Beiträge

Oktoberfest-Landwirtschaft-Bayern

Das Oktoberfest – ein bayerisches Erlebnis

Das Großereignis in Deutschland schlechthin ist wohl aktuell das Oktoberfest in München. 

Bier, Dirndl, Brandhendl, Schweinswürstl, Brezeln, Musi zum Tanzen auf den Bänken, … locken Millionen Gäste aus der ganzen Welt an.

Dieses Jahr findet das 184. Oktoberfest statt. Das erste Oktoberfest fand am 17. Oktober 1810 statt.

Es war ein großen Pferderennen zu Ehren der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

Rund um das Oktoberfest

 

Das Fest war anscheinend ein großer Erfolg, denn es wird bisher jährlich „wiederholt“.

Aber wusstet Ihr, dass …

  • seit 1882 aus Glasbierkrügen und nicht mehr aus Steinkrügen ausgeschenkt wird
  • das Oktoberfest im September stattfindet, einfach weil das Wetter dann besser ist
  • das Fest insgesamt 24 Mal ausfallen musste (etwa wegen dem Krieg gegen Napoleon 1813 und den beiden Weltkriegen, Cholera-Epidemien in 1854 und Hyperinflation in 1923 und 1924)
  • früher die Damentoiletten Löcher in den Holzwänden hatten, damit die Männer den einen oder anderen Blick erhaschen konnten
  • auf dem Fest um die 4000 Wertgegenstände im Fundbüro abgegeben werden
  • nur noch das Augustiner aus traditionellen Holzfässern ausschenkt
  • das gesamte auf den Wiesn getrunkene Bier ein Becken von 50 Meter Länge, 25 Meter Breite und 6 Meter Tiefe fühlen würde
  • die Wiesn über 900 Tonnen Restmüll produzieren
  • 1891 die erste Hendlbraterei eröffnet wurde
  • die Tradition des Pferderennens nach dem zweiten Weltkrieg nicht wiederaufgenommen wurde (mit Ausnahmen zum 150. und zum 200. Jubiläum)
  • die Tradition, dass der Oberbürgermeister den Oktoberfest-Anstich vornimmt seit 1950 besteht
  • das Oktoberfest mittlerweile das größte Volksfest der Welt ist

Lust auf ein bisschen Oktoberfest bekommen? Hier kommt ein kleiner Einblick vom diesjährigen Fest:

Oktoberfest 2017 – Tag 1 live – Der Anstich aus dem Hofbräu-Festzelt

Quelle: Munich Television

Ein Fest, dass seit über 200 Jahren gefeiert wird, durch diverse geschichtliche Epochen hindurch – die Veranstalter und Anbieter auf dem Oktoberfest müssen einiges richtig machen. 

Erfolgsstrategie „Erlebnis Oktoberfest“

Lasst uns auf das Marketing der Wiesn schauen. Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Wiesn so erfolgreich sind, weil Sie ein unvergessliches Erlebnis bieten.

Zu dem Fest kommen Menschen aus der ganzen Welt, weil sie etwas erleben möchten. Vom ersten bis zum letzten Tag bietet das Fest Unterhaltung und Spaß.

Von Familienzeit auf den Fahrattraktionen mit zum Abfeiern in den Zelten zu den aktuellsten Wiesnschlagern. 

Den Besuchern wird ein Erlebnis geboten, quasi ein rundum „Fühl-Dich-gut-und-hab-Spaß“-Packet. 

Wie könnte Ihr Euren Kunden ein Erlebnis anbieten? Ob eine familiäre Atmosphäre beim Einkauf im Hofladen, entspannte Familienzeit in den Ferien oder ein Hoffest fürs Dorf.

Bietet Euren Kunden etwas Persönliches, damit sie sich gut fühlen und sie Spaß haben, bei Euch einzukaufen, den Urlaub zu verbringen oder mit Euch Geschäfte zu machen.

Dies könnt Ihr über viele Marketingkanäle erreichen: ob auf Facebook oder im persönlichen Kontakt.

Fragt Euch, was Eure Kunden von Euch erwarten? Warum kommen Sie zu Euch und kaufen nicht woanders? 

Wie könnt Ihr den Kontakt mit Euch zu etwas Besonderem werden lassen? Hierfür müsst Ihr nicht etwas Gigantisches wie ein Oktoberfest aufziehen. 

