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Volksbegehren-Bayern-Landwirtschaft

Von bayerischen Volksbegehren und milchigen Rekorden

In Bayern stellt den Rekord in Deutschland, was den täglichen Flächenverbrauch angeht. Ein Volksbegehren soll nun für Einhalt sorgen.

Bevor wir uns das Volksbegehren näher anschauen, lasst uns auf die landwirtschaftlichen Nachrichten schauen.

Während Milchpreise für Jubel sorgen, regen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu Kosten, die von den Landwirten getragen werden, zum Nachdenken an.

Aber fangen wir mit dem Jubel an.

Der Milchpreisindikator auf Rekordjagd

Der Milchpreis befindet sich weiter auf Höhenflug. Im August erreichte der Milchpreisindikator mit 43,25 Cent seinen bisherigen Rekord aus dem September 2017.

Für den Anstieg des Milchpreisindikators sind vor allem die Preissteigerungen bei Käse und Butter verantwortlich.

Die Käsepreise sind auf dem höchsten Stand seit April 2014, die Butterpreise konnten im August einen neuen Allzeitrekord aufstellen.

Die Berg- und vor allem Talfahrten der Milchpreise in den letzten Jahren haben in der Branche ein Interesse an der Preisabsicherung, etwa über Terminkontrakte gesteigert.

(Quelle: Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH, AMI)

Aufbau einer Europäischen Auktion für Milchprodukte

Heute wurde von der European Energy Exchange (EEX) und der Global Dairy Trade (GDT) eine Absichtserklärung unterschrieben, eine europäische Versteigerung für Milchprodukte aufzubauen.

Die Leipziger Warenterminbörse und das neuseeländische Auktionshaus haben sich vorgenommen, in den nächsten Monaten mit Käufern und Verkäufern von Milchprodukten über die Option eines gemeinsam angebotenen Auktionsmechanismus sich auszutauschen.

Die GDT versteigert zweimal monatlich allgemeine Milchprodukte dreier Anbieter an Käufer rund um den Globus. An der EEX werden Terminkontrakte für Molken- und Magermilchpulver als auch Butter gehandelt.

Die Zusammenarbeit von EEX und GDT soll nun zeigen, ob ein derartiges Auktionsmodel auch für den europäischen Markt erfolgreich umgesetzt werden kann.

„Wir sind davon überzeugt, dass dieses Angebot für die Wertschöpfungskette in der Milchbranche erheblichen Nutzen generieren kann, unter anderem als zusätzlicher Vertriebskanal für den Export von europäischen Milchprodukten, aber auch potenziell als eine weitere Datengrundlage für neue Risikomanagementinstrumente“ meint Sascha Siegel, Leiter des EEX-Handels für Agrarrohstoffe

Frist zur Änderung ökologischer Vorrangflächen läuft bald ab

Bis zum 02. Oktober haben Landwirte in Bayern noch Zeit, um ihre bereits beantragten, ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) noch zu ändern.

Als Ersatz für beantragte, ökologische Vorrangflächen dürfen lediglich Zwischenfrüchte angebaut werden, die auf bereits im Flächen- und Nutzungsnachweis 2017 enthaltenen Flächen spätestens bis 1. Oktober angebaut werden.

Kulturpflanzenmischungen auf den Flächen mit Zwischenfruchtanbau müssen aus mindestens zwei Pflanzenarten bestehen. Zulässige Anbaupflanzen sind etwa Raps oder Ölrettich.

Diverse Saatgutanbieter führen geeignete Spezialmischungen in ihrem Sortiment.

Nicht mehr möglich ist eine Änderung für als ökologische Vorangflächen beantragte Aufforstungsflächen sowie Landschaftselemente und Terrassen, die den Cross-Compliance-Bestimmungen unterliegen.

Das Formular, um Eure ökologischen Vorrangsflächen zu ändern, findet Ihr unter www.landwirtschaft.bayern.de/foerderwegweiser.

Erfüllung der Umweltauflagen kostet Milliarden

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat die Ergebnisse einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie veröffentlich, die die Kosten der Landwirte für die Erfüllung von Umweltauflagen aufzeigen soll.

