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Bauerngeschichten

Bauerngeschichten aus Russland, Frankreich und den USA

Es sind ein paar Jahre her, dass ich über den deutschen Bauer Stefan Dürr berichtet habe, der sich in Russland ein Agrarimperium aufgebaut hat. Heute blicken wir nach Sibirien und schauen was er zwischenzeitlich alles Neues auf die Beine gestellt hat. Diese und weitere Bauerngeschichten erwarten Euch im heutigen Blog.

Vom Praktikanten zum größten Agrar-Unternehmer Russlands

45.000 Hektar an nur einem Standort – das sind ca. 20×20 km.

In Deutschland, fast unvorstellbar. Denn hierzulande bewirtschaftet ein Landwirt im Durchschnitt 60 Hektar.

Ende der 90er Jahre kam Stefan Dürr im Rahmen eines Austauschprogramms des Deutschen Bauernverbands nach Russland. Damals ahnte noch keiner, dass ein deutscher Agrarstudent, die schwächsten Betriebe aus der Region Sibiriens in das größte Agrar-Imperium Russlands umwandeln würde.

Heute besitzt er 200.000 Hektar Land und 60.000 Kühe. Mehr als 4.000 Mitarbeiter beschäftigt sein Agrarunternehmen. Russland ist sein neues Heimatland geworden.

In 2014 war es dann soweit: Präsident Putin überreichte ihm persönlich die russische Staatsbürgerschaft. Schlagzeilen machte Stefan Dürr nicht nur durch dieses Ereignis, sondern auch dadurch, dass er Putin zu Gegensanktionen gegen die EU beraten hat.

Die nachfolgende ARTE-Reportage zeigt einen tollen Einblick in das Leben eines deutschen Agrarunternehmers der es geschafft hat unter härtesten Bedingungen ein Imperium aufzubauen.

Quelle: DW Deutsch, YouTube

Bauerngeschichten aus Los Angeles

Ein gelernter Landwirt und studierter Agrartechniker könnte dieses Jahr einen Oscar holen.

Wie jetzt? Wofür denn?

Gerd Nefzer ist Special Effects Spezialist. Und jetzt hat er es nach Los Angeles auf die große Bühne der Oscarverleihungen geschafft. Er ist der „Wettermacher“ für das Kinohighlight „Blade Runner 2049“. Und für seine großartige ‚Nebel, Regen, Schnee und Sturm‘ – Leistung wurde er jetzt für den Oscar nominiert.

Am 4. März könnten wir alle das Wunder erleben, wenn es dann heißt: „And the Oscar goes to ….“

Blicken wir aber mal kurz zurück auf seine Vita, denn diese ist mehr als spannend.

Die Special Effekte Firma wurde von seinem Schwiegervater Karl Nefzer in 1968 in Schwäbisch Hall als Verleih von Filmautos und -waffen gegründet. In den 80-er Jahren baute dieser mit Sohn Uli und Schwager Gerd die Sparte Special Effects auf.

Der 52-Jährige Gerd Nefzer blickt auf eine 30-Jährige Karriere als Spezialist für Spezialeffekte. Er erstellte Spezialeffekte für folgende bekannte Kinofilme:

  • The Hunger Games: Mockingsjay – Part 1 und 2
  • Bridge of Spies
  • Berlin Falling
  • The Grand Budapest Hotel
  • Resident Evil
  • und viele mehr

Eine aktuelle Liste aller Filme wo er für die Spezialeffekte zuständig war, findet Ihr unter IMDb.

Wir drücken ganz fest die Daumen für unser Landwirtkollegen und hoffen ganz stark, dass am 4. März ein Bäuerle aus dem Schwabenländle doch noch den Oscar gewinnt.

Quelle: Welt

Unschöne Bauerngeschichten aus Frankreich

Nach den beiden erfolgreichen Bauerngeschichten, geht’s nach Frankreich wo wir leider etwas unschönes vorfinden. Immer mehr Agrarbetriebe sehen sich gezwungen Insolvenz anzumelden.

In 2017 meldeten 1.554 Agrarbetriebe Insolvenz an. Das ist ein Anstieg von 9,7% gegenüber dem Vorjahr.

Dies geht aus der Jahresbilanz des Wirtschaftsbüro Altares hervor, welcher Ende Januar in Paris vorgestellt wurde. Auf die jeweiligen Sektoren teilte sich die Zahl der Insolvenzen wie folgt auf:

  • 725 Betriebe aus der Tierhaltung — das entspricht einer Steigerung von 18,9%
  • 584 Insolvenzen aus dem Pflanzenbau — Steigerung von 5,2%
  • 245 Betriebe aus den Bereichen Jagd, Fischerei und Forst — leichter Rückgang um 2,4%

Auch regional ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Manche Regionen wurden stärker von den Insolvenzen betroffen als andere. Besonders erwähnenswert sind folgende drei Regionen:

