Was ist Permakultur und wie funktioniert es

Was ist Permakultur und wie funktioniert es?

Permakultur ist „in“. Immer wieder höre ich von Großstadtmenschen die ihre Karriere bei renommierten Konzernen oder Banken hinschmeissen, aufs Land ziehen und als erstes Gemüse anbauen nach dem Prinzip der Permakultur. Was steckt hinter diesem Trend? Ist das die neue Goldjagd der Hobbylandwirte?

Neben Foodscaping, Indoor Farming oder Vertical Gardening, finden sich in den letzten Jahren immer mehr Anhänger der sogenannten „dauerhaften Kultivierung“ bzw. der Permakultur. Deswegen habe ich diesen Begriff auch in meinem kleinen Landwirtschaftslexikon Ende letzten Jahres aufgenommen.

Was bedeutet Permakultur?

Permakultur hat ihren Ursprung in Australien. In den 70er Jahren entwarf Bill Mollison gemeinsam mit seinem Schüler David Holmgren das Konzept von „permanent agriculture“. Ziel ist es durch geschlossene Kreisläufe sich selbst erhaltende Lebensräume zu schaffen. Es geht dabei um nachhaltige landwirtschaftliche Systeme, die sich als Gegenpol zum aktuellen industriellen Agrarsystem verstehen. Die natürlichen Kreisläufe werden nachgeahmt und ertragreich umgesetzt.

Wie erfolgreich dieses Konzept ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass die beiden in 1981 den Right Livelihood Award erhielten, also den Alternativen Nobelpreis, sondern auch, dass sich diese Bewegung heute weltweit beschleunigt und intensiviert hat. Von privaten Hausgärten bis hin zu kleinen / mittelgroßen Bauernhöfen, die natürlichen Ökosysteme der Permakultur finden überall treue Anhänger.

Kurz zusammengefasst:

  • Es geht um einen achtsamen Umgang mit den vorhandenen natürlichen Ressourcen.
  • Ganzheitliches Denken angesagt; kein Platz für Silodenken.
  • „Nachhaltige und naturnahe Kreisläufe“ so David Holmgren.

Kommen wir zur Millionen-Euro-Frage:

Ist Permakultur wirtschaftlicher als konventionelle Methoden?

Lassen wir uns auf eine Reise in die Normandie ein, um diese Frage zu beantworten. Dafür besuchen wir besuchen Charles und Perrine Herve-Gruyer. Sie sind die beiden Inhaber der Organic Farm Bec Hellouin, die zur erfolgreichsten Alternativfarm Frankreichs gekürt wurde.

Quelle: Frei heit, YouTube. Ein Beitrag des SWR im Original.

Diejenigen von Euch die etwas tiefer in die Geheimnisse der Organic Farm Bec Hallouin von Charles Herve-Gruyer einsteigen wollen, empfehle ich folgenden fast 2-stündigen Videobeitrag. Ein Gruppe von Interessenten und Landwirten aus deutschen Dörfern haben sich zusammen getan und den Permakultur-Hof in der Normandie im August 2019 besucht.

Quelle: Armonia, YouTube.

Bio vs. Permakultur

Jeglicher Einsatz von Erdöl egal ob in Form von Dünger oder als Landmaschine, ist bei der Permakultur verboten. Auf den Hoch- und Hügelbeeten ist Handarbeit angesagt. Gleichzeitig erleichtern diese ausgeklügelten Strukturen das Pflanzen und Ernten.

Wie erfolgt die Bodenbearbeitung?

Durch Handarbeit und manuell geführten Rechen. Pflanzen, Säen, Pflegen und Ernten – alles erfolgt manuell oder durch Handarbeit.

