Artenschutz bei Agrarbetrieb

News: SIMA, Dürre-Insolvenzen, Artenschutz

Vom 24-28 Februar trifft sich unsere Community auf der französischen Landwirtschaftsmesse SIMA in Paris. Ein spannender Kick-off gleich zum Jahresanfang 2019, denn im November sehen wir uns alle in Hannover auf der Agritechnica.

Des weiteren blicken wir nochmal mit große Sorgen auf das Dürrejahr 2018 zurück. Die Konsequenzen, u.a. jede Menge Dürre-Insolvenzen werden erst in diesem Jahr zum Tragen kommen. Zum Schluss widmen wir uns dem Thema Artenschutz in Deutschland.

Messejahr 2019: Erst SIMA, dann Agritechnica

Am Sonntag den 24. Februar geht’s los. Die SIMA in Paris erwartet über 1.800 Ausstellern aus 42 Ländern. Es geht um moderne Landtechnik, neue Verfahren und digitale Lösungen in der Landwirtschaft, sowie um die traditionelle Preisverleihung der SIMA Innovation Awards.

Ein paar wichtige Eckdaten zur Messe:

  • Location: Messehallen des Parc des expositions Paris Nord Villepinte.
  • Öffnungszeiten: 8:30 bis 18:00
  • Eintrittspreise: 30€ inkl. MwSt. (Online), 40€ inkl. MwSt. vor Ort
  • Messedauer: 24 – 28 Februar

Die Gewinner der SIMA Innovation Awards 2019:

  1. Goldmedaillen (2x): Claas Januar 960 Terra Trac und LaForge DynaTrac
  2. Silbermedaillen (5x): Live NBalance von Airbus Defence and Space & John Deere, Field Sensor von Bosch Frankreich, Fernüberwachungssystem für John Deere Vertriebspartner, Redvista Augmented Reality Technologie von Kuhn, Tank-Air-Wheel (Puffertank) des französischen Felgenherstellers Sodijantes Industrie
  3. Bronzemedaillen (20x): 20 Preisträger

Auch wenn Paris in den letzten Jahren unter den DACH-Kollegen eine immer größere Beliebtheit gewonnen hat, bleibt der Termin in Hannover zum Jahresende unschlagbar. Mit über 2.800 Herstellern aus 52 Ländern in 23 Hallen ist und bleibt die Agritechnica DAS Treffpunkt für Landwirte aus der ganzen Welt.

Dürrejahr 2018: Die Konsequenzen sind bitter

Ein Katastrophenjahr – so beschreibt eine Vielzahl deutscher Landwirte das letzte Jahr.

Wochenlang schien die Sonne, kaum eine Wolke am Himmel und der Regen ließ lange auf sich warten. Die Schwimmbäder und Biergärten in Deutschland freuten sich über die Rekordumsätze, den Landwirten blieb nur der Blick auf öde Landschaften übrig. Dass dies für die zweiteren noch jede Menge Konsequenzen mit sich bringen wird, war uns klar.

Das Dürrejahr 2018 hat den meisten landwirtschaftlichen Betriebe einen Strich durch die Rechnung gezogen. Und das buchstäblich.

Die Zahl der Insolvenzen ist nur geringfügig nach oben gegangen. Laut Destatis sind letztes Jahr 114 landwirtschaftliche Unternehmen zahlungsunfähig geworden. Die Zahl ist deutlich niedriger als in den Jahren zuvor.

Es gibt eine Ausnahme: das Jahr 2017 gilt mit 109 angemeldeten Insolvenzen als das Jahr mit den bislang wenigsten Unternehmensinsolvenzen in der Landwirtschaft.

Das schlimmste erwartet uns noch, so die Prognosen des Finanzdienstleisters CRIF Bürgel.

„Im Zeitraum von August bis November 2018 ist die Zahl der insolvenzgefährdeten Unternehmen aus der Landwirtschaft um 11,1 Prozent angestiegen. Insgesamt gelten damit aktuell 5.049 landwirtschaftliche Betriebe als finanzschwach und haben derzeit ein erhöhtes Insolvenzrisiko.“

Quelle: CRIF Bürgel GmbH


Zum Vergleich: Der Trend in der Gesamtwirtschaft ging im gleichen Zeitraum mit -3,7% in die entgegengesetzte Richtung.

Welche Optionen bleiben einem landwirtschaftlichen Betrieb offen, um die heftigen Auswirkungen des letzten Jahres zu überleben?

Zum einen, kann es auf Rücklagen zurück greifen – vorausgesetzt die existieren und sind noch ok. Zum anderen, können Familie und Freunde einem kurzfristig mit einer Finanzspritze aushelfen.

Egal wie, man steckt in der Zange: die Ernte ist klein ausgefallen, d.h. die Erlöse sind eingebrochen und gleichzeitig sind die Kosten gestiegen. Deshalb gehen die Finanzdienstleister von einem Anstieg der Insolvenzzahl in 2019 aus.

Es gibt aber auch positive Nachrichten:

Landwirtschaftliche Betriebe gelten als „finanzstärker und robuster“ als die Gesamtwirtschaft. Hinzu kommt, dass der durchschnittliche Bonitätsindex in der Landwirtschaft einen besseren Wert ausweist (2,42) als in der Gesamtwirtschaft (2,70).

Für alle unter Euch die tiefer in die Materie einsteigen wollen, denen empfehle ich das neu erschienene Situationsbericht 2018/19 des Deutschen Bauernverbandes. Das 50-seitige PDF-Dokument kann auf der Webseite des DBV kostenfrei heruntergeladen werden.

Das Thema Artenschutz bringt endlich etwas mehr Bewegung in die Politik rein

Wie Ihr bereits wisst, spielen Artenvielfalt und Insektenschutz insb. Honigbienenschutz eine besonders grosse Rolle in meinem Leben. So kommt es auch, dass ich das Projekt Blumenwiese vor ein paar Jahren ins Leben gerufen habe.

Umso weniger wundert es mich, dass das bayerische Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ die Politik wieder massiv in Bewegung setzt.

Das Ergebnis: die Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Insektenschutz in Deutschland gesetzlich festschreiben. Dafür soll es laut Ministerin zusätzlich 100 Millionen EUR im Jahr geben.

Das Aktionsprogramm soll verbindliche Vorgaben u.a. bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und beim Zuführen von Schadstoffen im Lebensraum der Insekten machen. Das Vorhaben soll im April mit dem Landwirtschaftsministerium abgestimmt werden.

Der Anschub kam aus Bayern. Über 17 Millionen Bürger, das sind 18% der Wahlberechtigten haben mit ihren Unterschriften ein klares Zeichen für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ gesetzt. Der Bayerische Bauernverband (BBV) wird an den Gesprächen mit der Politik teilnehmen.

Biodiversität geht nicht nur Bayern etwas an, sondern alle

Nachhaltige Landwirtschaft – dafür stehe ich bei Agrarbetrieb und mit mir ganz viele Kollegen aus Bayern und anderen Bundesländern.

Ich freue mich, dass die Initiative aus Bayern kommt und Mittelfranken da die Nase vorne hat, aber hier geht es um vielmehr als ein paar Stimmen aus einem Bundesland. Es geht um eine Steigerung der Sensibilität für wildlebende Insekten (nicht nur die Honigbiene), Arten- und Umweltschutz bei Landwirten und Bevölkerung gleichermassen. Es geht um eine engere Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Imkern.

Was können wir für den Artenschutz in Deutschland zusätzlich noch alles tun?

News Grüne Woche Berlin 2019

News: Goodbye Basisprämie und Ü30-Heizkessel, Hellau Grüne Woche

Am Freitag geht’s wieder los. Berlin eröffnet seine Tore für die Internationale Grüne Woche. Die zehntägige Messe ist ein Highlight für viele Alters- und Berufsgruppen. Die Demonstranten werden sicherlich auch dieses Jahr nicht fehlen.

Bevor wir die aktuellen News aus unserer Branche näher betrachten, erstmals eine interessante Zahl die den einen oder anderen Landwirt doch sehr nachdenklich machen wird.

Rund 25% der Deutschen haben noch nie mit einem Landwirt gesprochen!

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen forsa-Umfrage, die das Forum Moderne Landwirtschaft beim Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegeben hat.

Ist das nicht merkwürdig?

Kein anderes Thema polarisiert die Bevölkerung stärker als Ernährung. Auf den sozialen Medien kann sich kaum einer zurückhalten: Nutzer werden beleidigt, Veganer und Tierschützer gehen auf Viehzuchthalter und Fleischesser los… und dann so ein Ergebnis.

Nochmal, damit es auch richtig verdaut wird:

Ein Viertel aller Deutschen hat noch nie mit einem Landwirt gesprochen!

Weitere Zahlen im Überblick:

  • 41% aller Deutschen kennt keinen Landwirt persönlich.
  • 60% aller Deutschen die in einer Stadt leben, kennen keinen Landwirt.

Es gibt jedoch auch ein Hoffnungsschimmer:

80% der Befragten sind an einem Gespräch mit einem Landwirt interessiert.

Die Details und Ergebnisse der forsa-Umfrage findet Ihr auf der Webseite des Forum Moderne Landwirtschaft e.V.

