2022-09 Mikrolandwirtschaft

Mikrolandwirtschaft – Bye bye Supermarkt, hello eigener Garten

Bewirtschaftete Straßen, Terrassen, Dächer und Co. — das alles gab’s schonmal, wenn wir einen Blick auf die alten Zivilisationen werfen. Selber anbauen war angesagt. Supermärkte waren unvorstellbar und jeder, der anpackte, durfte sich von den „Goodies“ aus der eigenen Arbeit ernähren. Heute erleben wir vermehrt ein Revival eines ähnlichen Konzepts. Die Alternative nennt sich Mikrolandwirtschaft. Damit sind Hobbybauer nach alle den Jahren wieder „in“. 

Selber Gemüse und Obst anbauen auf einem gepachteten Acker oder innerhalb eines Gemeinschaftsackers ist nicht jedermanns Sache. Erfreulicherweise passiert derzeit jedoch sehr viel in unserer Gesellschaft und immer mehr Menschen entdecken Ihre Liebe und Verbundenheit zur Natur und Mutter Erde wieder. Damit einhergehend wird ein Wandel angestoßen, der nicht mehr aufzuhalten ist. 

Mikrolandwirtschaft ist kein Trend. Es ist nicht ein Phänomen bzw. eine Aktion aus Trotz irgendwelcher XYZ-Bürger, die die Schnauze voll haben von dem, was in den Supermärkten vorzufinden ist. Weiterhin ist es meiner Meinung nach auch keine Bewegung gegen die heimischen Landwirte und ihre Ackerfelder, sondern vielmehr ein Aufwachen und eine Rückkehr zum Inneren selbst, dem Herzstück dessen, was einen Menschen und seine Gesundheit ausmacht. 

Wir werden tagein, tagaus mit irgendwelchen Informationen, Nachrichten und Meldungen bombardiert, und so langsam blickt keiner mehr durch. Mal heißt es, Gesundheit und Wohlbefinden ist in Richtung „links“, ein paar Wochen später heißt es, „wir haben uns geirrt, es geht doch nach rechts“ und nach weiteren Monaten dann „Upps, doch nicht, es geht im Zickzack“. 

Hut ab an alle motivierten Seelen, die in diesem Wirrwarr versuchen zu navigieren und dabei ihre geistige und emotionale Gesundheit bewahren. Und da ich in den kommenden Jahren eher eine Beschleunigung des Ganzen anstelle einer Entschleunigung sehe, werden Konzepte wie z.B. Greening, Urban Faming, Vertical Gardening und Mikrolandwirtschaft immer wichtiger. 

Mikrolandwirtschaft als Alternative 

Was genau ist denn Mikrolandwirtschaft? 

Da ich von übermäßig strapazierten und hoch akademischen Definitionen einfacher Konzepte nicht viel halte, betrachte ich die Mikrolandwirtschaft als die kleine Schwester der „großen“ Landwirtschaft

Menschen, die gerne lokale Landwirtschaft auf kleinen Flächen, z.B. an Stadtränden betreiben möchten, die Wert auf eine Gemeinschaft und zwischenmenschliche Beziehungen legen, die gerne selber Gemüse und Obst anbauen möchten und für die Solidarität im ursprünglichen Sinne des Wortes kein Fremdwort ist, sind im Rahmen der Mikrolandwirtschaft gut aufgehoben. 

Der nachfolgende Beitrag gibt einen guten Einblick in die Tätigkeit der sog. Hobbygärtner und -gärtnerinnen.

Quelle: Heidelred Studentische Redation Heidelberg, YouTube

Ist das eine Zukunftsvision mit Beständigkeit oder landet das ganze Konzept in ein paar Jahren auf den „Biomüll“? 

Um eine Antwort aus dieser Fragestellung herauszukitzeln, blicken wir doch einfach mal auf die von der `Mikro Landwirtschaft Plattform´ erstellten Karte, die eine tolle Übersicht aller dieser gemeinschaftlichen Gemüseanbau-Orte im DACH-Raum aufführt. 

Hier geht’s zur Übersicht.

Auf der Suche nach einem Miet- oder Gemeinschaftsacker, um lokale Landwirtschaft mit anderen Gleichgesinnten zu betreiben? Dann hilft die oben aufgeführte Karte ein großes Stückchen weiter. 

Wie lässt sich die Beziehung von Stadt – Landwirtschaft wiederherstellen? 

„Die Landwirte kassieren EU-Gelder“, „Die in der Stadt kennen nur eins, und zwar in den Supermarkt gehen und meckern“, „Alles ist voller Dünger und Pestizide“, „Echte Landwirtschaft betreibt keiner mehr“, „Die Arbeit der Landwirte wird eh nicht geschätzt“ und so weiter und so fort … 

Wir alle kennen diese Vorurteile, Sprüche etc. nur allzu gut. Fakt ist, dass wir damit überhaupt nichts lösen, sondern ganz im Gegenteil, die Stimmung nur mehr anheizen und die Polarität erhöhen. 

Auf die Politik warten bzw. von irgendwelchen Finanzgenies Unterstützung erhoffen, ist absolut sinnlos und das sollte mittlerweile jedem längst klar sein. Wenn wir eine bessere Welt für uns und unsere Kinder und Enkelkinder wünschen, dann liegt es an uns, etwas zu ändern. 

Ich mag meinen Blog hier auf Agrarbetrieb dafür nutzen, um Euch unterschiedliche Lösungsansätze und Wege aus diesen unsicheren Zeiten zu präsentieren. Während die einen auf Künstliche Intelligenz, „Smart Everything“ und den sinnlosen Menschen gerne den Fokus legen, suche ich Alternativen in etwas Altbewährtem: nämlich der Natur. 

Technologien sind dafür da, um unser Leben zu erleichtern und nicht dafür konzipiert worden, um unser Leben zu dominieren, zu manipulieren und ins Negative zu steuern. Wer aus der Natur seine Kraft schöpfen möchte, dem empfehle ich Mikrolandwirtschaft, Permakultur, Vertical Gardening & Farming, Teslagärten, Hydroponik und Co. als Lösungsalternativen.  

Letzten Endes entscheidet jeder Einzelne für sich selbst, welchen Weg er einschlägt. Ich kann Euch nur raten, weise zu entscheiden und Konzepte, wie die eben vorgestellte Mikrolandwirtschaft, dabei nicht zu ignorieren. 

Bildquelle: Foto von Karolina Grabowska auf Pexels

2022-07 Bodenbakterien sorgen fuer gute Laune

Bodenbakterien sorgen für gute Laune

Wer im Garten arbeitet, ist besser gelaunt. Stimmt das? Können Bodenbakterien hierfür verantwortlich sein, weil sie den Serotoninspiegel erhöhen, der sich wiederum positiv auf den Gemütszustand der Gärtner auswirkt? In einer Gesellschaft dominiert von Angstzuständen und Antidepressiva wäre demnach die gute alte Gartenarbeit ein tolles natürliches „Medikament“ ohne jegliche Nebenwirkungen.

Vor Kürze stellte ich in dem Blog „Trägt Gartenarbeit zu einer höheren Lebenserwartung bei?“ einen interessanten Zusammenhang zwischen der Arbeit im Garten und einem längeren Leben fest. Die darin aufgeführten wissenschaftlichen Studien bestätigen, was wir von den Einwohnern der sogenannten „Blue Zones“ gelernt haben, nämlich das Langlebigkeit mit Individualismus, Großstadtstress und mangelnder Respekt für Flora und Fauna nichts gemeinsam haben. Wer also versucht, im Einklang mit der Natur zu leben, wird das Spiel des Lebens voraussichtlich etwas angenehmer und entspannter gestalten können.

Hilft Gartenarbeit dabei, die körpereigenen Glückshormone zu aktivieren und steigern? Was hat es mit diesen Bodenbakterien auf sich?

