Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Nachdem im Mai 2021 die Zulassung von Mehlwürmern in der EU erfolgte, heisst es jetzt Insektenburger und Co. an den Mann bringen. Die österreichische Rewe-Tochter prescht vor: nachdem die ersten Insektenburger bei der Rewe Deutschland in 2018 zu kaufen gab, sollen nun in über 800 Filialen von Billa und Billa Plus „leckere“ Patties aus Buffalowürmern für die nächste Grillparty bereit stehen.

Wir sind also soweit; die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und CO2-Ausstoß nehmen immer größere Dimensionen an und wiederfinden sich in allen Bereichen unseres Lebens. Wer dachte, dass die Lebensmittelbranche davon verschont bleibt, glaubt immer noch an eine heile Fantasywelt.

Als treuer Agrarbetrieb-Leser, weisst Du, dass ich dieses „Terrain“ schon seit ein paar Jahren vorbereite, damit sich der Schock in Grenzen hält. Bereits in 2015 berichtete ich in dem Artikel „Gegrillte Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030“ über die Zukunftsstudie des Lebensmittlekonzerns Nestle und teilte die wichtigsten Erkenntnisse der Studie mit Euch. In 2017 schrieb ich den Beitrag „Sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?“ und wies darauf hin, dass wir die asiatischen Leckerbissen bald auch bei uns auf dem Teller wiederfinden werden. Im Mai diesen Jahres berichtete ich in dem Artikel „Jetzt heißt es Mehlwürmer essen“ über die EU-Zulassung für Mehlwürmer und lenkte Eure Aufmerksamkeit auf die bevorstehenden Listungen im Lebensmitteleinzelhandel.

Was hat es also mit dem österreichischen Insektenburger auf sich?

Das mit dem Label „Eat for Future“ Burger Patty ist ein Produkt des Wiener Lebensmittelproduzenten ZIRP Insects. Der neuartige Burger besteht zu 40% aus Buffalowürmern sowie einer Kombination aus Erbsenprotein, Champignons und einer eigens kreierten Rezeptur. Der Burger soll dezent-nussig und herzhaft-saftig schmecken. Es imitiert zwar Fleisch hat jedoch nicht den Anspruch diesen 1:1 zu ersetzen. Somit wird eine neue Kategorie geschaffen, das neben Fleisch- und plant-based Produkten einen gesonderten Platz im Regal findet.

Verkauft werden die Burger-Pattys in 200 Gramm-Packungen zu je zwei Stück im Tiefkühlregal.

Quelle: ZIRP Insects, YouTube

Wer isst Insektenburger?

Die kleinen Krabbeltiere werden uns als Proteinbomben verkauft. Glaubt man der Welternährungsorganisation FAO, dann sind weltweit knapp 1.900 Insektenarten essbar. Ach ja, und der leicht nussige Geschmack soll auch ein absoluter Überzeugungsfaktor sein, soweit der Sales-Pitch.

Aber wer ist die Zielgruppe für Insektenburger, Insekten-Snacks und Co? Lässt sich ein waschechter Fleischesser der von plant-based Produkten nichts hören will von sowas überzeugen? Kann man Vegetarier die oft aus ethischen Gründen auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten, überzeugen Grillen, Würmer und Heuschrecken zu essen?

Bei Metro Cash & Carry kann man schon seit ein paar Jahren Speise-Insekten und Insektenprodukte aus Mehlwürmer, Buffalowürmer, Grillen und Heuschrecken kaufen. Die Verkaufszahlen von Metro kenne ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies aktuell mehr als ein Nischenprodukt ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren vieles ändern wird. Das verdanken wir der Werbetrommel, den Massenmedien und dem Einzelhandel, die gemeinsam alles tun werden, um diese Produkte zu pushen.

Die wichtige Frage die sich stellt ist folgende: Wer profitiert davon?

Im Falle des Kunstfleisches kennen wir die Profiteure. Es sind die Milliardäre Bill Gates und Richard Branson sowie große Konzerne wie Cargill und das Pharmaunternehmen Merck.