Also liebe Mitbürger, wenn Ihr das Gespräch mit einem Landwirt sucht, dann habt Ihr dieses Jahr gleich zwei außergewöhnliche Gelegenheiten dies zu tun: einmal jetzt in Berlin auf der Grünen Woche und dann im November, auf der Agritechnica in Hannover (da werde ich auch dabei sein und freue mich auf Euch).

Vom 18. bis 27. Januar findet die Internationale Grüne Woche statt

Die Internationale Grüne Woche (kurz IGW) ist die weltweit größte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Sie dauert 10 Tage und ist der Treffpunkt schlechthin für alle Food-Begeisterte.

Mehr als 1.700 Aussteller mit mehr als 100.000 Produkten haben sich angemeldet. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland (in Halle 10.2 stehen finnische Köstlichkeiten zum probieren bereit). Die Messe findet zum 84-mal statt.

Außerdem ist die Messe für seine über 300 Foren, Seminare, Kongresse und Ausschusssitzungen bekannt.

Letztes Jahr hatte ich die tolle Gelegenheit bei der Podiumsdiskussion „Digitale Zukunft in der Landwirtschaft gestalten“ dabei zu sein. Das Thema meines Vortrags war: „Zukunftstrends – Was erwartet uns im nächsten Jahrzehnt?“

Alle wichtigen Informationen rundum Tickets, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Übernachtungsmöglichkeiten und Co. erfahrt Ihr auf der Internetseite der Messe Berlin.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das was uns dieses Jahr erwartet…

Quelle: GrueneWoche, YouTube

Basisprämie abschaffen; EU-Gelder nur noch gegen Leistung erhalten

Die SPD ist mit der aktuellen Verteilung der EU-Agrargelder nicht einverstanden. Die Partei will die Subventionen künftig an Umwelt-, Klima- oder Tierschutzauflagen koppeln.

Übergangsweise sollen nur noch 25% der Gelder der ersten Säule für eine Basisprämie reserviert werden. Öko-Leistungen sollen die Hälfte des Geldes erhalten. Die verbleibenden 25% sollen für Umwelt-, Natur- und Klimaprogramme bereitstehen. Die zweite Säule soll Investitionen in den Bereichen Tierschutz und ländliche Entwicklung unterstützen.

Geht es nach der Meinung der SPD, dann soll die Basisprämie ab 2028 gar nicht mehr gezahlt werden. Fördergelder soll es nur noch leistungsbezogen geben.

Vorschläge der SPD-Bundestagsfraktion:

  • Basisprämie soll an Umweltauflagen geknüpft werden => Beispiel: Bereitstellen von 7% der betrieblichen Nutzfläche als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF – auch als Greening bekannt)
  • Förderung von Junglandwirten und der ersten Hektare mit jeweils 20% der Basisprämie

Gleichzeitig müssen wir uns auch noch folgendes vor den Augen halten:

Der Anteil der Agrarausgaben am EU-Haushalt sinkt. Aktuell liegt dieser bei rund 28% (DBV-Situationsbericht 2018/19). Die EU-Kommission rechnet für 2027 mit einem Anteil von weniger als 22%.

Quellen: Deutscher Bauernverband, Radio Mainwelle

Ü30-Heizkessel: Mehr als 1 Mio. alte Öl- und Gasheizungen müssen 2019 ausgetauscht werden

Die Energieeinsparverordnung EnEV sieht folgendes vor: nach 30 Jahren Betrieb muss ein Hauseigentümer den Heizkessel in der Regel ersetzen.

Woher weiß man ob man hiervon betroffen ist oder nicht?

Eine Ü30-Heizung lässt sich wie folgt prüfen:

  • ein Blick auf den Typenschild der Heizung
  • das Schornsteinfegerprotokoll durchblättern
  • die Bauunterlagen prüfen

Wer seine Heizungsanlage vor 1989 eingebaut hat, muß den Heizkessel dieses Jahr erneuern. Laut Zukunft Altbau (Umweltministerium BaWü) sind mehr als 1 Million alte Öl- und Gasheizungen deutschlandweit von dieser Regelung betroffen.

Wer tauschen muss, sollte darauf achten, dass der neue Heizkessel auch mit erneuerbaren Energien betrieben werden kann.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Diese lauten wie folgt:

==> Wohngebäude mit weniger als 3 Wohnungen, von denen der Eigentümer eine Wohnung zum Stichtag 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat.

==> Beim Eigentümerwechsel nach dem 1. Februar 2002 beträgt die Frist zur Erfüllung für den neuen Eigentümer zwei Jahre. Die Einhaltung dieser Frist wird vom Schornsteinfeger überprüft.

==> Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen weiter betrieben werden.

Quelle: Zukunft Altbau

Gespräche mit Landwirten

Kommunikation, miteinander vernünftig reden und Meinungen austauschen – das brauchen wir mehr denn je zuvor. Die Medien haben sehr viel dazu beigetragen, uns in ‚Gruppen‘ aufzuteilen die gerne aufeinander losgehen. Das ist nachvollziehbar, denn es geht um Geld und negative Schlagzeilen die wohlwissend schneller die Portmonnaies füllen.

Worauf ich hinaus will ist folgendes:

Mein Appell an die Kollegen aus der Landwirtschaft – sucht den Kontakt mit dem Endverbraucher.

Diskuttiert über das was wir tagtäglich tun, damit wir die Menschen mit frischen und gesunden Nahrungsmitteln versorgen. Eine Einladung auf dem Hof bedeutet mehr als tausend Worte. Einen Landwirt live bei der Arbeit zu sehen und evtl. mit anzupacken, das ist es was uns verändert und mehr Verständnis bringt für das was wir tun.

Es muss dringend eine Veränderung herbeigeführt werden in der Art und Weise wie wir denken und vor allem, wie wir miteinander umgehen. Lasst uns respektvoll miteinander umgehen, dann geht’s uns allen besser.

Die Grüne Woche startet am Freitag – seid Ihr dabei? Worauf freut Ihr Euch am meisten?

Zucker-Fiasko Preisverfall

Zucker-Fiasko: Preise fallen weiter, Jobs gehen verloren

Raus aus dem Zucker-Fiasko – nur wie? Die Zuckerpreise scheinen keine Grenze nach unten zu kennen. Der Binnenmarkt steht massiv unter Druck. Nordzucker will Sach- und Personalkosten reduzieren; Menschen verlieren ihre Jobs. Investitionen erfolgen außerhalb Europas.

Die Lage auf dem europäischen Zuckermarkt ist desaströs. So wie es derzeit aussieht, gibt es nur einen Gewinner, nämlich den Konsumenten.

Die Zucker-Akteure und Ihre Probleme im Einzelnen:

  • Rübenbauer: Die Dürre hat die Zuckerrübe auch nicht verschont. Die Rüben sind vielerorts sehr klein geworden und die Ernte war schwierig.
  • Konzerne / Industrie: Die beiden Zucker-Giganten Nordzucker und Südzucker stehen stark unter Druck. Beide Produzenten verzeichneten ein zweistelliges Minus im operativem Geschäft. Das hat bittere Konsequenzen: jetzt werden Stellen abgebaut. Investitionen erfolgen außerhalb des europäischen Kontinents.

Beide „Parteien“ kämpfen mit der gleichen Problematik:

Niedrige Zuckerpreise + einen mit Zucker überversorgten europäischen Markt

Zucker-Fiasko am Londoner Terminmarkt

Ein Blick auf die von der EU-Kommission veröffentlichten aktuellen Zahlen verdeutlicht das oben beschriebene. Im Oktober 2018 beliefen sich die Preise auf 320 EUR je Tonne. Ein historischer Tiefstand.

Damit kostete das Weißzucker 27 EUR/Tonne weniger als im September 2018 und ganze 100 EUR/Tonne weniger als im Vorjahr. Große Anbauländer wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien kämpften sogar mit Preisen von 307 EUR je Tonne.

Nach der kurzen Erholung im November rappelte es erneut auf dem Londoner Terminmarkt für Zucker. Die Preise gingen um mehr als 10% auf 340 USD/Tonne (ca. 299 EUR/Tonne) zurück. Wichtig hierbei auch die Anmerkung, dass die Weltmarktpreise für Rohrzucker  gesunken sind. Dies wirkte sich ebenfalls negativ auf die Zuckerpreise in Europa aus.

Der europäische Terminmarkt in London bleibt weiterhin pessimistisch. Von einer Preiserholung ist nicht die Rede. Die neue Ernte 2019 notiert mit 357 USD/Tonne (ca. 315 EUR/Tonne) und damit weniger als der Märzkontrakt.

Und wie sieht’s an der Börse in New York aus?

Nicht viel anders.

Die Weltmarktpreise für Rohrzucker sind seit Mitte Oktober um 10% zurückgegangen. Der Trend zeigt auch hier weiterhin nach unten. Eine Korrektur ist derzeit nicht in Sicht.

Was bedeutet das für die Rübenbauer?

Als Rübenbauer (ich gehöre nämlich auch dazu) stecken wir in einer Zweckmühle.