Demnach kostet die Einhaltung von Umwelt-, Klima- und Tierschutzauflagen den deutschen Landwirten 5,2 Milliarden Euro.

Dies entspricht ungefähr der Höhe der Direktzahlungen, die als Europäische Agrarfördermitteln an die deutschen Landwirte gezahlt werden.

Volksbegehren gegen Flächenverbrauch gestartet

In Bayern werden seit Freitag fleissig Unterschrift gesammelt.

Das angekündigte Volksbegehren, mit dem der Flächenverbrauch im Freistaat gesetzlich begrenzt werden soll, ist angelaufen.

Die Aktion wurde in einer gemeinsamen Aktion von Grünen, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) gestartet.

Im ersten Schritt werden mindestens 25.000 Unterschriften benötigt.

Erst wenn die Grünen diese Anzahl an Unterstützern vorzeigen können, kann der Antrag auf Zulassung des Volksbegehrens dem Innenministerium zur Prüfung vorgelegt werden.

Erst wenn diese erste Hürde erreicht ist, kann das “richtige” Volksbegehren starten.

10 Prozent der Stimmberechtigten Bayerns müssen innerhalb von 14 Tagen das Begehren mit Ihrer Stimme unterstützen.

Aber damit ist der Hürdenlauf nicht beendet. Denn dies bedeutet, dass dem Landtag ein Entwurf für ein Gesetz zum Flächenverbrauch vorgelegt werden kann.

Dieser könnte denn Entwurf dann immer noch ablehnen, so dass letztendlich ein Volksentscheid ausschlaggebend wäre.

Ein langer Weg bis das Ziel, den landesweiten Verbrauch für Siedlungs- und Verkehrsfläche auf maximal 5 Hektar pro Tag zu begrenzen.

Derzeit werden nach Zahlen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) durchschnittlich 13 Hektar jeden Tag verbraucht.

Wie seht Ihr die Aussichten für den Erfolg des Volksbegehrens?

Wasserpakt-Duengeverordnung

Wasserpakt für einen besseren Gewässerschutz

Wie Nitrat im Boden reduziert werden kann, darüber werden derzeit heftige Diskussionen geführt. Außer in Bayern. Hier scheint mit dem Wasserpakt Einigkeit zu bestehen. 

Die zu hohen Nitratbelastungen von Boden und Grundwasser beschäftigen Fachleute nicht erst seit Monaten.

Im Rahmen der Novellierung des Düngegesetzes sowie der Düngeverordnung kam es jedoch zu einem politischen Tauziehen.

Jede Interessengruppe vertritt ihre eigenen Ansichten, wie Boden und Grundwasser zukünftig zu schützen sind.

Im Gegenzug hierzu konnten sich in Bayern Landwirte, die Regierung und weitere Interessengruppen auf ein gemeinsames Maßnahmenpaket einigen.

Mit dem Wasserpakt soll das bayerische Trinkwasser besser geschützt werden.

Bevor wir uns diesen nähe anschauen, lasst uns jedoch erstmal kurz auf das „Sorgenkind“ des letzten Jahres schauen. Wie steht es um den Milchmarkt?

Milchmarkt zurückhaltend optimistisch

Zwar ist eine aussagekräftige Prognose für das Jahr 2017 nicht treffbar, aber die Milchbranche kann mit ein bisschen mehr Optimismus auf die kommenden Monate blicken.

„Der Milchmarkt 2017 zeigt sich bisher gegenüber dem Vorjahr in einer deutlich besseren Verfassung und das ist gut für Milcherzeuger und Molkereien. Allerdings sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Märkte sich in ihren Verwertungen sehr unterschiedlich darstellen.“ Peter Stahl, Hochland SE und Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV)

In den letzten Monaten konnte ein Anstieg der Erzeugerpreise für Rohmilch verzeichnet werden. Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Milchpreise derzeit mehr als 20 Prozent über den Preisen vom März 2016.

Es lassen sich jedoch weiterhin starke Unterschiede zwischen Nord und Süd als auch zwischen den einzelnen Molkerein in einer Region feststellen.

