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Essgewohnheiten-Landwirtschaft-Kaufverhalten

Die Essgewohnheiten der Deutschen

Wie sehen unsere Essgewohnheiten aus? Sicherlich hat Deutschland mehr zu bieten als Brot und Bier. 

Was für den Franzosen der Wein und Baguette ist, ist für den Deutschen das Bier und das Brot?

Nicht ganz, aber ja. In Punkto Bier und Brot macht es uns Deutschen keiner nach, zumindest was die Herstellung betrifft.

Wusstest Ihr, dass es in Deutschland über 1300 Brauereien gibt, die über 7500 verschiedene Biere brauen? (Quelle: Make it in Germany)

Und dass kein anderes Land soviel verschiedene Brotsorten bäckt, wie Deutschland? Ja, unsere Essgewohnheiten sind sicherlich einzigartig.

Aber Bier und Brot zeigen: sie sind auch sehr regional. Es gibt nicht „das“ deutsche Essen.

Jede Region liebt ihr eigenes Bier, ihr Brot, ihre Wurst. Die Thüringer, das Nürnberger Würstchen, die Weißwurst, das Frankfurter, … bei dem Begriff Wurst hört die Gemeinsamkeit auf.

Und es zeigt sich: Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es zeigt Traditionen und Trends; wird beeinflusst von Kultur und Mentalität und prägt diese wiederum.

Aber lasst uns einen genaueren Blick auf die Ernährung der Deutschen schauen. Ein Wissen, dass für Landwirte von besonderer Bedeutung ist.

Die Essgewohnheiten der Deutschen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat in seinem Ernährungsreport 2018 die aktuellsten Trends rund ums Essen zusammengefasst.

Die von ihm beauftragte forsa-Befragung zu den Ernährungsgewohnheiten, – wünschen und -trends geben wieder interessante Einblicke in das Essverhalten der Deutschen.

Und gleich vorweg, man kann die Essgewohnheiten wohl mit vier Wörtern zusammenfassen:

  • schnell
  • einfach
  • gesund
  • lecker

So legen 99 Prozent der Befragten darauf Wert, dass das Essen gut schmeckt. Für 92 Prozent ist es wichtig oder sehr wichtig, dass das Essen gesund ist.

Aber hierfür würde sich nicht jeder bei der Zubereitung gedulden. Die schnelle und einfache Zubereitung ist mit 49 Prozent quasi für die Hälfte der Befragten von Bedeutung.

Dabei essen die Deutschen auch gerne mal außer aus. 43 Prozent der Befragten gehen mindestens einmal die Woche außerhalb essen.

Und wenn man oben die Prozentwerte für gesund gesehen hat, dann sind 92 Prozent ein Unterschied zu 43 Prozent, die täglich auch selbst daheim kochen.

Dabei hat man gerade bei selbst zubereitetem Essen die Möglichkeit, frische und abwechslungsreiche Zutaten zu nutzen, sprich sich wirklich gesund zu ernähren.

Zwischen dem Gewünschten und dem, was man letztendlich bereit ist, dafür zu tun, besteht wohl doch noch ein Unterschied.

Es zeigt deutlich, dass beim Kauf von Lebensmitteln die Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielt.

Das Restaurant der Zukunft?

Quelle: Welt der Wunder

Ihr seht, auch wenn die Konsumenten von sich denken, selbstbestimmte und bewusste Entscheidungen zu treffen, letztendlich sind doch unzählig viele unbewusste Prozesse im Spiel. 

Deshalb lasst uns noch auf Teile des Reports schauen, der aufzeigt, worauf Deutsche bewusst beim Kauf von Lebensmittel achten: 

Kaufverhalten der Deutschen bei Lebensmitteln

Insbesondere für die unter Euch, die Ihren eigenen Laden führen, werden die folgenden Punkte zum Kaufverhalten interessant sein:

So achten unter den Befragten:

  • 97 Prozent auf den Geschmack
  • 78 Prozent auf Regionalität
  • 57 Prozent auf preiswerte Lebensmittel und
  • 41 Prozent auf Siegel

Bei der Regionalität lässt sich festhälten, dass es hier noch durchaus einen Altersunterschied gibt. So achten ältere stärker als jüngere Menschen auf die regionale Herkunft.