Diejenigen die gerne Neues probieren, werden sich auf diese neuartigen Produkte stürzen, das ist ganz klar. Die Frage ist, wie viele davon die Insektenburger wieder kaufen werden. Auch jene die in Thailand, Indonesien und Co. auf Strassenfeste zu gegrillte Heuschrecken griffen, werden diese Erlebnisse gerne wieder aufrufen wollen. Was die Massen anbelangt, da bin ich kurzzeitig skeptisch. Langfristig jedoch wissen wir alle, dass man das Konsum- und Essverhalten der Menschen sehr wohl ändern kann.

Probieren schadet nicht

Bist Du bereit Dich auf den Insektenburger einzulassen?

Probieren schadet nicht, wobei Eckelgefühle und Ethik bei der Entscheidung eine wichtige Rolle einnehmen. Ich bin etwas gespalten, denn einerseits haben wir ein gewaltiges Problem mit dem Thema Insektensterben und andererseits soll ich die kleinen Viecher jetzt essen?

Sicher handelt es sich hierbei um verschiedenste Insektenarten, die gezielt gezüchtet werden und ich verstehe auch die Dringlichkeit die bald fast 9 Milliarden Erdbewohner zu ernähren, aber ist das eine viable Lösungsalternative?

Letzten Endes entscheidet jeder für sich.

Appetit auf einen Insektenburger?

Bildquelle: Foto von Szabo Viktor auf Pexels

Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmittel

Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmitteln

Der Plastikmarkt ähnelt einem Haifischbecken. Sich mit Bioplastik in dieser Branche durchzusetzen, erfordert jede Menge Mut. Rückenwind erhalten innovative Unternehmer jedoch vom Konsumenten, denn dieser setzt sich verstärkt für die Umwelt ein und erwartet ein entsprechendes handeln seitens Konzerne. Aus Abfall gut abbaubare Bio-Kunststoffe herstellen ist daher eine spannende Idee, die mehr und mehr Anhänger findet.

Ich habe neulich einen sehr interessanten TV-Beitrag über die Herstellung von Bioplastik gesehen. Die Doku zeigte die Initiative einer Züricher Firma auf, die mit Hilfe von Pflanzenabfällen einen neuen Wind in die Plastikbranche bringt. Da ich selber unterschiedliche Getreidesorten anbaue, fand ich die Idee aus einem Komposit bestehend u.a. aus Haferhülsen, ein gut abbaubares Bio-Kunststoff herzustellen, absolut genial.

Ein Sockenhalter aus Bioplastik der sich binnen 5 Wochen in Komposterde abbaut, das klingt doch hervorragend, oder?

Genau das verspricht FluidSolids Composites aus der Schweiz. Dank ihrer patentrechtlich geschützten Technologie, lassen sich maßgeschneiderte Biokomposite herstellen.

Weiterhin verspricht die Firma folgendes:

  • 0% Mikroplastik
  • 0% Erdöl basierte Bestandteile
  • 80% weniger CO2-Ausstoss
  • 100% Heimkompostierbar

Wie gut lässt sich Bioplastik in der Erde abbauen? Einstein, eine Sendung von SRF Wissen hat den Test gemacht. Das Team hat im Sommer verschiedene Bio-Kunststoffe vergraben und nach vier Monaten nachgeschaut was passiert.

Was ist also dran am Versprechen Bioplastik?

Quelle: SRF Wissen, YouTube

Bioplastik aus Lebensmittelabfälle

Wer sich auf die Reise nach Hersteller für Bioplastik begibt, kommt an MakeGrowLab nicht vorbei. Das polnische Unternehmen hat sich auf die Herstellung von innovativen Verpackungen aus Biokunststoffe spezialisiert. Die symbiotischen Prozesse der Natur werden nachgeahmt und somit fossible Brennstoffe die in Verpackungen oder Textilien beinhaltet sind, durch etwas ersetzt, was die Umwelt nicht verschmutzt sondern bereichert. So kommen Lebensmittelabfälle zum Einsatz.

Über das Thema Lebensmittelverschwendung habe ich schon öfters berichtet. Während in vielen Teilen der Welt Hungersnot herrscht, „erlauben“ wir uns hier in Deutschland etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr in den Müll zu schmeissen.