Hierbei spielt auch die Produktionsausrichtung der jeweiligen Molkerei eine Rolle. Das derzeitige Preisniveau entlastet natürlich die Finanzlage der Molkereien.

Es ist weiterhin mit einer hohen Volatilität zu rechnen.

Auch mit dem derzeitigen Preisniveau fällt es den Milcherzeugern schwer, die letzte Tiefpreisphase auszugleichen, geschweige denn, Rücklagen für zukünftige Marktschwankungen zu bilden.

Die Milcherzeuger sind kaum am Aufatmen, da kommt die nächste Nachricht, die Auswirkungen auf die Betriebe haben kann:

Verschärfung der Düngeverordnung gefordert

Vertreter einiger grün regierter Bundesländer, unter welchen sich auch Nordrhein-Westfalen befindet, haben vergangene Woche unter anderem gefordert, dass in nitratsensiblen Gebieten eine Begrenzung der organischen Düngung auf maximal 120 kg Stickstoff pro Hektar erfolgt.

Nach Einschätzung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e.V. (WLV) würde diese Novelle in weiten Teilen von NRW die Nutztierhaltung, einschließlich der Rinderhaltung, existenziell bedrohen.

Kein Wunder also, wenn Landwirte aus Nordrhein-Westfalen für heute Protestaktionen gegen die Düngeverordnung in Düsseldorf geplant haben.

Nach monatelangen Verhandlungen wurde im Januar der Düngekompromiss zwischen den Bundesländern, der Bundesregierung sowie den Koalitionsfraktionen ausgehandelt.

Nun wurden vom Umweltausschuss des Bundesrates letzte Woche zusätzliche Änderungen bei der Novelle der Düngeverordnung gefordert, welche nicht zuvor abgesprochen waren.

Zuvor wurden Anträge, die von Vertretern grün regierter Länder gestellt wurden und Verschärfungen forderten, im Agrarausschuss des Bundesrates mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Im Umweltausschuss wurden diese jedoch mit großer Mehrheit angenommen.

Nachdem nach einem monatelangem Krimi der Kompromis ausgehandelt wurde, dachten wahrscheinlich viele, dass das Düngepaket nur noch formal beschlossen werden wird.

Es zeigt sich, die Fortsetzung folgt. Die Auflösung gibt es vielleicht am 31. März.

Dann wird nämlich voraussichtlich die Plenumsitzung des Bundesrates stattfinden, in der über die sich nun teils widersprechenden Ausschussempfehlungen abgestimmt werden wird.

Die Frage ist, wer sich durchsetzen wird: die Koalition, womit das Düngepaket wie abgesprochen beschlossen wird, oder die grünen Landwirtschaftsminister, welche eine Mehrheit in der Länderkammer besitzen, und damit eine Verschärfung des aktuellen Entwurfes erreichen.

Jede Seite wirft der anderen Wortbruch vor. Bis das Düngepaket vollständig verabschiedet wird, wird es wohl noch einige heftige Diskussionen geben.

Eine Einigung konnte hingegen in Bayern erzielt werden. Den hier wurde am Dienstag der Wasserpakt beschlossen.

Sauberes Wasser mit dem Wasserpakt

Mit dem Wasserpakt – der „Vereinbarung zum kooperativen Gewässerschutz mit der Landwirtschaft“ – soll auf freiwilliger Basis die Qualität des Grundwassers gesichert werden.

Das bayerische Trinkwasser wird zu rund 90 Prozent aus Grundwasser gewonnen. Ziel des Paktes ist es, zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben auf freiwilliger Basis ergänzende Maßnahmen zum Gewässerschutz durchzuführen.

An dem Bündnis beteiligt sind insgesamt 14 landwirtschaftliche Verbände und Organisationen sowie Ministerien.

„Für den Gewässerschutz erreichen wir am meisten, wenn alle Akteure ihren Beitrag leisten und intensiv zusammenarbeiten“, meint Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen, die die Bodenerosion und damit die Nährstoffeinträge in die Gewässer reduzieren.

„Gewässerschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bis 2021 werden insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro in den Schutz der Gewässer in Bayern investiert“, so Umweltministerin Ulrike Scharf.

Wofür soll das Geld verwendet werden?

Als die wichtigsten Aufgaben sind genannt:

  • ein besserer Schutz des Grundwassers,
  • die Reduzierung des Eintrages von Nährstoffen in die Gewässer,
  • mehr Raumgebung für die Flüsse sowie
  • die Verbesserung der Durchgängigkeit für Wasserlebewesen.

Der Wasserpakt setzt auf freiwillige Selbstverpflichtungen. Interessierte Verbände und Organisationen

Und natürlich gibt es auch für dieses Bündnis Kritiker. So wurde der Wasserpakt vom Gemeindetag, dem Bund Naturschutz sowie den Landtags-Grünen abgelehnt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass den Kritikern der Wasserpakt nicht ausreicht, um wirksamen Gewässerschutz zu erreichen. Es werden feste, verpflichtende Regeln, insbesondere für die Landwirtschaft, gefordert.

Meint Ihr, dass mit solch freiwilligen Initiativen wie dem Wasserpakt etwas erreicht werden kann?

Milchpreis-Landwirtschaft-Deutschland

Der niedrige Milchpreis – gibt es einen Ausweg?

Niedriger Milchpreis, schlechte Ernte – die Landwirtschaft in Deutschland sorgt weiter für Schlagzeilen. Zu niedrige Preise aufgrund eines weltweiten Überangebots treffen die Landwirte besonders hart. 

Für Schlagzeilen sorgte in den letzten Tagen eine Aktion von rund 50 Bauern, die aus Protest gegen die Milchpreise ein Zentrallager der Lebensmittelkette Aldi blockierten.

Viele Landwirte sind der Meinung, dass auch Einzelhandelsketten wie Aldi mit ihrer Preispolitik für die desolate Lage der Milchbauern verantwortlich sind.

Aldi hingegen argumentiert, dass die Preise der Märkte einfach an die Kunden weitergegeben werden, was schließlich seine Pflicht wär, Lebensmittel so günstig wie möglich abzugeben.

Fakt ist, die Milchproduktion in Deutschland rechnet sich für die Milchbauern weitestgehend nicht, denn aktuell liegt der Verkaufspreis unter den Produktionskosten.

Mit einem weltweiten Überangebot werden sich die Preise allerdings nicht ändern. Die Preise verbleiben weiterhin auf einem historischen Tiefstand.

Gibt es keinen Ausweg?

Mit direkt und regional den niedrigen Milchpreis umgehen

Konzepte wie etwa Rohmilch-Automaten mit einem Milchpreis von ca. 1,00 EUR scheinen eine lukrative Nische auf dem gebeutelten Milchmarkt darzustellen.

Mit der Direktvermarktung können die Milchbauern direkt die Verbraucher erreichen. Die zig Zwischenhändler, welche alle ihren Teil vom Kuchen abbekommen möchten, können umgangen werden.

Wie bei Bioprodukten ist auch hier der Verbraucher gewillt, mehr für Qualität zu zahlen.

Allerdings: da Rohmilch bisher nur vom Erzeugerbetrieb abgegeben werden darf, wird diese Form der Direktvermarktung vorerst nur sehr eingeschränkt neue Märkte bzw. Standorte erobern können.

Dabei bieten sich gerade in Städten bzw. Ballungszentren unzählige Standorte für Milchautomaten an.

Mit den heutigen technologischen Standards, könnte ein Milchautomat auch an der Tankstelle oder vor dem Supermarkt stehen, denn die Anforderungen an Einhaltung der Kühlkette sowie der Hygiene und Sauberkeit können auch fernab vom Erzeugerbetrieb gewährleistet werden.

Hier ist jedoch noch der Gesetzgeber gefordert, die aktuellen Bestimmungen zu lockern.

Solche regionalen und direkten Vermarktungskonzepte stellen also lediglich eine Nische dar. 

Die EU setzt mit ihrem Hilfspaket auf finanzielle Zuschüsse an die Milchbauern, die ihre Milchanlieferungen freiwillig reduzieren.

Den Milchpreis erhöhen durch Verringern der Produktion

Das Gegenkonzept zum Bedienen eines Nischenmarktes ist der Ausbau der Produktion, um quasi den Massenmarkt bedienen zu können.

Viele Landwirte sind in den letzten Jahren den Weg gegangen, in ihren Hof, dessen Technik und Ausstattung, massiv zu investieren, um mehr Milch produzieren zu können.

Zum Zeitpunkt dieser Entscheidungen sahen die Absatzprognosen noch anders aus, die Investitionen wurden von der Politik gefördert.

Aber auch mit der effizienteren Produktion kann kein rentables Wirtschaften erreicht werden. Es wird einfach zu viel Milch produziert.

150 Millionen EUR hat die EU in ihrem aktuellen Haushalt für die Reduzierung der Milchproduktion auf EU-Ebene eingeplant.

Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist das Ziel, die EU-Milchmenge um ca. 1,07 Millionen Tonnen zu reduzieren.

Die ersten Verhandlungsergebnisse sind nun veröffentlich wurden. Auch wenn diese noch nicht abschließend sind, lassen sich erste wichtige Eckpunkte bereits festhalten:

  • An dem Programm können alle Milchproduzenten teilnehmen, die bis Juli 2016 aktiv Milch erzeugt haben.
  • Gewährleistet wird die Prämie für bis zu 50 Prozent der Milchlieferung im Referenzquartal. Die Mindestmenge beläuft sich auf 3000 Kilogram.
  • Der Antrag muss bis spätestens 45 Tage nach Ablauf des Quartals mit verringerter Produktion gestellt werden. Wahrscheinlich wird der Landwirt 14 Cent pro reduziertem Kilo Milch erhalten.
  • Wenn die Mittel ausgeschöpft sind, wird es keinen weiteren Antragszeitraum geben. Der Stichtag für die erste Antragsstellung ist der 23.09.2016.

Wieweit wird dieses Programm die Milchbauern zu Reduktion der Produktion oder gar Aufgabe des Betriebes veranlassen?

Milchbauern am Abgrund – „Die dunkle Seite der Milch“ in der „Freien Marktwirtschaft“

Quelle: MSO MindMap

Aber nicht nur Milchbauern kämpfen derzeit ums Überleben. Insgesamt verdienen Landwirte an ihren Produkten weniger.

Schlechtes Wetter sorgt für niedrige Getreideernte

Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Getreide- und Rapsernte wird auch für viele Landwirte der finanzielle Druck weiterhin erhöht.

Europa kämpft aufgrund des extremen schlechten Wetters in diesem Jahr mit erheblichen Einbrüchen bei der Ernte.

Aufgrund der weltweit durchaus guten Angebotslage, teils konnten Rekorderträge eingefahren werden, hat das reduzierte Angebot in Europa allerdings keinen weiteren Effekt auf die Preise.

„Geringere Erntemenge multipliziert mit einem geringeren Preis gibt ein noch geringeres Ergebnis. Vielen Ackerbauern geht das Geld jetzt auch aus. Sie reihen sich bei den Milchbauern und Schweinebauern ein“  – Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverband (DBV)

Für ein Bundesland nach dem anderen werden die Zahlen der diesjährigen Saison veröffentlicht. Mit 111 Millionen EUR weniger Ertrag gegenüber dem Vorjahr sind die Einbußen erheblich.

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. In den nächsten Jahren wird es größere strukturelle Änderungen geben. 

Neue Konzepte  sind gefragt. Welche innovativen Ideen werden in Eurer Umgebung von den Landwirten ausprobiert? 

Digitale-Technik-Landwirtschaft

Digitale Technik in der Landwirtschaft

Die Milchpreise sorgen weiterhin für Diskussionen. Nicht nur bei den Milchbauern stellt sich die Frage, wie die Landwirtschaft effizienter und profitabler gestaltet werden kann. Ist digitale Technik die Antwort?

Die Produktion von Milch ist zu viel, der Preis von Milch ist zu billig.