Im Volksmund verwenden wir gerne die Begriffe Wohlfühl- oder Glückshormone und meinen damit den Stimmungsmacher Serotonin. Der Botenstoff ist ein Hormon sowie Neurotransmitter, der sowohl im zentralen Nervensystem als auch im Darmnervensystem, im Herz-Kreislauf-System sowie im Blut vorkommt. Serotonin hat eine gravierende Auswirkung auf unseren Gemütszustand, denn ist der Serotoninspiegel „down“, dann ist die Stimmung schnell im Keller.

Die mehr als 150.000 medizinischen Studien zu Serotonin sind ein guter Indikator, um aufzuzeigen, für wie wichtig dieser Botenstoff für die menschliche Gesundheit angesehen wird. Siehe hierzu die Veröffentlichungen auf PubMed.

Bodenbakterien, die bei der Gartenarbeit eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden

Lust auf ein natürliches Antidepressivum? Schon mal was von Mycobacterium Vaccae gehört?

Mycobacterium Vaccae kommt häufig im Boden vor. Diese Bakterien sind dafür bekannt, dass sie die Zytokin-Niveaus erhöhen, was wiederum in einer verstärkten Bildung von Serotonin resultiert.

Doch wie gelangen diese Bodenbakterien nun in unseren Darm oder in unsere Blutbahn?

Ganz einfach, es passiert beispielsweise bei der Gartenarbeit bzw. jeglichen Arbeiten in der Natur oder etwa bei Kindern, wenn sie in der Natur spielen.

Die Aufnahme dieser Bodenbakterien geschieht durchs Einatmen oder durch den Kontakt mit der Haut. Wenn die Erde auf kleine Wunden trifft, dann gelangen diese Mikroben auch in die Blutbahn. Und ja, diese Serotonin-modulierenden Bodenbakterien werden zumeist in Erdproben nachgewiesen – wir können also wirklich enorm davon profitieren, wieder mehr in Kontakt mit Mutter Erde zu sein.

Wie wichtig diese Bodenbakterien für unser Immunsystem ist, zeigen auch die spannenden Ansätze, wie etwa der Einsatz von Mycobacterium Vaccae als Immuntherapie zur Behandlung von Tuberkulose und Bronchialasthma. Siehe hierzu die über 350 wissenschaftliche Studien auf PubMed.

Wer in das Thema noch tiefer eintauchen möchte, dem empfehle ich die Studie der University of Colorado at Boulder, welche unter der Leitung von Christopher Lowry in ScienceDirect veröffentlich wurde.

Quelle: QS24.tv – Swiss Health Television, YouTube

Eine andere Perspektive

Auch in punkto Gesundheit gilt, es „Wer das tut, was die meisten tun, wird die gleichen Ergebnisse erzielen wie die meisten“ — und diese Ergebnisse sind, wenn man sich heute so umschaut, alles andere als inspirierend. Daher ist ein erweitertes Blickfeld, offen sein für Neues und das Betrachten des Lebens aus unterschiedlichen Perspektiven, Gold wert.

Wer hat schon Lust darauf von Energievampiren umgeben zu sein, die sich permanent beschweren, das Leben nicht wert schätzen und obendrauf auch nicht bereit sind, etwas daran zu ändern. Die Wirtschaft boomt mit Pillen und Pülverchen, die Glück und gute Laune versprechen. Synthetische Mittel mögen hier und da ihre Berechtigung haben, aber wenn die Natur (in diesem Falle, der Boden) uns derart magische „Bakterien“ zur Verfügung stellt, dann sollten wir alles erdenkliche tun, um mehr davon zu tanken.

Glücklich und länger leben – wer will das nicht? Wisst Ihr noch, wie unsere Großeltern immer gesagt haben, Kinder müssen draußen im Dreck spielen? D.h. sie wussten, dass Menschen mit Boden in Berührung kommen müssen, ihn im Körper aufnehmen müssen. Über Generationen war dieses Wissen bekannt, dass der intensive Kontakt mit dem Boden von klein auf für ein gesundes und glückliches Leben essentiell ist. Also:

Auf in den Garten und her mit den Gute-Laune-Bodenbakterien.

