Agrophotovoltaik Pilotanlagen

Agrophotovoltaik in Österreich: erste Pilotanlage in Betrieb genommen

In Deutschland forscht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bereits seit den 80-er Jahren zum Thema Agrophotovoltaik. Ende Oktober geht nun auch unser Nachbarland Österreich mit einer Pilotanlage in Guntramsdorf an den Start. Hinter dem Projekt steckt Wien Energie.

Genauso wie wir hier in Deutschland, kämpfen auch die Österreicher mit ihren Klimazielen. Wenn das Land diese bis 2030 erreichen möchte, dann muss es in Punkto Photovoltaik noch richtig Gas geben. Die Experten rechnen mit einem PV-Ausbau von bis zu 15 Terawattstunden. Mit Dachflächen-Anlagen alleine klappt das nicht; da müssen auch die Landwirte mit an Bord. Neue Chancen verspricht die Agrophotovoltaik oder Agrar-Photovoltaik, kurz auch AVP genannt.

Die erste Agrar-Photovoltaik in Guntramsdorf

Anders als bei Dachflächen-PV-Anlagen kann bei einer Freiflächen-PV-Anlage die Grundfläche auch anderweitig bewirtschaftet werden. Erfolgt die Anordnung der PV-Anlagen in Bahnen, so lassen sich z.B. Kartoffeln oder Brokkoli problemlos ernten.

Ganz konkret handelt es sich im österreichischen Guntramsdorf um eine Pilotanlage bestehend aus 60 bifazialen, also doppelseitig, vertikal montierten Modulen die in zwei Reihen angeordnet sind. Die Anlage hat eine Leistung von 22,5 Kilowattpeak und soll rund 23.300 Kilowattstunden Sonnenstrom pro Jahr erzeugen.

Neben Wien Energie beteiligt sich an diesem ersten AVP-Pilotprojekt auch die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Zweitere ist für die Analyse der neuen Technologie zuständig. Erste Ergebnisse zeigen, dass der CO2-Einsparungseffekt bei der oben aufgeführten Konstruktion (vertikal + zweiseitig) hoch ist. Die detaillierten Ergebnisse gibt es im Frühjahr 2020.

Wichtig zu erwähnen ist noch folgendes:

In Guntramsdorf befindet sich bereits seit 2015 eine der größten Freiflächen-PVA Österreichs. Auf einer Fläche von ca. 7 Fussballfeldern wird Ökostrom für rund 1.390 Haushalte produziert.

Quellen: Wien Energie, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)

Was sind die Vorteile der Agrophotovoltaik?

Den Acker landwirtschaftlich bewirtschaften UND gleichzeitig auch noch Sonnenstrom erzeugen, das ist ja mal was cleveres.

Ordnet man die PV-Anlagen vertikal in Bahnen, so wie im Falle von Guntramsdorf, dann dienen diese aufgrund ihres Schattenwurfs als Bodenschutz für Ackerkulturen. Des weiteren vermindern sie den Wasserverbrauch und schützen den Boden vor Austrocknung, so das Statement von Wien Energie.

Was bedeutet das konkret in Zahlen?

Nehmen wir doch am besten das Beispiel „APV-Resola“ zur Orientierungshilfe.

Es handelt sich hierbei um die deutschlandweit größte Agrophotovoltaikanlage. Für das Projekt „Agrophotovoltaik – Ressourceneffiziente Landnutzung“ (kurz APV-Resola) wurden unter der Leitung des Fraunhofer ISE über eine Ackerfläche von einem Drittel Hektar der Demeter Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee, Solarmodule installiert. Es stellt sich heraus, dass die Doppelnutzung der Fläche zu einer Steigerung der Landnutzungseffizienz um über 60% führt. (Quelle: Fraunhofer ISE)

Weitere Vorteile im Überblick:

  • Zeitgleiche Produktion: Nahrungsmittel + Ökostrom
  • Weniger Flächenkonkurrenz
  • Dezentrale Produktion: Landwirte profitieren + Gemeinde profitiert + KMUs profitieren
Quelle: BR Unser Land, YouTube

Die weltweit größte Agrophotovoltaikanlage befindet sich in China

Die einen werden vom Staat gefördert, die anderen wiederum nicht. In Japan, China und im Nachbarland Frankreich wird die Agrophotovoltaik staatlich gefördert. Deshalb durfte es auch keinen wundern, dass China weiterhin die Nase ganz vorne hat wenn es heißt Solaranlagen aufbauen.

Und wenn diese Solaranlagen auch noch aus dem Weltall ganz deutlich zu sehen sind, dann ist das Wort „grandios“ wohl passend. Auf dem tibetischen Plateau in China, in der nordwestlichen Provinz Qinghai erstreckt sich der Longyangxia Dam Solar Park. Die Solarfarm ist ungefähr 30 Quadratkilometer groß und kann 850 Megawatt Ökostrom erzeugen. Damit können 200.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden. (Quelle: South China Morning Post)

Faszinierend ist es wenn degradierte Flächen mittels Agrophotovoltaik zu landwirtschaftlich nutzbare Flächen umgewandelt werden. Genau das passiert derzeit in China. Auf derartige Flächen werden u.a. Beerensträucher angebaut, die anschließend getrocknet und im Müsli verarbeitet werden. Mit Hilfe des Solarstroms wird das Grundwasser rausgepumpt und auch noch entsalzt.

„… es ist so etwas wie eine Art ‚Carbon Capture‘, also eine negative CO2-Bilanz und dazu noch ein Beitrag zum Klimaschutz“, so Stephan Schindele vom Fraunhofer ISE

Quelle: Deutschlandfunk

Aber China kann mehr; neben normale PV-Anlagen und Agrophotovoltaik gibt es nunmehr auch sogenannte „Floatovoltaik“-Anlagen, besser bekannt als schwimmende PV-Kraftwerke.

In einem ehemaligen Kohlebergbau- und Überschwemmungsgebiet in der chinesischen Stadt Suzhou in der Nähe von Shanghai erstreckt sich heute eine 70 Megawatt starke schwimmende Photovoltaik-Anlage. Das Komplex erstreckt sich über eine Fläche von 140 Hektar bzw. 1,4 Quadratkilometer und soll in den kommenden 25 Jahren bis zu 1,94 Millionen Megawattstunden Strom erzeugen. (Quelle: Ciel & Terre)

Egal ob auf Dächern, in Flüssen oder auf landwirtschaftlichen Flächen, PV-Anlagen bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Wenn dadurch so wie im Falle der Agrophotovoltaik zwei und mehr Branchen ressourceneffizient zusammengekoppelt werden können, dann ist das gut für die Menschheit und auch für’s Klima.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert