2022-05 Pflanzliche Milchalternativen selber herstellen

Pflanzliche Milchalternativen selber herstellen

Immer mehr Menschen verzichten auf Milch und Milchprodukte tierischer Herkunft und steigen auf Pflanzenmilch um. Doch sind diese pflanzlichen Milchalternativen aus Drogeriemärkten, Reformhäuser und Supermärkten wirklich so gesund wie wir glauben? Verstecken sich da nicht auch andere Zutaten, wie z.B. Zucker, drin, die alles andere als förderlich für unsere Gesundheit sind? Wie wäre es, wenn wir günstig Getreide- und Nussmilch selber herstellen können?

Was vor rund 10-20 Jahren noch absolut unvorstellbar war, ist jetzt Realität geworden. Hafer-, Mandel- und Kokosmilch kann man heute problemlos bei fast jedem Discounter um die Ecke einkaufen. Zwar wird Milch tierischer Herkunft in diesen Märkten immer noch prominent auf einer Halbpalette platziert, aber die Zeiten des Versteckspiels sind vorbei. Immer häufiger finden wir neben der Standardplatzierung im Biobereich auch Zweit- und Drittplatzierungen für Hafermilch und Co. Dies zeigt eindeutig den Trend in Richtung pflanzlicher Milchalternativen auf.

Die Nachfrage ist vorhanden und das Angebot muss sich an diese Gegebenheit anpassen. Daher wird es mich nicht wundern, wenn wir in weiteren zehn Jahren, oder sogar früher, eine Halbpalette mit Pflanzendrinks aller Art und Couleur in jedem Aldi, Lidl und Co. vorfinden werden.

Achtung Zuckerfalle: Vegane Milch aus dem Tetrapack

Leider steckt in manchen Packungen jedoch auch zusätzlicher Zucker, obwohl dieser draußen nicht aufgeführt wird. Wieso ist dem so?

Das Ganze hat mit dem Verfahren bzw. der Herstellungsweise zu tun. Nehmen wir Hafermilch als Beispiel. Zur Herstellung werden Hafer und Brei aufgekocht und anschließend mit Enzymen versetzt, die einen Teil der Stärke in Zucker umwandeln. Dieses Verfahren der Stärkeumwandlung mit der einhergehenden Zuckerentfaltung muss auf dem Etikett nicht angegeben werden.

Dem nicht genug, die Enzyme, die beigemischt werden, basieren oft auf gentechnisch verändertem Material, welches ebenfalls nicht angegeben werden muss. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, sollte folgende Lektüre zur Stärkeverzuckerung von Transparenz Gentechnik nicht verpassen.

Die Frage ist: was nun?

Die kurze und schmerzlose Antwort lautet: Hafermilch und Co. einfach zu Hause selber machen.

Der nachfolgende Videobeitrag von „Welt der Gesundheit“ bietet ein paar tolle Tipps rund um hausgemachte, pflanzliche Milchalternativen und spricht zudem ganz am Anfang der Sendung sehr gezielt auch das oben von mir aufgeführte Zuckerthema an.

Quelle: Welt der Gesundheit, YouTube

Selbstgemachte pflanzliche Milchalternativen

Kommen wir also zu der benötigten heimischen Technik, dem Mixer, sowie den jeweiligen Zutaten für die Herstellung der leckeren Pflanzendrinks. Zunächst ist es wichtig darauf zu achten, dass der Mixer sehr leistungsstark ist, damit dieser die Nüsse, Körner und Samen auch fein genug zerkleinern kann.

Was die Zutaten anbelangt, so benötigen wir zuallererst die Hauptkomponente, welche nicht nur die Sorte unserer pflanzlichen Milchalternative, sondern klar, auch den Geschmack bestimmt. Bevor wir diese in den Mixer geben (eine Handvoll), ist es notwendig, dass sie in der Regel über mehrere Stunden im Wasser einweichen — unabhängig davon, ob wir z.B. Reis- oder Sojamilch herstellen möchten. Zu den üblichen Sorten bzw. Geschmacksrichtungen zählen: Mandeln, Hafer, Reis, Kokos, Soja, Macadamia, Kokos, Hanf oder Haselnüsse.