Bildquelle: Foto von Andrea Piacquadio auf Pexels

2022-04 Was haben Elektrokultur, Daisugi und Geomantie gemeinsam

Was haben Elektrokultur, Daisugi und Geomantie gemeinsam?

Elektrokultur, Daisugi und Geomantie sind drei Begriffe die für die meisten Menschen völlig unbekannt sind. Dabei handelt es sich hierbei um sehr spannende Bereiche, die uns interessante Denkanstöße bieten, um mit den Ressourcen von Mutter Erde vernünftiger und vor allem respektvoller umzugehen.

Steigen wir also direkt ein, indem wir jedem einzelnen dieser Begriffe quasi unter die Haube kucken.

ELEKTROKULTUR

Unsere Großeltern erinnern sich noch an Elektrokultur-Methoden, denn sie galten als vielversprechend für die Zukunft der gewerblichen Landwirtschaft.

Worum geht es denn dabei?

Die Elektrokultur vereint unterschiedliche Methoden, bei denen Elektrizität zum Einsatz kommt, um das Wachstum von Pflanzen zu verbessern. Im Endeffekt geht es darum, die natürliche Elektrizität wie z.B. das Magnetfeld der Erde, für das Wohlbefinden der Erde zu nutzen. Das was die alten Ägypter und sehr wohl auch ältere Generationen wussten, nämlich dass Pflanzen in der Nähe von leitfähigen Materialien robuster und besser gedeihen, kommt heute immer mehr zum Vorschein.

Habt Ihr Euch schonmal gefragt weshalb Pflanzen an alten Eisenbahnschienen, an Natursteinen oder Felsen so gut aussehen? Es liegt u.a. an den Metallen die diese beinhalten.

Wie verstärken wir die Energiedichte in der Nähe unseres Lieblingsbaums oder unserer Lieblingspflanzen?

Ein paar konkrete Beispiele: Eisendrähte verwenden und diese am besten in Richtung Nord-Süd platzieren, eisenhaltige Steine oder Quarzsand verwenden

Für Pflanzen ist das Milieu genauso wichtig wie für uns Menschen. Dass Pflanzen auf elektrostatische Felder reagieren sieht man hervorragend am Beispiel von Sonnenblumen.

Der nachfolgende Videobeitrag (20 min.) bringt Euch das Konzept von Elektrokultur, in manchen Kreisen bekannt auch als Magnetkultur, etwas näher.

Quelle: BaumMentor Baumpflege, YouTube

DAISUGI

Um diese nächste Methode zu verstehen, reisen wir nach Japan. Daisugi ist eine japanische Forsttechnik bei dem es darum geht Holz nachhaltig zu gewinnen, ohne dafür eine Motorsäge zu verwenden. Bäume werden demnach nicht gefällt, sondern nur beschnitten.

Die Methode entstand im 14. Jahrhundert und wird auch heute noch im Wald von Kitayama nördlich von Kyoto angewandt. Die Japanischen Zeder werden von den Waldarbeitern von Hand beschnitten. Damit wachsen die oberen Äste gerade in die Höhe und vermitteln den Eindruck, dass Zedern auf Zedern wachsen.

Somit bleibt ein Mutterbaum 100-300 Jahre erhalten, während ihre Äste nach 10-15 Jahren erntereif sind.

In dem kurzen englischsprachigen Videobeitrag (3 min.) erfahrt Ihr mehr über die traditionelle Daisugi-Methode.

Quelle: Leaf of life films, YouTube

GEOMANTIE

Kommen wir zum dritten Begriff in der heutigen „Novum“-Runde, der Geomantie. Um besser zu verstehen was sich dahinter verbirgt, empfehle ich einen Blick auf die Webseite des Bundesverbands für ganzheitliche Raumkultur (BGR) zu werfen.

Womit beschäftigt sich denn die Geomantie überhaupt bzw. was genau steckt dahinter?

