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Agrarpolitik-Europa-Landwirtschaft

Wo führt die Europäische Agrarpolitik hin?

Angesichts von Themen wie Brexit und Flüchtlingskrise werden die Stimmen lauter, die ein Umdenken der europäischen Agrarpolitik fordern.

Knapp 40 Prozent des gesamten EU-Haushaltes geht an den Agrarsektor. Durch den Brexit fällt ein wichtiger Nettozahler weg.

Aber nicht nur das finanzielle Loch im EU-Haushalt lässt die Stimmen, die überfällige Reformen einfordern lauter werden.

Auch die Flüchtlingskrise, die viele Länder der EU nicht nur finanziell viel abverlangt, schiebt den Fokus auf andere Probleme der Agrarpolitik.

Ist unsere Agrarpolitik ein entscheidender Grund für die Flüchtlingsströme aus Afrika?

Bevor wir diese Frage näher hinterleuchten, zunächst die Meldungen der letzten Tage:

 1 – Der Vogelgrippe H5N8 – Erreger wurde bei Wildvögeln registriert

Der hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N8 wurde, erstmalig seit Mai, nahe Seeburg (Sachsen-Anhalt) bei drei toten Schwänen nachgewiesen.

Entsprechend wurde um den Fundort ein Sperrbezirk sowie Beobachtungsgebiet mit Stallpflicht eingerichtet.

Der Virus kann über Wildvögel erneut nach Deutschland gelangt sein oder im Boden überdauert haben.

Drücken wir die Daumen, dass der Nachweis des agressiven Erregers ein „einmaliges“ Ereignis bleibt.

2 – Prognosen für die Zuckerrübenernte

Europa kann sich auf eine große Zuckerrüben-Ernte vorbereiten. Dies ist auf einen bedeutenden Zuwachs bei der Anbaufläche als auch mit dem Wegfall der Zuckerquote zurückzuführen.

Die Fläche wächst laut EU-Kommission um rund 16 Prozent und erreicht damit das größte Niveau seit 10 Jahren.

Spitzenreiter unter den Zuwachsländern sind Großbritannien (28,9 Prozent) und die Niederlande (27,3 Prozent).

Die erwarteten Ernteerträge bleiben jedoch hinter dem Wachstum der Anbaufläche zurück. Die Ernte wird wahrscheinlich etwas kleiner als die von 2014 ausfallen.

Gleichzeitig befinden sich die Zuckerpreise auf einem Zweijahrestief. Von Februar bis Juni sind die Preise am europäischen Terminmarkt in London um ein Drittel gefallen.

Der Preis hat sich seither kaum erholt. Weltweit wird ein Produktionsüberschuss und Wachstum der Bestände erwartet.

Mit dem entsprechenden Angebot sind die Preise für Zuckerrüben weltweit gefallen und wirken sich entsprechend auf den europäischen Markt aus.

Bis zum Herbst sind noch ein paar Wochen, in denen sich noch einiges ändern kann. Wir Landwirte wissen, das Wetter richtet sich nach keinen Prognosen oder Terminmärkten.

(Quelle: Europäische Kommission, Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung)

3 – Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung

Kein Obst und Gemüse, dass nicht der Standardnorm und als erstklassig klassifiziert wurde, landet in deutschen Supermärkten.

Verbraucher kaufen nur einwandfreies Gemüse und Obst. Krumme Möhrrüben oder Gurken, Äpfel die nicht komplett rund sind – manch einer kennt wahrscheinlich gar keine natürlichen Formen mehr.

Aldi Süd startet nun den Verkauf von Obst und Gemüse mit „kleinen Schönheitsfehlern“.

Wie die Zeitschrift Lebensmittelpraxis berichtet, soll das zweitklassige Gemüse mit dem Namen „Krumme Dinger“ betitelt zukünftig in den Regalen der Kette angeboten werden.

„Mit dem Angebot ‚zweitklassiger‘ Ware erweitern wir unsere Toleranzen im Einkauf und setzen ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung in der Lieferkette“, so Philipp Skorning, Group Buying Director.

Erstklassiges Obst, Gemüse und Fleisch für unsere Supermarktregale – aber wohin geht der Rest? Die Antwort auf diese Frage hängt wohl zusammen mit der Frage:

Verursacht die europäische Agrarpolitik die Flüchtlingsströme?

Es sind keine neuen Nachrichten, wenn wir von Höfen hören, die aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit aufgeben müssen.

Es liegt nicht an dem fehlenden Arbeitseinsatz, dem Willen, Enthusiasmus, Wissen oder Faktoren wie moderner Technik, neusten Produktionsverfahren.

Kleinere Betriebe können mit der billigen Konkurrenz der Massenproduzenten nicht mithalten.