Bevor wir den Mixer anschalten, müssen wir noch ca. 1 Liter Wasser hinzugeben und schon kann es losgehen. Wem diese rustikalen Zutaten sehr einseitig und langweilig vorkommen, kann selbstverständlich noch eine Prise Meersalz, und für die natürliche Süße ein paar Beeren, Feigen oder Datteln, beifügen. Jetzt kann der Mixer auf höchster Stufe eingeschaltet werden.

Der Pflanzendrink ist fertig und kann serviert werden. Wem das Ganze zu üppig und dickflüssig vorkommt, gibt einfach noch ein bisschen Wasser dazu und filtert das so erzielte Getränk anschließend durch ein Säckchen. Nun dürften keine „lästigen“ Partikeln mehr im Getränk vorhanden sein. Lasst es Euch schmecken!

Wenn das mit der Herstellung zu Hause so einfach funktioniert und obendrauf auch noch gesünder und günstiger ist, weshalb greifen wir dann für diese Pflanzendrinks so tief in die Tasche?

Selbstverständlich funktioniert die Marketingmaschinerie auch für dieses Trendprodukt extrem gut. Zwar versucht die Industrie gerne mit den Themen Subventionen und Mehrwertsteuer eine Antwort auf den Preisunterschied zwischen Kuhmilch und pflanzlichen Milchalternativen zu liefern, aber wir wissen doch alle, dass da wesentlich mehr dahinter steckt, als uns präsentiert wird.

Es ist ein hochprofitables Unterfangen und wenn der Verbraucher, aus welchen Gründen auch immer, bereit ist, das x-fache für diese Pflanzendrinks zu bezahlen, dann werden clevere Unternehmen auch alles dafür tun, um diesen Trend möglichst lange am Leben zu halten.

Der nachfolgende Beitrag der Sendung „Besser Essen“ vom ZDF, in welchem der Koch und Lebensmittelentwickler Sebastian Lege die Firma Oatly in Schweden besucht, zeigt das „Spielchen“ in diesem Bereich recht gut auf.

Quelle: ZDF besseresser, YouTube

Wissen, was drin ist

Kein Industrieprodukt der Welt, so gut es schmecken und aussehen mag, kann ein selbst gemachtes Produkt schlagen. Hinzu kommt, dass wir zu Hause immer wissen, was wir beimischen. Wir müssen uns nicht auf die Verpackungsinhalte verlassen, die nicht immer aufgezählt werden, so wie auch im obigen Fall.

Die Entscheidung ob Ihr zu Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch oder eine der diversen pflanzlichen Milchalternativen greift, liegt ganz bei Euch. Zu wissen, dass man Letztere mit relativ wenig Aufwand auch zu Hause in den eigenen vier Wänden herstellen kann, ist sicherlich sehr inspirierend.

Bildquelle: Foto von Lisa Redfern auf Pixabay

2022-04 Foodsharing Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Foodsharing – Sag Lebensmittelverschwendung den Kampf an

Auf der einen Seite landen mehr als 11 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll und auf der anderen Seite erhöht sich die Anzahl der Menschen, die sich eine ausgewogene Mahlzeit aufgrund der steigenden Preise nicht mehr leisten können. Geht das mit den Preisen für Lebensmittel weiter ungebremst nach oben, dann wird Foodsharing sicher den einen oder anderen helfen, um kostenlos an Lebensmittel zu kommen.

Die Wegwerfkultur die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Ländern etabliert hat, egal ob es sich hierbei um Lebensmittel oder z.B. Haushaltsgeräte handelt, zeigt eine gewisse Dekadenz in unseren Gesellschaften auf, der wir sehr ungerne ins Gesicht schauen.

Solange die Profite steigen, wird ein Auge zugedrückt. Während dessen läuft vielerorts die Ware in den Regalen ab (sowohl zu Hause als auch im Supermarkt). So wird Obst und Gemüse vor Geschäftsschluss lieber auf den Müll gebracht anstatt eine vernünftige Aktion zu fahren, die Haushalten mit weniger Geld es ermöglicht diese Ware zu einem attraktiven Preis zu ergattern. Uns geht’s noch sehr gut, wenn wir uns erlauben können, dass Top Ware auf den Müll landet.