Je nachdem wie wir die Verträge abgeschlossen haben (kurz/ langfristig), wirkt sich dieser Preisverfall früher oder später auch auf uns aus. Die Bezahlung wird dann mager ausfallen.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (kurz BLE) schätzt die Rübenpreise für die aktuelle Saison auf ca. 26 EUR/Tonne. Das sind 3 EUR/Tonne weniger als das Jahresniveau.

Folgendes gilt es noch zu berücksichtigen:

  • Dürrebedingt ist die Ernte kleiner ausgefallen.
  • Die EU-Kommission schätzt die aktuelle Rübenernte auf 126,2 Mio. Tonnen (die Zahl wurde um 12% nach unten korrigiert). Die Zuckererzeugung wird auf 18,6 Mio. Tonnen geschätzt (2,5 Mio. Tonnen weniger als im Vorjahr).
  • Die verfügbare Zuckermenge übersteigt trotzdem den Bedarf (siehe weiter fallende Zuckerpreise).
  • Der innereuropäische Verbrauch liegt bei 18,5 Mio. Tonnen.
  • Die niedrigen Weltmarktpreise wirken sich negativ auf europäische Exporte aus.

Führt diese Situation dazu, dass die Anbauflächen für Zuckerrüben zurückgehen werden?

Zur Zeit geht die EU-Kommission von einem moderaten Rückgang aus.

Ob das so bleibt, muss abgewartet werden. Die gravierenden Probleme in der europäischen Zuckerwirtschaft deuten eher auf einen weiteren Rückgang der Anbauflächen für Zuckerrüben.

Quellen: Europäische Kommission, BLE, Telebörse.de

Quelle: Bayerischer Rundfunk, YouTube

Das Chaos nach der Quotenregelung ist perfekt

Vor einem Jahr, im Oktober 2017 hieß es „goodbye Quotenregelung“.

Seitdem herrscht Chaos auf dem europäischen Zuckermarkt. Die Preise sind im freien Fall. Die Industrie muss Stellen abbauen und Landwirte überlegen ihre Anbauflächen anders zu verteilen.

Auf Seiten der Industrie setzt Nordzucker ein klares Signal. Die Kosten in der Verwaltung müssen reduziert und Investitionen anderswo getätigt werden. Immerhin verzeichnen die Braunschweiger in diesem Jahr einen operativen Verlust von 40 Mio. EUR und auch nächstes Jahr werden die Ergebnisse voraussichtlich negativ ausfallen.

Ganz konkret heisst es:

  • Reduzierung der Sach- und Personalkosten um jeweils 20 Mio. EUR.
  • Investitionen in die Rohrzuckerproduktion außerhalb Europas wie z.B. Australien.

Wie geht’s weiter?

Sollen wir bei der Rübe bleiben oder unsere Anbauflächen lieber mit etwas anderem belegen? Ist denn Getreide so viel besser? Welche anderen Alternativen stehen uns zur Verfügung?

Diese und weitere Fragen gehen derzeit ganz vielen Rübenbauern durch den Kopf.

Klar hilft uns das tolle Ergebnis aus 2017 den Schlamassel aus diesem Jahr irgendwie zu überleben. Aber „Hoffnung“ und auf gute alte Zeiten zurückgreifen ist keine clevere Strategie. Überlegen ist angesagt. Gespräche mit Gleichgesinnten ist sicherlich etwas hilfreiches. Die endgültige Entscheidung liegt dann sowieso bei jedem Einzelnen von uns.

Raus aus dem Zucker-Fiasko: Welche Ideen und Überlegungen gehen Euch da durch den Kopf?

Afrikanische Schweinepest hält an

News: Afrikanische Schweinepest, Zuckerprobleme und Outdoor Smartphones

Kein Ende in Sicht was die Afrikanische Schweinepest anbelangt. Immer wieder werden neue Fälle aus Rumänien gemeldet. EU-weit breitet sich die Seuche in den Wildschweinpopulationen aus. Das Ganze ist jedoch nicht nur ein europäisches Problem; so kämpft China ebenfalls mit ASP.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über ASP berichte (siehe Beiträge aus Februar und September). Und wenn das so weitergeht und wir die Problematik nicht baldmöglichst in den Griff bekommen, dann sicherlich auch nicht das letzte Mal.

Neue ASP-Fälle seit Ende September

Die gute Nachricht zuerst: Tschechien hat Ende November nach nunmehr 6 Monaten ohne neue Fälle, den ASP-Ausbruch in der Tschechischen Republik als beendet erklärt.

Drei Länder scheinen besonders schwer von der Plage betroffen zu sein; eins davon sind unsere Nachbarn in Belgien.