Es geht uns gut in Europa und das soll auch weiter so bleiben, allerdings müssen wir einiges anders handhaben und das möglichst bald. Es gibt bereits jede Menge gute Lösungsansätze, um dieses Thema in den Griff zu bekommen wie z.B. die Tafeln, die soziale Bewegung Foodsharing, die Herstellung von Snacks aus geretteten Lebensmitteln oder Bananenbrot aus überreifen Bananen.

Aber wir wissen alle, dass diese Initiativen bei weitem nicht ausreichen, um das Thema einigermaßen in den Griff zu bekommen. Deshalb finde ich es toll, wenn Start-ups und clevere Unternehmerpersönlichkeiten branchenübergreifend nach Alternativen suchen. Die Plastikindustrie ist ein mächtiger Markt und wenn wir hier die fossilen Bestandteile durch natürliche Ressourcen ersetzen können, dann sollten wir das tun.

Als Landwirt bin ich mehr als bereit, die Getreiderückstände die nach der Ernte zwangsläufig auf dem Ackerfeld bleiben, an Unternehmen wie z.B. FluidSolids abzugeben, um Bioplastik herzustellen. Ich bin überzeugt, dass sich sehr viele Kollegen aus meiner Branche finden, die dieses Unterfangen unterstützen würden.

Umwelt, Nachhaltigkeit und Nutzenmaximierung

Der Einsatz von Bioplastik ist nicht nur umweltfreundlich und nachhaltig sondern bietet eine große Palette von Einsatzmöglichkeiten.

Ein paar Beispiele aufgezählt:

  • Flexible Verpackung für Lebensmittel und Kosmetika
  • Einwegverpackungen zum mitnehmen
  • Wiederverwendbare Verpackungen (oder Mehrweg)
  • Barriereschicht für Papier bzw. als Barriere-Beschichtungen
  • Hautpflegeprodukte
  • Flüssiges Verdickungsmittel
  • Biokomposit-Zusatzstoff

Ganz faszinierend finde ich die nachhaltige Lederalternative aus Lebensmittelabfällen hergestellt von MakeGrowLab. Diese ist 100% plastikfrei, veganerfreundlich und äußerst effizient, da es mit Hilfe von Supermikroben innerhalb weniger Wochen im Labor entsteht. Der Einsatz von Bio-Leder reicht von Mode bis hin zu Innenarchitektur.

Wir müssen wissen, dass es bessere, umweltfreundlichere Alternativen gibt als das was wir aktuell weltweit verwenden. Bewusstsein schaffen ist der erste Schritt zu Veränderung. Bioplastik aus Pflanzen- und Lebensmittelabfällen ist eine TOP Alternative zu konventionellen, erdölbasierten Kunststoffen.

Bildquelle: Foto von John Cameron auf Unsplash

Krummes Gemüse und Obst schmeckt lecker

Krummes Gemüse und Obst schmecken absolut lecker

Wir hier in Deutschland sind zusammen mit allen anderen Bewohnern industrialisierter Länder für einen Großteil der weltweiten Lebensmittelverschwendung verantwortlich. Nicht nur die Privathaushalte sind für dieses Fiasko zuständig, sondern auch die Tatsache, dass bereits vorher im Prozess, bis zur Hälfte der Ernte im Müll landet. Der Grund: das Gemüse sieht „unästhetisch“ aus.

In meinem heutigen Beitrag möchte ich das Bewusstsein für krummes Gemüse und Obst steigern. Viele meiner Leser besitzen die nötige Sensibilisierung für dieses Thema, andere wiederum sehen das was im Hintergrund passiert oft nicht. Wie denn auch?

Einerseits, haben die Marketing- und Werbeagenturen einen Klasse Job vollbracht, die Mehrheit der EU-Bürger davon zu überzeugen, dass jede Gurke kerzengerade und gleich groß aussehen muss und andererseits, scheuen sich Discounter, Supermärkte und Co. die krummen Gefährten im Sortiment aufzunehmen. Es wird also aussortiert was das Zeug hält.

Und wo landet dann das ganze krumme Obst und Gemüse?

Laut dem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen „The State of Food and Agriculture in 2020“ gelangen in industrialisierten Ländern 40-50% der Ernte im Müll! (Quelle: FAO)

Ich wiederhole: Die Hälfte der Ernte landet im Müll!