Da Geomantie oder Geomantik unterschiedlich definiert wird, wählen wir zur Vereinfachung die Version „Wahrnehmung der Erde“ bzw. „Weissagung aus der Erde“. Um einigermaßen bodenständig zu bleiben und nicht vollständig ins Mystische zu „driften“, bleiben wir bei dem Verständnis der Wechselbeziehungen von Erde, Mensch und Raum.

Für einen besseren Überblick, schauen wir doch auf die Bereiche die oft unter dem Sammelbegriff Geomantie zusammengefasst werden:

  • Baubiologie und Bauökologie
  • Raumenergetik und Raumpsychologie
  • Feng Shui, Kan Yu und Vaastu
  • Radiästhesie und Geobiologie
  • Raumklärung und Ortsheilung
  • Erdheilung und Wandlungswege
  • Geokultur – gelebtes Miteinander
  • Landschaftsmythologie
  • Ritualbegleitung und Naturcoaching

Anbei ein Videobeitrag (25 min.) das dem Thema Geomantie eine wissenschaftliche Perspektive verleiht.

Quelle: Vulkan TV Österreich, YouTube

Was vereint Elektrokultur, Daisugi und Geomantie?

Es ist höchste Zeit das Rätsel des heutigen Blogs zu lösen.

Was diese drei Begrifflichkeiten gemeinsam haben ist der 100% Fokus auf Mutter Erde. Bei allen Dreien geht es darum MIT der Natur zusammen zu arbeiten und nicht dagegen. Es geht um Respekt für Natur, Fauna und Flora.

Während uns seit Geburt vorgegaukelt wird, dass sich auf dem Planeten Erde alles nur um Profit drehen muss, merken wir heute stärker denn je, dass dies eine gewaltige Lüge ist. Obwohl wir das innerlich schon immer wussten und spürten, trauen sich heute immer mehr Menschen ihrer inneren Stimme nachzugehen.

Unsere Vorfahren, die alten Ägypter, Griechen, Mayas und Co. haben uns jede Menge wertvolle Schätze hinterlassen. Jetzt liegt es an uns, diese erneut ins Leben zu rufen, um unsere Erde zu heilen und mit Ihr im Einklang zu leben.

Den einen spricht Elektrokultur an, den anderen eher Geomantie oder Daisugi. Bleibt offen für neue Ideen und Vorgehensweisen. Hinterfragt das was uns heute gerne als „die“ Lösung präsentiert und vor allem, verkauft wird.

Bildquelle: Foto von jplenio auf Pixabay

Was ist Permakultur und wie funktioniert es

Was ist Permakultur und wie funktioniert es?

Permakultur ist „in“. Immer wieder höre ich von Großstadtmenschen die ihre Karriere bei renommierten Konzernen oder Banken hinschmeissen, aufs Land ziehen und als erstes Gemüse anbauen nach dem Prinzip der Permakultur. Was steckt hinter diesem Trend? Ist das die neue Goldjagd der Hobbylandwirte?

Neben Foodscaping, Indoor Farming oder Vertical Gardening, finden sich in den letzten Jahren immer mehr Anhänger der sogenannten „dauerhaften Kultivierung“ bzw. der Permakultur. Deswegen habe ich diesen Begriff auch in meinem kleinen Landwirtschaftslexikon Ende letzten Jahres aufgenommen.

Was bedeutet Permakultur?

Permakultur hat ihren Ursprung in Australien. In den 70er Jahren entwarf Bill Mollison gemeinsam mit seinem Schüler David Holmgren das Konzept von „permanent agriculture“. Ziel ist es durch geschlossene Kreisläufe sich selbst erhaltende Lebensräume zu schaffen. Es geht dabei um nachhaltige landwirtschaftliche Systeme, die sich als Gegenpol zum aktuellen industriellen Agrarsystem verstehen. Die natürlichen Kreisläufe werden nachgeahmt und ertragreich umgesetzt.

