Traktorenmarkt in Deutschland auf Agritechnica 2015

Traktorenmarkt: 15,4% weniger Zulassungen als im Vorjahresmonat

Es sieht gar nicht gut aus mit dem Traktorenmarkt in Deutschland. Von einer Erholung kann man nach der Veröffentlichung der letzten Statistiken nur noch träumen. Ein zweistelliges Minus… so die jüngsten Ergebnisse.

Es ist crazy… total verrückt… das was zur Zeit in Europas führenden Ländern Deutschland und Frankreich passiert. Genauer gesagt, bezieht sich die Aussage auf das was aktuell im Lebensmitteleinzelhandel gespielt wird.

Während der LEH in Deutschland erneut auf die Preistube drückt — siehe die jüngste Pressemeldung des Discounters Norma und die 16% Reduzierung des Einkaufspreises pro Kilogramm Butter (die 250 g Packung kostet nur noch 0,75€, gesenkt von 0,89€) — zeigt sich der französische LEH solidarisch mit den heimischen Milcherzeugern und spendet 3 Cent pro Liter verkaufter Milch der Eigenmarke in ein Fond der Milchviehhalter unterstützt.

So hat sich Lidl Frankreich z.B. dazu verpflichtet, diese Maßnahme bis zum 1. September 2016, d.h. für sechs Monate umzusetzen.

Der Konkurrent E. Leclerc beteiligt sich ebenfalls an dieser Aktion. Die französische Kette erklärte, den Milchpreis auf dem Niveau von 2015 zu belassen und damit keine weitere Milchpreissenkungen vorzunehmen.

 

Eine äusserst interessante und zukunftsweisende Maßnahme die unsere Kollegen in Frankreich zusammen mit dem LEH erzielt haben. Da stellt sich die Frage, weshalb sowas nicht auch bei uns in Deutschland umgesetzt wird… Die Handelskette Lidl gibts ja auch bei uns.

Traktorenmarkt… keine Erholung in Sicht

Es gibt neue Zahlen von der VDMA Landtechnik. Im Januar 2016 wurden insgesamt 1.293 Traktoren neu zugelassen. Das sind 15,4% weniger als im Vorjahresmonat.

Die Situation in den jeweiligen Leistungsklassen stellt sich wie folgt dar:

Die großen PS-Klassen tragen wesentlich zum schlechten Gesamtergebnis bei

  • Der Absatz in der Leistungsklasse über 150 PS (110 kW) ging um ein Drittel zurück (31,2%). Es gab 346 neu zugelassene Traktoren. Ein Jahr zuvor, im Januar 2015 waren es noch 503 Traktoren.
  • In dem Segment 101-150 PS (75-110 kW) wurden insgesamt 212 Traktoren neu zugelassen. Das sind 21,5% weniger als im Januar 2015 (270 Traktoren).

Gegensätzlicher Trend bei der Leistungsklasse 51-100 PS

Das einzige Segment was positiv heraussticht ist die Klasse 51-100 PS (38-74 kW). Im Januar 2016 wurden 269 Traktoren neu zugelassen (263 im Januar 2015). Demnach stieg der Absatz hier um 2,3% leicht zu.

Blickt man jedoch auf das Jahresergebnis, dann bleibt diese Kategorie diejnige mit dem größten Verlust; ein Minus von 34% aufs Jahr kumuliert.

Segment bis 50 PS leicht rückläufig

In der Leistungsklasse bis 50 PS (37 kW) wurden 466 Traktoren neu zugelassen. Das sind 5,3% weniger als im Vorjahresmonat. Auf das Gesamtjahr kumuliert, sieht es momentan mit einem zweistelligen Plus von 26% ganz gut aus.

Trübe Aussichten…

John Deere mit zweistelligem Umsatzrückgang. AGCO leidet ebenfalls zweistellig. Sinkende Absatzzahlen im deutschen Traktorenmarkt. Das haben Fachleute bereits prognostiziert deshalb sind viele aus unserer Branche von der aktuellen Entwicklung nicht besonders überrascht.

Peter Drucker, der Vater des „Business Consulting“ hat die Vitalität eines Unternehmens auf zwei zentrale Grundfunktionen zurückgeführt:

„Jedes Unternehmen hat zwei und nur zwei grundlegende Funktionen: Marketing und Innovation. Marketing und Innovation schaffen Ergebnisse. Das andere sind alles nur Kosten.“

Dass unsere Branche an einem Mangel an Innovationen leidet, das kann ich schwer glauben.

Wer schonmal auf der Agritechnica war und sich die ganzen Designer-Awards und bahnbrechenden Konzepte vors Auge führt, der weiss, dass die Welt der Landwirtschaft, Landtechnik & Co. in den letzten Jahren völlig transformiert wurde. Für unsere Großeltern sind Drohnen, Apps und Feldroboter oft eine Science Fiction Welt.

Was das Marketing anbelangt, klar haben Giganten wie John Deere, Fendt, Claas & Co. ganz andere Budgets und damit auch wesentlich mehr Möglichkeiten etwas zu „promoten“. Oft arbeiten diese großen Unternehmen mit noch größeren Medienagenturen die für Werbung, Social Media und allerlei Kampagnen zuständig sind. Da kann ja kaum ein kleiner Bauernhof mithalten, egal wie begeistert man ist von Onlinemarketing.

Sicherlich hat das Internet vieles relativiert und vielen Landwirten mehr Macht in dem Sinne verleiht. Heute kann jeder ein Facebook, Twitter oder Instagram-Profil aufsetzen, sich da eine loyale Community aufbauen und damit die Internetwelt etwas aufmischen.

Aber ist das Marketing?

Es ist ein Teil des Marketings – ein Teil was immer wichtiger wird. Wer die sozialen Kanäle bewusst und gekonnt einsetzt kann sehr viel bewirken. Wie zum Beispiel Landwirt Benjamin Meise der für sein Projekt „Milchquelle“ das Marketinginstrument Crowdfunding einsetzte, um finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Das zeigt eindeutig, dass Erfolg auch ohne große Marketingbudgets möglich ist.

Also was glaubt Ihr: Wird sich der Traktorenmarkt in Deutschland erholen? Wie kann man Eurer Meinung nach die Investitionsbereitschaft der Landwirte erhöhen?

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