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Glyphosat-Lebensmittel-Aldi

Glyphosat: vom Streitthema zum Marketinghit?

Glyphosat: geliebt, gehasst, harmlos, krebserregend, … es gibt viele Positionen zu dem Herbizid. Es scheint nun noch eine weitere zu geben: gut für den Einzelhandel. 

Dass das Mittel wirkungsvoll auf dem Feld ist, wissen wir.  Aber es scheint auch wirkungsvoll für die Verkaufszahlen sein.

Nicht die des Herbizid-Herstellers, das ist gegeben. 

Sondern es geht um die Verkaufszahlen des Einzelhandels, in dem eine harter Konkurrenzkampf um die Gunst der Käufer herrscht.

Aldi setzt auf eigene Regeln beim Glyphosat

Glyphosat wurde zwar für weitere 5 Jahre in der Europäischen Union zugelassen, aber die Diskussion um das Herbizid ist alles andere als abgeflaut. 

Sie scheint nur am anderen Ende der Wertschöpfungskette angekommen zu sein.

Jetzt fordert Aldi von seinen Lieferanten tierischer Produkte genauere Informationen zu der Anwendung von Glyphosat in der Herstellerkette.

So soll Aldi in einem Schreiben an seine rund 65 Hersteller für die Eigenmarken von Aldi Fragen zum möglichen Einsatz von krebserregenden Substanzen in den Futtermitteln gestellt haben. 

Die Antworten auf die Fragen unter anderem zu: welche Wirkstoffe wieviel und wo eingesetzt werden und welche Alternativen bestehen würden, sollen bis Januar eingereicht werden.

Die Hersteller müssen die Details sicherlich bei ihren Lieferanten nachfragen, ggf. diese wiederum bei ihren. So wird sich die Anfrage einmal komplette durch den Wertschöpfungsprozess ziehen.

Wird die Praxis damit den Politiker vorauseilen? 

Glyphosat wurde in der EU nochmals zugelassen, aber in Deutschland geht die Diskussion um Einschränkungen in der Anwendung weiter, zunächst ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. 

Ob aus Besorgnis um das Wohl seiner Kunden und /oder die Verkaufszahlen, Aldi kann möglicherweise mit seiner Aktion tiefgreifende Veränderung beiführen, und damit die Debatte in Politikerkreisen auch eine Wendung geben.

Wenn wir mal von der Glyphosat-Diskussion Abstand nehmen, dann lohnt es sich die Entwicklung näher im Auge zu behalten.

Wieso? Weil Ihr sicherlich die eine oder andere Marketinglektion von Aldi mitnehmen könnt.

(Quelle: Lebensmittelzeitung, Süddeutsche Zeitung, topagrar)

Die Macht der Verbraucher

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher weiß wohl relativ wenig über die Herstellung ihrer Lebensmittel. Hauptsache sie sind günstig. 

Wer nicht direkt mit landwirtschaftlichen Themen zu tun hat, der hat im Hinterkopf wohl immer noch das Bild, was ihm als Kind suggeriert wurde: den idyllischen, romantisierten Bauernhof, wie er heute wohl noch für „Urlaub auf dem Bauernhof“ vermarket wird. 

Immer mal wieder erregen Skandale genug Aufmerksamkeit, denn sie zeigen dann genau das andere Extrem, dass es in der landwirtschaftlichen Praxis leider durchaus auch gibt. 

Solche Skandale oder auch Diskussionen um ein landwirtschaftliches Thema können dann durchaus gutes mit sich bringen. Etwa wenn artgerechtere Tierhaltungsformen zum Standard werden, oder schädliche Substanzen nicht mehr auf dem Feld eingesetzt werden. 

Eine Minderheit, die auf höhere Standards setzt, kann auch zu einem Massenphänomen werden. Etwa bei Bio-Produkten oder der fleischlosen Ernährungsweise.

Ja, der Trend zu Bio-Produkten hält ungebrochen an. Und ja,Vegetarier, Veganer, Flexitarier sind Begriffe, die zum Alltag dazugehören, Lebensstile die anerkannt sind.