Wie erfolgreich dieses Konzept ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass die beiden in 1981 den Right Livelihood Award erhielten, also den Alternativen Nobelpreis, sondern auch, dass sich diese Bewegung heute weltweit beschleunigt und intensiviert hat. Von privaten Hausgärten bis hin zu kleinen / mittelgroßen Bauernhöfen, die natürlichen Ökosysteme der Permakultur finden überall treue Anhänger.

Kurz zusammengefasst:

  • Es geht um einen achtsamen Umgang mit den vorhandenen natürlichen Ressourcen.
  • Ganzheitliches Denken angesagt; kein Platz für Silodenken.
  • „Nachhaltige und naturnahe Kreisläufe“ so David Holmgren.

Kommen wir zur Millionen-Euro-Frage:

Ist Permakultur wirtschaftlicher als konventionelle Methoden?

Lassen wir uns auf eine Reise in die Normandie ein, um diese Frage zu beantworten. Dafür besuchen wir besuchen Charles und Perrine Herve-Gruyer. Sie sind die beiden Inhaber der Organic Farm Bec Hellouin, die zur erfolgreichsten Alternativfarm Frankreichs gekürt wurde.

Quelle: Frei heit, YouTube. Ein Beitrag des SWR im Original.

Diejenigen von Euch die etwas tiefer in die Geheimnisse der Organic Farm Bec Hallouin von Charles Herve-Gruyer einsteigen wollen, empfehle ich folgenden fast 2-stündigen Videobeitrag. Ein Gruppe von Interessenten und Landwirten aus deutschen Dörfern haben sich zusammen getan und den Permakultur-Hof in der Normandie im August 2019 besucht.

Quelle: Armonia, YouTube.

Bio vs. Permakultur

Jeglicher Einsatz von Erdöl egal ob in Form von Dünger oder als Landmaschine, ist bei der Permakultur verboten. Auf den Hoch- und Hügelbeeten ist Handarbeit angesagt. Gleichzeitig erleichtern diese ausgeklügelten Strukturen das Pflanzen und Ernten.

Wie erfolgt die Bodenbearbeitung?

Durch Handarbeit und manuell geführten Rechen. Pflanzen, Säen, Pflegen und Ernten – alles erfolgt manuell oder durch Handarbeit.

Weitere Besonderheiten:

  • Fokus auf Artenvielfalt. Es gibt keine Monokulturen.
  • Kleine und überschaubare Beete.
  • Meist Hoch- und Hügelbeete weil diese Strukturen die perfekte Ökobilanz gewährleisten.
  • Vielfalt ist angesagt. Viele unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten kohabitieren auf wenig Fläche.
  • Alles wird wiederverwendet. Es gibt keinen Abfall.
  • Natürliche Kreisläufe sind das höchste Gebot.

Zurück zur Wirtschaftlichkeit

„Im Schnitt erwirtschaften wir 55 Euro pro Quadratmeter“ so Charles Herve-Gruyer.

Das ist fast 10 mal mehr als bei einem konventionellen Betrieb wo Landmaschinen zum Einsatz kommen.

Das sind natürlich gigantische Erträge, die dazu geführt haben, dass sich die Wissenschaft das Konzept näher anschauen wollte. Die Experten vom französischen Agrarforschungszentrum INRAE in Paris starteten eine vierjährige Studie (von Dezember 2011 bis März 2015) mit dem Titel:

„Case Study Permacultural Organic Market Gardening and Economic Performance“

Die detaillierten Ergebnisse dieser Studie findet Ihr in diesem 67-seitigen PDF-Dokument. Hinweis: Die Veröffentlichung ist auf französisch.

Das ist die englische Version der Studie in PDF-Format.

DAS ENDERGEBNIS:

Auf der Permakultur-Farm Bec Hellouin wächst 3-4 mal mehr Gemüse als in einem konventionellen Gemüsebetrieb gleicher Fläche.

Was sind die Gründe für diesen hohen Ertrag?