Auch kleine Dinge und Gesten, oder gar insbesondere die kleinen Dinge und Gesten, können den größten Effekt haben. 

Wie könnt Ihr Euren Kunden etwas Besonderes bieten, wofür sie gerne extra zu Euch wiederkommen?

Auch wenn derzeit Millionen Menschen die Atmosphäre auf den Wiesn geniessen, nicht jeder in Münschen ist derzeit auf Gemütlichkeit und Feierlaune eingestellt.

Regionale Lebensmittel für die Wiesn 2018

Zukünftig sollen mehr Produkte aus Bayern auf der Wiesn verkauft werden. Hierfür hat der Münchner Stadtrat ein neues Bewertungssystem verabschiedet, dass nicht von jedem gut aufgenommen wird.

Demnach gibt es Punkte für die Herkunft der Lebensmittel, die auf dem Oktoberfest angeboten werden. Regionale Lebensmittel erhalten höhere Punktzahlen als andere, die aus anderen Regionen importiert werden.

Diese Punktzahl ist eine von mehreren, die letztendlich darüber entscheidet, wer einen Platz auf den Wiesn erhält.

Klingt ja erstmal ganz gut und vernünftig, das Produkte von bayerischen Landwirten gefördert werden sollen.

Zu kontroversen Diskussionen führt jedoch, dass zunächst nicht berücksichtig wird, ob die Produkte aus einer ökologischen oder Massentierhaltung stammen, sondern die Regionalität ausschlaggebend ist.

Bioprodukte aus Bayern erhalten die höchste Punktzahl. Aus anderen Regionen gibt es jedoch weniger Punkte für sie.

Definitiv wird die bayerische Herkunft, ob Bio oder nicht, mit Punkten honoriert. Lange Transportwege sind schließlich auch unökologisch, so Wiesnchef Josef Schmid.

Die Grünen haben Bedenken, dass Bioprodukte auf dem Oktoberfest ausgebremst werden. Andere Meinungen halten dagegen, dass Bio, auch wegen der erhöhten Preise, nicht von jedem gern gesehen wird.

Das neue Bewertungssystem soll dann für die Bewerbung für die Wiesn im nächsten Jahr zum Einsatz kommen.

Meint Ihr, der Ansatz zur Förderung regionaler Lebensmittel ist übertragbar auf andere regionale Veranstaltung und sollte übernommen werden?

Lebensmittel-Landwirtschaft-Agrarbetrieb

Lebensmittel – gähnende Leere ohne Import

Gähnende Leere. Keine Lebensmittel. Keine Gebrauchswaren. So präsentierte sich der Edeka Supermarkt in der Hamburger Hafencity. 

Aber bevor uns den Grund für die leeren Supermarktregale anschauen, kommen wir zunächst zum Thema des Tages. 

Heute ist es soweit: heute läuft die Frist ab, in der die EU-Kommission die Übernahme von Monsanto und Bayer überprüfen wollte. 

Bereits zwei dieser Großfusionen wurden in diesem Jahr von der Kommission genehmigt: die Fusion von Dow und Dupont sowie die Übernahme von Syngenta durch Chem China. 

Die Fusion von Monsanto und Bayer stellt eine Konzentration im bisher noch nicht gesehenem Ausmaß dar. 

Monsanto und Bayer – neuer König über Pestizide und Saatgut?

Die beiden zusammen würden den Pestizid-und Saatgutmarkt in einem Ausmaß dominieren, dass sie quasi bestimmen können, was auf den Felder wächst und was nicht. Und dies nicht auf einem kleinen, begrenzten Gebiet sondern, in diesem Fall, in der gesamten EU.

Die Konzerne argumentieren, dass die Fusion betragen wird, dass die Ernährung für die europäische Bevölkerung sichergestellt werden soll.

Und die Konzerne natnürlich nicht ihre Macht ausnutzen, um bestimmte Beschränkungen, etwa die Einführung von genmodifizierten Saatgut über gesetzliche Lücken oder ähnlichem, ausnutzen würden. 

Allerdings wissen wir alle, Shareholder sind nicht daran interessiert, wie Ihre Anteile an Wert steigen, nur dass sie steigen. 

