaft Marketing

Social Media Marketing auf dem Feld und im Stall

Wir Landwirte wissen, dass wir technologisch immer auf dem neuesten Stand sind. Aber gilt das nur für die schweren Geräte im Feld und Stall? Wie sieht es mit Social Media aus?

Social Media und Landwirtschaft passen für viele wahrscheinlich nicht direkt zusammen.

Das wir „Landeier“ bei unseren Arbeitsgeräten vom Traktor bis zur Drohne ziemlich ausgeklügelte Technik benutzen, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben.

Aber wie sieht es mit Facebook, Twitter und wie sie nicht alle heißen aus? Lebt der Landwirt von heute da noch hinter dem Mond?

Darauf gibt es nur eine klare Antwort: nein!

Social Media in der Landwirtschaft

Für die jüngeren Landwirte unter uns gehören soziale Medien eh von klein auf zum Leben dazu. Aber auch so haben sich die sozialen Netzwerke in der Landwirtschaft etabliert.

Lasst uns einen Blick auf die Nutzung von Social Media in der deutschen Landwirtschaft werfen.

Das Marktforschungsunternehmen AgriDirect Deutschland hat im Frühjahr 2016 hierzu eine Studie durchgeführt.

Demnach nutzt ca. die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe Social Media Plattformen.

Hierbei ist auffällig, dass tendenziell mit der Größe des landwirtschaftlichen Betriebes auch die Nutzung von Social Media zunimmt.

Whatsapp (79,4%), Facebook (55,8%) und YouTube (45,9%) gehören mit Abstand zu den beliebtesten Plattformen.

Wozu nutzen Landwirte in Deutschland die sozialen Netzwerke?

  • „Ich nutze Social Media Plattformen aus privaten Gründen.“ (48,6%)
  • „Ich lese landwirtschaftliche Nachrichten.“ (45,5%)
  • „Ich tausche mich mit Berufskollegen aus.“ (40,9%)
  • „Ich sammle Informationen zu Neuigkeiten über Produkte und Maschinen.“ (38,4%)

Dies sind die mit Abstand wichtigsten Gründe, die genannt wurden. Erst an fünfter Stelle kam:

  • „Ich bewerbe mein eigenes Produkt bzw. meinen eigenen Betrieb.“ (10,0%)

Die bedeutet, dass lediglich jede zehnte Landwirtschaft Social Media Plattformen für die eigene Vermarktung nutzt.

Soziale Medien sind aber nicht nur großartig, um sich mit seinen Kollegen auszutauschen und top informiert zu bleiben.

Social Media Marketing in der Landwirtschaft

Sie können ein sehr effektiver Weg sein, mit Verbrauchern in direkten Kontakt zu treten und Ihnen das „wirkliche“ Leben eines Landwirts näherzubringen.

Fernab von nach Aufmerksamkeit schreienden Schlagzeilen über Tierquälerei und Zerstörung der Natur oder, dem anderen Extrem, fernab von romantisierten, idyllischen Bauernhofbildern.

Die Verbreitung von Smartphones macht es für Landwirte sehr einfach, Verbraucher und Interessierte am täglichen Leben teilhaben zu lassen.

Eben mal schnell ein Foto von dem jüngsten Kälbchen oder ein Video von der Feldbegehung gepostet. Der Fantasie des Landwirts sind keine Grenzen gesetzt. 

Gepostet werden kann, was gefällt. Aber egal welche Plattform man nutzt, es gibt doch die eine oder andere Grundregel, die man beherzigen sollte:

15 Tipps zum Social Media Marketing

Quelle: Carlo Siebert

Klingt gar nicht so kompliziert, Social Media anzuwenden, oder?

Früher war Selbstdarstellung und Vermarktung des Betriebes und seiner Produkte nur mit viel Aufwand und Kosten möglich.

Die neuen Technologien sind heute so einfach, dass selbst Dreijährige schon wahre Meister im Bedienen eines Smartphones sind.

Ohne große Kenntnisse und Einarbeitung kann jeder soziale Medien auf seinem Hof einsetzen, um seinen Betrieb und seine Produkte greifbar zu machen.

Heißt das, man sollte einfach so loslegen, wie einem gerade ist? Definitiv nicht.

Auch wenn Social Media Plattformen einfach zu bedienen und in der Regel auch kostenlos sind, sie kosten etwas unendlich wertvolleres: Zeit.

Deshalb stellt sich Euch eigentlich auch erstmal nur eine wichtige Frage:

Was ist mein Ziel?