Jetzt stellt sich die Frage:

Warum sind Bio und fleischlos so populär?

Sicherlich, waren es mehr und mehr Verbraucher, die bei ihren Essgewohnheiten umgedacht haben. 

Aber zum „Massenphänomen“ ist es geworden, weil es die Supermärkte, Restaurants und alle möglichen anderen Wirtschaftszweige, man nehme nur den Buchhandel, gab, für die der neue Trend Aufschwung bei den Verkaufszahlen bedeutete. 

Ja, gestartet ist der Trend beim Verbraucher.

Als anerkannter Standard hat aber sicher ein ausgefeiltes Marketing beitragen, das weitere Verbraucher von „Bio“ oder „vegan“ überzeugen sollte und schließlich die allgemeine Meinung zum Thema neu geformt hat. 

Eins ist sicher: wenn „Bio“ nicht wirkungsvoll für die Verkaufszahlen gewesen wär, wär es von den Supermärkten nicht ernst genommen wurden. Es wär heute nicht derart relevant. 

Deshalb wird es interessant sein, wie die Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel weiter fortgeführt wird.

Es ist eine Sache, wenn die Diskussion zwischen Politikern, Pharmakonzernen, Umweltaktivisten oder etwa Vertretern Landwirtschaft diskussiert wird.

Und es ist eine andere Sache, wenn die Diskussion im Einzelhandel und beim Verbraucher geführt wird, die als Abnehmer mit ihrem Geld klare Richtungen vorgeben.

Wie heißt es so schön: „Follow the money.

Soll heißen: folge dem Geldstrom, um zu wissen, wer wirklich die Entscheidungen trifft. 

Wie seht Ihr die Entwicklung – wird das Beispiel von Aldi auch auf andere Einzelhandelsketten überspringen und schließlich neue Standards in der Landwirtschaft schaffen?

Superfood-Lebensmittel-Landwirtschaft

Superfood: Was ist so super an Superfoods?

Der Begriff ist in aller Munde: Superfood. Aber wer weiß wirklich was Superfoods sind?

Superfoods – Gesundheit und Vitalität im Übermaß, der Jungbrunnen für Trendsetter, etwas für den gefüllteren Geldbeutel.

Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich die Supermarktregale, Verpackungen oder gar Preise in den Abteilungen anschaut, die Lebensmittel enthalten, die irgendwie anders sein sollen.

Wie das „Super“ in „Superman“ verspricht das „Super“ in „Superfoods“ besondere Kräfte zu enthalten.

Aber bevor Ihr Euch Gemüse im Spandexanzug mit Umhang vorstellt, das das Böse der Welt bekämpft, lasst uns noch auf eine Meldung dieser Woche kucken, die an anderer Stelle für dringend benötigte Hilfe sorgen kann:

Provisorische Güllelager als Notfalllösung

Viele Landwirte in Schleswig-Holstein hat das Wetter der letzten Monate wahrlich verzweifeln lassen. Die Felder sind seit Monaten völlig durchnässt und unbefahrbar.

Die Ausbringung der Gülle wurde zu einem Vorhaben, das einfach nicht umgesetzt werden. Auf den matschigen Böden würden die schweren Geräte einfach nur versinken und steckenbleiben.

Nicht nur, stellt dies eine hohe Belastung für die Landwirte dar. Auch die Umwelt ist durch überlaufende Güllebehälter gefährdet.

Und ein Ende der Lage ist nicht in Sicht. Neben den Wetterbedingungen tragen auch die aktuellen Sperrfristen für die Düngeausbringung zu einer Zuspitzung der Lage bei, denn:

Wohin mit der Gülle?

In Schleswig-Holstein haben die anhaltenden Niederschläge eine akute Notsituation herbeigeführt, für die das Umweltministerium in Kiel mit einer Notlösung für Entspannung sorgen will.

In den kommenden Monaten ist es den Landwirten erlaubt, provisorische Lagerbecken für Gülle zu errichten.

Diese unterliegen strengen Auflagen, bei denen insbesondere der Schutz des Grundwasser und der Oberflächengewässer Priorität haben.