Einen Moment – mit 40 Prozent an Agrarsubventionen der EU-Haushaltes, sollten diese nicht dazubeitragen, die „kleinbäuerlichen“ Strukturen zu erhalten.

Steht dies nicht als politisches Ziel überall geschrieben? Wohin fliesst das Geld?

Fakt ist: Nur 25 Prozent der Direktzahlungen gehen an die 80 Prozent der Höfe mit dem geringsten Einkommen.

55 Prozent der Direktzahlungen gehen an die 10 Prozent der Höfe mit dem höchsten Einkommen. (Quelle: Europäische Kommission)

Nun ist Europa noch, weltweit gesehen, durch Wohlstand geprägt. Wie trifft die europäische Politik andere Bereiche der Erde, etwa Afrika?

Landwirtschaft ist hier noch die Haupteinkommensquelle der Bevölkerung. 

Agrarpolitik fördert mit Subventionen und Zollbestimmungen den Export in ärmere Länder. Teils auch als Entwicklungshilfe betitelt.

Aber auch hier können die Kleinbauern nicht mit den billigen Konkurrenzprodukten mithalten:

Deutsches Huhn in Afrika

Quelle: Manfred M. Strasser

Ob vor unseren eigenen Türen oder auch Übersee, die Agrarpolitik der letzten Jahre scheint nicht zu funktionieren, denn

ob hier oder anderswo, wer in der Landwirtschaft keine Arbeit findet, wandert in die Städte. Wer, wie in den Entwicklungsländern, auch dort keine Arbeit findet, wandert weiter. 

Aber kommen wir wieder zu unserer Frage: wohin gehen die Lebensmittel, die in Europa nicht verkauft werden können?  

Europäische Verbraucher verlangen erstklassige Produkte. Standardisiertes Obst und Gemüse ohne „Fehler“. Fleisch, nur das beste, was nicht nach Tier aussieht. 

Alles, was für uns nicht gut genug ist, geht, wie im Beitrag gesehen, in die Entwicklungsländer. Zum Beispiel nach Afrika.

Wer dort über die Märkte schlendert, findet europäische Produkte auf den Märkten und in den Geschäften. Von Tomaten über Hühnerfleisch.

Es gibt die Vertreter, die eine Agrarpolitik fordern, die nur auf die jeweilige Region oder Land ausgelegt ist.

D.h. es wird produziert, wo auch konsumiert wird. Für den heimischen Markt.

Wahrscheinlich ist ein Umdenken der Verbraucher in derartigem Ausmaß nicht erreichbar. 

Auch ist die Landwirtschaft international derart politisch und wirtschaftlich verflochten, dass ein solche Agrarpolitik wohl rein Utopie ist. 

Aber was ist Eure Meinung: wäre eine dezentrale Agrarpolitik, bei der jedes Land stärker selbstbestimmt handeln kann, ein möglicher Ansatz? 

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Landwirtschaft: Äpfel – wie fällt die Ernte aus?

Das Lieblingsobst der Deutschen? Ganz klar, das sind Äpfel. Äpfel lassen sich einfach transportieren und lagern. Wohl deshalb haben sie fast das ganze Jahr über Saison.

Knapp 20 Kilo Äpfel ist der Deutsche im Jahr. Die Ernte der Herbst- und Wintersorten läuft gerade auf Hochtouren.

Das Frühjahr war in diesem Jahr kalt. Hinzu kam, dass Frost zur Blütezeit und viel Regen über die Sommermonate den Obstanbauern Anlass zur Sorge gab. Die letzten Wochen gab es jedoch nochmal herrlichstes Apfelwetter.

Wissenswertes zum Apfel

Der Apfel gehört zum täglichen Leben einfach dazu. Wusstest Ihr, dass:

  • Asien weltweit im Apfelanbau führt. Die Hälfte aller Äpfel weltweit kommt aus China.
  • in Europa Polen die meisten Äpfel produziert, gefolgt von Italien.
  • in Deutschland Niedersachsen und Baden-Württemberg die Apfelproduktion anführen.
  • Apfelbäume ein Rosengewächs sind und der Apfel eine Scheinfrucht ist. Die eigentliche Frucht ist nur das Kerngehäuse.
  • in ihrer Blütezeit im Mai und Juni die Apfelbäume auf Bienen und Hummeln für die Bestäubung angewiesen sind, auch wenn sie sich eigentlich selbst bestäuben könnten, da sie Zwitter sind?

Äpfel – das beliebteste Obst der Deutschen

Weltweit gibt es mindestens 30.000 Apfelsorten. In Deutschland selbst werden nur knapp 70 Sorten erwerbsmäßig angebaut. Davon spielen jedoch nur knapp 20-30 Sorten eine wirtschaftliche Rolle.