Und wenn die Sicherstellung der Ernährung für Konzerne im Agrarsektor einen hohen Stellenwert haben würde, müssten sicher andere Strategien verfolgt werden. 

Bereits jetzt besteht eine große Abhängigkeit der Landwirtschaft hinsichtlich des Saatgutes und der Pestizide. 

Die Sorgen vor einer größeren Marktmachtstellung, die von den Fusionsgegnern geäußert werden, sind wohl nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich die weltweiten Entwicklungen anschaut.

Denn beobachtet man, wie sich Konzerne in Gebieten der Erde verhalten, in denen sie nicht von politischen Hürden aufgehalten werden, dann ist ein kritisches Hinterfragen der Übernahme wohl ratsam. 

Aber generell reiht sich auch diese Übernahme in einen Prozess ein, der bereits Jahrzehnte anhält und weiter fortschreitet: 

Die Ernährung eines Landes obligt längst nicht mehr in den Händen eines Landes. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln ist weltweit aufgeteilt, mit einer zunehmenden Konzentration der Mitspieler. 

Und hier kommt die „gähnende Leere“ ins Spiel:

Lebensmittel aus der ganzen Welt

In einer Aktion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hat Edeka in der Hamburger Hafencity alle Lebensmittel aus den Regalen genommen, die importiert wurden. 

Mit Schildern wie „So leer ist ein Regal ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“ wollte der Supermarkt ein Zeichen setzen.

Aber für uns, ist die Aktion gerade auch aus einer landwirtschaftlichen Sicht beeindruckend.

Ohne Lebensmittel aus dem Ausland sind die Regale im Supermarkt leer. Punkt.

Mangos aus Asien, Rindfleisch aus Argentinien, Gemüse aus den Niederlanden, … sie werden als selbstverständlich angesehen. Bananen sind nichts exotisches. Man bekommt sie einfach zu kaufen. 

Kaum einer macht sich wahrscheinlich Gedanken, welche internationalen Verflechtungen und Trends hinter dem breiten Angebot stecken. 

So ist Deutschland für die Versorgung seiner Bevölkerung abhängig von Importen aus dem Ausland. 

Denn: die eigenen Ackerflächen nehmen zunehmend ab.

Weltweite Ackerflächen für deutsche Lebensmittel

Abgesehen von Phänomen wie der Flächenversiegelung, wird die vorhandene heimische Ackerfläche gern für den Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung und den Export genutzt.

Ein Drittel der deutschen Agrarproduktion wird ins Ausland exportiert

Derweilen nimmt die Ackerfläche im Ausland, auf denen für deutsche Lebensmittel geackert wird, zu.

Hierzu zählen beispielsweise solche landwirtschaftlichen Flächen, wie sie für den Anbau von Soja, das für die Fleischindustrie als Kraftfutter von Bedeutung ist, genutzt werden. 

Lebensmittel werden nicht mehr produziert, wo sie gebraucht werden, sondern wo die Produktion am günstigsten ist. Soll heißen, die Landwirtschaft ist weltweit hoch spezialisiert. 

Um beim Soja zu bleiben: Soja ist ein Eiweißfutter, dass in Übersee wesentlich günstiger hergestellt werden kann als heimisches Eiweißfutter, etwa Futtererbsen oder Ackerbohnen. 

Entsprechend hat sich in Deutschland die Ackerfläche für Leguminosen zurückgebildet.

Zwar ist es ein Ziel des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen auszubauen, aber ohne Importe kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. 

So verbraucht Deutschland derzeit 4,2 Millionen Tonnen Sojaschrot. Schätzungsweise kann aus den in Deutschland selbst geernteten Mengen an gentechnikfreien Soja gerade einmal 0,03 Tonnen Sojaschrot gewonnen werden. 

Eine Reduzierung der Abhängigkeit ist quasi utopisch.

Auf der einen Seiten haben wir die Hersteller von Saatgut und Pestiziden, deren Entwicklungen auf eine Verringerung der Vielfalt an Nutzpflanzen mitsichbringt. 

Eine weltweite Konzentration auf wenige Sorten, die in Gebieten angebaut werden, in denen Größenvorteile enorme Kosteneinsparungen in der Produktion mitsichbringen. 

Auf der anderen Seiten stehen die Verbraucher, die nicht nur günstige Lebensmittel in immer ausreichender Menge verlangen. Die Essgewohnheiten weltweit passen sich weiterhin zunehmend an. 