So wie es aussieht spielen zwei Faktoren eine hauptsächliche Rolle beim Erreichen dieser Ertragszahlen:

  • Artenvielfalt – mehr Pflanzensorten auf engem Raum führen zur höheren Produktion
  • Bepflanzung durch Hand – auch das führt zu einer Steigerung der Produktion

Inwieweit sich dieses Konzept auf größere landwirtschaftliche Betriebe umsetzen lässt die z.B. Getreide anbauen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Inhaber von Bec Hellouin haben damit bereits angefangen.

Das Konzept der Permakultur wird uns hier auf Agrarbetrieb auch weiterhin begleiten. Als Befürworter von Artenvielfalt und Nachhaltigkeit betrachte ich diese ressourcenschonende Landnutzung ausschlaggebend für eine zukunftsträchtige Landwirtschaft.

Bildquelle: Foto von Tania Malrechauffe auf Unsplash

Das Landwirtschaftslexikon dieser Dekade

Das Landwirtschaftslexikon dieser Dekade

Foodscaping, Indoor Farming, vertikale Landwirtschaft, Hydroponik, Permakultur — diese Begriffe sorgen in letzter Zeit immer häufiger für Schlagzeilen in den Mainstream-Medien. Das ist gut so, denn die Art und Weise wie wir heute Landwirtschaft betreiben ist trotz der „Nachhaltigkeits-Floskel“ vieler Konzerne, nicht aufrecht zu erhalten. Es ist daher höchste Zeit, dem Landwirtschaftslexikon ein Upgrade zu verpassen.

Nachhaltigkeit – das Lieblingswort von Big Business und Big Banking hat die letzte Dekade geprägt. Selbstverständlich wurde der Begriff auch bei uns in der Landwirtschaft derart verbreitet, dass man heute keinen normalen Satz mehr aussprechen kann, ohne dieses Zauberwort zu verwenden.

Hat der Begriff seinen Zenit erreicht oder geht da noch was? Das werden wir sehen, allerdings gehe ich stark davon aus, dass wir in dieser neuen Dekade viele neue „Zauberwörter“ erfinden werden, um die eine oder andere Wahrnehmung den Massen besser zu verkaufen.

Bevor wir die von mir oben kurz aufgeführten Begriffe etwas näher durchleuchten, ein paar Trends noch vorneweg. Diese basieren vermehrt auf eigene Beobachtungen sowie zahlreiche Gespräche mit Individuen aus allerlei Berufsfeldern.

  1. Der massive Exodus in Richtung Big Cities was bald zu Smart Cities mutiert, scheint zum Halten gekommen zu sein.
  2. Die Homeoffice-Kultur führt zu einem Paradigmenwechsel, was ganz konkret heisst: weg aus den Cities und hinziehen wo es ruhig ist.
  3. Verzicht auf Supermarkt-Essen (Stichwort: Monokulturen) und shoppen bei regionalen Anbietern, die Wert auf Saisonalität und Co. legen.
  4. Garten mieten oder „sharen“, um eigenes Gemüse und Obst anzupflanzen.
  5. Wohnungen samt Balkons werden zu vertikale Gärten.

Das ist natürlich die eine Seite der Medaille, wo die Natur im Fokus steht und der Mensch vermehrt versucht sich mit Mutter Erde zu verbinden.

Eine völlig andere Geschichte erzählt uns Big Business. Hierbei geht’s um Laborfleisch aus dem Reagenzglas (Stichwort Kunstfleisch), Insektenburger, Mehlwürmer-Patties und Co. Auch das sind Themen, über die ich hier auf Agrarbetrieb detailliert berichtet habe.

Das Landwirtschaftslexikon bekommt ein Upgrade

In den kommenden zehn Jahren werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit immer öfter über folgende Begriffe stolpern:

FOODSCAPING. Nachbarn setzen sich zusammen und verwandeln jegliche Vorgärten und Grünflächen in essbare Landschaften, damit sie Lebensmittel teilen und tauschen können. Eine Top-Strategie um Wirtschaftskrisen und Kriege zu überstehen. Mehr dazu erfahrt Ihr in meinem Blog:

Foodscaping – eine Mini-Marktwirtschaft für kleine Gemeinden

PERMAKULTUR. Ein Begriff was über Direktsaat-Anbau und natürliches Gärtnern weit hinausgeht. Es ist eine Denkweise was mehrere Bereiche unseres Lebens umfasst. Die Kernaussage lautet wie folgt: Arbeiten mit der Natur und nicht gegen die Natur. Also nicht sinnlos irgend etwas produzieren, sondern im Einklang mit der Natur leben.