Über 30 Jahre hat die Europäische Union die Milchmenge mit einer festgelegten Obergrenze, der sogenannten Milchquote, reguliert.

Da die Milchquote nicht, wie vorgesehen, für stabile Preise am Markt sorgte, wurde sie im letzten Jahr abgeschafft.

Seither kehrte jedoch auch weiterhin keine Ruhe für die krisengebeutelten Milchbauern ein.

Weiteres Hilfspaket für deutsche Milchbauern

Bereits im Juli wurde von der EU ein europaweites Maßnahmenpaket vorgestellt, welches mit Finanzhilfen und Entschädigungszahlungen den Milchbauern unter die Arme greifen sollte.

Eine Deckelung der Produktion bzw. Vorgaben bzgl. der Produktionsmengen sieht die EU nicht vor.

Jedoch soll ein Großteil der Zahlungen, 150 Millionnen EUR, an Milcherzeuger gehen, die ihre Produktion drosseln. 14 Cent gibt es für jedes Kilogramm weniger Milch.

Im zweiten Schritt gibt es weitere finanzielle Hilfen, die von den nationalen Regierungen erhöht werden können.

In Deutschland hat Bundesagrarminister Christian Schmidt angekündigt, dass die für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen in Höhe von 58 Millionen EUR von der Bundesregierung verdoppelt werden.

Den deutschen Milchbauern soll damit ein Hilfspaket in Höhe von 116 Millionen EUR unter die Arme greifen.

Das klingt erstmal gut, aber wie immer, der Teufel steckt im Detail. Die einen sind der Meinung, dass nur mit einem strukturellen Umbruch langfristig eine erfolgreiche Milchpolitik erreicht werden kann.

Bundesagrarminister Christian Schmidt begründet die Verdoppelung der finanziellen Hilfen für deutsche Milchbauern aber gerade damit, dass ein Strukturbruch teuer käme.

Einig sind sich alle jedoch in einem: die Milchproduktion muss sich verringern und die Milchpreise erhöhen.

Auf der einen Seite versucht die Politik mit Hilfspaketen, langfristige Lösungen und bessere Marktbedingungen für die Landwirte zu schaffen.

Aber natürlich sind auch die Landwirte selbst ständig auf der Suche, wie sie ihre Produktion effizienter gestalten können. Der Preisdruck ist hoch. Die Arbeit sehr fordernd.

Digitale Technik in der Landwirtschaft

Das Internet hat auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten und sorgt in vielen Bereichen nicht nur für mehr Effizient, Flexibilität oder eine kostengünstigere Produktion.

Die Änderungen sind weitreichend. Beginnend bei der morgendlichen Arbeitsanweisung für den ganzen Tag, deren Bedeutung sinkt, wenn per WhatsApp schnell und unkompliziert während des Tages kommuniziert werden kann.

Düngemenge wird – gesteuert von Satelliten – quadratmetergenau  ausgebracht. Die Kuh schickt eine SMS, wenn sie davor steht, zu kalben.

Ausfahren, um die Äcker und das Wachstums des Getreides zu überprüfen? Fehlanzeige. Dafür fliegt die Drohne über die Äcker und sendet die Bilder auch ins Wohnzimmer.

Landwirtschaft via iPad und Handy. Sicher nicht die Vorstellung, welche der Durchschnittsbürger von der Landwirtschaft hat. Ohne digitale Technik scheint Landwirtschaft nicht mehr zu funktionieren.

Digitalisierung der Landwirtschaft: Profitabel, nachhaltig und selbstbestimmt

Quelle: SAP D-A-CH

Wenn man sich die Zahlen des Deutschen Bauernverbands betrachtet, ernährt ein Bauer heute durchschnittlich 144 Menschen. Vor ca. hundert Jahren waren es gerade mal vier.

Und wie im Video gesagt, die Weltbevölkerung ist weiterhin kräftig am Wachsen und stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen.

Eine Steigerung der Produktivität ist einfach notwendig. Ist digitale Technik die Antwort?