Wenn Ihr die sozialen Netzwerke für Euch selbst nutzt, um Euch zu informieren oder um Euch mit anderen Landwirten auszutauschen, dann wisst Ihr sehr genau, was Ihr wollt.

Ihr wisst, welchen Blog Ihr aufsucht, um die neuesten Informationen zu erhalten.

Ihr geht auf Twitter, um mit anderen Landwirten in Deutschland über ein brisantes Thema zu diskutieren.

Auf Facebook verfolgt Ihr die Neuigkeiten von befreundeten Landwirten, auf YouTube bestaunt Ihr den HighTech-Traktor in Aktion.

Ihr könnt ziemlich genau sagen, warum Ihr wen auf welcher Plattform verfolgt. 

Wenn Ihr nun Inhalte für Andere veröffentlichen möchtet, steht Ihr auf der anderen Seite, aber Ihr müsst dennoch ganz genau wissen, was Ihr wollt. 

Ihr müsst das Ziel kennen, um im Social Media Dschungel nicht verloren zu gehen.

Und das es nicht DIE richtige soziale Plattform gibt, macht es nicht einfacher. Jede hat Ihre Stärken. Aber Ihr habt nicht die Zeit, auf allen vertreten zu sein. Deshalb:

Wen möchtet Ihr ansprechen und warum?

  • Menschen in Eurer Umgebung, um den Hof in die Region einzubinden;
  • Städtler über Landwirtschaft informieren und aufklären;
  • Jugendliche für die Landwirtschaft begeistern;
  • Familien für Urlaub auf Euren Bauernhof gewinnen;
  • potentielle Direktvermarkter für den Aufbau von Geschäftsbeziehungen ansprechen; 

Die Antwortmöglichkeiten sind unendlich. Nur Ihr könnt diese Frage beantworten und Ihr solltet Euch die Zeit nehmen, um Euer Ziel sehr genau zu kennen und zu definieren. 

Mit welcher Plattform erreiche ich meine Zielgruppe am besten?

Wenn Ihr wisst wen Ihr ansprechen wollt, dann erleichtert dies auch Eure Auswahl der richtigen Plattform. 

Denn es macht keinen Sinn, wenn Ihr auf Facebook postet und Ihr wollt Jugendliche ansprechen, die eher auf Snapchat abhängen. 

Ihr braucht keine starke Präsenz auf Twitter aufbauen, wenn die Oberhäupter der Familien, die bei Euch Urlaub machen sollen, auf Facebook aktiv sind. 

Jede Plattform hat Ihre Stärken, aber es gibt durchaus auch Überschneidungen. 

Facebook führt nach wie vor in Deutschland die Liste der meistgenutzen Netzwerke an. Es ist auch recht flexibel in der Ausgestaltung der Inhalte und eignet sich für Video, Foto oder Text.

Wenn Ihr sehr gerne fotografiert, werdet Ihr wohl Instagram lieben. Für Videos ist klar YouTube eine Topadresse. 

Sucht Euch ein Netzwerk, mit dem Ihr Eure Ziele erreichen könnt, aber das Euch auch Spass macht. Ihr werdet sonst nicht am Ball bleiben. 

Und ein kleiner Tipp zum Schluss:

Die gleichen Inhalte lassen sich oft auch auf unterschiedlichen Plattformen veröffentlichen. So seid Ihr doppelt präsent mit nur einem Arbeitsaufwand.

Welche Social Media Plattformen nutzt Ihr und was sind Eurer Erfahrungen?

Landkonzentration-Landwirtschaft

Zunehmende Landkonzentration in Europa

Eine zunehmende Landkonzentration ist in Deutschland als auch im restlichen Europa ein Trend, dem die EU-Agrarpolitiker entgegenwirken möchten.

Der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments hat sich nun deutlich gegen eine „fortschreitende Eigentumskonzentration“ von Agrarflächen ausgesprochen.

Aber bevor wir den Hintergrund hierfür näher betrachten, lässt uns jedoch kurz auf die schauen Lage für Geflügelhalter schauen.

Keine Entwarnung für Vogelgrippe

Die Vogelgrippe ist noch nicht vollständig „abgeklungen“. Trotz einer Lockerung der Stallpflicht für viele Geflügelhalter, für viele bleibt die Situation unverändert.