Der nachfolgende Videobeitrag verleiht einen guten Einblick in die „Geheimnisse“ der Permakultur und zeigt den Weg mehrerer Kollegen aus der Landwirtschaft. Darin zu sehen Landwirte und Gärtner aus Österreich, Australien und der USA.

Quelle: Permakultur & Transition vom Zirkeldreher, YouTube

VERTICAL GARDENING. Horizontal kann man nur so viel gärtnern, während es nach oben meistens immer noch jede Menge Luft gibt. So kann der eigene Balkon, die Terrasse oder der Mini-Garten mit pfiffigen selbst gemachten Pflanzenbehältern nach oben gestapelt werden. Wer auf der Suche nach weiteren Ideen und kostengünstigen Versionen für die vertikale Bepflanzung von Erdbeeren, Tomaten, Salate, Auberginen und Co. ist, wird u.a. auch bei Ikea fündig. Das schwedische Möbelhaus hatte auch diesmal den richtigen Riecher gehabt.

Die Konzepte / Begriffe VERTICAL GREENING und VERTICAL FARMING basieren auf dem gleichen Prinzip.

Folgende Beiträge darf ich Euch an dieser Stelle empfehlen:

Vertikale Landwirtschaft: Sind Hochhaus-Beet unsere Zukunft?

Go big or go home: In Japen steht die größte vertikale Farm

Asien’s grüne Metropole – Vertical Greening in Singapore

Vertical Farming: Urbane Landwirtschaft im Wolkenkratzer

INDOOR FARMING. Nicht jeder der in der Stadt wohnt hat einen Balkon oder eine Terrasse; ganz zu schweigen vom eigenen Garten. Was bleibt einem übrig, der gerne eigenes Gemüse anbauen möchte? Die Wohnung muss demnach herhalten. Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wird immer größer. Vermehrt greifen Bürger zu Biogemüse oder suchen nach Wegen, etwas selber anzupflanzen. Wer keinerlei Freiluftflächen zur Verfügung hat, verwandelt die eigenen vier Wände in einen Gemüsegarten.

Mehr dazu in meinem Blog:

Indoor Farming – Ernte in den eigenen vier Wänden

HYDROPONIK. Es handelt sich hierbei um ein geschlossenes System, bei dem statt Erde mit Nährstoffen angereichertes Wasser für die Aufzucht genutzt wird. Die Einsparung von Ressourcen, der Verzicht auf Pestizide, das schnellere Wachstum der Pflanzen und die höheren Erträge locken immer mehr Betriebe heran.

Mehr dazu hier:

Hydroponik statt Erde

Das was hinter diesen Begriffen steckt, ist für viele Naturliebhaber nicht neu.

Wer im Einklang mit der Natur lebt, großen Wert auf seine Gesundheit und damit einhergehend auf bewusste Ernährung legt, ist in der einen oder anderen oben aufgeführten Aktivität involviert und kennt die Prinzipien dahinter.

Was neu ist, sind die englischen Begriffe und die Nuancen die verwendet werden, um generationsübergreifend eine gemeinsame Sprache für diese tollen Konzepte zu finden.

Selbstverständlich ist das Landwirtschaftslexikon weit davon entfernt ein vollständiges Upgrade erfahren zu haben. Immer wieder tauchen neue Begriffe auf und modellieren unsere Lebensweise, Kultur und Sicht auf die Realität.

Welche weiteren Begriffe würdest Du in das Landwirtschaftslexikon unbedingt aufnehmen?

Bildquelle: Foto von Katya_Ershova auf Pixabay