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Ackerland-Duengen-Weizen

Ökologisch auf deutschem Ackerland? Eher nicht.

Verfolgt man die Presse müsste man meinen, dass die ökologische Bewirtschaftung von deutschem Ackerland stetig zunimmt.

Aber: auch wenn „regional“ und „ökologisch“ verstärkt von den Verbrauchern nachgefragt werden, die heimische Landwirtschaft kann dieser Nachfrage kaum gerecht werden.

Ein Großteil der Bioprodukte in deutschen Supermärkten kommt deshalb entsprechend aus dem Ausland. Wieviel Bio dann wirklich im Produkt steckt, ist dabei nicht immer nachvollziehbar bzw. nachweisbar.

Nur 4 Prozent vom Ackerland biologisch bewirtschaftet

Schaut man sich die Zahlen des Statistischen Bundesamtes an, zeigt sich, ökologische Landwirtschaft spielt in Deutschland weiterhin kaum eine Rolle.

In 2016 wurden lediglich 4 Prozent vom deutschen Ackerland biologisch bewirtschaftet. Mehr als die Hälfte hiervon wurde für den Getreideanbau genutzt.

In der Nutztierhaltung waren es gerade mal 5 Prozent der Tiere, die ökologisch gehalten wurden: 6 Prozent des gesamten Rindviehbestandes und 4 Prozent der Hühner wurden nach biologischen Standards aufgezogen.

Für Schweine ist die Biohaltung nicht sehr beliebt. Weniger als 1 Prozent vom Bestand sind Bio-Schweine.

Bundeswirtschaftsministier Christian Schmidt hat sich zum Ziel gesetzt, das die wachsende Nachfrage nach Bio aus heimischer Landwirtschaft gedeckt wird.

Mit Förder- und Forschungsgeldern soll erreicht werden, dass zukünftig 20 Prozent des deutschen Ackerlandes biologisch bewirtschaftet wird.

Für mehr Ökologie auf dem Ackerland soll auch die neue Düngerverordnung sorgen, die nun relevant ist, für die Organisation der Betriebsabläufe.

Nicht vergessen: die neue Düngeverordnung ist jetzt zu beachten

Jetzt gilt es, beim Planen der Betriebsabläufe für die nächsten Wochen und Monate, die Vorgaben der neuen Düngeverordnung umzusetzen.

Für alle stickstoffhaltigen Dünger, die mehr als 1,5 Prozent Gesamtstickstoff in der Trockenmasse aufweisen, gilt für die Wintermonate eine Sperrfrist.

Für Gründland gilt die Sperrfrist für Düngemittel mit wesentlichem Stickstoffgehalt vom 01.November bis zum 31. Januar.

Die Sperrfrist kann für Grünland um zwei Wochen verschoben werden. Mit der neuen Düngeverordnung ist die Verschiebung der Sperrfrist für Ackerland jedoch nicht mehr möglich.

Für das Düngen mit Mist von Huf- und Klauentieren muss lediglich vom 15. Dezember bis zum 15. Januar ausgesetzt werden.

Die Düngeverordnung betrifft unseren Arbeitsalltag direkt. Die folgenden Themen betreffen die Arbeit nicht unmittelbar, aber sind denke doch recht wissenswert:

1 Landwirtschaftliche Informationen per Video

YouTube ist nach Facebook mit das wichtigste, soziale Netzwerk, dass weltweit genutzt wird, wenn man sich die Nutzerzahlen anschaut.

Nun hat auch das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) die Video-Plattform für sich entdeckt und einen eigenen YouTube-Kanal aufgesetzt.

Neugierig? So informatiert das BZL über landwirtschaftliche Themen: 

Mit gutem Boden fängt alles an

Quelle: BZL – Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

Die derzeit ca. 40 Videos greifen verschiedenste Themengebiete auf, die von Pflanzenkrankheiten, schonender Bearbeitung von Ackerland, über den Anbau diverser Nutzpflanzen und der Nutztierhaltung bis hin zum sicheren Fahren von landwirtschaftlichen Maschinen reichen.

2 Folgen des Fipronil-Skandals

„Lieber ein Ei weniger als ein Ei, das nicht ganz in Ordnung ist“, so die Worte von Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister.

Die mit Fipronit belasteten Eier aus den Niederlanden sorgen weiterhin für Aufruhr. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Auswirkungen für den Eiermarkt und demnach für die Preise von Eiern gravierend sein werden.