Dabei waren noch Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 2.000 Apfelsorten in Deutschland bekannt. Seitdem wurde die Sortenvielfalt aber nach und nach auf wenige Standardsorten eingeschränkt.

Nach dem 2. Weltkrieg gewann die wirtschaftliche Produktion von Tafelobst an Bedeutung. Es wurde deshalb verstärkt auf auf leistungsstarke, d.h. ertragreiche Sorten gesetzt.

Die Anbauweise hat sich dann seit den 70ern komplett geändert. Vielleicht kennt der eine oder andere noch Apfelbäume, die hoch gewachsen sind und mit ihrer großen Krone die Landschaft prägten.

Diese Apfelbäume sind herrlich anzuschauen. Leider ist die Apfelernte jedoch sehr arbeitsintensiv.

Für heutige Ansprüche würde die Ernte der Äpfel zu teuer sein.

Deshalb findet man heutzutage im erwerbsmäßgen Obstanbau nur Apfelbäume vor, die niedrig gewachsen sind und weniger Platz einnehmen.

Auf der gleichen Fläche stehen heute 10- bis 20-mal so viele Bäume, die eine einfache Ernte der Äpfel ohne Leiter von Hand ermöglichen.

Lasst uns hinter die Kulissen schauen:

Äpfel – von der Ernte bis zum Supermarkt

Quelle: Landwirtschaftskammer Steiermark

Effiziente Prozesse, die dem Verbraucher bei günstigen Erzeugerpreisen eine hohe Qualität liefern, sind auch in der Produktion von Äpfeln gefragt.

Die Ernte ist mit viel Handarbeit verbunden. Beim Sortieren und Lagern der Früchte ist jedoch High-Tech angesagt:

  • Wasser-Fließbänder, damit keine Druckstellen entstehen;
  • Hochleistungskameras, die den Rotanteil bestimmen und die Äpfel auf Schäden kontrollieren;
  • ausgefeilte Technik zum vermessen und wiegen der Äpfel;
  • Lagerhallen mit exakt kontrollierter Atmosphäre.

Nichts ist dem Zufall überlassen. 

So kommen die Äpfel zu dem exakt gewünschten Termin in frischer, einheitlicher Qualität in die Supermarktregale.

Die beliebtesten Sorten der Deutschen sind Braeburn, Jonagold, Elstar und Gala. Diese werden auch vorwiegend vom Einzelhandel angeboten.

Akutell steigt vor allem die Nachfrage nach Bio-Äpfeln. (Quelle: AMI) Dieser Boom wird insbesondere auch von Discounter vorangetrieben, die in diesem Segment stark wachsen.

Gute Qualitäten und Gute Ernteerträge

Die Ernte von Äpfel erfordert viel Geschick und Expertise. Den Äpfel sind im Hinblick auf ihren Erntezeitpunkt sensibel.

Der optimale Reifegrad wird beispielsweise mittels eines Jodtests einfach bestimmt. So kann sehr präzise bestimmt werden, wann die Ernte stattfinden muss. Und wenn der Zeitpunkt da ist, muss alles zügig von der Hand gehen.

Es ist deshalb wichtig, dass die Ernte im Vorfeld bereits gut organisiert wird. Hierbei hilft das vorherige Abschätzen der Erntemenge.

Bei der Ernte stehen vor allem zwei Ziele im Mittelpunkt:

  • eine hohe Pflückleistung durch eine reibungslose und effektive Ernte sowie
  • den Erhalt der Qualität durch eine behutsamen Umgang mit den Äpfeln.

Die diesjährige Apfelernte ist noch mitten im Gange.

Es wird erwartet, dass das Ernteergebnis der Europäischen Union um 3 Prozent unter dem des Vorjahres liegen wird.

In Deutschland werden die Obstbauern sich jedoch über eine  gute Ernte, mit geschätzt mindestens 1 Millionen Tonnen Äpfeln, freuen können.

Dies entspricht einem Ertrag, der 8 Prozent höher gegenüber dem Vorjahr liegt. Aber nicht nur die Quantität gibt Anlass zur Freude.

„Die Qualitäten sind gut, Geschmack, Farbe und Größe machen Freude.“ Helmut Jäger, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes

Es hat sich wieder gezeigt: tagsüber Sonne und nachts kalt, dies ist das Rezept für Äpfel mit schönen Farben und intensivem Geschmack.

Wir können uns also auf leckere Äpfel freuen. Ob pur, im Salat oder Kuchen, die Möglichkeiten Äpfel zu geniessen, sind vielfältig. Was ist Eurer Tip, wie Äpfel am besten schmecken?