Als Landwirt ist das ein absolut unerträglicher Zustand. Das zeigt wie viel Schaden in den Köpfen aller Teilnehmer dieses Systems entstanden ist.

Da können wir jahrelang über Lebensmittelverschwendung diskutieren und argumentieren, sowie neue Gesetze und Standards herbeiführen aber wenn wir den Fehler an der Basis des Problems nicht beheben, dann wird aus dem Ganzen nichts.

Ich will an dieser Stelle die Privathaushalte und Lebensmittelkonzerne und deren Beitrag zur Lebensmittelverschwendung nicht klein reden (deshalb habe ich einen gesonderten Beitrag dazu verfasst: Lebensmittelverschwendung in Deutschland: 11 Mio. Tonnen pro Jahr landen im Müll), aber es kann nicht sein, dass wir am Anfang der sogenannten Distributionskette mit derartigen Verlusten kämpfen.

Quelle: Quarks, YouTube

Die Lösung: Ein klares JA zu krummes Gemüse und Obst

Wer in Bioläden, auf dem Wochenmarkt oder direkt vom Bauer einkauft, hat große Chancen ungleich große und „komisch“ aussehende Kartoffeln, Möhren, Äpfel und Co. einzukaufen.

Die Mehrheit unserer Mitbürger rennen jedoch weiterhin zu Aldi, Lidl, Rewe und Co. um einzukaufen, d.h. es muss vorher in den Köpfen der Menschen Klick machen, bevor der Handel da in die Pötte kommt und größere Änderungen in den Listungen vornimmt. Denn bleiben die kleineren, krummen Möhren im Regal stehen, dann wird der Handel bei der nächsten oder übernächsten Bestellung darauf verzichten.

Wie können wir die Menschen hierfür sensibilisieren und eine Verständnis- bzw. Verhaltensänderung herbeiführen?

Immer mehr Menschen verbringen einen Großteil ihres Alltags in der Onlinewelt. Daher bin ich der Meinung, dass Bauer und Unterstützer, die eine entsprechende Onlinepräsenz aufbauen, neben den oben aufgeführten Absatzkanälen von gigantischer Bedeutung sind.

Folgende Anbieter die sich auf den Verkauf dieser Lebensmittel spezialisiert haben, sind sehr empfehlenswert:

  • etepetete: Gemüse und Obst in Bio-Qualität, Versand nach Deutschland und Österreich.
  • Querfeld: Bio-Gemüsekiste, Abos für Berlin, München und NRW, Abholstationen stehen ebenfalls zur Verfügung.
  • Rübenretter: Konfiguriere Deine eigene Retterbox.
  • Iss mich: Bio Lebensmittel und Catering aus Wien; treu dem Motto „all veggies are beautiful“.
  • Rettergut: Bereits über 100.000 kg Gemüse gerettet; #stopfoodwaste.
  • Culinary Misfits: Bunte Esskultur mit kulinarischen Sonderlingen. Hier erfahrt Ihr welche Projekte gerade laufen.

Weitere Lösungsansätze

Jedes Mal wenn ich im Handel Kartoffeln aus Ägypten sehe, dann wird mir „schlecht“. Wir importieren das Zeug, wissen nicht wie viele Schadstoffe bei der Produktion genutzt wurden, haben keine Ahnung welches Ackerfeld dahinter steckt, nicht zu Schweigen von den lästigen Transportkosten inkl. dem Lieblingswort der Politik „CO2-Ausstoß“.

Liebe Freunde, wenn Ihr was für Eure Gesundheit tun wollt und gleichzeitig was für Deutschland, für die heimischen Familienbetriebe und das Klima übrig habt, dann kauft doch regional und so gut es geht, saisonal ein.

Wer Kontakte liebt und auf Bequemlichkeit nicht verzichten will, kann selbstverständlich Online einkaufen und anschliessend beim Produzenten die Ware abholen. So erfahrt Ihr direkt vom Bauer, welche Lebensmittel bei Euch auf dem Tisch landen und wer weiss, vielleicht werdet Ihr sogar Freunde.