Weitere Besonderheiten:

  • Fokus auf Artenvielfalt. Es gibt keine Monokulturen.
  • Kleine und überschaubare Beete.
  • Meist Hoch- und Hügelbeete weil diese Strukturen die perfekte Ökobilanz gewährleisten.
  • Vielfalt ist angesagt. Viele unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten kohabitieren auf wenig Fläche.
  • Alles wird wiederverwendet. Es gibt keinen Abfall.
  • Natürliche Kreisläufe sind das höchste Gebot.

Zurück zur Wirtschaftlichkeit

„Im Schnitt erwirtschaften wir 55 Euro pro Quadratmeter“ so Charles Herve-Gruyer.

Das ist fast 10 mal mehr als bei einem konventionellen Betrieb wo Landmaschinen zum Einsatz kommen.

Das sind natürlich gigantische Erträge, die dazu geführt haben, dass sich die Wissenschaft das Konzept näher anschauen wollte. Die Experten vom französischen Agrarforschungszentrum INRAE in Paris starteten eine vierjährige Studie (von Dezember 2011 bis März 2015) mit dem Titel:

„Case Study Permacultural Organic Market Gardening and Economic Performance“

Die detaillierten Ergebnisse dieser Studie findet Ihr in diesem 67-seitigen PDF-Dokument. Hinweis: Die Veröffentlichung ist auf französisch.

Das ist die englische Version der Studie in PDF-Format.

DAS ENDERGEBNIS:

Auf der Permakultur-Farm Bec Hellouin wächst 3-4 mal mehr Gemüse als in einem konventionellen Gemüsebetrieb gleicher Fläche.

Was sind die Gründe für diesen hohen Ertrag?

So wie es aussieht spielen zwei Faktoren eine hauptsächliche Rolle beim Erreichen dieser Ertragszahlen:

  • Artenvielfalt – mehr Pflanzensorten auf engem Raum führen zur höheren Produktion
  • Bepflanzung durch Hand – auch das führt zu einer Steigerung der Produktion

Inwieweit sich dieses Konzept auf größere landwirtschaftliche Betriebe umsetzen lässt die z.B. Getreide anbauen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Inhaber von Bec Hellouin haben damit bereits angefangen.

Das Konzept der Permakultur wird uns hier auf Agrarbetrieb auch weiterhin begleiten. Als Befürworter von Artenvielfalt und Nachhaltigkeit betrachte ich diese ressourcenschonende Landnutzung ausschlaggebend für eine zukunftsträchtige Landwirtschaft.

Bildquelle: Foto von Tania Malrechauffe auf Unsplash

Das Landwirtschaftslexikon dieser Dekade

Das Landwirtschaftslexikon dieser Dekade

Foodscaping, Indoor Farming, vertikale Landwirtschaft, Hydroponik, Permakultur — diese Begriffe sorgen in letzter Zeit immer häufiger für Schlagzeilen in den Mainstream-Medien. Das ist gut so, denn die Art und Weise wie wir heute Landwirtschaft betreiben ist trotz der „Nachhaltigkeits-Floskel“ vieler Konzerne, nicht aufrecht zu erhalten. Es ist daher höchste Zeit, dem Landwirtschaftslexikon ein Upgrade zu verpassen.

Nachhaltigkeit – das Lieblingswort von Big Business und Big Banking hat die letzte Dekade geprägt. Selbstverständlich wurde der Begriff auch bei uns in der Landwirtschaft derart verbreitet, dass man heute keinen normalen Satz mehr aussprechen kann, ohne dieses Zauberwort zu verwenden.

Hat der Begriff seinen Zenit erreicht oder geht da noch was? Das werden wir sehen, allerdings gehe ich stark davon aus, dass wir in dieser neuen Dekade viele neue „Zauberwörter“ erfinden werden, um die eine oder andere Wahrnehmung den Massen besser zu verkaufen.

Bevor wir die von mir oben kurz aufgeführten Begriffe etwas näher durchleuchten, ein paar Trends noch vorneweg. Diese basieren vermehrt auf eigene Beobachtungen sowie zahlreiche Gespräche mit Individuen aus allerlei Berufsfeldern.