„Die Zukunft der Arbeitswissenschaften in der Landwirtschaft ist unumgänglich mit der Entwicklung von automatisiert und sogar autonom agierenden Maschinen in der Außen- und in der Innenwirtschaft verbunden“ – Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Elisabeth Quendler MSc.

Im Grunde ist die Technik bereits soweit fortgeschritten, das die Maschinen auf den Feldern autonom fahren könnten.

Die Digitalisierung der landwirtschaftlichen Abläufe ist dabei, dass Berufsbild des Landwirten vollständig zu ändern. Und ihm im Zuge dessen sein Leben wohl auch etwas angenehmer zu gestalten.

Etwa, wenn seine Anwesenheit beim morgendlichen Kühemelken nicht  mehr erforderlich wird. Weil die Melkanlage selbständig alle Arbeiten übernimmt und anschließend alle wichtigen Informationen direkt weitergibt.

So gut die digitale Welt der Landwirtschaft auch klingt, sie bringt auch ihre Herausforderungen mit sich.

  • Etwa für kleine Betriebe, denen die finanziellen Mittel für die Anschaffung der teils sehr teuren Technik fehlen. Hier könnten Kooperationen eine Lösung sein.
  • In den ländlichen Gebieten fehlen oftmals flächendeckende Breitband-Internetverbindungen, so dass auf Internet basierter Technik Grenzen gesetzt ist. An einer besseren Abdeckung des Internets wird allerdings bereits gearbeitet.
  • Selbständige Arbeitsabläufe erfordern nicht mehr die Einbeziehung des Landwirten wie früher. Die Beziehung zu seinem Betrieb ändert sich. Von „mitten drin“ zum Schreibtischtäter ist nicht nur eine völlige Veränderung des Berufsbildes
  • Maschinen heutzutage sind groß, komplex in der Bedienung und zudem sehr teuer. Konnte man früher seine Kinder den Traktor fahren lassen, ist heute spezialisiertes Wissen erforderlich, um alle Maschine und Abläufe steuern zu können.  

Generell bietet die digitale Technik in der Landwirtschaft Verbesserungen in der Landwirtschaft und kann auch dazu beitragen, dass die Ressourcen nicht nur besser, sondern auch umweltverträglicher genutzt werden.

Wie sieht Ihr die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft – profitiert Ihr von dieser oder steht Ihr den Entwicklungen skeptisch gegenüber?

 

Agrarbetrieb Biomilch Milchpreis

Umstellung auf Biomilch

Der sinkende Milchpreis zwingt viele Milchbauern, neue Wege zu gehen. Die höheren Preise für Biomilch lassen immer mehr Landwirte über eine Umstellung der Produktion nachdenken.  Aber lohnt sich diese?

Der Milchpreis ist auf einem Niveau, auf dem die Produktionskosten nicht gedeckt werden. Damit ist die Existenz von tausenden Milchviehbetrieben bedroht.

Milchbauern müssen nach Wegen suchen, die ihre Existenz sichern.

Eine Lösung ist die Vergrößerung des Betriebes: die Produktionsmenge steigern, so dass mit mehr Kühen ein genügend großes Einkommen gesichert werden kann.

Allerdings hilft dieses steigende Angebot an Milch nicht gerade, den Milchpreis wieder zu erhöhen. 

Für wen die Vergrößerung aufgrund der Investitionen, dem höheren Arbeitsaufwand, oder anderem nicht in Frage kommt und wer die Milchproduktion nicht komplett aufgeben möchte, der wird zwangsläufig über eine Umstellung auf Biomilch nachdenken.

Die Umstellung auf Biomilch – ist sie lohnenswert?

Sicherlich freuen sich die Kühe. Denn Bio bedeutet  für die Kuh ein artgerechteres, glücklicheres Leben.  Allerdings produzieren glückliche Kühe auch einen geringeren Ertrag.

Denn auf der Weide fressen die Kühe weniger als im Stall. Und das Kraftfutter mit Biosiegel kostet rund das Doppelte von normalen Kraftfutter.