Laut Robert Habeck, Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsminister, wird mit den Notfallmaßnahmen lediglich die Folgen eines viel größeren Grundproblems bekämpft:

„Die intensive Tierhaltung stößt vor allem auf dem Geestrücken an Grenzen. Wir haben dort zu viel Gülle und Gärrückstände auf zu wenig Fläche. Wir brauchen dringend eine Strategie, die Landwirten gutes Einkommen sichert, ohne auf immer mehr Tiere und immer mehr Leistung zu setzen.“

Neben dem Bau der Notfallbehälter, wird zudem nach vorhandenen, nicht ausgelasteten Kapazitäten gesucht. Hier kommen etwa leerstehende Lagerbehalter auf ehemaligen Landwirtschaften oder die Lagerung in anderen Bundesländern, etwa in Erdbecken in Brandenburg in Betracht.

(Quelle: NDR.de, AgE, Euwid Wasser und Abwasser)

Von Gülle zu Superfoods mag es jetzt ein großer Sprung sein, oder auch nicht, denn bei spielen Nährstoffen im Boden eine Rolle.

Vielfach wird angeprangert, dass aufgrund der ausgelaugten Böden viele Lebensmittel und Speisen kaum noch Nährstoffe und Vitamine enthalten.

Superfoods sollen als wahre Nährstoffbomben propagiert das Defizit ausgleichen können.

Superfood – alles super oder was?

In der Europäischen Union ist der Begriff „Superfoods“ auf Verpackungen verbannt, es sei denn, die Behauptung, dass es sich um Superfood handelt, kann wissenschaftlich belegt werden.

In den USA hingegen gibt es keine Regulierung oder rechtliche Festlegung, was ein Superfood eigentlich ist.

Mit anderen Worten: Superfood kann alles oder nichts sein.

Das Wort, was heute in aller Mund ist, wurde von Steven Pratt MD, erfunden. Er hat es als Titel für sein in 2004 veröffentlichtes Buch gewählt.

In diesem beansprucht er für sich, die wichtigsten nährstoffreichen Lebensmittel ausfindig gemacht zu haben, die bedeutend für den Erhalt einer optimalen Gesundheit sind.

Sein Fokus lag vor allem auf Nährstoffe, die das Leben verlängern können. Man könnte sagen, den Begriff „Superfoods“ zu kreieren, war ein guter Marketingschachzug. Der noch immer funktioniert.

Zumeist verbinden wir Superfoods mit exotischen Lebensmitteln wie Quinoa, Gojibeere, Amaranth, Avocado, Chiasamen, …

Aber dabei hat auch die heimische Natur viel zu bieten: Holunderbeere, Leinsamen, Brennessel, Johannisbeere bis hin zum Grünkohl, um nur einige zu nennen.

Sie sind nicht nur wesentlich günstiger, sondern ebenso nährstoff- und vitaminreich. Und ebenso vielfältig in der Küche einzusetzen.

Heimisches vs. exotisches Superfood

Quelle: Galileo

Ihr seht, auch heimische Superfoods müssen nicht langweilig sind und haben auch für den kleineren Geldbeutel viel zu bieten. 

Es muss nicht die bisher unentdeckte Beere eines weit entfernten Naturvolkes sein, die wir verzerren müssen, um unserer Gesundheit zur erhalten, zurückzuerobern oder ähnliches. 

Wie bei allem lohnt es sich auch, zu hinterfragen und den Kontext zu sehen: Wie hilfreich ist der zusätzliche Verzerr von Gojibeeren, wenn ich täglich einen Schokoriegel, Kekse oder ähnliches esse? 

„Zuckerreiche Müslis oder Milchprodukte werden mit ein paar Acaí-Beeren nicht gesünder“, so Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Meistens hat das, was man nicht isst, eine wesentlich größere Wirkung auf die eigene Gesundheit als das, was man zusätzlich isst.

Wie steht es mit Euch: auf welche Nahrungsmittel setzt Ihr, wenn es um Eure Gesundheit geht?

Oktoberfest-Landwirtschaft-Bayern

Das Oktoberfest – ein bayerisches Erlebnis

Das Großereignis in Deutschland schlechthin ist wohl aktuell das Oktoberfest in München. 