  1. Der massive Exodus in Richtung Big Cities was bald zu Smart Cities mutiert, scheint zum Halten gekommen zu sein.
  2. Die Homeoffice-Kultur führt zu einem Paradigmenwechsel, was ganz konkret heisst: weg aus den Cities und hinziehen wo es ruhig ist.
  3. Verzicht auf Supermarkt-Essen (Stichwort: Monokulturen) und shoppen bei regionalen Anbietern, die Wert auf Saisonalität und Co. legen.
  4. Garten mieten oder „sharen“, um eigenes Gemüse und Obst anzupflanzen.
  5. Wohnungen samt Balkons werden zu vertikale Gärten.

Das ist natürlich die eine Seite der Medaille, wo die Natur im Fokus steht und der Mensch vermehrt versucht sich mit Mutter Erde zu verbinden.

Eine völlig andere Geschichte erzählt uns Big Business. Hierbei geht’s um Laborfleisch aus dem Reagenzglas (Stichwort Kunstfleisch), Insektenburger, Mehlwürmer-Patties und Co. Auch das sind Themen, über die ich hier auf Agrarbetrieb detailliert berichtet habe.

Das Landwirtschaftslexikon bekommt ein Upgrade

In den kommenden zehn Jahren werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit immer öfter über folgende Begriffe stolpern:

FOODSCAPING. Nachbarn setzen sich zusammen und verwandeln jegliche Vorgärten und Grünflächen in essbare Landschaften, damit sie Lebensmittel teilen und tauschen können. Eine Top-Strategie um Wirtschaftskrisen und Kriege zu überstehen. Mehr dazu erfahrt Ihr in meinem Blog:

Foodscaping – eine Mini-Marktwirtschaft für kleine Gemeinden

PERMAKULTUR. Ein Begriff was über Direktsaat-Anbau und natürliches Gärtnern weit hinausgeht. Es ist eine Denkweise was mehrere Bereiche unseres Lebens umfasst. Die Kernaussage lautet wie folgt: Arbeiten mit der Natur und nicht gegen die Natur. Also nicht sinnlos irgend etwas produzieren, sondern im Einklang mit der Natur leben.

Der nachfolgende Videobeitrag verleiht einen guten Einblick in die „Geheimnisse“ der Permakultur und zeigt den Weg mehrerer Kollegen aus der Landwirtschaft. Darin zu sehen Landwirte und Gärtner aus Österreich, Australien und der USA.

Quelle: Permakultur & Transition vom Zirkeldreher, YouTube

VERTICAL GARDENING. Horizontal kann man nur so viel gärtnern, während es nach oben meistens immer noch jede Menge Luft gibt. So kann der eigene Balkon, die Terrasse oder der Mini-Garten mit pfiffigen selbst gemachten Pflanzenbehältern nach oben gestapelt werden. Wer auf der Suche nach weiteren Ideen und kostengünstigen Versionen für die vertikale Bepflanzung von Erdbeeren, Tomaten, Salate, Auberginen und Co. ist, wird u.a. auch bei Ikea fündig. Das schwedische Möbelhaus hatte auch diesmal den richtigen Riecher gehabt.

Die Konzepte / Begriffe VERTICAL GREENING und VERTICAL FARMING basieren auf dem gleichen Prinzip.

Folgende Beiträge darf ich Euch an dieser Stelle empfehlen:

Vertikale Landwirtschaft: Sind Hochhaus-Beet unsere Zukunft?

Go big or go home: In Japen steht die größte vertikale Farm

Asien’s grüne Metropole – Vertical Greening in Singapore

Vertical Farming: Urbane Landwirtschaft im Wolkenkratzer

INDOOR FARMING. Nicht jeder der in der Stadt wohnt hat einen Balkon oder eine Terrasse; ganz zu schweigen vom eigenen Garten. Was bleibt einem übrig, der gerne eigenes Gemüse anbauen möchte? Die Wohnung muss demnach herhalten. Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wird immer größer. Vermehrt greifen Bürger zu Biogemüse oder suchen nach Wegen, etwas selber anzupflanzen. Wer keinerlei Freiluftflächen zur Verfügung hat, verwandelt die eigenen vier Wände in einen Gemüsegarten.

Mehr dazu in meinem Blog:

Indoor Farming – Ernte in den eigenen vier Wänden

HYDROPONIK. Es handelt sich hierbei um ein geschlossenes System, bei dem statt Erde mit Nährstoffen angereichertes Wasser für die Aufzucht genutzt wird. Die Einsparung von Ressourcen, der Verzicht auf Pestizide, das schnellere Wachstum der Pflanzen und die höheren Erträge locken immer mehr Betriebe heran.

Mehr dazu hier:

Hydroponik statt Erde

Das was hinter diesen Begriffen steckt, ist für viele Naturliebhaber nicht neu.

Wer im Einklang mit der Natur lebt, großen Wert auf seine Gesundheit und damit einhergehend auf bewusste Ernährung legt, ist in der einen oder anderen oben aufgeführten Aktivität involviert und kennt die Prinzipien dahinter.

Was neu ist, sind die englischen Begriffe und die Nuancen die verwendet werden, um generationsübergreifend eine gemeinsame Sprache für diese tollen Konzepte zu finden.

Selbstverständlich ist das Landwirtschaftslexikon weit davon entfernt ein vollständiges Upgrade erfahren zu haben. Immer wieder tauchen neue Begriffe auf und modellieren unsere Lebensweise, Kultur und Sicht auf die Realität.

Welche weiteren Begriffe würdest Du in das Landwirtschaftslexikon unbedingt aufnehmen?

Bildquelle: Foto von Katya_Ershova auf Pixabay

Pflanzenvielfalt in Deutschland - Agrarbetrieb

Pflanzenvielfalt in Deutschland verzeichnet Negativrekord

Die bisher umfassendste Studie zur Pflanzenvielfalt in Deutschland zeigt ein absolut düsteres Szenario auf: bei über 70% der mehr als 2.000 untersuchten Arten sind in den letzten 60 Jahren Rückgänge zu verbuchen. Die Flora-Diversität nimmt in Deutschland ab.

Das wir in Deutschland ein gewaltiges Problem in punkto Artenvielfalt haben, ist mir als Landwirt bereits seit Längerem bekannt. Das die Lage jedoch derart allarmierend ist, überrascht mich jedoch auch. Umso wichtiger finde ich derartige Studien, die den Ernst der Lage ganz präzise aufzeigen. Denn wir alle müssen unbedingt etwas dagegen tun; auf die Politik warten, hilft nicht.

29 Millionen Daten zur Verbreitung von Gefäßpflanzen in Deutschland flossen in die bislang umfassendste Analyse ein. Demnach wurden 2136 der gut 4300 etablierten Pflanzenarten hierzulande in die Berechnung mit aufgenommen. Pflanzenarten mit einer sehr geringen Meldehäufigkeit wurden nicht berücksichtigt.

An der Studie beteiligte sich ein Forscherteam bestehend aus mehreren Institutionen:

  • Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
  • Die Universitäten Rostock, Halle und Jena
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  • Naturschutzbehören aller 16 Bundesländer

Ade Pflanzenvielfalt, Hello Monokulturen

Das was Naturliebhaber schon immer befürchtet haben, rückt näher.

Wollen wir wirklich, dass das „Blumen-Layout“ unserer Felder im Norden und Süden sich angleicht? Wo bleibt der Reiz und die Attraktivität der Vielfalt? Wer hat schon Lust bundesweit die identischen Kräuter wiederzufinden? Steuern wir mit Vollgas auf eine öde Landschaft zu?