Warum jede Woche Bananen, Orangen oder Grapefruit im Sommer einkaufen, wenn Ihr quasi um die Ecke, frisch geerntete Kirschen, Brombeeren, Tomaten und Paprika angeboten bekommt? Die Ware wird nicht ewig gelagert und muss auch nicht um die halbe Welt gekarrt werden, um bei Euch auf den Tisch zu landen.

Lasst Euch nicht von der Propaganda aus Brüssel oder sonst wo täuschen. Wenn die Qualität passt, dann schmeckt krummes Gemüse und Obst genauso gut oder sogar besser als das hochgelobte „Standard“-Zeug.

Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash

Jetzt heisst es Mehlwürmer essen

Jetzt heisst es Mehlwürmer essen

Mehlwürmer haben in der EU die Zulassung als Lebensmittel erhalten. Der formellen Entscheidung der Brüsseler Behörde steht nichts mehr im Weg. In Asien sind Insekten auf jeder Strassenecke als Snack, Hauptgericht, Beilage oder sogar Cookie zu geniessen. Nun sollen sie auch den Europäern den Appetit anregen. Wird das gelingen?

Als ich im Frühling 2015 den Beitrag Gegrillte Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030 in Anlehnung an der vom größten Lebensmittelkonzern Nestle durchgeführten Studie „Wie is(s)t Deutschland 2030?“ schrieb, betrachteten das die meisten Leser als Utopie. Heute wo es nun aus Brüssel heisst, dass wir unser Lieblingsschnitzel oder ein Stück Steak mit einer „Mehlwürmer-Pampe“ austauschen können, ist das Ganze bittere Realität geworden.

Verkauft werden uns die Mehlwürmer als wichtige Proteinquelle und nachhaltige Ernährung. Sie sollen gemäß EU-Kommission als Snack oder Zutat z.B. in Nudelprodukten oder Keksen verwendet werden. Ob es dabei bleibt, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass die Marketingmaschine bald so richtig angeschmissen wird, um uns diesen „gesunden“ neuen Ernährungs- und Lebensstil salopp formuliert, zu verkaufen.

Wenn Ihr die entsprechende Nachricht in den News verpasst habt, hier ein kleiner und sehr knapp gehaltener Überblick von Euronews.

Quelle: euronews (deutsch), YouTube

Quellen: EU-Kommission, Nestle

Mehlwürmer und Co. als Klimaretter?

Wenn wir also keinen Fleisch mehr verzehren, sondern stattdessen auf Kunstfleisch bzw. Fleisch aus dem Reagenzglas oder Insekten umsteigen, dann retten wir den Planeten — so die Message in den Mainstream Medien.

Sicherlich bieten Insekten eine interessante Ernährungsoption, das will ich gar nicht bestreiten. Gleichzeitig häufen sich bei der ganzen Initiative folgende Fragen:

  • Sollen jetzt 8 Milliarden Menschen auf Insekten, Kunstfleisch und Co. umsteigen weil XYZ-Studien das irgendwo simuliert haben?
  • Wer sind die großen Profiteure dieser „Umstellung“? Bei Kunstfleisch wissen wir dass Investoren wie z.B. Bill Gates und Richard Branson bzw. große Konzerne wie z.B. Cargill (Agro) oder Merck (Pharma!) ganz vorne mitspielen und den Trend bestimmen.
  • Wer finanziert diese Studien und was ist die wahre Intention dahinter?

Von Spekulationen halte ich nichts; ich bin ein Mensch harter Fakten und Zahlen. Als Landwirt setze ich großen Wert auf Nachhaltigkeit, denn ich erlebe jeden Tag live, wie unsere Bienenpopulation sinkt bzw. dass immer weniger Regenwürmer und andere Kriech- und Krabbeltiere unsere Felder besuchen.

Wie wichtig die Qualität unserer Ackerfelder ist bei der ganzen Geschichte, braucht mir kein Professor oder Wissenschaftler erzählen. Welche Auswirkungen die erhöhte Urbanisierung, der Trend Richtung Mega Cities, der Fokus auf Konsum, die Abholzung der Wälder rund um den Globus, die Verschmutzung der Meere (insb. mit Plastik) etc. auf unseren Planeten haben, sollte mittlerweile jedem klar und deutlich sein.