ASP in Belgien

In Belgien wurde ASP bis dato bei insgesamt 181 Wildschweinen nachgewiesen. Im letzten Monat meldeten die Behörden 21 neue Seuchenfälle. Die Tiere stammen aus der sog. infizierten Zone (Kernzone + Beobachtungszone). Die Kernzone wurde nun um 2,3 qkm erweitert.

ASP in Rumänien

Rumänien hat es europaweit am stärksten erwischt. Immer wieder melden die rumänischen Behörden neue Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen.

  • Laut Daten des Tierseuchenmeldesystems (ADNS) der Europäischen Union gab es im aktuellen Jahr bis zum 9. Dezember 2018 insgesamt 1.131 ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen und 381 Fälle bei Wildschweinen.
  • Seit dem Virusfund wurden 362.648 Schweine gekeult. (Quelle: ANSVSA, Rumänische Veterinärbehörde)

ASP in China

Noch schlimmer sieht es in China aus. Hier wurden bereits rund 570.000 Schweine vorsorglich getötet. Seit diesen Sommer gab es über 81 ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen in 20 Provinzen.

Sowohl in Rumänien als auch in China waren hauptsächlich kleine Betriebe betroffen. Die Seuche tritt jedoch vereinzelt auch in kommerziellen Haltungen und auf Schlachthöfen auf.

Quellen: Friedrich Löffler Institut (FLI)

Die Afrikanische Schweinepest hat schon manch einen Tierhalter ins Ruin getrieben. So auch Züchter Andrzej Lyszczewski aus Polen. Seine 50 Schweine mussten umgebracht werden. Die Konsequenz für ihn und seine Familie: ein wirtschaftlicher Totalschaden.

In dem nachfolgenden Videobeitrag von SpiegelTV wird die ASP-Problematik näher beleuchtet. Wie soll man diese Seuche stoppen? Alle Tiere umbringen ist alles andere als eine optimale Lösung…

 

Quelle: spiegeltv, YouTube

Der hart umkämpfte Zuckermarkt

Mit einer gemeinsamen Resolution wenden sich drei Verbände aus Deutschland an die Politik.

Der Appell geht sowohl an die politisch Verantwortlichen in Deutschland als auch an diejenigen in der Europäischen Union. Es geht darum sich aktiv für den Erhalt des heimischen Zuckerrübenanbaus einzusetzen.

Die Akteure:

  • Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.
  • Vereinigung der Zuckerrübenanbauer e.V.
  • Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Hier sind die einzelnen Kritikpunkte aus der gemeinsamen Resolution kurz zusammengefasst:

  • Die Politik habe sich in eine Beobachterrolle zurückgezogen.
  • Es ist ein massiver Wettbewerbsdruck durch die Abschaffung der Produktionsquoten und Mindestpreisen entstanden.
  • Der Weltmarktpreis ist aufgrund von Exportsubventionen und interne Preisstützungen in Drittländern verfallen.
  • Unnötige Verbote von Pflanzenschutzmitteln in Verbindung mit einem schwerfälligen Zulassungssystem in Deutschland.
  • Abschaffung gekoppelter Prämien in anderen EU-Ländern wie z.B. Ungarn, Polen oder Italien.
  • Das hat als Konsequenz: sinkende Anbauflächen, Auslastung der Fabriken ist nicht mehr gewährleistet, es drohen Fabrikschließungen.

Ein fairer Wettbewerb sei durch die oben erwähnten Punkte laut Meinung der Verbände nicht möglich. Die Politik müßte aus seiner Beobachterposition raus und entsprechend handeln.

Quellen: ruebe.info, Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Robust, wasserdicht, preislich OK – ein neues Outdoor Smartphone soll das alles können

Ein Robusthandy unter 200 EUR?

Genau dieses Versprechen gibt uns Handyhersteller RugGear bei der Präsentation seines Mittelklasse Outdoor-Smartphones RG 650.

RugGear ist eine bekannte Marke für Outdoorgeräte für Baustellen, Freizeit und die Landwirtschaft. Jetzt will uns das Unternehmen mit Sitz in Hong Kong mit einem günstigeren Robusthandy überzeugen.

Was zeichnet das neue RG 650 aus?

Das Smartphone ist gegen Wasser, Ölnebel, Vibrationen, Stöße, Staub und Stürze gut gewappnet.