Wer Supermärkte in anderen Ländern weltweit aufsucht, kennt das Phänomen, dass mittlerweile überall die gleichen Lebensmittel wie im heimischen Supermarkt zu finden sind. 

Kleine Variationen. Aber sonst das Gleiche. 

Andererseits nimmt die Nachfrage nach regionalen Produkten zu. 

Was meint Ihr: sind Trends wie die Regionalität nur Randerscheinungen für Träumer oder können sie wirklich die Produktion von Lebensmitteln nachhaltig beeinflussen?

Lebensmittel-Direktvermarktung-Landwirtschaft

Lebensmittel – Regionalität und Qualität sind gefragt

Der Anteil, den Verbraucher von Ihrem Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wird immer kleiner. Von einem Euro Ausgaben für Nahrungsmittel gehen nur noch 22 Cent an den Landwirt. 

Der aktuelle Situationsbericht 2016/2017 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) gibt ein umfassendes Bild der Landwirtschaft in Deutschland wieder.

Der Report spricht viele Themen, von Ressourceneinsatz, über die Agrarstruktur bis hin zu agrarpolitischen Themen an.

Er zeigt auf, wie wichtig die Landwirtschaft für die Volkswirtschaft in Deutschland ist.

Landwirtschaft ist wichtig für die deutsche Volkswirtschaft

Mit 52 Milliarden EUR Produktionswert, liegt der Agrarsektor deutlich über dem anderer Branchen, so etwa der Pharmaindustrie (46 Milliarden EUR).

Die wirtschaftlichen Indikatoren wie  Bruttowertschöpfung, Produktionswert oder gar Erwerbstätige in der Landwirtschaft weisen sinkende Zahlen für die letzten Jahre auf.

Aber dennoch, mit Ihrer Nachfrage, zum Beispiel nach Investitionsgütern, Betriebsmittel und Dienstleistungen stützt die Landwirtschaft die restliche Wirtschaft enorm:

Im Jahr 2015 betrugen die produktionsbedingten Ausgaben 44,1 Milliarden Euro. Davon fielen alleine 9,5 Milliarden auf Investitionen für Bauten und Maschinen.

Wusstet Ihr, dass auf einen landwirtschaftlichen Arbeitsplatz sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen kommen?

Besonders interessant fand ich allerdings auch die Statistiken zum Verbrauch und Verkauf von Lebensmitteln:

Die Ausgaben der Deutschen für Lebensmittel

Die deutschen Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke liegen mit 3 Prozent knapp über dem Europäischen Durchschnitt.

Die Preise in der Europäischen Union schwanken jedoch sehr stark mit Preisen in Dänemark von über 45 Prozent über dem Durchschnitt und Polen mit nur 63 Prozent des Europäischen Mittels.

Insgesamt geben die Verbraucher in Deutschland immer weniger Ihres Einkommens für Lebensmittel aus.

Die Einkommen der Verbraucher steigen, die Preise für Lebensmittel stiegen jedoch nur unterdurchschnittlich an.

Anfang der 70er Jahre erhielten wir Landwirte von einem Euro, der für Nahrungsmittel ausgegeben wurde, noch 48 Cent. In 2015 waren es nur noch 22 Cent.

Wobei es auch hier starke Schwankungen gibt: bei Milch- und Milcherzeugnisse betrug der Anteil 38 Prozent, bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnisse knapp 5 Prozent.

Zusammengefasst drücken die folgenden Zahlen die Entwicklung seit den 50er Jahren ziemlich gut aus:

  • die Löhne eines Industriearbeiters sind um mehr als das 23-fache gestiegen
  • die Brotpreise sind um das 11-fache gestiegen
  • die Getreidepreise haben sich nicht geändert

Bei einem Anstieg des Weizenpreises seit 1950, der nur der Inflationsrate entspricht, könnten wir für einen Doppelzentner (100 Kilogram) heute 87 Euro Erlös erhalten.

Lebenmittelhandel starke Machtposition in Deutschland

In anderen Branchen ist es üblich, sich höhere Produktionskosten entsprechend vom Verbraucher entlohnen zu lassen.