Wenn diese zu den Hauptverursacher zählen, wieso wird das Essensmenü adjustiert? Sollen Mehlwürmer und Burger aus Kunstfleisch Mutter Gaia retten?

Ich überlasse die Laborfleischexperimente den Forschern und den oben aufgeführten Akteure. Wie die langfristigen Auswirkungen auf das menschliche DNA aussehen werden, wird der eine oder andere von uns noch miterleben.

Hier auf Agrarbetrieb freue ich mich jedes Mal wenn ich praktikable Lösungen und Alternativen mit Euch teilen kann. Beispiele:

Des weiteren liegt es mir am Herzen, Euch über die neuesten Trends und Entwicklungen zu informieren — egal ob diese in die gute oder eher schlechte Richtung gehen. Diesen dualen Stempel überlasse ich jedem einzelnen von Euch.

Der nachfolgende Beitrag von PULS Reportage passt wie die Faust aufs Auge. Viel Spass beim „Insekten essen: Fleischersatz und Klimaretter – funktioniert das im Alltag?“

Quelle: PULS Reportage, YouTube

Bereit einen Quiche mit Mehlwürmern zu probieren?

Werden Europäer ihr Fleischkonsum mit Insekten substituieren? Können wir unser Gehirn beim Essen dieser Speisen ausschalten oder müssen wir die kleinen Tierchen klug verpacken bzw. als Zutat verstecken?

Ich gehe davon aus, dass wir bei Edeka, Rewe, Aldi und Co. recht bald unterschiedliche Insekten-Speisen entdecken werden. Wenn die Margen gut sind, dann wird der Handel nicht zurückschrecken diese Produkte zu listen. Wenn das „Zeug“ im Regal steht und das Marketingturbo eingeschaltet wird, dann werden die Konsumenten zugreifen — das steht ausser Frage.

Paradoxerweise fällt mir hierzu ein Zitat von Steve Jobs (Gründer von Apple) ein:

„Es ist wirklich schwer, Produkte für Zielgruppen zu entwickeln. Sehr oft wissen die Menschen gar nicht was sie wollen – bis du es ihnen gezeigt hast.“

— Steve Jobs

Lust auf einen Burger mit Mehlwürmer oder bevorzugst Du lieber eins mit Kunstfleisch? Bist Du ein waschechter Fleischkonsument der nichts von diesen sogenannten „Pseudo-Alternativen“ hält?

Bildquelle: Foto von katerinavulcova auf Pixabay 

ReGen Village Almere – ein autarkes Ökodorf in Holland

ReGen Village Almere – ein autarkes Ökodorf in Holland

Als James Ehrlich, der ehemalige Ökoberater von Barack Obama vor ein paar Jahren sein Konzept der ReGen Villages zum ersten Mal veröffentlichte, wurde er komisch angeschaut. Heute wo sein Traum gerade verwirklicht wird und ein hypermodernes regeneratives Ökodorf entsteht, das völlig unabhängig von der Weltwirtschaft funktioniert, wird der Mann endlich ernst genommen.

Was genau steckt hinter dieser Idee? Ist das ein viables „Escape-Konzept“ aus den Megacities und die damit in Verbindung stehenden Versorgungsprobleme? Kommt es zu einem Splitt der Gesellschaft ON und OFF „the grid“?

Starten wir unsere Reise heute mit der These von James Ehrlich, die komplett gegensätzlich ist zu dem was wir bis dato von Politik & Co. gehört haben. Der ehemalige Umweltberater des Weißen Hauses vertritt die Meinung, dass der aktuelle Trend kippen wird und Menschen vermehrt zurück in die Dörfer gehen.

Dass der Mitte 50-Jährige mit seiner Prognose recht haben könnte, durften wir im letzten Jahr live erleben. Die Büros blieben leer und die meisten durften von zu Hause aus arbeiten. Immer mehr Menschen suchten nach Ausgleich in der Natur und der eine oder andere packte seine sieben Sachen und zog in ländlichere Regionen.

Was favorisiert noch diesen umgekehrten Trend?

Neben der eingeleiteten Homeoffice-Kultur wären da noch folgende Themen zu berücksichtigen: die Krise auf dem Immobilienmarkt, die „sinnlose“ hin und her Fahrerei (Umweltbelastung), der Anstieg der Single-Haushalte und der Menschen die Anschluss an Communities mit Gleichgesinnten suchen und in der Natur leben wollen usw.