Derzeit prüft das Bundeswirtschaftsministerium, in welchem Ausmaß die Schäden vorliegen, und ob gegebenfalls ein Antrag auf EU-Hilfen für die deutschen Eierproduzenten beantragt werden kann.

Derzeit ist von einem Schaden in Höhe von 40 Millionen EUR die Rede.

Für die mehr als eine Million Tiere, die in den vergangenen Wochen getöteten werden mussten, werden die Landwirte von den Tierseuchenkassen entschädigt.

Es geht aber auch um Schäden, die etwa bei Freilandhennen entstanden, deren Eier nun nicht mehr als Freilandeier deklariert werden durften. Dies reduzierte natürlich den Verkaufspreis.

Auch wenn der Markt wohl mit Verständnis auf die Situation reagierte, so zahlten Edeka und Rewe beispielsweise weiterhin den vollen Freiland-Preis, das wirkliche Ausmaß der Schäden kann noch nicht abgeschätzt werden.

Erst dann wird sich zeigen, ob das BMEL tatsächlich EU-Hilfen beantragen wird.

Aber nun zur Frage: wie steht es um die Landkonzentration in Europa?

Zunehmende Landkonzentration in Europa

Zum Hintergrund: seit Jahren nimmt die Konzentration von landwirtschaftlicher Fläche zu.

Im Jahr 1975 gab es noch ungefähr 904.700 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Im Jahr 2016 waren es lediglich noch rund 262.100 Betriebe. (Quelle: Statista)

Den Trend der Landkonzentration gibt es nicht nur in Deutschland. Auch das restliche Europa ist hiervon betroffen.

Und die Größenordnung und Geschwindigkeit sind erschreckend.

Normalerweise denke man bei Landkonzentration an Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Klingt Landkonzentration vielleicht noch harmlos, dort wird das Phänomen auch mit dem Begriff „Land Grabbing“ bezeichnet.

Land Grabbing klingt nicht mehr harmlos. Große Agroholdings und Finanzunternehmen kaufen oder pachten auf langfristig ausgelegte Zeiträume Agrarflächen. Diese bewirtschaften sie in eigener Regie.

Die Investoren kommen aus dem Aus- oder Inland, die rechtlichen Zusammenhänge und Transaktionen sind meist wohl eher sehr instransparent und kaum nachvollziehbar.

Die neuen Großgrundbesitzer – Das Geschäft mit Europas Boden

Quelle: biopilz

Die Konzentration von Agrarland in den Händen weniger ist seit Jahren auch in Europa ein Thema.

In 2010 gehörten in den EU-27 –  Ländern bereits 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzen Fläche rund 3 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe.

80 Prozent der Betriebe verfügten im Gegensatz dazu in 2012 nur über 12 Prozent der Agrarflächen. (Quelle: Europäisches Parlament – Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung)

Als „besonders problematisch“ wird die Lage in Rumänien, Ungarn und Bulgarien gesehen. Aber auch Deutschland, Spanien und Italien zeigen eine besorgniserregende Entwicklung.

Wachsende Landkonzentration durch Zuschüsse

Wie Europäische Agrarsubventionen die Entwicklung begünstigen, zeigt sich insbesondere an Osteuropa.

Nach dem Fall der Bauern gingen viele Landwirte schnell bankrott. Warum? Sie hatten gar keine Chance gegen die subventionierte Konkurrenz aus dem Westen.

Nun wirken natürlich auch Faktoren wie die Größeneffizienz eines Betriebes.

Ein kleiner Bauernhof kann mit einem Großbetrieb, der wirtschaftlicher den Hof betreiben kann, nicht mithalten. Insbesondere, wenn die Gewinnmargen eh schon gering sind und nicht viel Spielraum zulassen.

Und längst ist die europäische Landwirtschaft nicht mehr nur in europäischen Händen.

Chinesische Firmen, die in Bulgarien im großen Stil Mais anbauen, oder der großflächige Getreideanbau von Unternehmen des Mittleren Ostens in Rumänien sind nur zwei Beispiele.

Allerdings ist die Europäische Agrarpolitik an den Entwicklungen hinsichtlich der Landkonzentration nicht unschuldig.

So etwa meint SPD-Politikerin Maria Noichl, dass die flächengebundenen Direktzahlungen zu einer „einseitigen Förderung der größten Betriebe“ führe. Sie betonte, dass die genossenschaftlich organisierten Betriebe dabei  nicht gemeint sind.

Auch wird kritisiert, dass die EU-Kommission Verletzungsverfahren gegenüber seinen osteuropäischen Mitgliedsstaaten, etwa Polen, androht.