Zum Glück blühen überall in Deutschland und in anderen Ländern sogenannte Foodsharing-Initiativen, wo sich herzensgute Menschen zusammen tun, um Lebensmittel zu retten und diese Verschwendungskultur etwas abzubremsen.

Wie funktioniert Foodsharing?

An dieser Stelle überlasse ich die Vorstellung dieses Konzepts den Damen und Herren der Foodsharing Initiative Deutschland, denn sie leisten einen gewaltigen Beitrag zur Erhöhung des Bewusstseins in punkto Lebensmittelwertschätzung.

Quelle: FoodsharingTV, YouTube

Foodsharing ist und bleibt kostenfrei, so das Versprechen der Foodsharing Initiative.

Was ich an dem Konzept sehr gut finde, ist die Tatsache, dass die Foodsaver die rechtlichen Risiken und damit die volle Verantwortung für die weitere Verwendung dieser Lebensmittel übernehmen. Das bietet insbesondere Unternehmen eine Absicherung und dadurch auch einen zusätzlichen Anreiz, um bei solchen Aktivitäten teilzunehmen.

Des weiteren finde ich es toll, wenn junge Menschen angesprochen werden, da wir aus Studien wissen, dass jüngere Haushalte mehr Lebensmittel wegwerfen als Haushalte bestehend aus älteren Personen. Siehe hierzu die aktuelle GfK-Studie aus 2020 im Auftrag des BMEL.

Ein Auszug aus dieser repräsentativen GfK-Studie, zeigt welche Lebensmittel im Visier der Foodsaver bzw. der Foodsharing-Community stehen sollte. Es geht um den Anteil der Lebensmittel an den vermeidbaren Lebensmittelabfällen in privaten Haushalten:

  • 35% Obst und Gemüse
  • 15% Zubereitetes
  • 13% Brot und Backwaren
  • 12% Getränke
  • 9% Milchprodukte
  • 6% Fertigprodukte
  • 4% Fleisch, Wurst und Fisch

Quelle: BMEL, GfK-Analyse, Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten 2020, Seite 5.

Mitmachen kann bei Foodsharing jeder, der etwas für Lebensmittel übrig hat — egal ob es sich hierbei um Privatpersonen oder Unternehmen handelt.

Mehr dazu erfahrt Ihr auf der Webseite der Foodsharing-Initiative: https://www.we-share-food.de/

Warum ist Wertschätzung so schwierig?

Ich möchte nicht wie ein Motivationstrainer klingen, aber das Thema Wertschätzung nimmt in der heutigen Leistungsgesellschaft immer größere Dimensionen an. Dabei rede ich jetzt nicht von einem respektvollen Miteinander mit Kollegen auf der Arbeit oder mit Kunden. Es geht um die Wertschätzung von Nahrungs- und Lebensmitteln, den Ressourcen die uns Mutter Erde so großzügig zur Verfügung stellt, die von sehr vielen Menschen leider regelrecht „zertrampelt“ wird.

Wir müssen nicht erst vom Tisch aufstehen, wenn wir platzen und wir brauchen den Kühlschrank auch nicht komplett vollstopfen, um dann die Hälfte der Produkte in den Müll zu schmeissen.

Diese Einstellung hat nichts mit einem Leben im Überfluss zu tun. Es handelt sich hierbei sowohl um einen Mangel an Respekt für den eigenen Körper und damit einhergehend, der eigenen Gesundheit, als auch um einen respektlosen Umgang mit der Umwelt und der Natur.

Die Hauptursache dieses Verhaltens sehe ich schwerpunktmäßig in der Tatsache, dass die meisten ein entkoppeltes Leben führen. Sie leben entkoppelt von der Natur, von Familien und Gemeinschaften, und sogar vom eigenen Körper.

Traditionelle Familienstrukturen brechen immer stärker ein. Der wertvolle Austausch mit älteren Generationen findet in der schnellen Smartphone-Gesellschaft kaum mehr statt. Apps substituieren echte Gespräche, Freundschaften haben sich in die virtuelle Welt verlagert. Wer legt da noch wert auf frisches Obst, Gemüse und Co., wenn die nächstliegende Fast-Food-Kette den schnellen Hunger stillt? Dass Nährstoffe hier Fehlanzeige sind, interessiert den „busy Metaverse-Junkie“ herzlich wenig.