In der Ernährungsindustrie ist dies jedoch ziemlich schwer, denn die Verhandlungsmacht ist in Deutschland ziemlich klar verteilt:

Die 5 größten Deutschen Lebensmittelhändler vereinen einen Marktanteil von fast 75 Prozent!

Ihnen gegenüber stehen dagegen 6000 überwiegend kleine und mittelständische Hersteller von Lebensmitteln.

Und in Deutschland ist der Anteil an Discountern mit 42,3 Prozent weiterhin sehr hoch. Mit dieser Preismentalität unterscheidet sich Deutschland international auch von vielen anderen Ländern.

Regionale Lebensmittel liegen im Trend

Neben dem Preis ist aber ein weiterer Punkt für die Deutschen sehr relevant: Regionalität.

Regionale Lebensmittel werden von den Verbrauchern mit Geschmack, Qualität, Frische und Förderung der regionalen Wirtschaft in Verbindung gebracht.

Eine Umfrage (BMEL-Ernährungsreport 2016) ergab folgende Kriterien für den Einkauf:

Wonach kaufen Deutsche ihre Lebensmittel?

  • 75 % achten darauf, dass die Produkt aus ihrer Region kommen
  • 61 % schauen auf die Produktinformationen, etwa Nährstoffangabe
  • 58 % wollen preiswert einkaufen
  • 38 % kaufen Produkte einer bestimmten Marke
  • 33 % orientieren sich an bestimmten Siegeln
  • 28% probieren auch mal gerne Produkte aus der Werbung aus

Insbesondere die ersten beiden Faktoren werden mit zunehmenden Alter für Verbraucher relevant. Je älter die Kunden, desto mehr scheint auf die Qualität geachtet zu werden.

Ich habe Euch die oben genannten Statistiken aber nicht einfach nur rausgesucht, weil sie interessant sind.

Sie zeigen enorme Marktpotenziale für uns Landwirte auf. Lebensmittel müssen nicht immer nur über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden.

Einkaufen direkt vom Erzeuger

Quelle: buten un binnen

Für den ein oder anderen Betrieb lohnt sich die direkte Vermarktung an die Kunden.

Hierzu zählen nicht nur der klassische Hofladen, der Stand am Bauern- oder Wochenmarkt oder der saisonale Verkaufsstand an der Straße.

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, weitere Kundenkreise zu erschliessen, etwa den gestressten Großstädter, der es nicht bis zum Hofladen schafft.

Ihr könnt die Direktvermarktung nicht alle wuppen oder bietet zu wenige Produkte auf Eurem Hof an? Vielleicht könnt Ihr mit einem Hof Eurer Region kooperieren.

Auch muss es nicht immer das frische Rohprodukt sein. Bequemen Fertiggerichte mit hoher Qualität sind ebenso gefragt.

Ihr seht, die Möglichkeiten der Direktvermarktung sind vielfältig und äußerst flexibel. Der Einstieg sollte jedoch auch wohl überlegt und geplant sein.

Denn wie im obigen Beitrag gezeigt wurde, die Direktvermarktung von Lebensmitteln bringt teils große Veränderungen für den Betrieb mit sich.

Es geht nicht ohne eine gute Organisation und Logistik. Und noch weniger ohne ein gutes, noch besser sehr gutes, Marketing- und Vertriebskonzept, das allem zugrunde liegt.

Welche Ratschläge könnt Ihr aufgrund Eurer Erfahrungen anderen auf Ihrem Weg zur Direktvermarktung mitgeben?

Verbrauchermonitor Lebensmitteln in Deutschland

BfR-Verbrauchermonitor: Wo liegen die größten gesundheitlichen Risiken?

Rauchen, Klima- bzw. Umweltbelastung, ungesunde oder falsche Ernährung und Alkohol – diese vier Nennungen stehen im neuen BfR-Verbrauchermonitor ganz oben auf der Liste. Themen wie Gentechnik/Genmanipulation oder ungesunde/belastete Lebensmittel spielen eine untergeordnetere Rolle.

Das sind die Ergebnisse der aktuellen, repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Im halbjährlichem Abstand werden über 1.000 Personen zu Themen aus dem Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes befragt.

Werfen wir doch einen gemeinsamen Blick auf die Fragen und die jeweiligen Antworten.