Die Ergebnisse der aktuellen Studie sollten wir ernst nehmen:

  • „Schleichender Biodiversitätsverlust„. Seit 1960 haben die rückläufigen Arten Einbußen von durchschnittlich 15% verzeichnet.
  • Rückgänge sind nicht nur auf seltene bzw. gefährdete Arten beschränkt.
  • Archäophyten sind die großen Verlierer. Dies sind Pflanzenarten die vor der Entdeckung Amerikas nach Deutschland gelangten wie z.B. die Saat-Wucherblume, der Echte Frauenspiegel oder der Gute Heinrich.
  • Neophyten nehmen zu. Pflanzenarten die nach der Entdeckung Amerikas in 1492 unser Land erreicht haben wie z.B. das Schmalblättrige Greiskraut, breiten sich aus.
  • Verluste können nicht kompensiert werden. Die Zunahme der Neophyten kann die dramatische Reduzierung der Archäotypen pro Flächeneinheit nicht ausgleichen.

Die dramatische Lage könnte gravierende Auswirkungen auch auf andere Bereiche und Systeme haben. Seit Jahren weisen wir auf das Bienen- und Insektensterben hin. Auf die Themen Nährstoffmangel und Bodenqualität machen wir ebenfalls immer wieder aufmerksam. Wir leben in komplexen Ökosystemen, wo uns die Ursachen und Wirkungen teilweise völlig unklar sind.

Wer glaubt, dass eine Reduzierung der Pflanzenvielfalt keine Auswirkungen auf die Tierwelt (insb. Bienen und Insekten) und auch auf uns Homo Sapiens hat, lebt völlig illusorisch.

Die menschliche Ignoranz gegenüber den vielschichtigen Beziehungen auf diesem Planeten wird uns eher früher als später in Form eines Boomerangs serviert werden.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

– – Albert Einstein

Was tun, um die Pflanzenvielfalt aufrecht zu halten?

OK, den Ernst der Lage haben wir erkannt.

Was nun? Welche Lösungsansätze liegen uns vor? Wie kommen wir aus diesem Schlammasel wieder raus?

Die Studie führt uns die Tatsache vor Augen, dass dies kein regionales sondern ein bundesweites Phänomen ist. Kein Bundesland kann sich also aus der Verantwortung herausziehen. Da Land- und Forstwirtschaft rund 80% der Flächen in Deutschland ausmachen, fordert das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das genau hier an dieser Steller angesetzt wird.

„Naturveträgliche Nutzungsformen sind dringend geboten.“

– – Prof. Dr. Beate Jessel, BfN-Präsidentin (BfN)

Ein weiterer Ansatz der BfN ist die Verbesserung der Datenerfassung und des Monitorings, denn im Gegensatz zu seltenen Pflanzenarten, deren Bestände recht gut untersucht werden, fällt dies im Falle mittelhäufiger und häufiger Arten eher mau aus. Damit soll quasi ein sog. Frühwarnsystem geschaffen werden, das die schleichenden Verluste in punkto Biodiversität rechtzeitig aufzeigt.

QUELLEN

  • Eichenberg D., Bowler D. E., Bonn A., Bruelheide H., Grescho V., Harter D., Jandt U., May R., Winter M., Jansen F. (2020): „Widespread decline in central European plant diversity across six decades“; Global Change Biology. 2020 Dec 16. DOI: 10.1111/gcb.15447
  • Online lesbar auf Wiley Online Library
  • Online verfügbar auf PubMed

Blumenwiesenpatenschaften als Lösungsansatz

Ich bin ein großer Naturliebhaber und lege enormen Wert auf Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft.

In einer Welt dominiert von Konzernen und getrieben von Profit, wo marketingtechnisch viel Geld dafür ausgegeben wird, um „nachhaltig“ rüberzukommen, kämpfen kleine Familienbetriebe ums Überleben. Das was mehrere Generationen aufgebaut haben, wird von Politik, Wirtschaft und Co. zusehends mit den Füssen getreten. Die Gier ist grenzenlos. Respekt, Wertschätzung und Liebe für alles was uns umgibt, absolute Fremdwörter.

Seit mehreren Jahren versuche ich mit meinem Projekt „Blumenwiesenpatenschaften“ eine Alternative für alle diejenige zu bieten, die ein Herz für Flora und Fauna in Deutschland haben und bereit sind etwas FÜR die Artenvielfalt hierzulande zu tun. Durch die Teilnahme an diesem Projekt, zaubert jeder von Euch ein Stückchen Paradies für Bienen, Hummeln und Insekten zurück. Die Felder sind bunt und die Krabbeltiere fühlen sich pudelwohl.

Statt immer zu kämpfen, sollten wir lieber den Freiraum dafür erschaffen, dass sich die Natur selbst erholt.

Die selbstheilenden Kräfte unseres Planeten darf man nicht unterschätzen. Umso wichtiger ist es für mich eine Blumenoase zu kreieren, die nicht nur unser Herz höher schlagen lässt, sondern gleichzeitig auch unser Ökosystem nachhaltig unterstützt.

Wie können wir den Rückgang der Pflanzenvielfalt in Deutschland aufhalten? Noch wichtiger sogar: wie können wir diese Vielfalt steigern?

Artenvielfalt – ein Kampf zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Artenvielfalt, Biodiversität, Greening – sind das alles nur Schlagwörter die von Politikern gerne genutzt werden, um an Popularität zu gewinnen oder steckt da mehr dahinter? Was zeigen uns die wissenschaftlichen Studien und welche Interessen verfolgen große Konzerne?

Ein super kontroverses Thema was mich persönlich als Landwirt besonders stark beschäftigt. Als Konsument wird man mit dem Thema spätestens im Supermarkt konfrontiert: überall die gleich aussehenden Gurken, ampelfarbige Paprika die wir aus Holland importieren, Tomaten die nach nichts riechen, Kartoffeln die kaum einen Geschmack haben usw. Hinzu kommt noch, dass wir diese „frischen“ Produkte das ganze Jahr über bekommen, Saison spielt also keine Rolle mehr UND wer gerne in andere Länder reist, hat sicherlich schon festgestellt, dass die Supermärkte in Spanien, England, Italien & Co. das gleiche ‚einmalige‘ Sortiment aufweisen wie wir hierzulande.

Was ist denn in 2020 überhaupt noch länderspezifisch?

Spielt Saison denn überhaupt keine Rolle mehr?

Die wenigsten fragen sich, ob das alles nachhaltig und vor allem gesund ist. Monokulturen wo das Auge nur hinreicht, ganze Insektengruppen die vom Aussterben bedroht sind, Bienen die völlig verwirrt durch die Gegend irren und neuerdings durch Roboterbienen ersetzt werden sollen – wo führt denn das Ganze hin?

Artenvielfalt ist mehr als nur ein Modewort

Vor rund zwei Jahren (am 8. März 2018) sorgte der US-amerikanische Handelsriese Walmart mit seinem Patentantrag für Roboterbienen für Schlagzeilen. Ähnlich wie Deutschland, stehen auch die USA vor einer massiven Herausforderung – es handelt sich um das Bienensterben. So kamen Forscher der Harvard-Universität auf die glorreiche Idee die Bestäubungsarbeit der Bienen durch High-Tech Fluggeräte zu übernehmen.

DIE FAKTEN – Das sagen die wissenschaftlichen Studien:

  • Das Sterben der Bienen und Insekten schreitet voran: 40% der Arten sind von einem Rückgang gekennzeichnet und jede dritte Art ist von Aussterben bedroht.
  • Es gibt derzeit keine großflächigen Lösungen die weltweit greifen.
  • Rund 80% der Pflanzen die unsere Nahrung sichern, müssen bestäubt werden. Durch das Bienensterben bleibt die Bestäubungsarbeit aus, d.h. es werden dringend zusätzliche Kapazitäten benötigt.
  • Der Wert der Bestäubung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen durch Insekten wird weltweit jährlich auf dreistellige Milliardenbeträge beziffert: 153 Milliarden USD weltweit.
  • Ohne Insekten kollabiert unser Ökosystem.

Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein soll 1949 folgendes gesagt haben:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr. “

Albert Einstein, 1949

Studien

  • Sanchez-Bayo F., Wyckhuys A.G.: Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers, Biological Conservation, April 2019, in ScienceDirect.
  • Gallai N., Salles J.M., Settele J., Vaissiere B.E.: Economic valuation of the vulnerability of world agriculture confronted with pollinator decline, Ecological Economics, Issue 3, 15. January 2009, in ScienceDirect.
  • Biodiversitätsverlust – eine Bedrohung für unsere Lebensgrundlage, 30. August 2017, Europäischer Wirtschafts- und Sozialsausschuss (EWSA).

Wenn die Profite aus der Natur den menschlichen Verstand ausschalten

Wir können hier schön und lange über Artenvielfalt diskuttieren aber solange die Gier und sogenannte „schädliche Subventionen“ unser System speisen, wird es verdammt schwer sein unser Ökosystem zu retten.

Ganz konkret meine ich damit u.a. den Anstieg der Wilderei in Ländern wie Südafrika, Namibia oder Simbabwe die obendrauf auch noch auf eine Lockerung des Handelsverbots pochen oder auch die Subventionen von Aquafarmen in Südostasien die zu einer Zerstörung der Mangroven-Küstenwälder und damit wenige Jahre später zum ökologischen Tod der Küsten führten.

Mit der Natur lassen sich Milliarden verdienen.

Solange wir Menschen es nicht kapieren, dass Selfies mit von uns getöteten Elefanten, Giraffen und andere exotische Tierarten nichts weiter sind als dumme Glücksspiralen des Egos, wird unser Ökosystem leiden. Beim Thema Artenvielfalt und Artenschutz geht es also um vielmehr als ein paar Bienen und Motten.

Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen von uns. Wir können nicht immer auf Politiker, Landwirte oder Konzerne die Finger zeigen. Hinter diesen Berufen, Positionen und Institutionen verbergen sich Individuen. Vergessen wir das bitte nicht.

Quelle: tagesschau, YouTube

Förderung der Artenvielfalt

Die Aktionen Volksbegehren in Bayern und Baden-Württemberg haben das Thema Insektensterben in das Bewusstsein der Menschen stärker positioniert. Neue Gesetze sind ins Leben gerufen worden und viele Landwirte, insb. kleine Familienbetriebe verstehen die Welt nicht mehr. Hauptsache zwei Pole aufbauen, denn davon profitieren die Medien am meisten. So dreht sich das Karussell gemäß dem Motto „Das Leben ist ein Spektakel“ munter weiter.

Einen besonderen Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge, Hummeln, Motten & Co. schaffen, das lag mir schon immer am Herzen. Am besten geht das mit einem bunten Fleck Blumen. Das führte zur Geburt meiner Aktion Blumenwiesenpatenschaften. Wer die Natur liebt und unseren Planeten möglichst lange bunt und glücklich erleben möchte, dem empfehle ich eine Blumenwiesenpatenschaft.

Mehr dazu erfahrt Ihr hier:

Artenvielfalt fördern, Blumenwiesenpate werden

Lasst uns gemeinsam etwas tun und vor allem an dem Thema dranbleiben. Es reicht nicht nur Bewusstsein zu schaffen und politische Debatten darüber zu führen.

Neue Technologien einzusetzen, um uns bei der Arbeit zu unterstützen ist eine Sache, dafür zu sorgen, dass wir nicht alles was natürlich ist irgendwann nur noch mit High-Tech-Drohnen ersetzen eine andere.

Wer möchte schon in einer Welt leben wo alles rundherum nur noch digital und künstlich ist?