Massive Aufklärung ist notwendig. Wenn Schüler der Meinung sind, dass z.B. Popcorns auf Bäumen wachsen, dann machen wir alle einiges falsch.

Für alle diejenigen die ein großes Herz für Natur, Flora und Fauna haben und damit einhergehend Natur- und Lebensmittel schätzen, tut die derzeitige Entwicklung weh. Zum Glück gibt es Intitiativen wie Foodsharing, die dieses Thema an der Wurzel anpacken und versuchen das Ruder weitestgehend in die richtige Richtung zu lenken.

Bildquelle: Foto von Rachel Claire auf Pexels

Lebensmittel vs Nahrungsmittel - Wo liegen die Unterschiede

Lebensmittel vs Nahrungsmittel – Wo liegen die Unterschiede?

Wir schmeissen die Begriffe Lebensmittel und Nahrungsmittel gerne durcheinander, wissen jedoch kaum was im Detail dahinter steckt. Was zählt zu den Lebensmitteln und was verbirgt sich hinter Nahrungsmitteln? Wie hoch ist der Anteil von Lebensmitteln in einem Supermarkt? Was landet schlussendlich in unserem Einkaufswagen und sind wir uns dessen auch wirklich bewusst?

Viele Fragen, auf die wir heute sehr gezielt Antworten suchen werden.

Um diese Reise in die komplexe Welt der Ernährung so professionell wie möglich zu gestalten, werden wir uns die Erkenntnisse und Erfahrungen des Pioniers der Vollwerternährung, Professor Werner Kollath heranziehen.

Professor Kollath war ein deutscher Bakteriologe und Hygieniker. Er studierte Medizin an mehreren deutschen Universitäten und erhielt nach seiner Promotion in 1920 die Approbation zum Arzt. Prof. Kollath veröffentlichte mehrere Bücher und Fachpublikationen. In 1942 erblickte sein Hauptwerk „Die Ordnung unserer Nahrung“ das Tageslicht was bis zum heutigen Tage als Grundlage der Vollwerternährung gilt. Seitdem wurde das Buch des öfteren überarbeitet und neu publiziert, so dass in 2005 die derzeit aktuellste und damit 17. überarbeitete Auflage vom Haug Verlag erschien.

Für alle Interessenten, das Buch ist auf Amazon erhältlich.

Lebensmittel oder „lebende Kost“ vs. Nahrungsmittel oder „tote Nahrung“

Lebensmittel sind Prof. Kollath zufolge natürlich, mechanisch verändert oder fermentiert. Sie sind „lebende Kost“, die Fermente enthalten.

Nahrungsmittel sind erhitzte, konservierte oder präparierte „tote Kost“. Fermente werden durch diese Prozesse vernichtet, was dazu führt, dass das LEBEN verloren geht.

Diese sechs Wertgruppen bzw. Wertstufen sind die Basis der Ernährungstabelle nach Prof. Werner Kollath.

Da ich davon ausgehe, dass nicht jeder das Buch kaufen und lesen wird, hier ein paar Beispiele aus den jeweiligen Wertgruppen:

  1. LEBENSMITTEL – natürlich: Getreide, Nüsse, frisches Obst und Gemüse, frische Kräuter, Eier, Muttermilch, Rohmilch, Quellwasser
  2. LEBENSMITTEL – mechanisch verändert: frisch gemahlenes keimfähiges Getreide, frisch gemahlene Nüsse, kaltgepresste Öle, Frischkost, rohes Fleisch, Rohmilchprodukte wie z.B. Butter und Sahne, frische Obstsäfte, Leitungswasser ohne chemische Zusätze
  3. LEBENSMITTEL – fermentativ verändert mittels Bakterien, Hefen, Eigenfermenten: ungekochtes und unerhitztes Frischkorngericht, Gärgemüse wie z.B. Sauerkraut, Gärmilchprodukte aus Rohmilch wie z.B. Käse oder Joghurt, Alkoholische Gärgetränke wie z.B. Apfelmost, Wein oder Bier aus biologischer Produktion
  4. NAHRUNGSMITTEL – erhitzt: Vollkornbrot, Vollkorngebäcke, Vollkornkuchen, gekochtes Obst und Gemüse, gekochte Gerichte wie z.B. Hülsenfrüchte, Kartoffeln aber auch Vollkornreis und Vollkornnudeln, gebratenes oder gekochtes Fleisch / Fisch, erhitzte / pasteurisierte Milch und Milchprodukte, Tee, frische Gemüsebrühe
  5. NAHRUNGSMITTEL – konserviert: Dauerbackwaren, Fruchtkonserven, Gemüsekonserven, Trockenfrüchte, Babynahrung, Tierkonserven, H-Milch, Obst und Gemüsesäfte aus Konzentrat
  6. NAHRUNGSMITTEL – präpariert: Alle Fabrikzuckerarten und Produkte daraus, Auszugsmehl und Auszugsmehlprodukte (z.B. Weißbrot, weiße Nudeln, weißer Reis), raffinierte Öle und Margarine, Aromastoffe, Tierpräparate, Säuglingsnahrung, Milchpulver, künstliche Getränke wie z.B. Cola, Limonaden oder Alcopops

Wer hat schon etwas „Erschreckendes“ auf dieser Liste entdeckt?

Dass Softdrinks, raffinierter Industriezucker, erhitzte Pflanzenöle oder Produkte aus raffiniertem Weißmehl nicht gut für uns sind, wissen die meisten bereits.

Die tiefrote Liste hingegen wo wir Nahrungsmittel wie z.B. Säuglingsnahrung, Babynahrung oder Milchpulver wiederfinden, sollte jedem sehr bewusst sein; immerhin „ernähren“ viele Eltern ihr Nachwuchs mit diesen Produkten.

Der gewöhnliche Supermarkt – Ein Paradies für Nahrungsmittel wohlgemerkt

Nachdem wir wissen welche Produkte wohin zuzuordnen sind, lasst uns mal gaaaanz bewusst durch einen Supermarkt laufen.

Als erstes werden wir von der frischen Obst- und Gemüseabteilung salutiert, was natürlich sehr einladend ist. Das meine lieben Freunde sind die unter der Wertstufe #1 aufgeführten Lebensmittel. Da sind wir also noch komplett im grünen Bereich sozusagen.

Verlassen wir jedoch diese frische Oase, gelangen wir meistens recht zügig in die Brot- und Backwarenabteilung wo wir direkt eine „Bruchlandung“ im roten Bereich der Nahrungsmittel erleben. Und von hier aus wird es fast gänzlich nur noch dunkelrot bis tiefrot – ausser wir navigieren zur Kühltheke um ganz gezielt nach fermentiertem Sauerkraut oder Chinakohl (auch bekannt unter dem Namen Kimchi) ohne Konservierungsstoffe zu suchen bzw. einen Naturjoghurt oder einen hochqualitativen Käse aus Rohmilch zu ergattern.

Mit diesen Informationen gewappnet wagen wir uns nun an die Beantwortung einer meiner Ursprungsfragen, nämlich:

Wie hoch ist der Anteil von Lebensmitteln in einem Supermarkt?

Ein Zehntel des Sortiments oder gar weniger, ein Zwanzigstel?!

Ich bin kein Warenmanager deshalb überlasse ich Euch eine weitere Schätzung.

Nun zur Beantwortung der letzten Frage und zwar ob wir uns wirklich bewusst sind was wir in unserem Einkaufswagen legen.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns nach dieser Reise in die Welt von Prof. Kollath etwas bewusster einkaufen wird. Das Konzept der „lebenden Kost“ vs. „toter Nahrung“ rüttelt einen wach und lädt zur Erweiterung des Blickwinkels in punkto Ernährung ein.

Als Landwirt und enger Verbündeter der Natur, schätze ich frische Produkte mehr als alles andere. Denn diese spenden unseren Zellen im Körper die nötige Energie und Vitalität, um kraftvoll, gesund und vor allem wachsam durchs Leben zu gehen.

Lebensmittel oder doch verstärkt Nahrungsmittel – Woraus besteht denn Dein persönlicher Ernährungsplan?