Schmidt forderte beim Treffen der EU-Agrarminister in der estnischen Hauptstadt Tallinn einen besseren Informationsaustausch.

So seien in anderen Ländern die Informationen bereits seit Monaten verfügbar gewesen, wurden jedoch nicht an Deutschland weitergegeben.

Während die EU-Agrarminister den Skandal heute ausführlich diskutieren werden, versuchen die Niederlanden mit verschiedenen Maßnahmen, das Vertrauen in ihre Eier wieder auszubauen.

3 Weizenlager reichen für 123 Tage

Die weltweite Versorgung mit Weizen für 2017/2018 fällt reichlicher als in der vergangenen Saison aus, so der aktuellste Bericht des Internationalen Getreiderat (IGC).

Der weltweit erwartete Verbrauch von 738,4 Millionen Tonnen kann mit den Beständen somit für 123 Tage gedeckt werden. Dies sind zwei Tage mehr gegenüber dem Vorjahr.

Auch wenn der weltweite Endbestand von Weizen gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Millionen Tonnen auf rund 247,8 Millionen aufgestockt werden kann, so ist doch eher mit einer zukünftigen Abstockung der Bestände zu rechnen, wenn man China nicht berücksichtigt.

China alleine lagert rund 40 Prozent der globalen Weizenbestände. Exportieren tut es allerdings lediglich rund 1 Millionen Tonnen, eine Zahl, die sich kaum auf dem Weltmarkt bemerkbar macht, so die Rabobank.

Als Hauptgründe für eine mögliche Abstockung nennt die Rabobank die unterdurchschnittlichen Erträge in den wichtigsten Erzeugerregionen.

4 Super-Monster-Wolf für japanische Felder

65 Zentimeter lang und 50 Zentimeter groß, leuchtende LED –Augen, ein unbarmherziges Knurren und Heulen mit einer Lautstärke von 90 Dezibel – das ist der Super-Monster-Wolf, der japanische Reisbauern vor Wildtieren wie Wildschwein, Rehen und Vögeln beschützen soll.

Das zugeben nicht wirklich hübsche Tier „frisst“ Sonnenenergie, und harrt auf seinen Metallstelzen aus, bis es mit seinen Infrarotsensoren ahnungslose Beute aufspürt und diese entsprechend vertreibt.

Derzeit wird der Roboter in Japan in Versuchsprojekten noch getestet. Wie es aussieht, ist der Super-Monster-Wolf selbst für Bären, wie es sie auf der japanischen Insel Hokkaido gibt, sehr angsteinflössend.

Umrechnet kostet der Beschützer ca. 1500 EUR. Damit sich das Wildtier nicht an ihn gewöhnt, kann er auch andere Geräusche wie zum Beispiel menschliche Stimmen oder Schüsse wiedergeben und seinen Kopf hin und her bewegen.

Ausserhalb von Japan werden sich wohl die chinesischen Reisbauern freuen, wenn der Super-Monster-Wolf auch ihre Felder beschützen kann.

Hierzulande gibt es durchaus ähnliche Projekte, um Vogelscheuchen mit High-Tech effektiver scheuchen zu lassen.

Aber was meint ihr, könnte so ein Super-Monster-Wolf auch auf unserem Ackerland nützlich zum Einsatz kommen?

Lebensmittel-Pestizide-Landwirtschaft

Qualität von Lebensmitteln: kaum Pestizide auf dem Teller

Pestizide und Dünger – ohne die beiden wäre die Steigerung in der landwirtschaftlichen Produktivität in den letzten Jahrzehnten nicht möglich gewesen.

Dünger setzt sich vor allem aus den Elementen Stickstoff, Phosphor und Kalium vorhanden. Während Stickstoff und Kalium noch ausreichend vorhanden ist, wird das Phosphorvorkommen immer geringer.

Ohne Intervention könnten die für die Landwirtschaft verfügbaren Phosphorvorkommen Ende diesen Jahrhunderts erschöpft sein.

Rückgewinnung von Phospor wird Pflicht

In Zeiten, als noch mit Fäkalien gedüngt wurde, gelangten etwa genausoviel Nährstoffe zurück in den Boden, wie diesem zuvor entnommen wurden.

Die heutigen Methoden der modernen Landwirtschaft entnehmen dem Boden jedoch dreimal soviel Phosphor.