  • Das Robusthandy erfüllt die Schutzklasse IP68 und MIL-STD 810G.
  • Das Gehäuse besteht aus einer Polycarbonat-Mischung mit speziell angeordneten Crash-Zonen, um die Aufprallenergie abzuleiten und die Elektronik zu schützen.
  • Stürze aus bis zu 1,5 m Höhe auf Beton sollte das Handy laut Herstellerangaben problemlos überleben.
  • 5,5 Zoll großes Display im Format 18:9.
  • 196 g Gewicht.
  • Dual SIM nano und Micro SD 128 GB.
  • Kameras: 8 MP Rückseite, 2 MP Frontal.
  • Android Betriebssystem.

Das Robusthandy kann man für 199 EUR (inkl. MwSt.) bei verschiedenen Elektronik-Händlern kaufen.

Rübenprobleme ja, Probleme mit der Schweinepest zum Glück (noch) keine

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen, stellt sich schon die Frage wie lange wir von der ASP-Problematik in Deutschland verschont bleiben. Unsere Nachbarn in Polen und Belgien kämpfen seit Monaten mit der Seuche und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Wie bereits in dem SpiegelTV-Beitrag erwähnt, alle Haus- und Wildschweine umzubringen ist kein Lösung. Wir kämpfen weltweit mit diesem Phänomen und alle Jahre taucht es wie aus dem Nichts wieder auf. Trotz Technologien und Innovationspower stehen wir alle da und haben keine viable Lösungsansätze.

Welche Ideen habt Ihr? Wie können wir die Schweinepest ein und für alle Mal in den Griff bekommen?

News von Eurotier und Hofabgabeklausel

News: EuroTier, Hofabgabeklausel und hormonwirksame Substanzen

Wenn nicht Agritechnica, dann eben EuroTier. Alle zwei Jahre trifft man sich in Hannover auf der Leitmesse für die Tierhaltung. Es geht um Effizienz, Produktivität und Tierwohl; digitale Lösungen und neue technologische Konzepte dürfen da nicht fehlen.

Die Hofabgabeklausel bereitet nicht nur Landwirten, sondern auch der Politik jede Menge Kopfschmerzen. Jetzt heißt es: streichen. Eine Gesetzesänderung soll noch bis Ende des Jahres erfolgen. Unklar bleibt, wer die Mehrkosten für die Alterssicherung übernimmt.

Zuletzt greifen wir noch das Thema hormonwirksame Substanzen in Getreidefungiziden und Insektiziden auf. Die Wirkungen dieser Cocktailmischungen sind größtenteils unbekannt. EU-Behörden wollen nun die Rechtsvorschriften überprüfen.

Goodbye EuroTier 2018

Die weltweite Leitmesse für Tierhaltungs-Profis hat letzten Freitag seine Tore geschlossen. Von Dienstag, dem 13. November bis Freitag abend war in Hannover „die Hölle los“. Rund 155.000 Besuchern aus über 130 Ländern trafen auf 2.597 Ausstellern aus 62 Ländern.

Das größte Interesse galt der Tierart Rind (65% der Besucher), gefolgt vom Schwein (39%) und Geflügel (32%). Zu den Highlights zählten Innovationen aus den Bereichen Stallbau, Züchtung, Fütterungs- und Haltungstechnik. Selbstverständlich spielten digitale Lösungen und Softwareprogramme ebenfalls eine wichtige Rolle.

Es gab auch Prämien. Insgesamt wurden 11 Produktneuheiten mit der Auszeichnung „Produkt des Jahres“ prämiert. Darunter befand sich auch der Publikumspreis 2019. Dieser ging an DairyMilk M6850 von GEA.

Wenn Ihr es nicht auf die diesjährige EuroTier 2018 geschafft habt, dann verleiht Euch Vlogger-Kollege Sibbers mit dem unten aufgeführten Video, einen schicken Blick auf die Stände inkl. vieler Neuheiten.

Quelle: Sibbershusum, YouTube

Wie sieht es mit der Investitionsbereitschaft aus?

Für Tierhalter aus der ganzen Welt sind derartige Messen eine Top Gelegenheit sich nicht nur mit Fachkollegen auszutauschen, sondern auch über ihre Investitionsplanung nachzudenken.

Die deutschen Landwirte sind bereit zu investieren, allerdings wünschen sie sich klare politische Entscheidungen und verlässliche Strukturen für Zukunftsinvestitionen. Darüber würde sich aus der Rest der landwirtschaftlichen Community freuen, die nicht direkt mit Viehzucht zu tun hat.

EuroTier unterstützt Aktion gegen Krebs

Erst wurde ein Rennrad im Wert von 2.200 EUR für den guten Zweck versteigert und am Tag danach fuhren rund 30 Radfahrer (Landwirte) auf das Messegelände zum DLG-Stand, um noch mehr Aufmerksamkeit für diese schreckliche Krankheit die so viele Menschen frühzeitig und oft unter qualvollen Bedingungen in den Tod zerrt, zu generieren.