Besonderes Augenmerk ist auch auf die Bedeutung von Siegeln zu legen. Denn diese ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

2015 achteten nur 33 Prozent bei Kauf auf ein Siegel. Es scheint, dass die Verbraucher nach mehr Vertrauen suchen.

Dies zeigt sich auch, in der Nachfrage nach detaillierten Produktinformationen bei den Lebensmitteln.

Informationen sind für die Deutschen wichtig. Und sie informieren sich über die folgenden Kanäle:

  • 69 Prozent: am Ort des Einkaufs
  • 42 Prozent: Onlinerecherche
  • 39 Prozent: Werbung
  • 30 Prozent: Infobroschüren
  • 21 Prozent: Webforen
  • 20 Prozent: Verbraucherzentralen
  • 14 Prozent: soziale Medien

Klar ergeben sich hier klare Altersunterschiede. So sind für über 60-jährige nur bei 4 Prozent die Sozialen Medien eine Informationsquelle.

Bei den 19- bis 29-Jährigen liegt der Anteil der Befragten bei 31 Prozent.

Ein weitere interessanter Punkt ist, dass 91 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die Grundlagen der gesunden Ernährung den Kindern in der Schule beigebracht werden sollte.

Scheinbar besteht hier ein großer Nachholbedarf bei der jüngeren Generation. Und zusammenfassend: Informationen sind gewünscht. 

Ich zähle die Punkte aber nicht nur einfach so auf. Die Frage ist, wie Ihr die Punkte bei Euren Angeboten gezielt einsetzen könnt. Oder eröffnen sich gar neue Chancen für Eure Landwirtschaft?

Wie könnt Ihr die Kaufkriterien bei Euren Produkt, bewusst und unbewusst, besser herausstellen?

Superfood-Lebensmittel-Landwirtschaft

Superfood: Was ist so super an Superfoods?

Der Begriff ist in aller Munde: Superfood. Aber wer weiß wirklich was Superfoods sind?

Superfoods – Gesundheit und Vitalität im Übermaß, der Jungbrunnen für Trendsetter, etwas für den gefüllteren Geldbeutel.

Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich die Supermarktregale, Verpackungen oder gar Preise in den Abteilungen anschaut, die Lebensmittel enthalten, die irgendwie anders sein sollen.

Wie das „Super“ in „Superman“ verspricht das „Super“ in „Superfoods“ besondere Kräfte zu enthalten.

Aber bevor Ihr Euch Gemüse im Spandexanzug mit Umhang vorstellt, das das Böse der Welt bekämpft, lasst uns noch auf eine Meldung dieser Woche kucken, die an anderer Stelle für dringend benötigte Hilfe sorgen kann:

Provisorische Güllelager als Notfalllösung

Viele Landwirte in Schleswig-Holstein hat das Wetter der letzten Monate wahrlich verzweifeln lassen. Die Felder sind seit Monaten völlig durchnässt und unbefahrbar.

Die Ausbringung der Gülle wurde zu einem Vorhaben, das einfach nicht umgesetzt werden. Auf den matschigen Böden würden die schweren Geräte einfach nur versinken und steckenbleiben.

Nicht nur, stellt dies eine hohe Belastung für die Landwirte dar. Auch die Umwelt ist durch überlaufende Güllebehälter gefährdet.

Und ein Ende der Lage ist nicht in Sicht. Neben den Wetterbedingungen tragen auch die aktuellen Sperrfristen für die Düngeausbringung zu einer Zuspitzung der Lage bei, denn:

Wohin mit der Gülle?

In Schleswig-Holstein haben die anhaltenden Niederschläge eine akute Notsituation herbeigeführt, für die das Umweltministerium in Kiel mit einer Notlösung für Entspannung sorgen will.

In den kommenden Monaten ist es den Landwirten erlaubt, provisorische Lagerbecken für Gülle zu errichten.

