Biofach okologische Landwirtschaft

Biofach 2018: Mehr Ökolandbau, mehr Betrugsfälle

Letzte Woche, vom 14. bis 17. Februar füllten sich die Messehallen in Nürnberg mit Bioprodukten und damit einhergehend mit zahlreichen Bio-Interessenten. Die Biofach 2018 lud zur Verkostung und zu Diskussionen rundum das Thema Ökolandwirtschaft ein.

Die Biofach für Bio-Lebensmittel und Vivaness für Naturkosmetik ist ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten. Alle ausgestellten Bio-Lebensmittel sind zertifiziert nach der EU-Öko-Verordnung bzw. den Akkreditierungsrichtlinien der IFOAM.

In diesem Jahr verzeichnete die Weltleitmesse 3.218 Aussteller, 275 davon auf der Vivaness. Die Messe lockte 50.000 Fachbesucher aus 134 Ländern nach Nürnberg.

Zu den Schwerpunktthemen der diesjährigen Biofach zählten unter anderem:

  • Deutsche Naturkostläden leiden unter der aggressiven Bio-Sortimentsausweitung in Super- und Discountmärkten
  • Heimische Ökofläche legt zu => jeder 10. Hof wirtschaftet ökologisch
  • Die Zahl der Betrugsfälle vor allem aus dem EU-Ausland und aus Drittländern nimmt zu => steigende Zahl der Lebensmittelkontrollen

Anders als in den Jahren zuvor, standen vegane Produkte nicht mehr ganz so im Fokus, dafür aber unterschiedliche Produktvariationen auf Hanfbasis sowie Algen und Meeresgemüse.

Quelle: Pflanzenhunger, YouTube

Bio-Umsatz über 10 Mrd. EUR: Ökolandwirtschaft in Deutschland boomt

Berauschende Zahlen für 2017 wenn es nach den aktuellen Zahlen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) geht.

„2017 stellten jeden Tag durchschnittlich fünf Bauern eine Landwirtschaftsfläche von etwa 500 Fußballfeldern auf Bio um“, so Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur Eröffnung der Biofach 2018.

In 2017 sind weitere 2.042 Betriebe auf Ökolandbau umgestiegen. Die deutsche Ökofläche legte 10% zu und beträgt derzeit rund 1,38 Mio. Hektar.

Weitere Zahlen kurz im Überblick:

  • Insgesamt 29.174 Bio-Höfe (ein Plus von 7,5% und das bei einer steigenden Anzahl von Betriebsschließungen)
  • 8,2% der gesamten Landwirtschaftsfläche wird von Deutschlands Bio-Bauern bewirtschaftet
  • Jeder 10-te Hof macht mittlerweile Bio
  • 10,04 Mrd. EUR Umsatz mit Bio (in 2016: 9,48 Mrd. EUR, also ein Plus von 5,9%)
  • Der LEH baut seine Marktposition weiter aus und erzielte 2017 einen Anteil am Bio-Markt von 59%; der Umsatz mit Bio lag bei 5,93 Mrd. EUR (+8,8% ggü. Vorjahr)
  • Der Naturkostfachhandel erzielte einen Marktanteil von 29% und erwirtschaftete 2,91 Mrd. EUR (+2,2% ggü. Vorjahr)

Die Anteile der jeweiligen Ökofläche an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche sind je nach Bundesland unterschiedlich hoch. Laut dem aktuellen Situationsbericht 2017/18 des DBV stellt sich die Lage wie folgt dar – jeweils Anteil der Biofläche:

  • Niedersachsen: 3,4%
  • Nordrhein-Westfalen: 5,4%
  • Hessen: 12,6%
  • Rheinland-Pfalz: 9,1%
  • Saarland: 15,7%
  • Baden-Württemberg: 10,7%
  • Bayern: 9,1%
  • Thüringen: 4,8%
  • Sachsen: 5,3%
  • Sachsen-Anhalt: 5,2%
  • Brandenburg: 11,1%
  • Mecklenburg-Vorpommern: 9,8%
  • Schleswig-Holstein: 5,0%

Quellen: DBV, BÖLW

Biofach für Fachbesucher, Bio für Mainstream

Die Biofach mag zwar für Fachbesucher sein, das Thema Bio schon lange jedoch Mainstream.

Sicherlich würde der eine oder andere Bio-Fan selbst einmal die Erlebniswelten Olivenöl, Vegan und Wein auf der Messe besichtigen, aber spätestens wenn er diese Produkte bei Aldi, Lidl, DM, Rossmann und Co. im Sortiment vorfindet, weiss er, dass Bio mehr ist als nur ein Food-Trend.

Wenn ein Produkt nicht mehr zur Nische gehört, dann wird es auch für die jeweiligen Spezialgeschäfte kritisch. Denn der LEH wartet nicht lange und schnappt sich die Kunden dort wo sie gerade verweilen. So kommt es auch, dass der Naturkosthandel im Falle Bio unter Druck geraten ist. Die vielfältigen Bio-Angebote in den Supermärkten machen es spannender für den Konsumenten und gleichzeitig problematischer für den Naturkosthandel.

Mit dem Boom des Bio-Marktes kommen auch weitere Herausforderungen. Dieses Mal betrifft es die Behörden. Es geht um Betrugsfälle bei der Produktion — ein Thema was auch auf der Messe immer wieder angesprochen wurde.

Das größte Problem dabei: jedes Land hat eine andere Gesetzgebung.

Hinzu kommen die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behörden.

Die Konsequenzen: mehr Lebensmittel-Kontrollen.

Lösungsansätze: Harmonisierung innerhalb der EU, bessere Kommunikation zwischen Behörden, Aufklärung der Öffentlichkeit im Bezug auf einer 100%-igen Rückstandsfreiheit (diese sei nämlich unrealistisch so Vertreter und Experten).

Alles Bio, oder was?

Sicherlich locken die Fördermittel für den ökologischen Landbau den einen oder anderen Landwirt, sonst würde ja die Anzahl der heimischen Biobetriebe nicht so explodieren. Alles was Umsatz bringt, ist attraktiv. Alles was „trendy“ und mit Geld verbunden ist, noch attraktiver.

Dabei dürfen wir den Konsumenten nicht vergessen, denn letzten Endes entscheidet er/ sie über das gekaufte. Das monatliche Budget wird so oder so ausgegeben, die Frage ist nur wofür? Schwerpunktmässig für Bio? Und wenn das der Fall ist, werden wir in den kommenden Jahren eine „Warenverschiebung“ in den Regalen erleben?

Nichts ist beständiger als der Wandel.

Heute heisst es Bio, Superfoods, Vegan, Hanf oder Algen. Morgen heisst es vielleicht personalisiertes Pulver für jedermann. Wer weiss schon was uns in punkto kulinarisches noch alles erwartet.

Wart Ihr auf der diesjährigen Biofach? Welche neuen Produkte haben Euch am meisten beeindruckt?

3 Kommentare
    • Roland
      Roland sagte:

      Das muss jeder mit sich aus machen ob Bio oder nicht.
      Die Zukunft wird es zeigen welche Lebensmittel und landwirtschaftlich Betriebe wir hier in Deutschland noch haben möchten.
      Aus meine Sicht wird es eine Mischung sein oder werden.

      Antworten

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