Die Initiative BIG Challenge Deutschland e.V. wurde von Georg und Petra Biedemann zusammen mit anderen Landwirten gegründet. Es werden soziale Sportevents organisiert und die eingegangenen Sponsoren- und Spendengelder zu 100% an die Deutsche Krebshilfe übertragen.

Auf der EuroTier war die DLG e.V. ein wichtiger Sponsor und Unterstützer der Big Challenge Aktion.

Hat die Hofabgabeklausel ausgedient?

Wer übernimmt die Kosten für die Alterssicherung der Landwirte? Wird es Agrarministerin Klöckner sein oder Finanzminister Scholz?

Das steht noch nicht fest.

Worüber jedoch in Berlin heftig debattiert wird, ist die Streichung der Hofabgabeklausel. Eine Gesetzesänderung muss her. Allerdings muss erstmals die Frage nach der Übernahme der Mehrkosten geklärt werden.

50 Millionen EUR Mehrkosten.

Die muß jemand übernehmen.

Option #1: Mehrbelastung aktiver Landwirte.

Wie wäre es, diese Summe auf die aktiven Landwirte zu übertragen und damit die Beiträge zur Landwirtschaftlichen Krankenversicherung (LKV) zu erhöhen? Keine tolle Alternative insb. vor dem Hintergrund, dass wir von einer steigender Zahl älterer Versicherten ausgehen.

Option #2: Kompensation der Mehrkosten durch höhere Bundesmittel.

Das ist ja die aktuelle Diskussion.

Option #3: Förderung für Junglandwirte.

Wie wäre es wenn wir Anreize für Junglandwirte schaffen, damit diese die Betriebe von älteren Kollegen übernehmen?

Noch ist nichts entschieden. Aber über eins sind sich wohl alle in Berlin einig:

Die Hofabgabeklausel, die 1957 eingeführt wurde und wonach ein Anspruch auf eine Altersrente nur dann besteht, wenn man sein landwirtschaftsliches Betrieb abgibt, ist heute in der Form nicht mehr zu halten.

EU will Rechtsvorschriften für endokrine Disruptoren überprüfen

Endokrine Disruptoren befinden sich in Kosmetika, Kunststoff und Pflanzenschutzmitteln. Diese chemischen Stoffe wirken sich auf das Hormonsystem aus (sowohl bei Menschen als auch bei Tieren), führen zu Veränderungen und damit einhergehend, gefährden sie der Gesundheit.

Die Cocktaileffekte sind weitestgehend unbekannt. Wissenslücken zu endokrinen Disruptoren werden seitens der EU-Kommission eingeräumt. Jetzt sollen die Rechtsvorschriften überprüft werden.

Warum traut sich keiner so richtig an das Thema?

Die Konsequenzen sind nicht ohne. Viele Präparate aus dem Bereich Pflanzenschutzmitteln, insb. Fungizide und Insektizide könnten ihre Zulassung verlieren und vom Markt fliegen.

Kritiker sind der Meinung, dass diese Produkte längst hätten verboten werden müssen. Sie hätten in Kosmetika, Pflanzenschutzmitteln und Co. nichts zu suchen. Die Damen und Herren aus Brüssel würden die Problematik auf die lange Bank schieben.

Fakt ist, dass sich die EU nicht einmal darüber im Klaren ist, was Disruptoren sind. Die Definition sollte bereits in 2013 konkretisiert werden.

Was wird aus den drei Themen in 2019?

Bei Punkt eins fällt die Antwort leicht. Es geht im November erneut nach Hannover, dieses Mal jedoch auf die Agritechnica. Da werde ich sicherlich auch dabei sein. Ist wirklich ein Muss für unsere Branche. Und ganz ehrlich, ich will mir die vielen tollen Gespräche mit Gleichgesinnten nicht entgehen lassen.

Was die Hofabgabeklausel anbelangt, so bin ich sehr gespannt, was sich die Koalitionsregierung hierbei ausdenkt. Ich gehe davon aus, dass sie die aktuelle Regel streichen werden und ich wer weiß was mit den Kosten passiert? Vielleicht muss das Agrarhaushalt erneut herhalten.

Dann wären noch die hormonwirksamen Substanzen. Da steckt soviel Zündstoff dahinter, dass ich in punkto einer schnellen Lösung bzw. Vorschriften nicht ganz so optimistisch bin. Die Konzerne deren Gewinn- und Verlustrechnungen davon stark beeinträchtigt wären, sind darüber sicherlich nicht amüsiert.

Wart Ihr auf der diesjährigen EuroTier? Was hat Euch am meisten beeindruckt?