Gelangt dieser über die Flüsse ins Meer, wo er sich schließlich ablagert, wird er erst in Jahrmillionen wieder zugänglich sein.

Mit einer Änderung der Klärschwammverordnung will das Bundesumweltministerium der Verknappung dieser Ressource entgegenwirken.

Die Änderung der Klärschlamm-Verordnung passierte am vergangenen Donnerstag den Bundestag.

Demnach muss Phosphor aus Klärschlämmen zukünftig verpflichtend zurückgewonnen werden.

Eh die Umsetzung der Verordnung verpflichtend ist, werden jedoch noch 12-15 Jahre vergehen. Dies ist teils auf die langwierigen Genehmigungsverfahren für den Umbau der Anlagen zurückzuführen.

Der zurückgewonnene Phosphor soll vor allem für Düngezwecke eingesetzt werden.

Zudem sollen zukünftig nur noch Klärschlämme mit sehr geringen Schadstoffanteilen auf den Äckern verwendet werden dürfen.

Allerdings werden heutzutage eh schon weniger als ein Drittel der Klärschlämme zum Düngen genutzt. Der Großteil des Klärschlammes wird verbrannt. Das hierin enthaltene Phosphor geht hierbei jedoch verloren.

Wie kann die Rückgewinnung von Phospor erfolgen? Schaut selbst:

Klärschlammverwertung – Rückgewinnung von Phospor

Quelle: Stadt Zürich

Faszinierend, oder? Mit Kläranlagen assoziiert man wohl eher die nicht so angenehmen Seiten der Anlage. Aber habt Ihr Euch schonmal Gedanken darüber gemacht, wieviel Hightech und  komplexe Systeme in einer solchen Anlage stecken?

Wieso die Umsetzung der Verordnung bzw. der Umbau der derzeit bestehenden Anlagen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, lässt sich so wohl besser verstehen.

Während bei Phosphor nach Lösungen gesucht wird, mit denen einer Knappheit entgegengewirkt werden kann, wird über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln diskutiert, weil dieser oft als zu hoch angesehen wird.

Insbesondere in Lebensmitteln sollen die Rückstände zu hoch sein.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat nun in seinem Bericht „Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln“ die Ergebnisse einer im Jahr 2015 durchgeführten Untersuchung veröffentlicht.

Kaum Pestizide in deutschen und europäischen Lebensmitteln

Es wurden Lebensmittel auf ihre Belastung mit Rückständen von Pestiziden getestet.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass in Deutschland als auch in anderen EU-Ländern produzierte Lebensmittel selten zu hohe Rückstände aufweisen.

18.765 Lebensmittelproben wurden auf Pestizide hin untersucht. In der Untersuchung wurde der Fokus vor allem auf Gemüse und Obst gelegt.

Ein Teil davon wurde im Rahmen eines Monitorings zufallsverteilt ausgesucht.

Bei einem Großteil der Proben wurde der Schwerpunkt auf Lebensmittel gelegt, die erfahrungsgemäß verstärkt die Grenzwerte überschreiten.

Die höchste zulässige Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen in oder auf Lebensmitteln wird durch den „Rückstandshöchstgehalt (RHG) angegeben.

Auch wenn aufgrund der Auswahl kein Rückschluß auf alle erhältlichen Lebensmittel getroffen werden kann, so sind die Ergebnisse doch sehr interessiert.

Die Rückstände in Obst und Gemüse weisen eine große Spannbreite auf:

  • Häufig verzerrte Lebensmittel wie z.B. Kartoffeln, Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten wiesen kaum Werte über den RHG auf.
  • Bei exotischen Früchten wie z.B. Guaven, Ingwer, Passionsfrüchte oder Granatäpfel sind verstärkt RHG-Überschreitungen nachweisbar.

Bei in Deutschland und in anderen EU-Ländern produzierten Lebensmittel wurden bei 1,1 Prozent der Proben Werte über dem RHG festgestellt.

Die Grenzwerte wurden bei Produkten aus Drittländern mit 5,5 Prozent der Proben deutlich häufiger überschritten.

Spitzenreiter unter den Lebensmitteln, mit den häufigsten Überschreitungen, sind

  • Bohnen (mit Hülsen) – 7,6 Prozent Überschreitungen
  • frische Kräuter – 6,0 Prozent
  • Tee – 4,8 Prozent
  • Auberginen – 3,4 Prozent
  • Paprika – 3,0 Prozent

Es zeigte sich abermals, dass ökologisch angebaute Produkte deutlich weniger analytisch quantifizierbare Rückstände (65 Prozent rückstandsfrei) aufwiesen als konventionell produzierte Lebensmittel (36,6 Prozent).