Bier, Dirndl, Brandhendl, Schweinswürstl, Brezeln, Musi zum Tanzen auf den Bänken, … locken Millionen Gäste aus der ganzen Welt an.

Dieses Jahr findet das 184. Oktoberfest statt. Das erste Oktoberfest fand am 17. Oktober 1810 statt.

Es war ein großen Pferderennen zu Ehren der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

Rund um das Oktoberfest

Das Fest war anscheinend ein großer Erfolg, denn es wird bisher jährlich „wiederholt“.

Aber wusstet Ihr, dass …

  • seit 1882 aus Glasbierkrügen und nicht mehr aus Steinkrügen ausgeschenkt wird
  • das Oktoberfest im September stattfindet, einfach weil das Wetter dann besser ist
  • das Fest insgesamt 24 Mal ausfallen musste (etwa wegen dem Krieg gegen Napoleon 1813 und den beiden Weltkriegen, Cholera-Epidemien in 1854 und Hyperinflation in 1923 und 1924)
  • früher die Damentoiletten Löcher in den Holzwänden hatten, damit die Männer den einen oder anderen Blick erhaschen konnten
  • auf dem Fest um die 4000 Wertgegenstände im Fundbüro abgegeben werden
  • nur noch das Augustiner aus traditionellen Holzfässern ausschenkt
  • das gesamte auf den Wiesn getrunkene Bier ein Becken von 50 Meter Länge, 25 Meter Breite und 6 Meter Tiefe fühlen würde
  • die Wiesn über 900 Tonnen Restmüll produzieren
  • 1891 die erste Hendlbraterei eröffnet wurde
  • die Tradition des Pferderennens nach dem zweiten Weltkrieg nicht wiederaufgenommen wurde (mit Ausnahmen zum 150. und zum 200. Jubiläum)
  • die Tradition, dass der Oberbürgermeister den Oktoberfest-Anstich vornimmt seit 1950 besteht
  • das Oktoberfest mittlerweile das größte Volksfest der Welt ist

(Quelle: München.TV)

Lust auf ein bisschen Oktoberfest bekommen? Hier kommt ein kleiner Einblick vom diesjährigen Fest:

Oktoberfest 2017 – Tag 1 live – Der Anstich aus dem Hofbräu-Festzelt

Quelle: Munich Television

Ein Fest, dass seit über 200 Jahren gefeiert wird, durch diverse geschichtliche Epochen hindurch – die Veranstalter und Anbieter auf dem Oktoberfest müssen einiges richtig machen. 

Erfolgsstrategie „Erlebnis Oktoberfest“

Lasst uns auf das Marketing der Wiesn schauen. Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Wiesn so erfolgreich sind, weil Sie ein unvergessliches Erlebnis bieten.

Zu dem Fest kommen Menschen aus der ganzen Welt, weil sie etwas erleben möchten. Vom ersten bis zum letzten Tag bietet das Fest Unterhaltung und Spaß.

Von Familienzeit auf den Fahrattraktionen mit zum Abfeiern in den Zelten zu den aktuellsten Wiesnschlagern. 

Den Besuchern wird ein Erlebnis geboten, quasi ein rundum „Fühl-Dich-gut-und-hab-Spaß“-Packet. 

Wie könnte Ihr Euren Kunden ein Erlebnis anbieten? Ob eine familiäre Atmosphäre beim Einkauf im Hofladen, entspannte Familienzeit in den Ferien oder ein Hoffest fürs Dorf.

Bietet Euren Kunden etwas Persönliches, damit sie sich gut fühlen und sie Spaß haben, bei Euch einzukaufen, den Urlaub zu verbringen oder mit Euch Geschäfte zu machen.

Dies könnt Ihr über viele Marketingkanäle erreichen: ob auf Facebook oder im persönlichen Kontakt.

Fragt Euch, was Eure Kunden von Euch erwarten? Warum kommen Sie zu Euch und kaufen nicht woanders? 

Wie könnt Ihr den Kontakt mit Euch zu etwas Besonderem werden lassen? Hierfür müsst Ihr nicht etwas Gigantisches wie ein Oktoberfest aufziehen. 