1. Die größten gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher

An der Spitzenposition befindet sich das Rauchen, dicht gefolgt vom Thema Klima- und Umweltbelastung. Ungesunde bzw. falsche Ernährung sowie Alkohol folgen anschliessend mit einer gleichen Anzahl von Nennungen.

Während das Rauchen bei 19% liegt und damit von knapp jedem Fünften als Risiko genannt wird, stellt sich die Situation beim Thema ungesunde/belastete Lebensmittel oder Probleme, die sich durch die Landwirtschaft ergeben können, ganz anders dar. Der Wert liegt bei 9%, d.h. nur knapp jeder Zehnte sieht diese beiden Themen als Risiko.

Die Nennungen für Gentechnik/Genmanipulation liegen indessen bei nur 7%; der Drogenkonsum bei 6%.

2. Bekanntheit von Gesundheits- und Verbraucherthemen

Allarmierend sind hingegen die Nennungen bzgl. der Bekanntheit von:

  • „Genome Editing“, eine neue, jedoch intensiv diskutierte Methode zur Veränderung des Erbguts (84% der Befragten haben noch nichts davon gehört) sowie
  • Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees (66% der Befragten haben noch nichts davon gehört)

Etwas anders sieht es bzgl. des Themas Glyphosat in Lebensmitteln aus. Die vielen Medienbeiträge haben für eine Bekanntheit von 55% gesorgt. Hier gab es auch die größte Aufholjagd im Vergleich zur Vorjahresbefragung mit +32 Prozentpunkten.

Die Unterschiede beim Bekanntheitsgrad von Gesundheits- und Verbraucherthemen sind nach wie vor sehr groß.

Bekanntheit in Prozent:

  • 93% für gentechnisch veränderte Lebensmittel
  • 88% für Antibiotikaresistenzen
  • 82% Reste von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln
  • 74% Krankheitserreger/Bakterien in Rohwürsten
  • 68% Mineralöle in Lebensmitteln
  • 49% Acrylamid in Lebensmitteln
  • 34% Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees
  • 14% Genome Editing

Was steckt im Essen?

Hierzu ein kurzer Film zur BfR-MEAL-Studie die sich mit dieser Frage näher beschäftigt.

Quelle: YouTube, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

3. Beunruhigung über Themen zur Lebensmittelsicherheit

Was beunruhigt den deutschen Verbraucher? Ist es das Thema Glyphosat in Lebensmitteln oder eher ganz andere Schwerpunkte?

Der aktuelle BfR-Verbrauchermonitor gibt Aufschluss darüber. Mit über 50% sorgen folgende drei Themen für Beunruhigung im Kreise der Verbraucherinnen und Verbraucher:

  • Antibiotikaresistenzen
  • gentechnisch veränderte Lebensmittel
  • Reste von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln

Hingegen wird den Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees, der Lebensmittelhygiene zu Hause sowie der Genome Editing wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

„Es zeigt sich aber nach wie vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher auch Risiken unterschätzen, die aus Sicht der Risikobewertung wichtig sind, wie z.B. Pyrrolizidinalkaloide im Tee, Acrylamid in Lebensmitteln oder die Lebensmittelhygiene im eigenen Haushalt“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

4. Veränderung der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln

Die Antworten auf die Frage nach der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln zeigt ebenfalls deutliche Meinungsunterschiede auf.

So sind 46% der Befragten der Meinung, dass die Qualität und Sicherheit der Lebensmitteln eher abgenommen hat. Lediglich 18% sind der Auffassung dass diese eher zugenommen haben. Rund ein Drittel (34%) sind der Meinung, dass alles gleich geblieben ist.

Die Studienergebnisse können in dieser Broschüre des BfR nachgelesen werden. Hier gehts zum Download.

Verbrauchermonitor 2017: Genome Editing ist den Menschen in Deutschland weitgehend unbekannt

Wie kommt es, dass die große Mehrheit der Deutschen mit dieser in der Wissenschaften heiss diskutierten Methode zur Genveränderung nicht vertraut ist? Wieso geben nur 14% der Befragten an, von Genome Editing überhaupt gehört zu haben?

Sind wir denn hierzulande alle so ignorant oder leistet der Staat bzw. die Medien eine schlechte Arbeit in diesem Bereich?