In 14,7 Prozent der Proben wurde zudem Chlorat nachgewiesen, bei 6,9 Prozent der Proben in Mengen über dem RHG.

Lebensmittel aus dem ökologischen Anbau schnitten hierbei mit 8,5 Prozent aller Proben über dem RHG sogar schlechter ab als Produkte aus dem konventionellen Anbau.

Chlorat ist ein Pesitzid, dass wohl vor allem in der weiteren Verarbeitung, etwa im Zuge von Wasch- und Desinfektionsmaßnahmen, in die Lebensmittel gelangt.

Verarbeitete Lebensmittel waren von Chloratbelastungen besonders betroffen. Insbesondere in Säuglings- und Kindernahrung (3,1, Prozent Überschreitungen) als auch Obst und Gemüse (3,1 Prozent) wurden häufig beanstandet.

Säuglings – und Kindernahrung wies zudem besonders oft Überschreitungen des RHG beim Abbauprodukt Fosetyl (10,3  Prozent Überschreitungen) auf.

Über die Hälfte der untersuchten Erzeugnisse wurden dabei auf ökologische Weise produziert.

Es ist erfreulich, dass die Rückstände in Lebensmitteln zurückgehen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch, dass Lebensmittel, die als „sauber“ gelten, etwa Säuglings- und Kleinkindernahrung oder Bio-Produkte, nicht immer dem „Reinheitsanspruch“ entsprechen.

Eine Überschreitung des RHG in insgesamt nur 1,1 Prozent der untersuchten Lebensmittel widerlegt scheinbar die Stimmen, welche anprangern, dass Pestizide in zu hohen Mengen eingesetzt werden.

Wie interpretiert Ihr die Ergebnisse der Studie?

Bio-Landwirtschaft-Deutschland

Mehr Bio in der deutschen Landwirtschaft?

Wer die Schlagzeilen der letzten Tage verfolgt und Landwirt ist, wird vor lauter Empörung einfach nur sprachlos sein. Mit dem Ziel einer „besseren“ Agrarwirtschaft wird eine ganze Branche angegriffen. Aber wie steht es mit Bio in Deutschland?

Ob aus Reihen der Politiker oder der Kirche, es sind scharfe Worte, die derzeit gegen die Landwirte benutzt werden.

So nahm der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch die Grüne Woche zum Anlass, um in einem Radiowort wörtlich von

  • „katastrophalen Zuständen in den großen Tierfabriken“,
  • „unsäglichen Bedingungen“,
  • „die viel zu großen Mastbetriebe, die einzig und allein auf den Profit setzen“
  • „Grundwasser wird verseucht“
  • „Billiglöhne sorgen für ein modernes Sklaventum“

zu reden.

Und es geht weiter: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks zieht derzeit mit einer großangelegten Werbekampagne den Berufsstand des Landwirts in ein schlechtes Licht.

Bauernregeln für mehr „Bio“ in der Agrarwirtschaft?

Pünktlich zum Start der öffentlichen Konsultation der EU zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik zieht sie mit „neuen Bauernregeln“ ins politische Schlachtfeld.

Ziel soll es sein, „für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung zu werben“.

Die Frage ist, wie bitte schön sollen Sprüche wie

  • „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur.“
  • „Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.“
  • „Ohne Blumen auf der Wiese geht’s der Biene richtig miese.“ oder
  • „Bleibt Ackergift den Feldern fern, sieht der Artenschutz das gern.“

zu Nachhaltigkeit und Naturschutz beitragen?

Kein Wunder, wenn die Empörung groß ist, wird doch die gesamte Agrarwirtschaft mit solchen Äußerungen an den Pranger gestellt. Der Deutsche Bauernverband etwa spricht von „staatlichem Mobbing gegen den landwirtschaftlichen Berufsstand.“

Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Landwirtschaft kann so definitiv nicht erfolgen.

Zudem, werden die Rahmenbedingungen für diesen Wirtschaftszweig nicht auch von der Politik festgelegt?

