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Der Wolf – ein Märchen mit Happy End?

Für Tierschützer wird ein Traum war, der sich für so manchen Landwirt zum Alptraum entwickelt. Der Wolf ist nach ca. 150 Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Und er sorgt zunehmend für heftige Diskussionen. Für die einen ist die Rückkehr des Wolfs eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, ein Märchen mit Happy End.

Mit zunehmender Population wachsen jedoch auch die Herausforderungen. 

Lasst uns heute mal schauen, was es mit dem ganzen Wolfsthema aufsicht hat. Denn es werden wohl nicht nur Besitzer von Weidetier betroffen sein. 

Was passiert, wenn Ihr bei der Feldbegehung einem Wolf begegnet? 

Aber fangen wir von vorne an.

Der Wolf in Deutschland

Die meisten von uns kennen Wölfe nur aus Märchen wie Rotkäppchen.

Diese alten, überlieferten Geschichten ebenso wie die beliebten modernen Serien und Filme mit Werwölfen prägen wohl unser Wissen und unsere Ideen über den Wolf:

ein unberechenbares, gefährliches Raubtier, das Schafe reißt, aber auch nicht vor einsamen Wanderern halt macht, die im Wald unterwegs sind.

Wachsende Population unter strengem Naturschutz

1990 wurde der Wolf bundesweit unter Naturschutz gestellt.

Aus den östlichen und südlichen Nachbarländern hat der Wolf anschließend seinen Weg zurück nach Deutschland gefunden.

Seit dem Jahr 2000, indem erstmals wieder Wolfswelpen bei uns geboren wurden, ist die Population stetig gewachsen.

Wölfe im Visier

Quelle: Fritzz derbub

Derzeit gibt es 70 Rudel und Paare in Deutschland. Dies entspricht etwa 700 Wölfen. Die Wölfe und Paare verteilen sich wie folgt auf die Bundesländer:

  • Brandburg: 24
  • Sachsen: 18
  • Niedersachsen: 11
  • Sachsen-Anhalt: 11
  • Mecklenburg-Vorpommern: 4
  • Bayern: 2

(Quelle: Nabu, Stand 01.03.2017)

Statistisch gesehen könnten in Deutschland 440 Rudel Platz finden.

Diese Anzahl wird wohl nicht erreichbar sein, da es durchaus auch Gebiete in Deutschland gibt, die für den sehr anpassungsfähigen Wolf als Lebensraum ungeeignet sind (zu wenig Nahrungsangebot, zu viele Straßen, …)

Größter „natürlicher“ Feind des Wolfes sind Autos. Es ist eher selten, dass ein Tier eines natürlichen Todes oder durch Abschluß stirb. 

Tierschützer sind begeistert von der zunehmenden Wolfspopulation. Das generell sehr scheue Tier lebt auch zurückgezogen.

Dennoch:

Es häufen sich die Meldungen über gerissene Nutztiere und über Wölfe, die dem Menschen sehr nah kommen. Der Wolf verliert anscheinend zunehmend die Scheu vor dem Menschen.

Tierschutzgesetz nicht mehr adäquat?

Zwar dürfen besonders auffällige Wölfe geschossen werden. Den Tierhaltern, deren Tiere auf der Weide in Nachbarschaft zum Wolf wohnen, ist dies jedoch keine Hilfe.

Denn der Wolf ist ein Tier, dass sich durchaus die Nahrung nimmt, die für ihn am leichtesten zugänglich ist.

Wenn der Wildtierbestand nicht dicht genug ist, greift der Wolf entsprechend Nutztiere auf der Weide an.

Für den Wolf gilt ein strenger Naturschutz. Dieser wurde allerdings aufgestellt, als das Tier in Deutschland als quasi ausgestorben galt.

Die Situation hat sich seitdem geändert.

In 2016 gab es in Sachsen 23 gemeldete Übergriffe des Wolfes auf Nutztiere. 125 Tiere überlebten diese nicht.

In Niedersachsen leben zwar weniger Rudel und Paare, diese schafften es jedoch auf 27 Angriffe mit insgesamt 135 gerissenen Nutztieren.

Kein Wunder also, dass die Stimmen, die ein besseres Wolfsmanagement einfordern immer lauter wurden und weiterhin werden.

Während Tierschützer fordern, dass die Landwirte ihre Tiere, beispielsweise durch Zäune, besser schützen sollen, argumentieren die Landwirte, dass ein rundum Schutz praktisch nicht umsetzbar und auch nicht bezahlbar ist.

Und endlich reagiert nun auch die Politik.

Eine Arbeitsgruppe soll nun prüfen, wie es um den Erhaltungszustand des Wolfes steht.

“Die Umweltminister von Bund und Ländern müssen sich der flächendeckenden Ausbreitung des Wolfes in Deutschland endlich ernsthafter widmen und Entscheidungen treffen. Wenn die Weidehaltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und Gehewild nicht wirksamer geschützt wird, ist das Ende dieser Haltungsform von Nutztieren eingeleitet.” Hendrik Wendorff, Präsidiumsmitglied des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Bauernpräsident von Brandenburg

Aber nicht nur für Nutztiere steigt die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen.

Wie sieht es mit Wanderern, Spaziergängern oder Fahrradfahrern aus, die mitten im Wald einem Wolf oder gar einem ganzen Rudel begegnen?

Es stellt sich für jeden, der im Wolfsgebieten lebt die Frage:

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wie gesagt, normalerweise hält sich der Wolf von Menschen fern.

Meist wird man einzelnen Tieren begegnen. Ganze Rudel sind eher unwahrscheinlich.

Allerdings könnten Jungtiere, die generell unerfahrener und neugierer sind, ohne ältere Tiere auf Entdeckungstour sein.

Haltet die folgenden Regeln im Fall einer Begnung ein: 

  • Zeigt Respekt: es handelt sich um ein Wildtier. Anlocken oder gar Füttern sind ein absolutes Tabu.
  • Zieht Euch langsam zurück: behaltet einen kühlen Kopf, bleibt stehen und zieht Euch ggf. langsam zurück
  • Versucht Euch groß zu machen: wenn der Wolf sich nicht verzieht oder Euch gar folgt, dann versucht es mit Anschreien, Klatschen oder gar etwas werfen.

In Wolfsgebieten hören Hunde grundsätzlich an die Leine. Ein freilaufender Hund kann von Wölfen durchaus wenig Gegenliebe in deren Revier erfahren.

Verhaltet Euch mit dem Hund genauso wie ohne. Bleibt ruhig, damit Euer Hund nicht unruhig wird und auf die Idee kommt, Euch verteidigen zu wollen. 

Welche Erfahrungen konntet Ihr eventuell schon mit dem Wolf sammeln und was sollte Eurer Meinung nach ein wirksames Wolfsmanagement enthalten?

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