Europäische Länder, die also dem Land Grabbing durch Finanzinvestoren entgegentreten wollen, werden wegen Diskriminierung hierfür auch noch angeprangert.

Nun hat der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments in einer Ausschusssitzung in der letzten Woche einen Initativbericht zum Thema verabschiedet.

Es wird darin unter anderem dazu aufgerufen, einer zunehmenden Flächenkonzentration Einhalt zu gebieten und Junglandwirte sowie Neueinsteiger beim Erwerb von Gründstücken zu unterstützen.

Dies ist ein Anfang, aber es müssen auch Handlungen folgen. Welche Handlungen sind Eurer meiner nach notwendig, um die zunehmende Konzentration zu stoppen?

Weniger Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

Nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

In 2016 gab es nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Das sind 9.000 Betriebe weniger als vor 3 Jahren. Die Fläche blieb mit 16,7 Millionen Hektar fast unverändert.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlichte im Rahmen einer Pressemitteilung die ersten vorläufigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016.

Eins ist ganz klar ersichtlich: der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft setzt sich weiter fort und ein Ende der Betriebsschließungen ist nicht in Sicht.

Werfen wir doch einen genaueren Blick auf die Zahlen…

In 2013 gab es 285.000 landwirtschaftliche Betriebe, so die damalige Agrarstrukturerhebung. Drei Jahre zuvor, bei der Landwirtschaftszählung 2010 lag die Zahl der Betriebe um 14.000 darüber. Ein deutlicher Rückgang von 5% in der Zeitspanne 2010-2013.

In 2016 ging die Zahl um weitere 9.000 Betriebe zurück. Das ist ein Rückgang von 3% gegenüber 2013.

Weniger landwirtschaftliche Betriebe, gleiche Ackerfläche

Was den einen oder anderen überraschen mag, ist die Tatsache, dass trotz rückläufiger Betriebsanzahl, die bewirtschaftete Ackerfläche gleich geblieben ist.

Liegt damit „die landwirtschaftliche Macht“ in der Hand von weniger Betriebe? Bekommen größere Betriebe und Kapitalgesellschaften einen größeren Stück vom Kuchen ab?

Interessante Fragen, oder?

Fakt ist: die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht Jahr für Jahr zurück. Die Größe der Fläche hat sich hingegen seit 2010 kaum verändert.

Tierhaltende Betriebe sind von diesem negativen Trend am stärksten betroffen.

Anfang März betrieben 184.000 Betriebe Viehhaltung. Das sind 8% weniger als in 2013. Demnach mussten 16.000 Betriebe schließen. Die großen Leidtragenden waren die schweinehaltende Betriebe. Diese verzeichneten einen Rückgang von 18%.

Die Schere zwischen Familienbetriebe und Personengesellschaften öffnet sich stetig weiter

Die Tatsache, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe schließen, hat einen direkten Einfluß auf die jeweilige Rechtsform und die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen.

Die Gesamtzahl von 276.000 landwirtschaftliche Betriebe teilt sich wie folgt auf:

  • 244.000 Einzelunternehmen (Familienbetriebe) => In 2010 lag die Anzahl bei 273.000.
  • 26.000 Personengesellschaften => In 2010 lag die Anzahl bei 21.000.
  • 5.000 juristische Personen => fast unverändert

Demnach werden knapp 89% der Betriebe von Einzelunternehmen (Familien) geführt, aber ihre Zahl wird Jahr für Jahr geringer.

Dieser Trends wiederspiegelt sich auch in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. So ist die Zahl der Familienarbeitskräfte seit 2013 um knapp 12% auf 446.000 zurückgegangen. Die Zahl der Saisonarbeitskräfte ist um 9% zurückgegangen. Insgesamt wurden 936.000 Beschäftigte registriert. Das sind 8% weniger als bei der Agrarstrukturerhebung 2013.

Bauernsterben in Europa

Mehr als 1,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe haben bereits aufgegeben

Quelle: klagemauerTV

Wie wird denn heuer die Ackerfläche genutzt?

  • 71 % als Ackerland
  • 28 % als Dauergrünland
  • 1 % für Dauerkulturen

Und was genau wird angebaut?

27% des Ackerlandes wird mit Winterweizen bebaut. Silomais steht an zweiter Stelle mit 18% und Winterraps an dritter Position mit 11%.

Öko weiterhin sehr beliebt

Die Zahl der Ökobetriebe steigt.