Ich auf jeden Fall nicht. Dafür liebe und respektiere ich die Natur vielzu sehr.

Auf die nachhaltige Landwirtschaft und Artenvielfalt.

Ostermarkt Blumenwiesenpatenschaft

Ostermarkt: Artenvielfalt durch eine Blumenwiesenpatenschaft fördern

Letzten Sonntag trafen sich die Münnerstädter auf dem Ostermarkt. Obwohl es sehr frisch war, kamen Besucher aus allen Teilen Bayerns. Es gab nicht nur viel zu sehen, sondern auch ein paar Schnäppchen warteten hier und da auf neue Eigentümer.

Münnerstadt ist eine kleine Stadt (rund 8.000 Einwohner) im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Das Städtchen liegt am Südrand des Naturparks Bayerische Rhön und stecht durch seine prächtigen Fachwerkbauten heraus.

Zurück zum Ostermarkt.

Dieser hausierte wie üblich auf dem Marktplatz, rund um das Rathaus. An der Klosterkirche erstreckte sich der 20. Mürschter Trödelmarkt, ein Highlight für Antike-Liebhaber und Schnäppchen-Jäger aller Couleur. Gleichzeitig hatten auch die Geschäfte offen und luden zum verkaufsoffenen Sonntag ein.

Weitere Events:

  • Der Ostereiermarkt fand in der Alten Aula statt.
  • Der Osterbasar des Roten Kreuzes fand im Rot-Kreuz-Haus statt.
  • Der Auto-Frühling der Autohändler hieß seine Anhänger auf dem Anger willkommen.

Blumenwiesenpatenschaften auf dem Ostermarkt

Zusammen mit meinem Imkerkollegen Helmut Petsch, setzen wir uns für die Bienen und die Artenvielfalt in der Region ein. Deshalb bot unser Stand neben leckeren Honig und Aroniaprodukten auch Blumenwiesenpatenschaften an.

Die Besucher hatten also die Gelegenheit eine Blumenwiesenpatenschaft zu erwerben.

Das tolle an der Initiative: die Blumenwiesenpaten werden im November zur Bayerischen Honigpremierung als Unterstützer eingeladen. Das gleiche gilt auch für die besten Gärtner. Es soll auch eine Preisverleihung geben 😉

Wenn Ihr ein Herz für Bienen habt und damit den Artenschutz in Deutschland unterstützen möchtet, dann werdet Blumenwiesenpate. Ich freue mich über jeden Einzelnen von Euch der mitmacht und noch mehr freue ich mich darüber, Euch im November persönlich kennen zu lernen. Hier gibt’s die Details:

Diese traditionellen Ostermärkte sind eine tolle Sache. Nicht nur dass sie der Auftakt zur Flohmarkt-Saison sind, sondern vor allem deshalb, weil „alle“ rauskommen. Viele Bewohner machen mit, die einen haben größere Stände, die anderen kleinere. Die einen bieten Antike an, die anderen die typischen „was man nicht mehr braucht“ Artikel.

Kinder haben die Gelegenheit rumzulaufen und Ostereier zu suchen. Man spaziert durch die Stände, führt nette Gespräche und trifft auf den einen oder anderen Bekannten, den man länger nicht mehr gesehen hat.

Ostermärkte sind bunt, vielfältig und Teil unserer Kultur. Wir haben uns an sie gewöhnt und sie sind Teil unseres Lebens geworden.

Mein Dankeschön geht an dieser Stelle auch an die Redaktion der lokalen Zeitung inFranken. Die Kollegen haben uns von Anfang an bei der Intitiave Blumenwiesenpatenschaften, Artenvielfalt und „Rettet die Bienen“ begleitet. Ihre Unterstützung weiss ich sehr zu schätzen!

Bis in einem Jahr, wo es dann wieder heißt, Münnerstädter Ostermarkt lädt ein. Ich wünsche Euch ein frohes Osterfest und eine besinnliche Zeit im Kreise Eurer Liebsten.