Diese unterliegen strengen Auflagen, bei denen insbesondere der Schutz des Grundwasser und der Oberflächengewässer Priorität haben.

Laut Robert Habeck, Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsminister, wird mit den Notfallmaßnahmen lediglich die Folgen eines viel größeren Grundproblems bekämpft:

„Die intensive Tierhaltung stößt vor allem auf dem Geestrücken an Grenzen. Wir haben dort zu viel Gülle und Gärrückstände auf zu wenig Fläche. Wir brauchen dringend eine Strategie, die Landwirten gutes Einkommen sichert, ohne auf immer mehr Tiere und immer mehr Leistung zu setzen.“

Neben dem Bau der Notfallbehälter, wird zudem nach vorhandenen, nicht ausgelasteten Kapazitäten gesucht. Hier kommen etwa leerstehende Lagerbehalter auf ehemaligen Landwirtschaften oder die Lagerung in anderen Bundesländern, etwa in Erdbecken in Brandenburg in Betracht.

(Quelle: NDR.de, AgE, Euwid Wasser und Abwasser)

Von Gülle zu Superfoods mag es jetzt ein großer Sprung sein, oder auch nicht, denn bei spielen Nährstoffen im Boden eine Rolle.

Vielfach wird angeprangert, dass aufgrund der ausgelaugten Böden viele Lebensmittel und Speisen kaum noch Nährstoffe und Vitamine enthalten.

Superfoods sollen als wahre Nährstoffbomben propagiert das Defizit ausgleichen können.

Superfood – alles super oder was?

In der Europäischen Union ist der Begriff „Superfoods“ auf Verpackungen verbannt, es sei denn, die Behauptung, dass es sich um Superfood handelt, kann wissenschaftlich belegt werden.

In den USA hingegen gibt es keine Regulierung oder rechtliche Festlegung, was ein Superfood eigentlich ist.

Mit anderen Worten: Superfood kann alles oder nichts sein.

Das Wort, was heute in aller Mund ist, wurde von Steven Pratt MD, erfunden. Er hat es als Titel für sein in 2004 veröffentlichtes Buch gewählt.

In diesem beansprucht er für sich, die wichtigsten nährstoffreichen Lebensmittel ausfindig gemacht zu haben, die bedeutend für den Erhalt einer optimalen Gesundheit sind.

Sein Fokus lag vor allem auf Nährstoffe, die das Leben verlängern können. Man könnte sagen, den Begriff „Superfoods“ zu kreieren, war ein guter Marketingschachzug. Der noch immer funktioniert.

Zumeist verbinden wir Superfoods mit exotischen Lebensmitteln wie Quinoa, Gojibeere, Amaranth, Avocado, Chiasamen, …

Aber dabei hat auch die heimische Natur viel zu bieten: Holunderbeere, Leinsamen, Brennessel, Johannisbeere bis hin zum Grünkohl, um nur einige zu nennen.

Sie sind nicht nur wesentlich günstiger, sondern ebenso nährstoff- und vitaminreich. Und ebenso vielfältig in der Küche einzusetzen.

Heimisches vs. exotisches Superfood

Quelle: Galileo

Ihr seht, auch heimische Superfoods müssen nicht langweilig sind und haben auch für den kleineren Geldbeutel viel zu bieten. 

Es muss nicht die bisher unentdeckte Beere eines weit entfernten Naturvolkes sein, die wir verzerren müssen, um unserer Gesundheit zur erhalten, zurückzuerobern oder ähnliches. 

Wie bei allem lohnt es sich auch, zu hinterfragen und den Kontext zu sehen: Wie hilfreich ist der zusätzliche Verzerr von Gojibeeren, wenn ich täglich einen Schokoriegel, Kekse oder ähnliches esse? 

„Zuckerreiche Müslis oder Milchprodukte werden mit ein paar Acaí-Beeren nicht gesünder“, so Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Meistens hat das, was man nicht isst, eine wesentlich größere Wirkung auf die eigene Gesundheit als das, was man zusätzlich isst.

Wie steht es mit Euch: auf welche Nahrungsmittel setzt Ihr, wenn es um Eure Gesundheit geht?