Und wo bitte schön wird von der Verantwortung des Verbrauchers, der Großeinkäufer, der Anbieter von Lebensmitteln und den anderen Beteiligten im landwirtschaftlichen Kreislauf gesprochen?

Ein Markt wird nicht nur von dem Angebot, sondern auch von der Nachfrage bestimmt.

Es stellt sich die Frage, wie Nachhaltigkeit in Deutschland umgesetzt oder, folgt man den Anschuldigungen, nicht umgesetzt wird.

Eine Form der Landwirtschaft, die sich ohne Zweifel die Nachhaltigkeit und den Tierschutz auf die Fahne geschrieben hat, ist die ökologische Agrarwirtschaft.

Wie steht es um die ökologische Landwirtschaft in Deutschland?

Bio ist zu einem gängigen Begriff geworden. Selbst beim Discounter kann man heute selbstverständlich Lebensmittel erwerben, die ökologisch produziert wurden.

Bio ist voll im Trend und boomt. So der gängige Eindruck.

Mit steigendem Gesundheitsbewusstsein, achten die Verbraucher nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die Art und Weise, wie Produkte hergestellt wurden.

Die steigende Nachfrage nach Bio kann dabei von der aktuellen Anzahl ökologischer Erzeuger nicht gedeckt werden.

Große Nachfrage zu höheren Preisen: Das klingt doch nach rosigen Aussichten für Produzenten von Bio-Lebensmitteln, oder?

Mit Bio in die Pleite?

Quelle: HDReportagen

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die ökologische Landwirtschaft in Deutschland mit großen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Auch wenn diese Form der Landwirtschaft in den letzten Jahren leichte Wachstumszahlen im Umsatz verzeichnen konnte, Bio ist weiterhin ein Nischenprodukt.

Das Wachstum in Anzahl von Bio-Höfen und ökologischen Agrarfläche ist in den letzten Jahren stagniert.

Was sind die Ursachen?

Zum einen bedeutet Bio nicht gleich regional.

Jedes dritte frische Produkt in Bio-Qualität wird mittlerweile beim Discounter & Co. gekauft.

Aber die Ware kommt zumeist nicht aus Deutschland. Es wird in Ländern produziert, in denen die Produktionskosten deutlich unter denen in Deutschland liegen.

Die hiesige Produktion in ökologischer Qualität konkurriert mit Bio-Importen aus anderen Teilen der Welt.

Hinzukommt, dass eine Umstellung langwierig und teuer ist. Erst nach zwei Jahren ökologischer Produktion kann der Landwirt „Bio-Preise“ für seine Produkte beanspruchen.

Angesichts steigender Preise für konventionell produzierter Rohstoffe muss neben dem marktwirschaftlichen Denken schon eine gehörige Portion Idealismus die Entscheidung zum Umstieg beeinflussen.

Ein weitere Herausforderung ist von der deutschen Agrarpolitik hausgemacht. Die Förderung von Biogasanlagen hat in einigen Regionen zu Pachtpreisen geführt, die von Bio-Bauern einfach nicht gezahlt werden können.

Es fehlt die Fläche für den Anbau von Bio-Lebensmitteln, weil Biogasanlagen mit ihrem 20-jährigen Bestandsschutz einfach lukrativer sind.

Dies sind nur einige Ursachen. Noch nicht angesprochen sind hierbei etwa die Herausforderungen die entstehen, um die strengen biologischen Auflagen zu erfüllen.

So verbreiten sich Pestizide und Co kilometerweit über Luft und Wasser. Sie machen nicht halt, weil die angrenzende Agrarfläche biologisch bewirtschaftet wird.

Mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz sind unumstritten wichtige Ziele. Dem wird wohl kein Landwirt widersprechen.

Die oben aufgeführten Äusserungen von Politik und Kirche, so einseitig und diffamierend sie sind, zeigen auch, dass Diskussion- und Handlungsbedarf besteht.

Aber wie am obigen Beispiel aufgezeigt, Landwirtschaft befindet sich in einem komplexen Gefüge mit unzähligen Faktoren und Beteiligten im Kreislauf.

Dies gilt genauso für die biologische als auch konventionelle Landwirtschaft.

Ein einzelnes Glied in der Wirtschaftskette herauszupicken und kategorisch zu verteufeln, kann nicht die Antwort auf die Fragen der Zukunft sein.

Welche Maßnahmen sind Eurer Meinung nach notwendig, um mehr Nachhaltigkeit und Artenschutz in Deutschland besser fördern zu können?