Gemäß einer meiner Leitsätze „Was man nicht weiß, kann man lernen“ – habe ich mich auf die Suche nach einem gutem Erklärungsvideo zu „Genome Editing“ gemacht. Und siehe da, ich bin fündig geworden.

Jan Wolkenhauer erklärt in der Kreidezeit-Folge #129 wie sich Abschnitte im Erbgut gezielt und präzise verändern lassen können.

Quelle: YouTube, biotechgermany

Die bereits im Video erwähnte CRISPR-Cas9 Methode des Genome Editing wird verstärkt in den USA eingesetzt. Noch wird das Ganze in der Tierwelt angewandt und getestet. Ob das auch bei Menschen angewandt wird ist fraglich. Hier scheint die moderne Ethik an ihre Grenzen zu stoßen.

Die Angst ist groß und das ist nicht unberechtigt. Noch nie wurde mit dem menschlichen DNA so rumexperimentiert wie heute und entsprechend gibt es auch keine Studien darüber.

Ein stark polarisierendes Thema von dem wir zukünftig noch sicherlich eine ganze Menge hören werden.

Überraschen Euch die Ergebnisse aus dem aktuellen Verbrauchermonitor? Was hättet Ihr anders eingeschätzt?

Lebensmittel-Pestizide-Landwirtschaft

Qualität von Lebensmitteln: kaum Pestizide auf dem Teller

Pestizide und Dünger – ohne die beiden wäre die Steigerung in der landwirtschaftlichen Produktivität in den letzten Jahrzehnten nicht möglich gewesen.

Dünger setzt sich vor allem aus den Elementen Stickstoff, Phosphor und Kalium vorhanden. Während Stickstoff und Kalium noch ausreichend vorhanden ist, wird das Phosphorvorkommen immer geringer.

Ohne Intervention könnten die für die Landwirtschaft verfügbaren Phosphorvorkommen Ende diesen Jahrhunderts erschöpft sein.

Rückgewinnung von Phospor wird Pflicht

In Zeiten, als noch mit Fäkalien gedüngt wurde, gelangten etwa genausoviel Nährstoffe zurück in den Boden, wie diesem zuvor entnommen wurden.

Die heutigen Methoden der modernen Landwirtschaft entnehmen dem Boden jedoch dreimal soviel Phosphor.

Gelangt dieser über die Flüsse ins Meer, wo er sich schließlich ablagert, wird er erst in Jahrmillionen wieder zugänglich sein.

Mit einer Änderung der Klärschwammverordnung will das Bundesumweltministerium der Verknappung dieser Ressource entgegenwirken.

Die Änderung der Klärschlamm-Verordnung passierte am vergangenen Donnerstag den Bundestag.

Demnach muss Phosphor aus Klärschlämmen zukünftig verpflichtend zurückgewonnen werden.

Eh die Umsetzung der Verordnung verpflichtend ist, werden jedoch noch 12-15 Jahre vergehen. Dies ist teils auf die langwierigen Genehmigungsverfahren für den Umbau der Anlagen zurückzuführen.

Der zurückgewonnene Phosphor soll vor allem für Düngezwecke eingesetzt werden.

Zudem sollen zukünftig nur noch Klärschlämme mit sehr geringen Schadstoffanteilen auf den Äckern verwendet werden dürfen.

Allerdings werden heutzutage eh schon weniger als ein Drittel der Klärschlämme zum Düngen genutzt. Der Großteil des Klärschlammes wird verbrannt. Das hierin enthaltene Phosphor geht hierbei jedoch verloren.

Wie kann die Rückgewinnung von Phospor erfolgen? Schaut selbst:

Klärschlammverwertung – Rückgewinnung von Phospor

Quelle: Stadt Zürich

Faszinierend, oder? Mit Kläranlagen assoziiert man wohl eher die nicht so angenehmen Seiten der Anlage. Aber habt Ihr Euch schonmal Gedanken darüber gemacht, wieviel Hightech und  komplexe Systeme in einer solchen Anlage stecken?

Wieso die Umsetzung der Verordnung bzw. der Umbau der derzeit bestehenden Anlagen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, lässt sich so wohl besser verstehen.

Während bei Phosphor nach Lösungen gesucht wird, mit denen einer Knappheit entgegengewirkt werden kann, wird über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutiert, weil dieser oft als zu hoch angesehen wird.