Bildquelle: Foto von Chantal Garnier auf Unsplash

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Vegane Produkte sind „in“. Kein Discounter erlaubt sich noch ein Sortiment ohne vegane Käse- und Fleischalternativen. Supermärkte richten ganze Flächen mit vegane Delikatessen her. Dem nicht genug, jetzt hat ausgerechnet eine bekannte Handelskette aus der Schweiz das vegane Ei neu im Angebot.

Das ist tatsächlich eine Weltneuheit, denn an das Eiweiß- und Proteinliebling vieler Menschen hat sich bis jetzt kaum eine Firma getraut. Die Huhn-Ei-Kontroverse nimmt dadurch ein Ende, denn die pflanzenbasierte Ei-Alternative braucht ein Huhn gar nicht mehr. Tier- und Klimaschutzfans können endlich feiern und am besten mit einem „V-Love The Boiled“ direkt anstossen. So heisst nämlich das von der Migros Handelskette in Eigenregie entwickelte Sensation.

Woraus besteht denn das vegane Ei?

Eins schonmal vorneweg: Es handelt sich um ein hartgekochtes Ei das von der Migros Tochtergesellschaft ELSA in der Schweiz hergestellt wird. Damit ist die lästige „Made in“ Frage beantwortet.

Die pflanzenbasierte Ei-Alternative besteht auf zwei unterschiedliche Massen deren Hauptkomponenten Sojaproteine sind. Die eine Masse wird für die weiße Hülle verwendet und das Innere wird mit einem sojabasiertem Eigelb gefüllt. Schneidet man das Ei auf, so sieht dieser aus wie ein gewöhnlicher Picknick-Ei.

Das nachfolgende kurze Video von Migros zeigt den Herstellungsprozess auf.

Quelle: Migros, The Boiled, YouTube

Das vegane Ei: Zutaten & Allergene

Ich finde die Zutatenliste derartiger Produkte sehr spannend und interessant, deshalb möchte ich Euch diese nicht vorenthalten. Diese stammt von der Produktbeschreibungs-Webseite der Schweizer Supermarktkette. [Quelle: Migros]

  • Wasser
  • Sojaproteinisolat => Allergen
  • Reisstärke
  • Lösliche Maisfaser
  • Rapsöl
  • Weizenfasern glutenfrei => Allergen
  • Natürliche Aromen => Welche Aromen wurden hier verwendet? Woher stammen diese?
  • Geliermittel: Gellan und Agar-Agar
  • Säuerungsmittel: Milchsäure, Kochsalz
  • Trennmittel: Calciumphosphate => Phosphatzusätze sind nicht ganz ungefährlich, siehe hierzu die Studie „Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln“ veröffentlicht vom Deutschen Ärzteblatt
  • Verdickungsmittel: Carrageen
  • Farbstoff: Carotine

Wie Ihr gegen Ende des Videobeitrages gesehen habt, fällt bei dieser veganen Ei-Variante etwas aussergewöhnliches in punkto Verpackung auf:

Jedes Ei wird separat in einer Plastikhülle verpackt. Warum ist dem so? Kurz nachdenken: Das künstliche Ei hat keine herkömmliche Eierschale, daher muss ein Schutz her. Zwar braucht man keine Tiere für die Herstellung dafür aber jede Menge Verpackung.

Kommen wir zur nächsten wichtigen Frage: Was kostet das vegane Ei?

Das Produkt wird in einem Viererkarton für 4,40 CHF angeboten; das entspricht ungefähr 4,15 EUR.

Damit ist auch dieses Ersatzprodukt teurer als die herkömmlichen Varianten. Der Preis einer Viererpackung hartgekochter Bio-Eier liegt bei 3,85 CHF.

Migros feiert mit dem veganen Ei unter dem Label V-Love bereits zum zweiten Mal eine Weltneuheit. In 2020 wurde die weltweit erste Joghurt-Variante auf Basis von Kichererbsen gelauncht. Für 1,65 CHF kann man sich mit einem 150g V-Love Vegurt die Kante geben. [Quelle: Migros]

Was erwartet uns als Nächstes in der geheimnisvollen V-Welt?