In 2016 wurden knapp 23.000 landwirtschaftliche Betriebe ökologisch bewirtschaftet. Sechs Jahre zuvor, in 2010 waren es 17.000 Betriebe. Damit einhergehend ist auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche von 1 auf rund 1,1 Mio. Hektar gestiegen (11% Anstieg gegenüber 2013).

Die Agrarstrukturerhebung basiert auf einer Befragung von rund 80.000 landwirtschaftlichen Betriebe und ist gemäß dem Agrarstatistikgesetz eine Erhebung mit Auskunftspflicht. Die Fragen beziehen sich einerseits auf die Produktionsgrundlagen wie z.B. landwirtschaftlich genutzte Fläche und Viehbestände und andererseits auf die im Betrieb vorherrschende Beschäftigtenstruktur.

Die endgültigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016 werden voraussichtlich im Juni 2017 veröffentlicht.

Wie geht’s weiter?

Alarmierende Zahlen, findet Ihr nicht auch?

Strukturwandel, Preisverfall, Gesellschaftswandel, Bevölkerungswachstum, Landflucht…. Das sind die klassischen Schlagwörter die wir immer wieder zu hören bekommen.

Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Betriebe dafür sorgen, dass sie irgendwie am Leben bleiben (die Familie muss ja von irgend etwas auch leben) und dabei immer mehr Menschen ernähren. Kein einfacher Spagat. Und wie wir festgestellt haben, ein Spagat, das von vielen nicht gemacht werden konnte.

Wandel ist die einzige Konstante.

Wir müssen weiterhin am Ball bleiben, uns die neuesten Technologien aneignen und gleichzeitig die Änderungen die in der Gesellschaft stattfinden in die richtige Perspektive rücken. Nur so können wir überleben bzw. allen anderen einen Schritt voraus sein.

Wenn wir nichts tun, wenn wir nichts ändern, dann wird die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter sinken. Kein schönes Szenario.

landwirtschaft-tierschutz-nachhaltigkeit

Umsetzung von Tierschutz in der Landwirtschaft

Ein gesundes und erfolgreiches 2017! Für viele Landwirte war 2016 ein herausforderndes Jahr. Schauen wir mal, was 2017 für die Landwirtschaft bereithält.

Das Jahr beginnt für Küken, zumindest für solche, die mal Legehennen werden, gut.

Denn mit Beginn diesen Jahres wurde in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Kürzen von Schnäbeln von Küken nun endgültig verboten.

Mit ca. 18 Millionen Legehennen steht Niedersachsen als Erzeuger von Eiern an erster Stelle unter den Bundesländern.

Es begann bereits vor einigen Jahren mit dem Ausstieg aus der Praxis. Die Frist für noch bestehende Ausnahmeregelungen, ist nun auch abgelaufen.

Landwirtschaft und Tierschutz bei Geflügel

Eine Umfrage bei Brütereien ergab, dass im Sommer 2016 bereits 90 Prozent der Halter von Legehennen  auf das Schnäbelkürzen verzichteten.

Die Bundesregierung hat bisher auf eine einheitliche rechtliche Regelung im Tierschutzgesetz verzichtet.

Es besteht jedoch seit Juli 2015 eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Mit Beginn des Jahres 2017 sollen nun in Deutschland keine Junghennen mit gekürzten Schnäbeln mehr eingestallt werden.

Die Praxis ist aus Sicht des Tierschutzes äußerst bedenklich, denn der Schnabel ist für Hühner ein sehr empfindliches Tastorgan.

An dieser Stelle eine Amputation durchzuführen, ist für die Tiere eine Prozedur, die mit oft langhaltenden, qualvollen Schmerzen verbunden ist.

Eine Umsetzung der Abschaffung solcher, in der Praxis gängigen Verfahren, ist nur möglich, wenn alle Akteure in der Wirtschaftskette mit machen.

So hatte Niedersachsen 2014 auch eine Vereinbarung mit den Handel getroffen, dass dieser deutschlandweit beim Ausstieg dabei ist. 

Glückliche Legehennen: Es geht auch ohne Schnäbel kupieren

Quelle: Hermannvid

Das Kürzen von Schnäbeln wurde in der Vergangenheit bei fast allen Küken durchgeführt, die für die konventionelle Legehennenhaltung bestimmt waren.

Die Schnäbel wurden gekürzt, damit die Hennen sich nicht gegenseitig durch Federpicken oder Kannibalismus verletzen konnten.