Auch kleine Dinge und Gesten, oder gar insbesondere die kleinen Dinge und Gesten, können den größten Effekt haben. 

Wie könnt Ihr Euren Kunden etwas Besonderes bieten, wofür sie gerne extra zu Euch wiederkommen?

Auch wenn derzeit Millionen Menschen die Atmosphäre auf den Wiesn geniessen, nicht jeder in Münschen ist derzeit auf Gemütlichkeit und Feierlaune eingestellt.

Regionale Lebensmittel für die Wiesn 2018

Zukünftig sollen mehr Produkte aus Bayern auf der Wiesn verkauft werden. Hierfür hat der Münchner Stadtrat ein neues Bewertungssystem verabschiedet, dass nicht von jedem gut aufgenommen wird.

Demnach gibt es Punkte für die Herkunft der Lebensmittel, die auf dem Oktoberfest angeboten werden. Regionale Lebensmittel erhalten höhere Punktzahlen als andere, die aus anderen Regionen importiert werden.

Diese Punktzahl ist eine von mehreren, die letztendlich darüber entscheidet, wer einen Platz auf den Wiesn erhält.

Klingt ja erstmal ganz gut und vernünftig, das Produkte von bayerischen Landwirten gefördert werden sollen.

Zu kontroversen Diskussionen führt jedoch, dass zunächst nicht berücksichtig wird, ob die Produkte aus einer ökologischen oder Massentierhaltung stammen, sondern die Regionalität ausschlaggebend ist.

Bioprodukte aus Bayern erhalten die höchste Punktzahl. Aus anderen Regionen gibt es jedoch weniger Punkte für sie.

Definitiv wird die bayerische Herkunft, ob Bio oder nicht, mit Punkten honoriert. Lange Transportwege sind schließlich auch unökologisch, so Wiesnchef Josef Schmid.

Die Grünen haben Bedenken, dass Bioprodukte auf dem Oktoberfest ausgebremst werden. Andere Meinungen halten dagegen, dass Bio, auch wegen der erhöhten Preise, nicht von jedem gern gesehen wird.

Das neue Bewertungssystem soll dann für die Bewerbung für die Wiesn im nächsten Jahr zum Einsatz kommen.

Meint Ihr, der Ansatz zur Förderung regionaler Lebensmittel ist übertragbar auf andere regionale Veranstaltung und sollte übernommen werden?

Lebensmittel-Landwirtschaft-Agrarbetrieb

Lebensmittel – gähnende Leere ohne Import

Gähnende Leere. Keine Lebensmittel. Keine Gebrauchswaren. So präsentierte sich der Edeka Supermarkt in der Hamburger Hafencity. 

Aber bevor uns den Grund für die leeren Supermarktregale anschauen, kommen wir zunächst zum Thema des Tages. 

Heute ist es soweit: heute läuft die Frist ab, in der die EU-Kommission die Übernahme von Monsanto und Bayer überprüfen wollte. 

Bereits zwei dieser Großfusionen wurden in diesem Jahr von der Kommission genehmigt: die Fusion von Dow und Dupont sowie die Übernahme von Syngenta durch Chem China. 

Die Fusion von Monsanto und Bayer stellt eine Konzentration im bisher noch nicht gesehenem Ausmaß dar. 

Monsanto und Bayer – neuer König über Pestizide und Saatgut?

Die beiden zusammen würden den Pestizid-und Saatgutmarkt in einem Ausmaß dominieren, dass sie quasi bestimmen können, was auf den Felder wächst und was nicht. Und dies nicht auf einem kleinen, begrenzten Gebiet sondern, in diesem Fall, in der gesamten EU.

Die Konzerne argumentieren, dass die Fusion betragen wird, dass die Ernährung für die europäische Bevölkerung sichergestellt werden soll.

Und die Konzerne natnürlich nicht ihre Macht ausnutzen, um bestimmte Beschränkungen, etwa die Einführung von genmodifizierten Saatgut über gesetzliche Lücken oder ähnlichem, ausnutzen würden. 