Ein autarkes Ökodorf und die geschlossene Kreislaufwirtschaft

Das Dorf der Zukunft basiert auf vier Bereiche:

  • Nahrungsmittel: Saisonabhängige Gärten im Freien, vertikale Farmen mit innen gelegenen Gemüsegärten, Viehzucht (Fische, Hühner), Aquaponik
  • Wasserversorgung: Regenwassersammelsystem => liefert gefiltertes Trinkwasser und ungefiltertes Wasser zum Bewässern der Gärten
  • Energieversorgung: Biogas- und Solaranlagen
  • Abfallwirtschaft: Am Ende bleibt nur Kompost übrig; was nicht kompostierbar ist, dient der Energieerzeugung

Das umweltfreundliche Dorf soll dann wie folgt aussehen – siehe Videobeitrag.

Quelle: ReGen Villages, Vimeo

Was ist denn wirklich so bahnbrechend neu an der ganzen Geschichte?

Die Technologien sind nicht neu und auch die Idee dahinter ist nichts revolutionär neues.

NEU ist hingegen die intelligente Kombination dieser umweltfreundlichen Lösungen

Was macht denn dieses Retro-Zukunfts-Dorf so attraktiv?

Einerseits ist die Idee des vollautarken Ökodorfes ein Pushback gegen die Globalisierung und ein klares Zeichen, sich ein Stück Unabhängigkeit zurück zu holen. Zweitens, handelt es sich hierbei um High-Tech-Landwirtschaftskonzepte wie z.B. Vertical Farming und Aquaponik, die uns an das alte Babylonien und den Hängenden Gärten aus Semiramis zurück erinnern.

Drittens, lässt sich diese nachhaltige Art zu leben mit der Homeoffice-Bewegung und dem Laptopzeitalter gut überlappen.

Für Autofans hingegen gibt es ein wesentliches Downside: Autos sind in ReGen Villages nämlich unerwünscht.

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen

Was soll denn so ein Häuschen im „Ökoparadies“ kosten?

Laut Edison Media kosten die Häuser 170.000 EUR pro Stück. Die monatlichen Betriebskosten sollen sich bei rund 500 EUR belaufen.

Aber es gibt auch ein „Leckerli“:

Jene Dorfbewohner die sich für die Gemeinschaft engagieren, bekommen die Betriebskosten erlassen.

Mit rund 25 Millionen EUR soll ein komplettes ReGen Ökodorf entstehen.

Für weiterführende Informationen besucht ReGen Villages.

Geringere Nutzfläche, höherer Ernteertrag und mögliche Konflikte

Auf dem ersten Blick klingt das Ganze absolut Klasse.

Geringere Nutzfläche bzw. weniger Landverbrauch = CHECK

Weniger Wasserverbrauch = CHECK

Höherer Ernteertrag auf geringerer Fläche mit weniger Wasserverbrauch = DREIFACH CHECK

Einsatz moderner Technologien wie z.B. Aquaponik, Hydroponik, vertikale Landwirtschaft = CHECK

Fokus auf erneuerbare Energien darunter auch Biogas = CHECK

Ressourcen in einem geschlossenen Kreislauf nutzen = CHECK

Inspiration für grüne Unabhängigkeit = CHECK

Großstädte und Versorgungsketten entlasten = CHECK

Harmonie in der Dorf-Community = FRAGEZEICHEN

Praktikabilität der Lösung und Skalierung = FRAGEZEICHEN

Das Experiment startet in der niederländischen Stadt Almere. Ob wir derartige autarke Ökodörfer bald auch hierzulande erleben werden, wird sich wohl zeigen. Das Interesse ist wohl groß. Die Begeisterung in Dänemark, Schweden, Norwegen, den USA und Asien für derartige Dörfer, wo der Fokus ganz klar auf Permakultur liegt, soll immer stärken steigen.

Wird sich das Konzept autarker Ökodörfer durchsetzen? Welche Skalierungsalternativen bieten sich an?

Bildquelle: Foto von Gerd Altmann auf Pixabay

(Aktualisiert am 29.11.2022)