Unter Federpicken versteht man das Herausrupfen von Federn bei Artgenossen. Kannibalismus ist das Ziehen oder Picken an der Haut anderer Hühner.

Federpicken – Werden alternative Lösungen vom Verbraucher gezahlt?

Die Ursachen, die zu einem derartigen Verhalten der Hühner führen, sind vielfältig.

Es gibt wohl Faktoren, die Verhaltensstörungen der Hühner fördern können, etwa wenn

  • die Besatzdichte sehr hoch ist,
  • das Ernährungsangebot nicht ausgewogen ist, d.h. die Tiere in Bezug auf bestimmte Nährstoffe unterernährt sind,
  • den Tieren Beschäftigung oder Bewegung in Form von Scharren oder Bodenpicken fehlt…

Sprich, wenn generell die Bedingungen der Haltung nicht wirklich artgerecht sind.

Entsprechend enthalten Lösungsansätze, mit denen Federpicken und Kannibalismus vermieden werden soll, Maßnahmen, die den Tieren ein Leben ermöglichen, das mehr seiner Natur entspricht.

Aber wie immer, es mangelt nicht an den Konzepten, die den Nutztieren, eine artgerechtere Haltung ermöglichen.

Es gibt Haltungsformen, die den Hühner mehr Beschäftigungsmöglichkeiten und ein Futter zugestehen, dass ausgewogene Nährstoffkombinationen beinhaltet.

Die Frage ist: sind die Verbraucher auch bereit, hierfür zu zahlen? Und wird er genügend darauf hingewiesen, warum ein Ei mehr kostet als das andere?

Eine Haltung mit ungekürzten Schnäbeln führt zu Mehrkosten in der Produktion.

„Ich setze darauf, dass der Handel die zu erwartenden Mehrkosten von drei bis vier Cent pro Ei an die Landwirte weiterleitet und dass er wie angekündigt keine Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln etwa aus dem Ausland mehr anbietet“, so Christian Meyer, Landwirtschaftsminister Niedersachsen

Verarbeitete Eier unterliegen derzeit jedoch noch keiner Kennzeichnungspflicht. Oft kommt es hierbei wohl zum Einsatz von billigen Käfigeiern aus dem Ausland.

Die Diskussion um das Schnäbelkürzen verdeutlicht wieder das Spannungsfeld, in dem moderne Landwirtschaft ständig ihren Weg finden muss: Wirtschaftlichkeit versus Natur.

Sicherlich ist eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur möglich: artgerechte Tierhaltung, bodenschonende Landwirtschaft, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel,…

Bloß wer wird dies bezahlen? Weltweit sinkt die landwirtschaftliche Fläche aufgrund zunehmender Urbanisierung. Das heißt, weniger Landwirtschaft aber mehr Münder sind zu füttern.

Die Einkommenskluft wird größer. Wir leben in einem Zeitalter, mit rasanten Änderungen auf dem Arbeitsmarkt, weltweit. Die Masse der Menschen, die von einem geringen Einkommen leben muss, wird größer. Auch in Deutschland.

Ein Verbraucher, der im Monat mit seinem Geld kaum über die Runden kommt, wird zum billigen Ei greifen, wenn es darum geht, seine Familie zu ernähren.

Tests zeigen immer wieder, dass die Verbraucher schnell dabei sind, zu verurteilen und nach naturbelassenen Produkten zu schreien. Vor die Wahl gestellt, wird im Supermarkt dennoch die „gerade Einheitsgurke“ gegenüber der „krumgewachsenen Naturgurke“ bevorzugt.

Und dies sind nur drei der unendlichen Liste an Faktoren, in den denen moderne Landwirtschaft heute operieren muss. Alleine diese können überwältigend wirken. 

Fakt ist, auch 2017 wird der Strukturwandel in der Landwirtschaft voranschreiten. Er wird viele Landwirte vor schwere Zeiten stellen. Und genauso für viele Landwirte neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. 

Die Änderungen werden sich vollziehen, ob wir wollen oder nicht. Es liegt an uns, ob wir lieber die Augen verschließen, an bisher Bewährtem festhalten, oder mit offenen Augen, in die Zukunft blicken. 

Ihr seht, auch 2017 wird uns weiter herausfordern. Aber deshalb lieben wir wohl auch die Landwirtschaft: es bleibt einfach spannend und Langeweile kommt nie auf. 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen für Eure Landwirtschaft im Jahr 2017?