Allerdings wissen wir alle, Shareholder sind nicht daran interessiert, wie Ihre Anteile an Wert steigen, nur dass sie steigen. 

Und wenn die Sicherstellung der Ernährung für Konzerne im Agrarsektor einen hohen Stellenwert haben würde, müssten sicher andere Strategien verfolgt werden. 

Bereits jetzt besteht eine große Abhängigkeit der Landwirtschaft hinsichtlich des Saatgutes und der Pestizide. 

Die Sorgen vor einer größeren Marktmachtstellung, die von den Fusionsgegnern geäußert werden, sind wohl nicht von der Hand zu weisen, wenn man sich die weltweiten Entwicklungen anschaut.

Denn beobachtet man, wie sich Konzerne in Gebieten der Erde verhalten, in denen sie nicht von politischen Hürden aufgehalten werden, dann ist ein kritisches Hinterfragen der Übernahme wohl ratsam. 

Aber generell reiht sich auch diese Übernahme in einen Prozess ein, der bereits Jahrzehnte anhält und weiter fortschreitet: 

Die Ernährung eines Landes obligt längst nicht mehr in den Händen eines Landes. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln ist weltweit aufgeteilt, mit einer zunehmenden Konzentration der Mitspieler. 

Und hier kommt die „gähnende Leere“ ins Spiel:

Lebensmittel aus der ganzen Welt

In einer Aktion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hat Edeka in der Hamburger Hafencity alle Lebensmittel aus den Regalen genommen, die importiert wurden. 

Mit Schildern wie „So leer ist ein Regal ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“ wollte der Supermarkt ein Zeichen setzen.

Aber für uns, ist die Aktion gerade auch aus einer landwirtschaftlichen Sicht beeindruckend.

Ohne Lebensmittel aus dem Ausland sind die Regale im Supermarkt leer. Punkt.

Mangos aus Asien, Rindfleisch aus Argentinien, Gemüse aus den Niederlanden, … sie werden als selbstverständlich angesehen. Bananen sind nichts exotisches. Man bekommt sie einfach zu kaufen. 

Kaum einer macht sich wahrscheinlich Gedanken, welche internationalen Verflechtungen und Trends hinter dem breiten Angebot stecken. 

So ist Deutschland für die Versorgung seiner Bevölkerung abhängig von Importen aus dem Ausland. 

Denn: die eigenen Ackerflächen nehmen zunehmend ab.

Weltweite Ackerflächen für deutsche Lebensmittel

Abgesehen von Phänomen wie der Flächenversiegelung, wird die vorhandene heimische Ackerfläche gern für den Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung und den Export genutzt.

Ein Drittel der deutschen Agrarproduktion wird ins Ausland exportiert

Derweilen nimmt die Ackerfläche im Ausland, auf denen für deutsche Lebensmittel geackert wird, zu.

Hierzu zählen beispielsweise solche landwirtschaftlichen Flächen, wie sie für den Anbau von Soja, das für die Fleischindustrie als Kraftfutter von Bedeutung ist, genutzt werden. 

Lebensmittel werden nicht mehr produziert, wo sie gebraucht werden, sondern wo die Produktion am günstigsten ist. Soll heißen, die Landwirtschaft ist weltweit hoch spezialisiert. 

Um beim Soja zu bleiben: Soja ist ein Eiweißfutter, dass in Übersee wesentlich günstiger hergestellt werden kann als heimisches Eiweißfutter, etwa Futtererbsen oder Ackerbohnen. 

Entsprechend hat sich in Deutschland die Ackerfläche für Leguminosen zurückgebildet.

Zwar ist es ein Ziel des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen auszubauen, aber ohne Importe kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. 

So verbraucht Deutschland derzeit 4,2 Millionen Tonnen Sojaschrot. Schätzungsweise kann aus den in Deutschland selbst geernteten Mengen an gentechnikfreien Soja gerade einmal 0,03 Tonnen Sojaschrot gewonnen werden (Quelle: OVID, Presseportal). 

Eine Reduzierung der Abhängigkeit ist quasi utopisch.