  • Bourgogne-Franche-Comte (Osten Frankreichs): 44,8% mehr geschäftsunfähige Betriebe als im Vorjahr; mit 46,7% am stärksten die Tierhalter betroffen
  • Pays de la Loire (Westen Frankreichs): 64% mehr Betriebspleiten in der Tierhaltung und damit eine durchschnittliche Insolvenzzunahme von 22,9% im Agrarsektor
  • Auvergne-Rhone-Alpes (südöstlich von Paris): 53,4% mehr geschäftsunfähige Betriebe als in 2016; mit 56,7% am stärksten die Betriebe aus dem Pflanzenbau betroffen

Quellen: Altares, Agra-Europe, Schweizer Bauer

Auch hierzulande sieht es immer unschöner aus. Und wenn es heißt, „hier sind die aktuellen Zahlen der Agrarstrukturerhebung“ dann wissen wir, dass das Ende der Betriebsschließungen noch lange nicht in sicht ist.

In 2016 gab es nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. In weniger als 3 Jahren mußten weitere 9.000 Betriebe schließen. Soviel zum Thema Strukturwandel in Deutschland.

Sobald die ersten vorläufigen Ergebnisse für das Jahr 2017 vorliegen, werde ich berichten.

Enden wir doch mit einer positiven Note…

Welche spannende Bauerngeschichten sind bei Euch über die Jahre hängen geblieben?

landwirtschaft-tierschutz-nachhaltigkeit

Umsetzung von Tierschutz in der Landwirtschaft

Ein gesundes und erfolgreiches 2017! Für viele Landwirte war 2016 ein herausforderndes Jahr. Schauen wir mal, was 2017 für die Landwirtschaft bereithält.

Das Jahr beginnt für Küken, zumindest für solche, die mal Legehennen werden, gut.

Denn mit Beginn diesen Jahres wurde in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Kürzen von Schnäbeln von Küken nun endgültig verboten.

Mit ca. 18 Millionen Legehennen steht Niedersachsen als Erzeuger von Eiern an erster Stelle unter den Bundesländern.

Es begann bereits vor einigen Jahren mit dem Ausstieg aus der Praxis. Die Frist für noch bestehende Ausnahmeregelungen, ist nun auch abgelaufen.

Landwirtschaft und Tierschutz bei Geflügel

Eine Umfrage bei Brütereien ergab, dass im Sommer 2016 bereits 90 Prozent der Halter von Legehennen  auf das Schnäbelkürzen verzichteten.

Die Bundesregierung hat bisher auf eine einheitliche rechtliche Regelung im Tierschutzgesetz verzichtet.

Es besteht jedoch seit Juli 2015 eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Mit Beginn des Jahres 2017 sollen nun in Deutschland keine Junghennen mit gekürzten Schnäbeln mehr eingestallt werden.

Die Praxis ist aus Sicht des Tierschutzes äußerst bedenklich, denn der Schnabel ist für Hühner ein sehr empfindliches Tastorgan.

An dieser Stelle eine Amputation durchzuführen, ist für die Tiere eine Prozedur, die mit oft langhaltenden, qualvollen Schmerzen verbunden ist.

Eine Umsetzung der Abschaffung solcher, in der Praxis gängigen Verfahren, ist nur möglich, wenn alle Akteure in der Wirtschaftskette mit machen.

So hatte Niedersachsen 2014 auch eine Vereinbarung mit den Handel getroffen, dass dieser deutschlandweit beim Ausstieg dabei ist. 

Glückliche Legehennen: Es geht auch ohne Schnäbel kupieren

Quelle: Hermannvid

Das Kürzen von Schnäbeln wurde in der Vergangenheit bei fast allen Küken durchgeführt, die für die konventionelle Legehennenhaltung bestimmt waren.

Die Schnäbel wurden gekürzt, damit die Hennen sich nicht gegenseitig durch Federpicken oder Kannibalismus verletzen konnten.

Unter Federpicken versteht man das Herausrupfen von Federn bei Artgenossen. Kannibalismus ist das Ziehen oder Picken an der Haut anderer Hühner.

Federpicken – Werden alternative Lösungen vom Verbraucher gezahlt?

Die Ursachen, die zu einem derartigen Verhalten der Hühner führen, sind vielfältig.

Es gibt wohl Faktoren, die Verhaltensstörungen der Hühner fördern können, etwa wenn

  • die Besatzdichte sehr hoch ist,
  • das Ernährungsangebot nicht ausgewogen ist, d.h. die Tiere in Bezug auf bestimmte Nährstoffe unterernährt sind,
  • den Tieren Beschäftigung oder Bewegung in Form von Scharren oder Bodenpicken fehlt…

Sprich, wenn generell die Bedingungen der Haltung nicht wirklich artgerecht sind.

Entsprechend enthalten Lösungsansätze, mit denen Federpicken und Kannibalismus vermieden werden soll, Maßnahmen, die den Tieren ein Leben ermöglichen, das mehr seiner Natur entspricht.

Aber wie immer, es mangelt nicht an den Konzepten, die den Nutztieren, eine artgerechtere Haltung ermöglichen.

