2023-03 Organoide Intelligenz Künstliche Intelligenz - Agrarbetrieb

Ade Künstliche Intelligenz – Hier kommt die Organoide Intelligenz

Als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal über die Organoide Intelligenz (OI) erfuhr, da staunte ich nicht schlecht. Jetzt sollen menschliche Gehirnzellen als Computerprozessor verwendet werden. Die Grundlage dafür sind Hirnorganoide. Dieser hochwertige „Biocomputer“ soll die Vorteile der künstlichen Intelligenz mit denen des menschlichen Gehirns miteinander kombinieren, um leistungsstärker zu werden als das, was wir heute kennen. Was sagt die Ethik über diese ganze Geschichte?

Die Künstliche Intelligenz (KI) bereitet der Menschheit heute schon jede Menge Sorgen, aber das, was sich jetzt ein paar Wissenschaftler der John Hopkins Universität überlegt haben, ist eine ganze andere Hausnummer. Bis jetzt ging es uns darum, den Computer gehirnähnlicher zu machen. Das jedoch ist nun ein Paradigmenwechsel: Hirnorganoide, also im Labor aus menschlichen Zellen gezüchtete Gewebestrukturen, sollen computerähnlicher werden.

Wie können wir sicherstellen, dass diese „Innovationen“ nicht nach hinten losgehen? Was passiert, wenn diese Hirnorganoide ein Bewusstsein entwickeln? Werden die Spender dieser Zellen anonym gehalten und entsprechend rechtlich geschützt?

Das Projekt wirft jede Menge Fragen auf, die äußerst komplex und ethisch sehr umstritten sind.

Organoide Intelligenz kann effizienter, leistungsfähiger und schneller sein als KI

Wir dachten ChatGPT macht uns schon das Leben zur Hölle, weil so viele Schüler, Studenten, Blogger und Co. dieses Modell des maschinellen Lernens nutzen, um schneller Ergebnisse zu erzielen, ohne großartig etwas dafür zu tun. Betrachtet man OI als ein zukunftsfähiges Konzept, dann erscheint alles KI-bezogene im Vergleich dazu, äußerst primitiv zu sein.

Wo soll OI denn überhaupt eingesetzt werden?

Laut Teamleiter Thomas Hartung kommen 3 zentrale Einsatzbereich in Frage:

  1. OI könnte uns dabei helfen, die Funktionsweise des menschlichen Gehirns besser zu verstehen.
  2. Aufgrund seiner Art, komplexe Informationen zu verarbeiten und zu speichern, hat OI als Biocomputer die Chance, die Welt der Computertechnologie neu zu überdenken.
  3. OI könnte einen großen Beitrag in der Entwicklung von Medikamenten gegen neurodegenerative Erkrankungen, wie z.B. Alzheimer’s oder Demenz, leisten.

Die ersten veröffentlichten Illustrationen zeigen, wie dieses „Ökosystem“ aufgebaut werden soll. Im Zentrum befindet sich ein Hirnorganoid, welcher in einer Petrischale mit Flüssigkeit schwimmt. Die Hirnzellen bilden ein dreidimensionales Hirnorganoid, das mit Röhrchen nach außen verbunden ist. Einerseits werden hierüber Nährstoffe und Sauerstoff hinzugeführt sowie Abfallstoffe beseitigt. Andererseits will man die Röhrchen dafür nutzen, um Informationen an die Zellen zu senden sowie diese auszulesen, um festzustellen zu können, was sie denken.

Hier geht’s zur Illustration:

https://www.frontiersin.org/files/Articles/1017235/fsci-01-1017235-HTML-r6/image_m/fsci-01-1017235-g001.jpg

Außerdem geht’s hier, im Fachblatt „Frontiers in Science„, zur aktuellen OI-Studie, welche erst am 28. Februar 2023 erschienen ist. Ganz frisch also.

Der nachfolgende kurze Videoclip veranschaulicht uns bereits die Idee in visueller Form:

Quelle: Frontiers, YouTube

Die Auswirkungen von OI auf andere Bereiche unseres Lebens

Kunstfleisch, genveränderte Getreidesorten, GVO-Mais, GVO-Soja, … – erst ging es mit unserer Nahrung los, jetzt soll auch unser Gehirn als Computerprozessor für künstliche Spielereien herhalten.

Ich verstehe die Marketing- und Verkaufsargumente sehr wohl, denn jeder Alzheimer’s, Demenz, Parkinson’s und Co.-Patient träumt davon, seine Krankheit in der Griff zu bekommen oder gar verschwinden zu lassen. Ich muss gestehen, das ist für mich, wenn überhaupt, das stärkste Argument für OI. Aber auch hier bin ich nicht ganz überzeugt. Denn, wenn wir weiterhin nicht die Ursachen dieser neurodegenerativen Krankheiten ausfindig machen, bekommen wir mit einer Weiterentwicklung von Medikamenten das Thema denke nicht gelöst. Wir gewinnen die Schlacht nicht, wenn wir über die Phase „Symptome bekämpfen“ nicht hinauswachsen.

Was kommt als Nächstes? Nutzen wir OI, um weitere menschliche Organe mit Computern zu „pimpen“ und diese dann in menschliche Körper zu transplantieren? Nach neuesten wissenschaftlichen Studien, speichert jede einzelne Zelle bereits sämtliche eigene Lebenserfahrungen ab und beinhaltet gar Informationen aus den Leben der Eltern und Großeltern, d.h. Wissen aus den früheren Generationen wird auf zellulärer Ebene vererbt und wird stetig erweitert. Wie wirken sich die ganzen, durch OI erzeugten Datensätze auf die eigenen, gespeicherten Informationen des Empfängers aus?

Ignorieren wir weiterhin schamlos die bahnbrechenden Erkenntnisse der Quantenphysik, weil sich Lobbyisten und Profiteure der Newtonischen Physik nicht eingestehen können, dass es weitaus mehr physikalische Naturgesetze gibt, die große Auswirkungen auf unser Leben haben, als wir bisher dachten?

Die kommenden Jahre werden äußerst spannend sein. Die Forschung im Bereich Organoide Intelligenz wird weiter voranschreiten. Sie wird sich von anderen Forschungszweigen darin unterscheiden, dass es hier keine Tierversuche gibt. Ob wir die mystischen Fähigkeiten des menschlichen Neocortex je entziffern werden, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Bildquelle: Foto von Ermal Tahiri auf Pixabay

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