Auf der einen Seiten haben wir die Hersteller von Saatgut und Pestiziden, deren Entwicklungen auf eine Verringerung der Vielfalt an Nutzpflanzen mitsichbringt. 

Eine weltweite Konzentration auf wenige Sorten, die in Gebieten angebaut werden, in denen Größenvorteile enorme Kosteneinsparungen in der Produktion mitsichbringen. 

Auf der anderen Seiten stehen die Verbraucher, die nicht nur günstige Lebensmittel in immer ausreichender Menge verlangen. Die Essgewohnheiten weltweit passen sich weiterhin zunehmend an. 

Wer Supermärkte in anderen Ländern weltweit aufsucht, kennt das Phänomen, dass mittlerweile überall die gleichen Lebensmittel wie im heimischen Supermarkt zu finden sind. 

Kleine Variationen. Aber sonst das Gleiche. 

Andererseits nimmt die Nachfrage nach regionalen Produkten zu. 

Was meint Ihr: sind Trends wie die Regionalität nur Randerscheinungen für Träumer oder können sie wirklich die Produktion von Lebensmitteln nachhaltig beeinflussen?

Lebensmittel-Direktvermarktung-Landwirtschaft

Lebensmittel – Regionalität und Qualität sind gefragt

Der Anteil, den Verbraucher von Ihrem Einkommen für Lebensmittel ausgeben, wird immer kleiner. Von einem Euro Ausgaben für Nahrungsmittel gehen nur noch 22 Cent an den Landwirt. 

Der aktuelle Situationsbericht 2016/2017 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) gibt ein umfassendes Bild der Landwirtschaft in Deutschland wieder.

Der Report spricht viele Themen, von Ressourceneinsatz, über die Agrarstruktur bis hin zu agrarpolitischen Themen an.

Er zeigt auf, wie wichtig die Landwirtschaft für die Volkswirtschaft in Deutschland ist.

Landwirtschaft ist wichtig für die deutsche Volkswirtschaft

Mit 52 Milliarden EUR Produktionswert, liegt der Agrarsektor deutlich über dem anderer Branchen, so etwa der Pharmaindustrie (46 Milliarden EUR).

Die wirtschaftlichen Indikatoren wie  Bruttowertschöpfung, Produktionswert oder gar Erwerbstätige in der Landwirtschaft weisen sinkende Zahlen für die letzten Jahre auf.

Aber dennoch, mit Ihrer Nachfrage, zum Beispiel nach Investitionsgütern, Betriebsmittel und Dienstleistungen stützt die Landwirtschaft die restliche Wirtschaft enorm:

Im Jahr 2015 betrugen die produktionsbedingten Ausgaben 44,1 Milliarden Euro. Davon fielen alleine 9,5 Milliarden auf Investitionen für Bauten und Maschinen.

Wusstet Ihr, dass auf einen landwirtschaftlichen Arbeitsplatz sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen kommen?

Besonders interessant fand ich allerdings auch die Statistiken zum Verbrauch und Verkauf von Lebensmitteln:

Die Ausgaben der Deutschen für Lebensmittel

Die deutschen Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke liegen mit 3 Prozent knapp über dem Europäischen Durchschnitt.

Die Preise in der Europäischen Union schwanken jedoch sehr stark mit Preisen in Dänemark von über 45 Prozent über dem Durchschnitt und Polen mit nur 63 Prozent des Europäischen Mittels.

Insgesamt geben die Verbraucher in Deutschland immer weniger Ihres Einkommens für Lebensmittel aus.

Die Einkommen der Verbraucher steigen, die Preise für Lebensmittel stiegen jedoch nur unterdurchschnittlich an.

Anfang der 70er Jahre erhielten wir Landwirte von einem Euro, der für Nahrungsmittel ausgegeben wurde, noch 48 Cent. In 2015 waren es nur noch 22 Cent.

Wobei es auch hier starke Schwankungen gibt: bei Milch- und Milcherzeugnisse betrug der Anteil 38 Prozent, bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnisse knapp 5 Prozent.