Blumenwiese-Bienen

Blumenwiesen für Bienen

Bienen sind eines der wichtigsten Nutztiere der Menschen. Zusammen mit Hummeln oder auch Schmetterlingen sind sie von großer ökologischer als auch ökonomischer Bedeutung. Denn ohne Bienen keine Bestäubung. Ohne Bestäubung keine Ernte. 

Wie wichtig die kleinen Insekten für uns sind, hat wohl schon Einstein erkannt, auch wenn es zu seiner Zeit wohl noch kein Problem mit dem Lebensraum für Biene und Co. gab:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keineBestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Albert Einstein

Monokulturen, gentechnisch veränderte Pflanzen, der Einsatz von Pestiziden, das Verschwinden von natürlichen Grünflächen, Schädlinge wie die Varroamilbe … die Feinde für Bienen und Co. klingen übermächtig. Und mit Ihnen steht die Landwirtschaft schnell in einem schlechten Licht. 

Aber es braucht keine übermächtigen Maßnahmen, um Bienen und andere Insekten einen Lebensraum und Nahrung zu bieten. Bei Agrarbetrieb schließen sich Nachhaltigkeit und Landwirtschaft nicht aus.

Blumenstreifen und -flächen werden entlang der Felder angebaut und bieten mit Ihrem Mix an sorgfältig ausgewählten Pflanzen auch für größere Tiere eine vielseitige Nahrungsquelle. 

„Mir ist es wichtig, dass ich über diese Schiene einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten kann.“ Roland Dömling

Blumenstreifen gegen das Verhungern von Bienen

Bewusst gepflanzte Blühstreifen und -flächen in der Landwirtschaft sehen nicht nur schön aus, sondern sichern auch das Überleben unzähliger Insekten und andere Tiere. 

Blumenstreifen sind zudem nicht nur schön anzusehen. Die bunten Streifen am Rande der Felder können, wenn sie richtig angelegt werden, Schädlinge abhalten, und damit sogar den Einsatz von Pestiziden eingrenzen.

 

Anlegen einer Blumenwiese

 

Quelle: FiBLFilm

Die Schritte zur erfolgreichen Blumenwiese

Auswahl des Standorts

Das Anlegen einer Blumenwiese beginnt mit der Auswahl des Standortes. Es müssen nicht immer gleich großflächige Blühflächen angelegt werden.

Für viel Insekten ist ein Blühstreifen am Rand des Feldes schon eine große Oase. Ideal sind Hecken und Baumgruppen in der Nähe der Blühstreifen, die den Insekten zudem noch eine zu Hause bieten.

Generell gilt jedoch, desto breiter der Streifen, desto mehr Artenvielfalt.

Auswahl der Saatmischung

Der nächste Schritt ist die Auswahl der Saatmischung: einjährige, überjährige oder mehrjährige Mischungen.

Im Gegensatz zu einjährigen Mischungen, enthalten mehrjährige Mischungen einen Mix aus Kultur- und auch Wildpflanzen,  die zumeist frosthart sind.

Von Frühjahr bis in den Spätherbst benötigen Bienen Blumen. Deshalb ist ein Mix, der verschiedene Pflanzen über das Jahr verteilt blühen lässt besonders attraktiv.

Es ist zudem empfehlenswert, besonders naturbelassenes Saatgut zu nutzen, da viele neu gezüchtete Blumen nur wenig oder sogar keinen Nektar produzieren.

Und nicht zuletzt gibt es da auch die regionalen Unterschiede. Mischungen mit gebietstypischen Pflanzen berücksichtigen die spezifischen Gegebenheiten vor Ort, auf welche sich Pflanzen und Tiere über Jahrtausende hin spezialisiert haben.

Vorbereitung des Saatbeetes

Weiterhin ist die gründliche Vorbereitung des Saatbettes für den Erfolg der Blühfläche entscheidend.

Der Anbau einer Blühfläche ist in dieser Hinsicht ebenso anspruchsvoll wie der Anbau eines Getreidefeldes. Die Aussaat sollte auf einem unkrautfreien, lockerem und feinkrümeligen Feld erfolgen.

Wenn das Unkraut vorab nicht sorgfältig entfernt wurde, kann passieren, dass sich das Unkraut schnell ausbreitet.

Blühmischungen werden sich gegen dieses nicht durchsetzen können.