Insbesondere in Lebensmitteln sollen die Rückstände zu hoch sein.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat nun in seinem Bericht „Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln“ die Ergebnisse einer im Jahr 2015 durchgeführten Untersuchung veröffentlicht.

Kaum Pestizide in deutschen und europäischen Lebensmitteln

Es wurden Lebensmittel auf ihre Belastung mit Rückständen von Pestiziden getestet.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass in Deutschland als auch in anderen EU-Ländern produzierte Lebensmittel selten zu hohe Rückstände aufweisen.

18.765 Lebensmittelproben wurden auf Pestizide hin untersucht. In der Untersuchung wurde der Fokus vor allem auf Gemüse und Obst gelegt.

Ein Teil davon wurde im Rahmen eines Monitorings zufallsverteilt ausgesucht.

Bei einem Großteil der Proben wurde der Schwerpunkt auf Lebensmittel gelegt, die erfahrungsgemäß verstärkt die Grenzwerte überschreiten.

Die höchste zulässige Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen in oder auf Lebensmitteln wird durch den „Rückstandshöchstgehalt (RHG) angegeben.

Auch wenn aufgrund der Auswahl kein Rückschluß auf alle erhältlichen Lebensmittel getroffen werden kann, so sind die Ergebnisse doch sehr interessiert.

Die Rückstände in Obst und Gemüse weisen eine große Spannbreite auf:

  • Häufig verzerrte Lebensmittel wie z.B. Kartoffeln, Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten wiesen kaum Werte über den RHG auf.
  • Bei exotischen Früchten wie z.B. Guaven, Ingwer, Passionsfrüchte oder Granatäpfel sind verstärkt RHG-Überschreitungen nachweisbar.

Bei in Deutschland und in anderen EU-Ländern produzierten Lebensmittel wurden bei 1,1 Prozent der Proben Werte über dem RHG festgestellt.

Die Grenzwerte wurden bei Produkten aus Drittländern mit 5,5 Prozent der Proben deutlich häufiger überschritten.

Spitzenreiter unter den Lebensmitteln, mit den häufigsten Überschreitungen, sind

  • Bohnen (mit Hülsen) – 7,6 Prozent Überschreitungen
  • frische Kräuter – 6,0 Prozent
  • Tee – 4,8 Prozent
  • Auberginen – 3,4 Prozent
  • Paprika – 3,0 Prozent

Es zeigte sich abermals, dass ökologisch angebaute Produkte deutlich weniger analytisch quantifizierbare Rückstände (65 Prozent rückstandsfrei) aufwiesen als konventionell produzierte Lebensmittel (36,6 Prozent).

In 14,7 Prozent der Proben wurde zudem Chlorat nachgewiesen, bei 6,9 Prozent der Proben in Mengen über dem RHG.

Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau schnitten hierbei mit 8,5 Prozent aller Proben über dem RHG sogar schlechter ab als Produkte aus dem konventionellen Anbau.

Chlorat ist ein Pesitzid, dass wohl vor allem in der weiteren Verarbeitung, etwa im Zuge von Wasch- und Desinfektionsmaßnahmen, in die Lebensmittel gelangt.

Verarbeitete Lebensmittel waren von Chloratbelastungen besonders betroffen. Insbesondere in Säuglings- und Kindernahrung (3,1, Prozent Überschreitungen) als auch Obst und Gemüse (3,1 Prozent) wurden häufig beanstandet.

Säuglings – und Kindernahrung wies zudem besonders oft Überschreitungen des RHG beim Abbauprodukt Fosetyl (10,3  Prozent Überschreitungen) auf.

Über die Hälfte der untersuchten Erzeugnisse wurden dabei auf ökologische Weise produziert.

Es ist erfreulich, dass die Rückstände in Lebensmitteln zurückgehen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch, dass Lebensmittel, die als „sauber“ gelten, etwa Säuglings- und Kleinkindernahrung oder Bio-Produkte, nicht immer dem „Reinheitsanspruch“ entsprechen.

Eine Überschreitung des RHG in insgesamt nur 1,1 Prozent der untersuchten Lebensmittel widerlegt scheinbar die Stimmen, welche anprangern, dass Pestizide in zu hohen Mengen eingesetzt werden.

Wie interpretiert Ihr die Ergebnisse der Studie?