Es gibt Haltungsformen, die den Hühner mehr Beschäftigungsmöglichkeiten und ein Futter zugestehen, dass ausgewogene Nährstoffkombinationen beinhaltet.

Die Frage ist: sind die Verbraucher auch bereit, hierfür zu zahlen? Und wird er genügend darauf hingewiesen, warum ein Ei mehr kostet als das andere?

Eine Haltung mit ungekürzten Schnäbeln führt zu Mehrkosten in der Produktion.

„Ich setze darauf, dass der Handel die zu erwartenden Mehrkosten von drei bis vier Cent pro Ei an die Landwirte weiterleitet und dass er wie angekündigt keine Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln etwa aus dem Ausland mehr anbietet“, so Christian Meyer, Landwirtschaftsminister Niedersachsen

Verarbeitete Eier unterliegen derzeit jedoch noch keiner Kennzeichnungspflicht. Oft kommt es hierbei wohl zum Einsatz von billigen Käfigeiern aus dem Ausland.

Die Diskussion um das Schnäbelkürzen verdeutlicht wieder das Spannungsfeld, in dem moderne Landwirtschaft ständig ihren Weg finden muss: Wirtschaftlichkeit versus Natur.

Sicherlich ist eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur möglich: artgerechte Tierhaltung, bodenschonende Landwirtschaft, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel,…

Bloß wer wird dies bezahlen? Weltweit sinkt die landwirtschaftliche Fläche aufgrund zunehmender Urbanisierung. Das heißt, weniger Landwirtschaft aber mehr Münder sind zu füttern.

Die Einkommenskluft wird größer. Wir leben in einem Zeitalter, mit rasanten Änderungen auf dem Arbeitsmarkt, weltweit. Die Masse der Menschen, die von einem geringen Einkommen leben muss, wird größer. Auch in Deutschland.

Ein Verbraucher, der im Monat mit seinem Geld kaum über die Runden kommt, wird zum billigen Ei greifen, wenn es darum geht, seine Familie zu ernähren.

Tests zeigen immer wieder, dass die Verbraucher schnell dabei sind, zu verurteilen und nach naturbelassenen Produkten zu schreien. Vor die Wahl gestellt, wird im Supermarkt dennoch die „gerade Einheitsgurke“ gegenüber der „krumgewachsenen Naturgurke“ bevorzugt.

Und dies sind nur drei der unendlichen Liste an Faktoren, in den denen moderne Landwirtschaft heute operieren muss. Alleine diese können überwältigend wirken. 

Fakt ist, auch 2017 wird der Strukturwandel in der Landwirtschaft voranschreiten. Er wird viele Landwirte vor schwere Zeiten stellen. Und genauso für viele Landwirte neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. 

Die Änderungen werden sich vollziehen, ob wir wollen oder nicht. Es liegt an uns, ob wir lieber die Augen verschließen, an bisher Bewährtem festhalten, oder mit offenen Augen, in die Zukunft blicken. 

Ihr seht, auch 2017 wird uns weiter herausfordern. Aber deshalb lieben wir wohl auch die Landwirtschaft: es bleibt einfach spannend und Langeweile kommt nie auf. 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen für Eure Landwirtschaft im Jahr 2017?

Landwirtschaft in Deutschland 2014

Landwirtschaft in Deutschland: Änderungen zum 1. Januar 2014

Nächsten Mittwoch starten wir alle – hoffentlich – frisch, erholt und voller Energie ins Neue Jahr. Aus der Politik kommen einige Änderungen auf uns zu aber bevor ich auf diese eingehe, möchte ich die letzten Meldungen des Jahres 2013 kurz zusammentragen. Welche waren die wichtigsten Trends und Entwicklungen in der Landwirtschaft in Deutschland?

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Mitte Dezember legte die EU-Kommission in Brüssel den aktuellen Jahresbericht zur Entwicklung der ländlichen Räume vor. Der Bericht weist darauf hin, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union zwischen 2007 und 2010 um 12% gesunken ist. Laut dem Bericht dominieren in der EU weiterhin die kleinen Betriebe obwohl die durchschnittliche Betriebgrösse steigt. Fast alle kleinen Höfe werden von Familien bewirtschaftet. Familienbetriebe sind die herrschende Organisationsform in der EU-Landwirtschaft.

DEIN GESCHENK VON AGRARBETRIEB: Startpaket für innovative Landwirte

In folgenden EU-Ländern finden sich weiterhin die größten Durschnittsbetriebe: Ostdeutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Slowakei, Tschechische Republik und Spanien (in Teilen von Spanien).

Landwirtschaft in Deutschland – Strukturwandel und die Folgen

Landwirtschaft in Deutschland: Preise für Ackerland explodieren

In unserem Beitrag vom 19.12 haben wir über das Land Grabbing Phänomen berichtet. Im Mittelpunkt des Beitrags waren junge Bauern und Familienbetriebe die hierzulande gegen Konsortien (internationale Anlegerfonds und Investoren) kämpfen. Weiterlesen