Die Entscheidung ob vegan oder vegetarisch gut für Euch ist oder nicht, überlasse ich jedem einzelnen von Euch. Nicht desto trotz möchte ich Euch an dieser Stelle darauf hinweisen, die Zutatenlisten dieser alternativen Produkte mit großer Sorgfalt durchzulesen. Manchmal versteckt sich der Teufel im Detail.

Als Landwirt und großer Verfechter von Naturprodukten finde ich die aktuellen Ernährungstrends äußerst faszinierend. Zwar entscheidet der Konsument mit seiner Geldbörse was er / sie kauft aber inwieweit kommt diese Entscheidung aus dem tiefen Inneren?

Welche Rolle übernimmt das Marketing und die aggressiven Werbekampagnen bei der Gestaltung des Konsumverhaltens?

Welchen Einfluß hat die Industrie und der Handel auf unsere Entscheidung? Vergessen wir die wesentliche Rolle dieser beiden wichtigen Player bei der Gestaltung der Regale und Sortimente nicht.

Während der Push in Richtung Kunstfleisch bzw. Laborfleisch aus dem Reagenzglas samt Mehlwürmer- und Insektenburger immer auffälliger wird, zieht es eine andere Konsumentengruppe verstärkt in Richtung Regionalität und Saisonalität und damit einhergehend auf Bauernhöfe, Märkte und in die Reformhäuser.

Kommt als nächstes eine vegane Kunstfleischalternative? Da wäre sicherlich auch eine vegane Insektenburgeralternative beziehungsweise ein paar vegane Mehlwürmer-Paties denkbar, oder nicht?

Das vegane Ei, der vegane Joghurt und alles was wir aktuell in den Supermarktregalen vorfinden sind der Anfang einer neuen Esskultur. Ich darf an dieser Stelle nochmal an die Nestle-Studie Gegrille Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030 erinnern.

Bildquelle: Foto von Tengyart auf Unsplash

Goodbye Plastik, hier kommen die essbaren Verpackungen aus Seegras

Goodbye Plastik, hier kommen die essbaren Verpackungen aus Seegras

Plastikmüll wo das Auge nur hinschaut. Zwar bringen wir die PET-Flaschen für das Pfandgeld zurück aber der Rest bleibt buchstäblich auf dem Strassenrand liegen. Wie wär’s mit einer biologisch abbaubaren und obendrauf auch noch essbaren Verpackung? Wie wär’s mit einem Plastik das auf natürlicher Weise verschwindet?

Nicht möglich?

Von wegen…

Ein Londoner Start-up macht genau das möglich. Das Unternehmen Skipping Rock Labs hat ein gelartiges, essbares Membran bestehend aus einem Gemisch aus organischen Zusätzen entwickelt, um das lästige Thema „Einwegplastik“ in die Ecke zu drängen. Notpla, so der Name dieses Membrans, besteht größtenteils aus Seegras, u.z. der Hauptanteil ist die Braunalge.

„Es ist eine der Ressourcen, die am häufigsten vorkommt“, sagt Rodrigo Garcia, Mitbegründer von Notpla. „Eine der Algen, die wir verwenden, wächst bis zu einem Meter pro Tag. Können Sie sich vorstellen, dass etwas so schnell wächst? Man braucht keinen Dünger und kein Wasser, und es ist eine Ressource, die wir schon seit langem nutzen.“

— Rodrigo Garcia, Mitbegründer von Notpla gegenüber Business Insider

Quelle: Business Insider

Wie sieht die derzeitige Lage auf dem Plastikmarkt aus?

Zwar bedienen wir uns heute schon sog. Bioplastik-Tüten und Co. beispielsweise in den Supermärkten, aber was die wenigsten wissen, ist dass viele dieser Materialien einerseits aus Erdöl hergestellt werden und andererseits auch nicht biologisch abbaubar sind.

Die derzeitige Definition die wir haben ist demnach eine Attrappe. Auf der Webseite des WWF lesen wir nämlich folgendes:

„Als Biokunststoff werden also auch Materialien bezeichnet, die zwar organisch hergestellt werden, aber nicht biologisch abbaubar sind. Ebenfalls als Biokunststoff gelten Materialien, die zwar biologisch abbaubar sind, aber aus Erdöl bestehen.“

WWF Deutschland

Werden wir hier also alle auf die Schippe genommen?