Zusammengefasst drücken die folgenden Zahlen die Entwicklung seit den 50er Jahren ziemlich gut aus:

  • die Löhne eines Industriearbeiters sind um mehr als das 23-fache gestiegen
  • die Brotpreise sind um das 11-fache gestiegen
  • die Getreidepreise haben sich nicht geändert

Bei einem Anstieg des Weizenpreises seit 1950, der nur der Inflationsrate entspricht, könnten wir für einen Doppelzentner (100 Kilogram) heute 87 Euro Erlös erhalten.

Lebenmittelhandel starke Machtposition in Deutschland

In anderen Branchen ist es üblich, sich höhere Produktionskosten entsprechend vom Verbraucher entlohnen zu lassen.

In der Ernährungsindustrie ist dies jedoch ziemlich schwer, denn die Verhandlungsmacht ist in Deutschland ziemlich klar verteilt:

Die 5 größten Deutschen Lebensmittelhändler vereinen einen Marktanteil von fast 75 Prozent!

Ihnen gegenüber stehen dagegen 6000 überwiegend kleine und mittelständische Hersteller von Lebensmitteln.

Und in Deutschland ist der Anteil an Discountern mit 42,3 Prozent weiterhin sehr hoch. Mit dieser Preismentalität unterscheidet sich Deutschland international auch von vielen anderen Ländern.

Regionale Lebensmittel liegen im Trend

Neben dem Preis ist aber ein weiterer Punkt für die Deutschen sehr relevant: Regionalität.

Regionale Lebensmittel werden von den Verbrauchern mit Geschmack, Qualität, Frische und Förderung der regionalen Wirtschaft in Verbindung gebracht.

Eine Umfrage (BMEL-Ernährungsreport 2016) ergab folgende Kriterien für den Einkauf:

Wonach kaufen Deutsche ihre Lebensmittel?

  • 75 % achten darauf, dass die Produkt aus ihrer Region kommen
  • 61 % schauen auf die Produktinformationen, etwa Nährstoffangabe
  • 58 % wollen preiswert einkaufen
  • 38 % kaufen Produkte einer bestimmten Marke
  • 33 % orientieren sich an bestimmten Siegeln
  • 28% probieren auch mal gerne Produkte aus der Werbung aus

Insbesondere die ersten beiden Faktoren werden mit zunehmenden Alter für Verbraucher relevant. Je älter die Kunden, desto mehr scheint auf die Qualität geachtet zu werden.

Ich habe Euch die oben genannten Statistiken aber nicht einfach nur rausgesucht, weil sie interessant sind.

Sie zeigen enorme Marktpotenziale für uns Landwirte auf. Lebensmittel müssen nicht immer nur über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden.

Einkaufen direkt vom Erzeuger

Quelle: buten un binnen

Für den ein oder anderen Betrieb lohnt sich die direkte Vermarktung an die Kunden.

Hierzu zählen nicht nur der klassische Hofladen, der Stand am Bauern- oder Wochenmarkt oder der saisonale Verkaufsstand an der Straße.

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, weitere Kundenkreise zu erschliessen, etwa den gestressten Großstädter, der es nicht bis zum Hofladen schafft.

Ihr könnt die Direktvermarktung nicht alle wuppen oder bietet zu wenige Produkte auf Eurem Hof an? Vielleicht könnt Ihr mit einem Hof Eurer Region kooperieren.

Auch muss es nicht immer das frische Rohprodukt sein. Bequemen Fertiggerichte mit hoher Qualität sind ebenso gefragt.

Ihr seht, die Möglichkeiten der Direktvermarktung sind vielfältig und äußerst flexibel. Der Einstieg sollte jedoch auch wohl überlegt und geplant sein.

Denn wie im obigen Beitrag gezeigt wurde, die Direktvermarktung von Lebensmitteln bringt teils große Veränderungen für den Betrieb mit sich.

Es geht nicht ohne eine gute Organisation und Logistik. Und noch weniger ohne ein gutes, noch besser sehr gutes, Marketing- und Vertriebskonzept, das allem zugrunde liegt.

Welche Ratschläge könnt Ihr aufgrund Eurer Erfahrungen anderen auf Ihrem Weg zur Direktvermarktung mitgeben?