Eine Gleichung, die aufgrund des höheren Biopreises durchaus aufgehen kann. Allerdings: eine Garantie, dass der Preis für Biomilch zukünftig nicht doch noch fallen wird, gibt es nichts.

Eine Umstellung auf eine Bioproduktion bedeutet auch aus einer anderen Überlegung heraus nicht, dass man sich keine Gedanken mehr um den Milchpreis machen muß:

Die Absatzmenge von Biomilch wird auch von dem konventionellen Milchpreis beeinflusst. Bei einem Literpreis von bspw. 0,46 EUR für konventionelle Milch und 1,09 EUR für Biomilch ist der vom Käufer im Supermarkt wahrgenommene Preisunterschied einfach zu groß.

Ein höherer Milchpreis könnte demnach auch den Absatz von Biomilch steigern, wenn die Schere zwischen den Preisen nicht mehr so stark auseinanderdriftet.

Wenn Bio vergleichsweise nicht mehr so teuer ist, könnten die Konsumenten eher geneigt sein, für Bioqualität den „kleinen“ Aufpreis zu zahlen.

Hürden in der Umstellung

Es klingt im ersten Moment sehr logisch: für konventionell hergestellte Milch bekommt man nicht genug, dann stellt man doch einfach auf Milch um, die mehr einbringt.

Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Es ist ratsam, eine der entsprechenden Beratungsstellen aufzusuchen, um genau zu prüfen, ob eine Umstellung auf Biomilch für den eigenen Hof überhaupt möglich ist bzw. Sinn macht.

Die größten Hindernisse für die Umstellung sind:

  • Fehlendes Kapital: Ein Haupthindernis für eine Umstellung ist sicherlich das fehlende Kapital. Durch die anhaltend schlechten Milchpreise sind die Reserven und Rücklagen für viele Milchproduzierten bereits stark geschrumpft. Eine Umstellung auf Bio bedeutet 1-2 Jahre mit höheren Kosten zum gleichen Absatzpreis zu produzieren. Ganz zu schweigen von die Kosten für die Umrüstung des Hofes, bspw. der Ställe.
  • Fehlende Ressourcen: eine Bio-Zertifizierung bringt eine Menge Auflagen mit sich. Zum Beispiel brauch eine Biomilchkuh viel mehr Platz. Ihr täglicher Gang ins Freie muss gewährleistet sein. Nur Höfe, die über die Kapazitäten verfügen, um die besonderen Auflagen zu erfüllen, können eine Umstellung überhaupt in Betracht ziehen.

Lohnt sich für Landwirte eine Betriebsumstellung?

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Das Thema der sinkenden Milchpreise und wie diese die Branche beeinflussen, wird die Schlagzeilen sicher noch einige Zeit beschäftigen. 

Ein Thema, das aktuell ebenfalls anfängt die Schlagzeilen zu füllen, ist die bevorstehende Getreideernte. 

Schätzungen zur Getreideernte

Pünktlich zum Beginn der Getreideernte in Deutschland informiert DBV-Präsident Joachim Rukwied über die diesjährigen Ernteerwartungen.

Aufgrund einer besseren Witterung als im Vorjahr, kann dieses Jahr mit einer gut durchschnittlichen Getreideernte gerechnet werden. 

„Die wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe ist wegen der niedrigen Preise für Getreide und Raps jedoch angespannt. Zudem gibt es regional Ernteschäden durch Unwetter, Starkregen oder Hagel. Derzeit sind bundesweit fast 200.000 Hektar davon betroffen, rund dreimal soviel wie in anderen Jahren.“

Die Witterungsbedingungen haben regional zu großen Unterschieden geführt. So kam es in diesem Jahr aufgrund der Unwetter mit Überschwemmungen und Hagel zu Totalverlusten. Andererseits haben die warmen Temperaturen ihr übriges beigetragen und zu Krankheitsbefall und Lagergetreide geführt. 

Nicht nur auf dem Milchmärkten, auch auf den Getreidemärkten stehen die Preise unter Druck und folgen aktuell einem Abwärtstrend. Welche Ansätze halten Ihr für sinnvoll, um den aktuellen Herausforderungen an den Märkten zu begegnen?