Technik bei der Aussaat

Im weiteren Schritt ist die richtige Technik bei der Aussaat ebenso kritisch für eine schöne Blumenwiese. Generell können Drillmaschinen für die Aussaat genutzt werden.

Das Saatgut sollte hierbei am besten, aufgrund der unterschiedlichen Korngrößen, mit einem Füllstoff aufbereitet werden, damit die gleichmäßige Durchmischung und Dosierung gegeben ist.

Während ein- und überjährige Mischungen eine Saattiefe von 1-2 Zentimetern bevorzugen, lieben mehrjährige Saatmischungen wenn möglich das Ablegen auf der Oberfläche mit einem anschließenden Anwalzen.

Erfreuen an der Farbenpracht

Nach all der Arbeit kommt nun der schöne Teil: einmal ausgesäht und erblüht, könnt Ihr das Ergebnis Eurer Arbeit einfach geniessen. Die Blumenwiesen können nun sich selbst überlassen werden.

Auch das Mulchen oder Mähen sollte nur im äußersten Notfall erfolgen, denn hierdurch wird der Lebensraum der in der Blühfläche lebenden Tiere zerstört.

Am Unkraut stört sich mehr der Landwirt als das Tier.

Patenschaft für eine Blumenwiese

Aber die eigene Blumenwiese geht auch ganz ohne Arbeitsaufwand. Ihr könnt Eure eigene Blumenwiese mit einer Blumenwiesenpatenschaft haben.

Wenn Ihr etwas persönliches an einen ganz besonderen Menschen verschenken möchtet, dann schenkt ihm doch eine Wiese voller Blumen für ein ganzes Jahr.

Eine Blumenwiesenpatenschaft bereitet nicht nur Freude, sondern gibt vielen Insekten zudem einen Lebensraum. Das passende Geschenk für alle Naturliebhaber. 

Agrarbetrieb sieht an den Schmetterlingen, welche wieder in größere Anzahl und Vielfalt über die Felder fliegen, dass die Blumenwiesen ein Erfolg sind. Was ist Eure Erfahrung mit Blühstreifen- und flächen?  

Bio Agrarbetrieb Landwirtschaft

Bio – eine Nische im Trend

Bio ist in aller Munde. Das Bewusstsein der Verbraucher für ökologisch erzeugte Lebensmittel steigt. Die Lebensmittelindustrie steht jedoch noch ganz anderen Herausforderungen gegenüber.

Bio-Lebensmittel – eine steigende Nachfrage

Wer kennt das nicht. Man sitzt abends gemütlich beim Essen mit Freunden und es fällt das Wort „Bio“.

Am liebsten würde man sich direkt die Ohren zu halten, denn man weiß, was kommt: eine lange Diskussion über Sinn und Unsinn von Bioprodukten.

Für die einen ist es fast eine Religion, für die anderen der größte Humbug.

Fakt ist, Verbraucher hinterfragen immer mehr, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Das Bewusstsein der Verbraucher für die Herkunft und Qualität der Lebensmittel steigt stetig.

Und Bio sorgt nicht nur für Gesprächsstoff, sondern ist ein Trend mit steigenden Umsätzen. Betrug der Umsatz von Bio-Lebensmitteln im Jahr 2000 noch 2,1 Milliarden EUR, wurde im Jahr 2015 der 4-fache Umsatz in Höhe von 8,62 Milliarden EUR erwirtschaftet.

Dies entspricht einer Steigerung von 11 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. (Quelle: Statista.com)

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt, aber kann die Produktion mithalten?

Ein paar interessante Zahlen zum Bio-Markt in Deutschland

  • Knapp 9 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe, genau 24.343 Höfe,  waren in 2015 Bio-Höfe.
  • 6,4 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurde in 2015 für den Bio-Anbau genutzt. (Der EU-Durchschnitt lag bei 5,7 Prozent.)
  • Dennoch machten Bio-Produkte in 2014 nur 4,4 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. (Im Vergleich: Europäischer Spitzenreiter ist Dänemark mit 7,6 Prozent Umsatzanteil.)
  • 55 Prozent des Umsatzes von Bio-Lebensmitteln wird im Lebensmitteleinzelhandel erwirtschaftet. Naturkostfachgeschäft sind mit ca. 31 Prozent am Umsatz beteiligt. Wochenmärkte, Hofläden, Metzgereien und ähnliches erwirtschaften 13 Prozent am Bio-Umsatz.