Bevor ich Euch ein paar Zahlen um die Ohren haue, kurz noch ein Hinweis:

Ich habe vor wenigen Wochen einen Artikel über Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmitteln veröffentlicht, den ich Euch an dieser Stelle ans Herz legen würde. Die hier aufgeführten Materialien beinhalten 0% Mikroplastik und 0% Erdöl basierte Bestandteile.

Nun zu den Zahlen…

In 2019 ist die 5. Auflage des Plastikatlas erschienen, was ganz interessante Daten und Fakten über die Welt der Kunststoffe enthält.

  • 99% des Plastiks werden aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hergestellt.
  • Die Plastikindustrie in den USA plant ihre Produktion in den kommenden Jahren um 30% zu steigern.
  • Zwischen 1950 und 2015 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert.
  • Die Verschmutzung von Böden und Binnengewässern ist je nach Umgebung zwischen 4 bis 23-mal so hoch wie im Meer!
  • In 2018 wurden in der EU für Essen und Trinken mehr als 1,13 BILLIONEN Verpackungen verwendet.
  • Eine Handvoll multinationaler Konzerne kontrolliert den globalen Plastikmarkt.
  • Ineos ist der größte europäische Plastikkonzern. Das Unternehmen investiert Milliarden, um mit billigem Fracking-Gas aus den USA den europäischen Plastikmarkt anzuheizen.
  • Sind die Deutschen tatsächlich Weltmeister im Recycling? In 2017 wurden von 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 810.000 Tonnen wiederverwertet. Das entspricht 15,6%.
  • Deutschland ist der 3-größte Exporteur von Plastikmüll wenn wir Asien ausklammern. An erster Stelle befinden sich die USA gefolgt von Japan.

Das 52-seitige PDF-Dokument könnt Ihr kostenlos auf der Webseite der Heinrich Böll Stiftung herunterladen.

Was macht das Plastik aus Notpla so besonders?

Das neuartige an dem Plastik aus Notpla ist die Kombination biologisch abbaubar UND essbar.

Die beiden Absolventen des Imperial College of London sowie des Royal College of Art, Rodrigo Garcia Gonzalez und Pierre Paslier, die auch die Mitbegründer von Skipping Rock Labs sind, haben sich in 2013 mit einem viralen Video ihrer Verpackung Ooho etabliert. Dieses Video hat die Aufmerksamkeit des größten europäischen Investors für Klimainnovationen EIT Climate-KIC auf sich gezogen.

Quelle: Mashable

Egal ob bei großen Events wie z.B. dem Londoner Marathon aus 2019 oder im Supermarkt, bei Lieferketten und Restaurants, Ooho ist als Beutel für Flüssigkeiten, Soßen und Cocktails geeignet. Laut Unternehmensangaben ist Ooho essbar, geschmacksneutral, zum Einfrieren geeignet und zersetzt sich binnen 4-6 Wochen.

Haben die beiden kreativen Jungs aus London endlich eine Alternative zum „bösen“, nicht abbaubaren Plastik gefunden?

Es gibt noch einige Punkte zu klären, wie z.B. das Hygieneproblem beim direkten Kontakt mit dem essbaren Membran. Die größte Hürde ist sicherlich die Listung im Lebensmitteleinzelhandel, denn das gilt als Heimspiel der Plastikkonzerne.

Die ersten erfolgreichen Schritte sind getan und die Kooperation mit dem Lieferdienst Just Eat ist auf jeden Fall von sehr großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des Start-ups.

„Es geht um die Wirkung. Wir haben damit begonnen, weil wir Teil einer Lösung für diese Plastikkrise sein wollten. Das ist es, was das ganze Team antreibt“, sagt Mitbegründer Pierre Paslier. „Es ist also ein wirklich spannendes Problem, an dem wir arbeiten.“

— Pierre Paslier, Mitbegründer von Notpla gegenüber Business Insider

Erleben wir endlich einen gewaltigen Ruck durch unsere Gesellschaft oder tümpeln wir weiter vor uns hin und erlauben den Plastikkonzernen uns weiterhin ungeniert an der Nase herumzuführen?

Bildquelle: Foto von Anna Shvets auf Pexels