Quelle:   Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft

Die Zahlen zeigen deutlich: auch wenn der Verbraucher den Eindruck hat, dass Bio wie nie zuvor boomt, letztendlich ist Bio dennoch ein Nischenmarkt.

Warum ist das so? Ist Bio nicht gesünder? Und nachhaltiger? Sprich, besser?

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Nachhaltigkeit und Qualität sind gefordert. Und das bei hohen Produktionsmengen.

Die Ernährung der wachsenden Bevölkerung ist eine der Schlüsselherausforderungen der Zukunft, denn die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden knapper und sind bereits teils stark überlastet.

Klingt deprimierend? Oder spannend?

Vor großen Herausforderungen gestellt, haben Menschen schon immer große Lösungen gefunden. Was haltet Ihr von nachfolgendem Konzept:

Quelle: FUTUREMAG – ARTE

Wie findet Ihr die urbane Revolution? Meint Ihr, vertikale Bauernhöfe wären auch was für Deutschland?

Sind Bio-Lebensmittel zu teuer?

Wer sich nur den Ladenpreis für Bio-Lebensmittel gegenüber konventionell hergestellten Lebensmitteln anschaut, könnte meinen, dass Bio-Qualität einfach teuer ist.

Die gleichen Lebensmittel mit Bio-Siegel lassen den Verbraucher tiefer in die Tasche greifen.

Aber wär das noch so, wenn man die externen Kosten, welche durch die konventionelle Landwirtschaft entstehen, mit einbezieht?

Wie würden die Preise wirklich aussehen, wenn die externen Kosten, wie die Reinigung des Grundwasser von Pestiziden und Düngern oder der Verlust der Artenvielfalt, mit in den Apfelpreis beim Discounter einbezogen werden?

Das Blatt kann sich schnell wenden.

Konventionelle versus Ökologische Landwirtschaft

Kommen wir nochmals auf die Frage zurück: ist Bio besser?

Die Antwort hängt wohl davon ab, wenn man fragt.

Gerne wird das eine verteufelt, das andere in den Himmel gelobt. Dabei sitzen doch eigentlich alle im gleichen Boot.

Verbraucher möchten Lebensmittel mit hoher Qualität zu guten Preisen.

Ein Landwirt produziert Lebensmittel, für die Ernährung der Bevölkerung. In bestmöglicher, wirtschaftlich realisierbarer Qualität.

Auch ein Landwirt möchte mit seiner Arbeit ein gutes Leben für sich und seine Familie ermöglichen. Auch ein Landwirt ist in seiner Arbeit von den Gegebenheiten seiner Branche, seines Marktes beeinflußt.

Seine Investitionen in Maschinen und Produktionssysteme, die gestern quasi noch das Nonplusultra waren, müssen sich rentieren. Ein Wechsel von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft will erst einmal finanziert sein und muss sich wirtschaftlich rechnen. 

„Land unter“ gefährdet die Ernte 2016

Ob konventionell oder ökologisch, Erntemengen und deren Qualität sind für viele Landwirte aktuell die Hauptsorge.

Die starken Unwetter der letzten Wochen haben viele Felder überschwemmt. Das generell feuchtwarme Wetter erhöht die Infektionsgefahr für Fusariosen.

Und es ist kein Ende in Sicht.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor weiteren Unwettern, die in Gebieten mit wassergesättigten Böden das Risiko von Überschwemmungen und Hochwasser steigen lassen.

Landwirte können jedoch auf Hilfe vom Land rechnen. Länder wie Bayern, Baden-Württemberg oder NRW, deren Regionen besonders stark betroffen sind, haben Soforthilfen zugesagt bzw. Hilfspakete beschlossen.

Weitere Informationen zur Antragstellung und deren Fristen erhaltet Ihr bei Euren örtlich zuständigen Verwaltungen.

Und natürlich bietet auch das Hochwasser eine passende Gelegenheit,  die industrielle Landwirtschaft in den Schlagzeilen zu diskutieren, denn mancherorts wird gerade der intensive Maisanbau in der Region für die extremen Ausmaße des Hochwassers verantwortlich gemacht.

Wie steht Ihr zu dem Thema ökologische Landwirtschaft? Meint Ihr, es wird eine Nische in der Landwirtschaft bleiben oder meint Ihr, die Zukunft der Landwirtschaft heißt „Bio“?